Raabs Zyklus – die Burgkirche Oberndorf

Die Kirche in Oberndorf  wurde in der zweiten Hälfte des 11. Jh. gegründet und  erstmals urkundlich erwähnt 1189 und als „Eigenkirche „ des späteren Grafen von Raabs geführt.  und war eine der einträglichsten Pfarren des Landes.  Sie wurde oft dem nahestehenden Herrscherhaus nahestehenden Klöstern und Würdenträgern überlassen.

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Nach dem Aussterben der Raabser Grafen kommt die Pfarre im Jahr 1200 an den babenberger Leopold VI. Unter Pfemysl Ottokar II. schenken die Inhaber der Herrschaft Raabs Heinrich und Witko von Rosenberg 1272 dem südböhmischen Stift Hohenfurth das Patronat über die Kirche. Unter König Rudolf wurde eine Neuordnung der Rechtsverhältnisse eingeleitet.

Von 1343 bis 1347 sind die Bayern im Besitz der Pfarre mit Ortolph von Toppel der Domherr von Passau war. Dieser vergrößerte den Besitz beträchtlich.

1348 übergab Herzog Albrecht II dem Albero III. von Puchheim gegen dessen Verzicht auf die oberösterr. Stamburg Puchheim das Kirchenlehen von Raabs. 1410 erfolgte die Errichtung des Peter und Paul Benefizium unter den Pfarrern Johann von Drösiedl und Georg von Weitra. 1432 erfolgte eine Loslösung von der Vogtei der Hft. Raabs.

 Da Raabs eine sehr ertragreiche Pfarre war, wurden dort meist Wiener Priester als Pfarrer in Raabs eingesetzt, was die Bedeutung von Raabs in der damaligen Zeit unterstreicht. Interessant ist beispielsweise auch, dass 1434 Georg von Weitra der Pfarrer von Raabs und Kaplan von St. Stephan in Wien war.

Ebenso verhielt es sich mit Kaspar Pechler und seinem Nachfolger Kaspar Krabat, die wiederum Kapläne von Kaiser Friedrich III. waren, als ihnen Raabs übertragen wurde.

Wegen der besonders reichen Erträge strebten im 16. Jh. die Freiherren von Puchheim wiederholt nach dem Pfarrbesitz und erwirkten tatsächlich die Belehnnung von 1531 bis 1560.  Nach der erzwungen Rückgabe kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der Pfarre und dem Puchheims. Der Streit eskalierte und am 15. Mai 1591 wurde Niklas von Puchheim in der Schloßeinfahrt ermordet. Pfarrer Anton Stromair wurde daraufhin als „Verräter und Kundschafter“ bezeichnet und ihm der Prozess gemacht Die Beschuldigung wurde in einer Marmortafel  in der Schlosseinfahrt verewigt 1597.

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Pfarrer Daniel Lippetz ließ 1619 wegen drohender Kriegsgefahr wertvolles Kirchengerät im Schloss Raabs verwahren, was aber Karl von Puchheim um 1500 Gulden verkaufte.  Die Puchheimer waren da nicht sehr zimperlich und die andauernden Streitigkeiten waren somit nicht unbegründet. Von 1628 bis 1668 gehörte die Pfarre dem Stift Geras. Die Raabser Erträge finanzierten den Wiederaufbau von Geras. Im 17. Jh. hatte die Pfarrherrschaft Raabs in 56 Orten abgabepflichtige Untertanen.

 Zur Baugeschichte:

 Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt auf dem Berg – was bedeutete „obere neben der Burg“ – ist ein  ursprünglicher romanischer Bau aus dem 13. Jh., der im 14. Jh. gotisch umgestaltet wurde.  Es gab im seit dem 12. Jh  bestehenden Markt Raabs eine Kirche also  unter Burg, die allerding im 18. Jh. abgerissen wurde. Der Lindenhof, Pfarrhaus, war  das Zentrum des Marktes und der untere Teil wurde erst 1200 zum Markt erklärt und mit Marktrechten ausgestattet. Der frühere Bau fiel einem Brand zum Opfer und wurde im 18. Jh. wieder aufgebaut.

Die aktuellen bauhistorischen Untersuchungen ergaben, dass das Mittelschiff in sich den Primärbau birgt. Dieser Bauabschnitt dürfte auf Mitte des 12. Jh. datiert werden. Dieser romanische Saalbau wurde durch vier hochliegenden rundbogigen Doppeltrichterfenster belichtet. Bereits um 1240/60 erweiterte man das Langhaus durch den Anbau von Seitenschiffen zu einer dreischiffigen basilikalen Anlage.  Diese Bauzeit kann durch das spitzbogige Tympanonportal des südlichen Seitenschiffes und das Kielbogenportal des nördlichen Seitenschiffes, das wiederum zu den frühesten Vertretern dieses Portaltypus gehören. Das Mittelschiff öffnet sich in je drei Arkaden zu den Seitenschiffen. Ein hoch gelegener, rundbogiger Durchgang vom Mittel- zum Nordseitenschiff belegt eine romanische/frühgotische Westempore. Die beiden Seitenkapellen waren ursprünglich eigenständige Kapellen, die erst zur Barockzeit durch hohe Rundbogenöffnungen zum Hauptchor geöffnet wurden.

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 Die Glocke ist eine Rarität und für den Besucher nicht zugänglich. Sie ist die älteste Glocke Österreichs mit filigranen Darstellungen und wurde 1343 vom Raabser Pfarrer Ortolph von Toppel gestiftet.

 Die Grabsteine sind aus dem 15. Bis 18. Jh..

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Erwähnt werden sollte noch kurz der Pfarrhof Raabs – der „Lindenhof“

Er beherbergt eine Ausstellung und ist zu den Öffnungszeiten geöffnet und hat auch reichverzierte Wände, die aber eher aus der Barockzeit stammen, da hier auch ein Feuer gewütet hat und der alte Bau nicht mehr erhalten ist. Patronatsherr der Pfarre war immer der Landesfürst.

Die Kirche ist geöffnet tagsüber und ein großer Parkplatz ausgewiesen.

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