Ruine Falkenstein _ Ein Prachtbau im Weinviertel ODER Von eingesperrten Wiedertäufern.

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WO: Gemeinde Falkenstein. A5 bis Schrick und dann weiter auf der B7 über Poysdorf bis Poysbrunn/ Falkenstein. Ab da ist die Ruine auch beschildert. Über Poysbrunn dann nach Falkenstein, bei der Kirche rechts.

Parken: Bei der Ruine.

Öffnungszeiten: April bis Oktober , täglich von 10 bis 18 Uhr  (Bei Schlechtwetter geschlossen!)

Eintrittsgebühr: Erwachsene 3€, Schüler & Studenten 2€. Führungen sind gegen Aufpreis möglich!

 

Das nördliche Weinviertel birgt zwei einstige Burgen, die heute gänzlich verfallen sind, nämlich Staatz und Falkenstein. Doch während bei Staatz heute nur mehr spärliche Reste zu finden sind, konnte Falkenstein bis dato seine Mächtigkeit bewahren.

Zwar gibt es keinen Bergfried mehr, doch der Kapellenturm hat diese Rolle grandios eingenommen und beherrscht die Ruine wie nichts anderes.

Wie bei den meisten Burgen gab es auch hier einen Gönner, der aus einer alten Burg einen neuen prächtigen Bau schuf. Paul Sixt von Trautson ist sein Name. Um 1600 wurde durch seine Initiative die Herrschaft Falkenstein zur Grafschaft und die Burg erhielt sogar die Münzhoheit. Um diese Zeit erfolgten auch große Ausbauten, die letzten, wie sich bald herausstellen sollte.

1645 eroberten die Schweden die Burg, der Verfall setzte dann um 1700 ein. Was blieb, ist eine imposante Ruine, die bis 1985 nur von außen zu bestaunen war, da die Besitzer bis dahin kein Interesse an den verfallenen Mauern hatten. Erst danach erfolgte eine Renaissance, die Ruine wurde vom Schutt befreit, archäologisch ergraben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Archäologen stießen dabei auf sehr interessante Funde. So wurden etwa Münzen der Falkensteiner Prägerei gefunden. Auch der Schlosskeller und der Kerker, wo 1538 Wiedertäufer schmachteten, konnte freigelegt werden. Heute ist ihnen in den Kellerräumen eine Ausstellung gewidmet, in der man auch über ihr weiteres Schicksal erfährt.

Traurig ist auch die Geschichte jener unglücklichen Köchin, die von den Zinnen der Burg anno 1645 den schwedischen Belagerern zuschaute, als ihr plötzlich der Torschlüssel hinunter fiel. Nun war es den Schweden ein Leichtes, in die Burg ein zu dringen. Die Köchin selbst wurde lebendig eingemauert. Das gleiche Schicksal soll einer jungen Dorfbewohnerin widerfahren sein, die sich in einen schwedischen Soldaten verliebt hat. Beide Leichen wurden bis heute nicht gefunden.

Zu diesem Zeitpunkt war die Burg schon etwa 600.Jahre alt, denn schon Kaiser Heinrich III. (†1056) soll sie zur Reichsfeste erklärt haben. noch im 11. Jahrhundert ging sie in den Besitz der Babenberger über. 1115 tauchten erstmals Ministeriale auf, die sich nach der Burg nannten und recht bald bedeutend werden sollten. So hatte etwa Ulrich von Falkenstein 1218 das Amt des österreichischen Marschalls inne.

Mit dem Erwerb von Nikolsburg, 1249, scheint auch Falkenstein in den Besitz der Liechtensteiner übergegangen zu sein. Für die nächsten fünfzig Jahre bestimmten nun sie die Geschicke der Burg und beherrschten damit auch die gesamte Grenzregion.

1295 sind die Liechtensteiner am Aufstand gegen Herzog Albrecht I. beteiligt. Daraufhin wird Falkenstein landesfürstlich und bleibt dies bis 1571. Wie bei vielen anderen Burgen, die sich im Besitz der Habsburger befinden, wird auch Falkenstein meistens verpfändet.

Der letzte Pfandinhaber, Hans von Fünfkirchen, war überzeugter Protestant und verstand es dennoch, beim Landesfürsten Geld zu holen. Unter ihm verfiel die Burgkapelle zu einer Rumpelkammer und er war es, der die Wiedertäufer einsperrte.

1571 erwarb die Familie Trautson die Burg. Im Kaufvertrag wird auch über den Zustand der Burg berichtet. Immerhin war sie stolze 5.000 Gulden wert, was etwa 750.000 € entspricht. Der schon erwähnte Paul Sixt brachte es zu besonderer Bedeutung.Von 1582 bis 1594 war er Reichshofrat und Kaiser Rudolf II. erhob 1598 Falkenstein zur Grafschaft. Zwei Jahre später fiel Trautson jedoch in Ungnade beim Kaiser. Er musste sich nun auf Falkenstein und Poysdorf zurückziehen, die der verwöhnte Fürst als seine ,,Armuterey und schlecht Güter’’ bezeichnete. Dessen ungeachtet erfolgten seit 1590 die letzten großen Ausbauten der Burg. Ein Relikt aus dieser Zeit ist der schon erwähnte Kapellenturm. 1609 gelang es Paul Sixt wieder in die Gunst des Kaisers zu gelangen. Immerhin erhielt er für sich und seine Nachkommen das Amt des Erbhofmeisters. Sogar in den Orden vom ,,Goldenen Vlies’’ wurde er aufgenommen. 1645 besetzten die Schweden die Burg und plünderten von hier aus die Gegend. Den angeblich vergrabenen Schatz des Trautson konnten sie allerdings nicht finden. Falkenstein wurde stark beschädigt. Ganze 251 Tage benötigte man für den Wiederaufbau.

1683 gehörte sie noch zu den intakten Anlagen, doch schon bald danach wurde sie offensichtlich aufgegeben. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde sie vor allem als Steinbruch verwendet, weswegen man sich dann entschloss, das Burgtor aus Sicherheitsgründen zu vermauern.

Heute gehört Falkenstein zu den Attraktionen des nördlichen Weinviertels und lockt Jahr für Jahr Touristen an. Der imposante Burghof wird auch für Hochzeiten und Theateraufführungen genutzt. Nicht zu vergessen ist auch die Aussicht, die man von der Burg genießen kann. Sie reicht bis weit nach Tschechien, wo das Atomkraftwerk Dukovany herüberstrahlt…

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