Stift Klosterneuburg das Escorial des Nordens

Bei Klosterneuburg handelt es sich um ein altes Siedlungsgebiet, das auch schon vor den Römern besiedelt war. Auf dem jetzigen Stiftsbereich stand früher ein römisches Kastell, dessen Befestigungen zum Teil als Fundament der mittelalterlichen Burg diente. Wer heute die alte Burg sucht, findet Reste davon beim Stiftsarchiv und im Innenhof des Stifts.

Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt war im Jahr 1042 als “Nivvenbvrch”.  Die heutige Oberstadt dürfte unter Leopold III. (1095-1136) wieder besiedelt worden sein, als er dieses Festes Haus von dem bayerischen Grafen  Walter von Chling erbte und kurz darauf die Burg und  das Kloster (1114-1136) baute. Das Stift wurde in unmittelbarer Nähe ihrer Burg errichtet als religiöses, soziales und kulturelles Zentrum ihres Landes. 1133 übergaben sie dieses Stift den Augustiner Chorherren, die auch heute noch das Stift bewohnen und ihrer seelsorgerischen Tätigkeit nachgehen.

Vormals war die Hauptresidenz Gars am Kamp und später in Tulln. Die Babenberger richteten ihr Augenmerk auf die östlichen Siedlungsgebiete ud errichteten hier ihre Hauptresidenz von der sie die Mark Österreichs gründeten. Unter Leopold VI. verlor sie wieder an Bedeutung, da er die Hauptresidenz nach Wien verlagerte. Um 1282/88 wird die Burg unter dem Habsburger Herzuog Albrecht I stark befestigt durch die Albrechtsburg. Die alte Burg verlor ihre Funktion und wurde in die Stiftskirche integriert und überbaut. 1799 wurde die spätromanische  Burgkapelle abgetragen und einige Teile in Laxenburg verbaut. Die Stiftskirche war die größte Kirche des Landes.  Außen am Langschiff ist noch deutlich der ursprüngliche Stil erkennbar. Eine romanische Basikika in der Typologie einer Hauskirche des salische Könighauses, aus dem Agnes stammte. Weitere romanische Spuren sind noch an fregelegten Fenster-und Torbögen im Mauerwerk des Leopoldihofes erkennbar, der von späteren Stilen dominiert wird.

Der Übergang zur Gotik zeigt auf dem Stiftsplatz die stehendgebliebene Mauer des Palastes Herzog Leopold VI. um 1200. Von der daneben befindlichen Capella speciosa, dem ersten gotisch Bau in Österreich, haben sich nur noch die Grundmauern erhalten, dafür kann die Tutzsäule von 1381 als Musterbeispiel der Hochgotik gelten.

Ein weiteres gotisches Baudenkmal findet sich im Leopoldihof. Der Erker an der ehemaligen Burg des Markgrafen Leopold, während das riesige Fenster der ehemaligen Thomaskapelle schon im Übergang zur Renaissance entstand.  Der anschließende Fürstentrakt entstand 1618-1620 und besticht durch seine schönen Renaissance-Rauchfänge.

Die Gründung des Stifts geht mit einer Sage einher.

Ein Windstoß entriss Anges ihren Brautschleier. Die Suche blieb ergebnislos, worauf Leopold III. das Gelübde gab, dort wo der Schleier gefunden würde, ein Kloster zu errichten. Neun Jahre später fand Leopold den Schleier auf einem Hollunderstrauch und erfüllte sein Versprechen. Obwohl es sich dabei um eine spätere Legende handelt, gibt es den Schleier tatsächlich in der Schatzkammer des Stiftes, die den Besuchern zugänglich ist.

Soviel zur Sage, die Tatsachen waren etwas anders und das Geld das Agnes als Witwe und Tochter Kaiser Heinrichs IV mit in die Ehe brachte und die Verbindungen die damit einher gingen halfen Leopold zur Gründung der österreichischen Mark. 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, wenige Monate später, am 15. Nov. 1136 starb Leopold III. , der in einer kleinen Gruft unter der heutigen Leopoldikapelle begraben wurde, die sehr rasch zur Wallfahrtsstätte wurde. 1181 vollendete der Goldschmied Nikolaus aus der Stadt Verdun eine Kanzelverkleidung aus Emailtafen, die an Hand von Ereignissen des Alten und Neuen Testaments die Heilsgeschichte erzählen. Nach dem verheerenden Stiftsbrand von 1330 wurden die Emailtafeln zum “Verduner Altar” umgestaltet. Die Tafeln wurden durch den Einsatz von reinem Wein anstatt des Löschwassers gerettet…nur so eine kleine Randnotiz. Die Heiligsprechung des Stiftsgründers Leopold III. 1485 machte dann die Bedeutung des Stiftes in der kirchlichen Landschaft Österreichs deutlich. Mit der katholischen Gegenreformation gewann das Stift rasch wieder seine frühere Bedeutung nach  der Reformzeit zurück und wurde durch die Stiftung des österreichischen Erherzogshutes als “heilige Krone des Landes” 1616 zum Hüter dieser Insiegnie, die nur zur “Erbhuldigung” vom Grab des Heiligen Leopolds entfernt werden durfte.  Wenige Jahre später begann im  Inneren der romanischen Stiftsbasilika die Barockisierung, die durch den Türkenkrieg 1683 unterbrochen wurde.  Das Wien belagernde Türkenheer schloss auch Klosterneuburg ein, wo die Verteidigung durch einen Chorherren und einen Laisenbruder organisiert wurde. Durch die erfolgreiche Verteidigung Klosterneuburgs wurde im September 1683 der Entsatz Wiens durch kaiserliche Truppen ermöglicht.

