Die verschlossenen Türen vom Stift Klosterneuburg

Ich habe im letzten Artikel bereits über Klosterneuburg und seiner Geschichte geschrieben. Was ich nicht wusste war die Finanzierung des Umbaues “zum zweiten Escorial”. Wenn sich ein Herrscher entschied, seinen Wohnsitz  zu verlegen, hieß es auch, dass der betreffende Bestimmungsort den Umbau zu finanzieren und die Kosten zur Gänze zu tragen hatte. Dieses Los traf nun eben auch Klosterneuburg, als Karl VI. sich entschied, hier eine zweite Residenz zu errichten. Durch den Tod des Kaisers (1740) wurde der Ausbau und Umgestaltung des Stift unterbrochen und die mittelalterlichen Reste blieben erhalten.

Eines der wichtigsten Schätze des Klosters ist die Bibliothek, die mit mehr als 270 000 Bänden die größte Privatbibliothek Österreichs ist. Das Herz der Sammlung bildet wiederum die mittelalterliche Bibliothek mit ihren 1250 Handschriften und 860 Inkunabeln (Drucke bis 1500). Diese Bücher wurden hauptsächlich im Skriptorium des Stiftes angefertigt und ausgemalt. Wobei bei der Malerei auch “Fremdmaler” beschäftigt waren. Im Hoch- und Spätmittelalter wurden auch in Italien und Frankreich Schriften zugekauft. Die Illustrationen und Material unterschied sich je dem Preis, der dafür bezahlt wurde. Ein Unterschied war auch zwischen Prachtschriften und den Gebrauchsschriftenfür den sakralen Bereich. Eine besonders wertvolle Schrift ist eine Bibel, die 1136 vom Stifter Leopold dem Heiligen den Chorherren geschenkt wurde sowie ein vierbändiges, prächtig ausgemaltes Chorbuch, das von Probst Georg Müstinger (418-1442) in Auftrag gegeben wurde. Das Stift beherbergt nicht nur religöse Schriften sondern auch Rechtskodizes, naturwissenschaftliche und medizinische Texte sowie Ausgaben antiker Klassiker. Die Nähe der 1365 gegründeten Universität Wien erwies sich als fruchtbare Zusammenarbeit, an der Chorherren studierten und lehrten. Die Bücher befinden heute noch im Besitz des Stifts. Auch Werke von Martin Luthers befinden sich darunter.

Die Kette diente dazu das Buch am Pult zu befestigen. Die Fotos wurden mit Abstand fotografiert um die Bücher nicht zu gefährden.

Die Bücher wurden über die Jahrhunderte immer wieder neu gebunden, die Verschlüsse aber aufbewahrt. Bei sovielen Büchern findet sich so manch interessanter Verschluß.

    

Die Bibliothek befindet sich unter der Kuppel der Krone des Eingangsbereiches und ist eine “lebende” Bibliothek, was der Gegensatz zu den anderen größeren Bibliotheken wie Melk und anderen Stiften ist. Hier wird gearbeitet! Die Bücher werden in aufwendigen Verfahren Blatt für Blatt fotografiert und für die Nachwelt und wissenschaftlichen Arbeiten katalogisiert und den Instituten online zur Verfügung gestellt. Wer sich für Schriften genauer interessiert wird unter www.manuscripta.at fündig. Die Chorherren arbeiten mit dem österreichischen Forschungsfond zusammen und legen einen wesentlich Augenmerk auf die Förderung des geisteswissenschaftlichen Nachwuchs.

Die Sage um den Brautschleier von Agnes

Viele kennen die Geschichte vom Brautschleier, der sich im Baum verfing und nach 9 Jahren vom Markgraf Leopold wieder gefunden wurde, woraufhin jener an dieser Stelle ein Kloster gründete. Tatsächlich war dieses Gebiet im 12. Jh schon lange kein Urwald mehr, sondern bereits urgeschichtlich besiedelt. Der Stiftshügel diente auch bereits im 1.Jh. n. Chr. als Standort eines römischen Kastells. Um das 11.Jh enstand wohl aus den Ruinen des Kastells ein Siedlung, die Leopold III als seine Residenz erwählte und 1114 das Kloster gründete. Sein Ziel war die Gründung eines Landesbistums, dem sein Sohn Otto (später Bischof von Freising) als Bischofssitz vorstehen sollte. Das allerdings scheiterte am Widerstand der anderen Bischöfe. Daraufhin wurde 1133 aus dem Kloster ein Augustiner-Chorherrnstift. Als 1136 Leopold III starb, wurde er im Kapitelsaals des Stifts beigesetzt. Da sich Wunder und Heilungen sich an dessem Grab ereigneten, wurde die Stätte sehr schnell eine Pilgerziel. Richtig populär wurde das Grab als Pilgerstätte im 15. Jahrhundert, nicht zuletzt wegen der Heiligsprechung Leopolds im Jahre 1485. Später wurde der Kopf in die Schatzkapper verlegt und die Gebeine verblieben im Kapitalsaal.

