Schloß Teltsch – in Familienbesitz bis zum Prager Fenstersturz

Das Schloß Teltsch oder auch Telc wurde niche verkauft, sondern von Geschlecht zu nächsten vererbt. Die Herren von Neuhaus hatten keine männlichen Erben und Jahre 1604 heiratete die letzte Erbin aus dem Geschlecht der Neuhaus Lucie Otylie eine bekannte historische Persönlichkeit – Wilhelm Slavata von Chlum und Koschumberg. Allseits bekannt durch den Prager Fenstersturz.  Er wurde im Jahre 1618 durch die Ständevertreter aus dem Fenster der Prager Burg hinunter geschmissen. Diese Geschichte wird im anderen Teil über Telc ausführlicher berichtet.

Zum Schloß

Zu Beginn des 13. Jh wurde Teltsch in einer malerischen, dicht bewaldeten Landschaft auf einer leichten Anhöhe als befestigtes Gehöft mit einer Emporkirche gegründet. Das Gehöft wurde zum Wirtschaftszentrum in der Umgebung und auch Sitz des königlichen Verwalters, der als Vilikus bezeichnet wurde.

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Im Laufe des 15. Jh. folgte die böhmische Kolonialisation der gering besiedelten Gebiete und in unmittelbarer Umgebung des Gehöfts entstand eine neue Siedlung, die sogenannte Altstadt, die mit dem romanischen Gehöft verschmolz. Wie auch bei vielen anderen frühfeudalen Ansiedlungen die sich entwickelt hatten, fehlen auch hier Gründungsurkunden zur Stadt. Da das ganze Gebiet wie auch Neuhaus, Trebon und Teltsch von Seen und Teichen umgeben ist, wurden diese mit künstlich angelegten Wassergraben verbunden und das Stadtgebiet an den gefährdeten Stellen mit doppelten Wehrmauern mit Wehrgang befestigt und mit Schießscharten versehen. Dieses ausgeklügelte Abwehrsystem konnte die Stadt im Ernstfall schnell in eine Wasserfestung verwandeln. Ein Wendepunkt in der Stadtgeschichte war der Tausch des böhmischen Königs Johann von Luxemburg mit dem Adeligen Oldrich von Neuhaus der königlichen Stadt Teltsch gegen dessen Besitz an der Schlesisch-Mährischen Grenze. Die Gründungsurkunde ist nicht mehr erhalten, aber laut Quellen war Teltsch erstmals 1366 als Stadt bezeichnet. Es gelang den von Neuhaus (Witigonen) ein Gebiet, das von Böhmerwald bis nach Südmahren reichte, zu beherrschen und sie besaßen auch Ländereien in der Donauniederungen (Raabs, Falkenstein, Haslach). Sie wetteiferten sogar mit dem böhmischen König. Im ausklingenden 15. Jh. und im 16. Jh. waren die Herren von Neuhaus gleich nach den Rosenbergern das reichste Adelsgeschlecht in Böhmen und versahen die bedeutendsten politischen Ämtern. Dementsprechend repräsentativ gestalteten sie ihre Schlösser.  Die größten Umbaumaßnahmen erfolgten unter Zacharias von Neuhaus. Sein Bruder besaß das Schloß Neuhaus und bekam von seinem Bruder Zacharias symbolisch gewisse Abzüge, da er noch weitere 5 Städte und 76 Gemeinden besaß.

Zacharias von Neuhaus kam mit vielen Eindrücken aus Genua zurück und gestaltete das Schl0ß mit einem italienischen Architekten. Die Sgraffito-Arbeiten sind noch im Orginalzustand. Das Erdgeschoß der alten Burg diente als Küche, Waffenkammer, Lager usw. In diesem Fall waren auch diese Räume sehr repräsentativ.

Die Schatzkammer

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Die Sgraffito-Dekoration wurde im Jahr 1553 ausgeführt und erst im 20. Jh wieder entdeckt und im Jahre 1904 durch den Maler Melichar und 1940 durch Meister Zeithammer restauriert.