1730 entschloss sich der Habsburger Kaiser VI. nach dem Vorbild des spanischen Escorial in Klosterneuburg eine Klosterresidenz zu errichten, da er nie verwunden hat im Erbfolgekrieg nicht König von Spanien geworden zu sein. Der Plan sah eine riesige Anlage mit neun Kuppeln und vier Höfen vor. Während der Bauarbeiten starb der Kaiser 1740 plötzlich. Seine Tochter und Nachfolgerin Maria Theresia wünschte –  dem Zeitgeist entsprechend – den Ausbau des Schlosses Schönbrun nach französichem Vorbild, im Stift war man froh, die gewaltigen Baukosten nicht weiter tragen zu müssen. Die Arbeiten wurden sofort eingestellt, gerade ein Achtel der Planung war realisiert worden.  Erst 100 Jahre später wurde zumindest ein Hof, der Kaiserhof vollendet und somit ein Viertel  des Planes ausgeführt.

Zur Veranschaulichung ein paar Bilder von dem spanischen Escorial, das auch die Bestattungsgruft der spanischen Könige bis heute ist. Die jetzigen Gruft ist allerdings bereits voll. Da ich selbst Escorial besucht habe sind die geplanten Ausmaße des österreichischen Escorials gigantisch geplant gewesen und die gesamten romanischen und gotischen Bauwerke dem Umbau zum Opfer gefallen. Ein Besuch von dem spanischen Bauwerk umfasst im schnellen Durchgang und ohne viele Touristen 4 Std. Besuchszeit. Die Kirchtürme der heutigen Stiftskirche sind neogotisch.

Wer heute die Eingangshalle betritt ist verwundert, weshalb es in so einem halbfertigen Zustand ist. Die Eingangshalle befindet sich direkt unter der Kuppel der Krone und war geplant als offener Raum mit Springbrunnen und Pflanzen in den Nischen. An den Skulpturen sieht man an den Armen noch immer den Ansatz, da sie nie vollendet wurden.

Der Flügelaltar wurde bei der Barockisierung der Kirche in den alten Teil des Stiftes neben dem Kreuzgang gebracht. In dieser kleinen Kapelle werden auch heute noch die Chorherren eingekleidet und legen ihr Gelübde ab. In der Gruft ruht heute noch Agnes und ihre Kinder. Leopold III. wurde in einer Kiste über dem Altar aufgebahrt, da die Besucherzahlen nach seiner Heiligsprechung so anstiegen und somit befindet sich nur noch sein Kopf in einem seperaten Raum in der Schatzkammer und die Schädeldecke wird zum Leopolditag in der Kirche den Kirchenbesuchern zur Andacht gezeigt.

Was kaum jemand weiss, die Stiftsbiblikothek von Klosterneuburg umfasst mehr als 300 000 Bändenund ist die größte nichtstaatliche Bibliothek Östereichs. Allerdings nicht zu besichtigen.

Eine wichtige Einnahmequelle früher und auch heute noch ist das seit 1114 bestehende Weingut des Stifts und das älteste Weingut Österreichs und hat somit der Geschichte des Weinbaus in Östereich ihren Stempel aufgedrückt. Mit einer Rebfläche von 108 ha zählt es zu den grössten und renommiertesten des Landes. Wer die Weinkellertour wird nicht nur zum Ende der Tour mit der Verkostung der Weine belohnt, sondern sieht auch noch die unterirdischen Kellerwelten.  Die Keller sind in drei unterirdische Stockwerke unterteilt und gegen bis 36 m unter die Erde. Sie haben fast das Niveau der Donau. Die Weinkeller wurden im Zuge des barocken Umbaus angelegt und ein Teil des untersten Keller schließt an den Keller des ehemaligen Frauenklosters – ja das gab es hier im Mittelalter auch- an. Das Kloster hat nicht sehr lange bestanden, da die Klosterregeln sehr streng waren.  Die Keller sind durch einen zweite Mauer so gut temperiert, daß bis heute auf eine Klimaanlage verzichtet werden konnte. Alte Weinbestände sind nicht mehr vorhanden, der Wein, der sich Leopoldifaß befand mit 10.000 l von den Armeen Napoleons ausgetrunken wurde und der Weinbestand in den Kellern nach dem zweiten Weltkrieg. Die ältesten Weine sind nach dieser Zeit gelagert. Interessant ist, das Stift betreibt nicht nur das älteste Weingut Österreichs sondern versorgt auch die mit seinem unterirdischen Biomasse-Heizwerk kommunale Einrichtungen in Klosterneuburg.

Ein Highlight im Moment ist die ganzjährige Maria-Theresien-Ausstellung, die gerade begonnen hat.

 

 

 

 

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