Die Wehinger-Kapelle oder auch Freisinger Kapelle genannt

Die Kapelle befindet sich in der Südwestecke des Kreuzganges, die 1394 geweiht wurde. Sie dient als Grabstätte für die Brüder Berthold (Bischof von Freising) und Reinhard von Wehingen. Die Kapelle wurde im 17. Jh. stark verkleinert und im 19.Jh. umgestaltet. Bis auf ein paar architektonischen Elemente haben nur die Grabmäler die mittelalterlichen Auftraggeber überdauert.

Der Kerker 

Über dem Leopoldihof oder auch Kuchlhof erreicht man den Kuchlhof, benannt nach der Stiftsküche, die sich hier in früheren Zeiten befand. In der hintersten Ecke geht es abwärts in die unwirtlichen Kellerräume, die nach unten immer ungastlicher werden. Das Stift besaß die einfache Gerichtsbarkeit und richtete über kleine Vergehen wie Diebstah. Je nach Rang und Vergehen wurden die Häftlinge in die Zellen eingesperrt, ganz “schwere” Verbrecher fanden ganz unten ihr neues Domizil. Größere Vergehen wurden in dem Stadtgericht verhandelt. Die Zellen der Inhaftierten und Wärter sind heute noch erhalten. In den Brettern der Holzbetten an denen sie angekettet waren, sind heute Holzgravuren und Mühlebretter geritzt.

  

Das Römerkastell unter dem Stift

Wie bereits erwähnt, wurden bei Ausgrabungen und Bauarbeiten die Reste von einem römischen Kastell gefunden und archiviert. Einige Exponate sind als Ausstellung zugänglich. Das Archiv befindet sich im mittelalterlichen Teil des Stifts und ist von innen weniger spektakulär, wenn da nicht die verborgenen Schätze wären. In den vielen Regalen und Kammern schlummern unschätzbare Werte, die leider nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind. Interessant wäre es, in den vielen Schriften zu stöbern….

 

Kaiser Trakt – Maria-Theresia-Ausstellung

Ein Highlight ist der Marmorsaal mit seiner Akkustik und seiner Malerei. Die Augustiner Chorherren sind nicht ein Orden, der sich nur um die eigenen Belange kümmert. Sie sehen ihre Aufgabe in der Seelsorge in den Gemeinden und weltliche Güter zu horten. Mit den erwirtschaften Überschüssen werden viele internationale Kinderheime und Hilfsprojekte betrieben. Womit sie auch der örtlichen Bevölkerung beistanden und bei der Türkenbelagerung aktiv mit wirkten, ebenso zeugen heute noch Einschüsse in Museumsexponaten von der wechselvollen Geschichte.

Das Bild zeigt die Uhr mit den Einschüssen der Russischen Besatzern, die auch Ihre Kommandatur hier hatten.

Noch ein Nachtrag zu den Augustiner Chorherren

Bischof Augustinus gründete mit den Priestern an seiner Bischofskirche eine Priestergemeinschaft nach dem Vorbild der Mönchsklöster. Während die Mönche aber damals keine kirchlichen Weihen hatten, sich im Kloster von der Welt möglichst abschirmten und die einzelnen Klöster durch eigene Arbeit autark waren, waren die Priester der Gemeinschaft des Augustinus in der Seelsorge tätig. Als Papst Gregor VII. auf der Lateransynode 1059 die Kleriker aufforderte, sich am Vorbild des heiligen Augustinus zu orientieren, und die Gütergemeinschaft verlangte, kam es zur Scheidung der am Privateigentum festhaltenden weltpriesterlichen Chorherren und der regulierten Chorherren, die sich durch Übernahme der Ordensgelübde (Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam) mehr den Mönchen näherten und zur Grundlage ihrer Lebensweise die Regel des heiligen Augustinus annahmen.

 

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