 

Kapelle des heiligen Georgs

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die Kapelle befindet sich im ältesten Schloßteil bzw. der Burg. Die Kapelle diente bereits in der Zeit der Gotik zu Gottesdiensten. Der ursprüngliche gotische Raum wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jh. wesentlich abgesenkt und im Renaissance-Stil versehen. Die ursprüngliche Höhe war 16 m. Die Kapelle wirkt jetzt eher klein und gedrungen. Die Kapelle wurde im Jahre 1564 fertiggestellt unter Zacharias von Neuhaus. Die ursprüngliche Farbe der Kapelle war golden und blau – die heraldischen Farben der Herren von Neuhaus, deren Wappen war ein goldenes Fünblatt-Rose auf blauem Grund. Die schwarze Farbe an der Decke kommt von Kienspänen und Kerzenleuchter.

Theatersaal

Der Theatersaal stellt den ersten großen repräsentativen Saal auf dem Schloß dar. Früher war hier ein Tafesaal, heute ist es ein Theatersaal, da bis zum 19. Jh Konzerte und Theater dort veranstaltet wurden.

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Die Dame auf dem Bild zeigt Katharina von Waldstein. Sie ließ sich schwanger abbilden und wie die Sage erzählt , daß wenn sich eine Frau schwanger abbilden lässt, wird sie innerhalb von einem Jahr sterben. Die Schloßherrin war gewarnt, ließ sich aber trotzdem abbilden. Sie starb nach der Geburt des Kindes und das Kind 5 Jahre nach ihr.

Der Rittersaal oder Marmorsaal

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Perchta von Liechtenstein auch die Weiße Frau genannt nach der Sage erscheint sie in allen Schlössern der Herren von Rose. Die Weiße Frau hatte drei unterschiedlich farbige Handschuhe  und je nach der Farbe der Handschuhe eine andere Bedeutung.

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Dieser Raum diente zu Audienzzwecken zu Zeiten Zacharias von Neuhaus. Die ausgestellten Harnische dienten im 16. Jh. zum Schutz der Ritter. Seit dem 13. Jh. wurde auch das Pferd im Harnisch geschützt.

Die hölzerne Kassettendecke aus dem Jahr 1570 ist mit mythologischen Malmotiven und mutigen Tagen von Herakles bemalt.

Oberhalb des Kamins Teile einer Rüstung aus der Belagerung von Teltsch durch die Hussiten im Jahre 1433.

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Die Arkaden verbinden den ältesten Teil des Schlosses, in dem Fall den gotischen Trakt, mit den pompösen neueren Räumen. Von den Arkaden hat man einen wunderschönen Blick auf den Renaissance-Garten, der ein Teil des Schlosskomplexes während des 16. Jh. wurde. Ein ähnlicher Garten befindet sich vom selben Architekten in Neuhaus (Jindrichuv Hradec). Über dieses Schloß habe ich in einem anderen Artikel berichtet. Von den Arkaden ist der obere Teil des romanischen Turms aus dem 13. Jh. zu sehen, bei dem sich wahrscheinlich auch der alte Burgsitz befand. Im 14. Jh. gründeten die Herren von Neuhaus die innere Stadt und eine gotische Burg, auf der sich das heutige Schloß befindet. Aus der städtischen  Gemeinde wurde im Laufe der Zeit eine Wasserfestung mit den durch die gegenseitig verbundenen Teiche und Festungsanlagen. Was auch die Basis für die Uneinnehmbarkeit  war. Nach 1530, als Teltsch durch einen großen Brand verwüstet wurde, entstand die Stadt mit den typischen Laubengängen.

Interessant sind auch die Stollen, die aus dem Schloß hinaus führen. Das Schloß ist unterkellert und aus dem unteren Teil gehen Stollen unter den Häusern in die Stadt. Heute kann man durch die Stollen nur bis zum Brunnen im Schloßgarten durchgehen. Der längste Stollen soll in der Vergangenheit bis hinaus aus der Stadt Teltsch zur Kirche des Heiligen Karl geführt haben.

Das Schloß wurde nie verkauft, sondern von Geschlecht zu Geschlecht vererbt. Da die letzten Herren von Neuhaus keine männlichen Erben hatten, heirate die letzte Erbin Lucie Otylie jene bereits bekannte Persönlichkeit Wilhelm Slavata von Chlum und Koschumberg (Prager Fenstersturz). Im Jahre 1691 kam das Schloß in den Besitz der Familie Liechtenstein – Kastelkorn. Die Enkelin von Wilhelm Slavata heiratet den Grafen Felix von Liechtenstein- Kastelkorn. Dieser Teil der Familie starb 1761 aus und die Nachfolge traten die Mitglieder der Familie Podstatsky von Liechtenstein an. Das Schloß ging 1945 in den Staatsbesitz über.

 

 

 

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