Ist das Weinviertel die Wiege der Kreisgräben?

 

Da im Mamuz in Mistelbach gerade die Stonehenge – Austellung ist interessiert es vielleicht auch den Leser, ob es bei uns auch Kreisgräber gab.

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Es gab bereits lange vor Stonehenge in Europa, besonders im Weinviertel Kreisgrabenanlagen, noch gößere als in England. Da unsere Gräber aus Holz gebaut wurden, sind sie leider nicht mehr erhalten, nur noch von der Luft aus als Abdrücke im Boden zu sehen. Durch die moderne Technik und Luftbildarchäologie erhalten wir heute Aufschluß über die Kreisgrabenanlagen, die in etwa in der mittleren Jungsteinzeit (4.900 – 4.500 v. Chr) gebaut wurden. In Mitteleuropa sind etwas 120 bekannt. Davon sind allein 40 in Niederösterreich. Im Schmidatal sind 3 Kreisgräben bekannt, der dreifach Kreisgraben in Glaubendorf Gemeinde Heldenberg und die  zweifach Kreisgräben von Pranhartsberg in der Gemeinde Sitzendorf. Der Kreisgraben in Heldenberg ist einer der größten bekannten Kreisgräben in Europa mit 109 m Durchmesser. Einen Teil der Anlage wurde wieder aufgebaut, um eine Vorstellung der Anlage zu gewinnen. Eine weitere Anlage, die etwa 6500 Jahre alte Anlage in Hornburg. Diese Anlage wurde bereits 2000 Jahre vor Stonehenge errichtet.  Diese Kreisgrägen waren ein intergraler Bestandteil der Siedlungen und hatten große Bedeutung, also Ritualplatz für initiationsrituale, Hochzeiten und Begräbnissen. Zahlreiche Knochenfunde deuten darauf hin, daß im Zentrum der Kreisgräben gefeiert und gegessen wurde. Hohe Holzpalisaden säumten die Kreisgräben, gefinkelt angelege Wege ins Innere gaben den Blick ins Zentrum von außen nicht frei. Wären die Weinviertler Kreisgräben aus Stein gewesen, dann gehörten sie vermutlich zu den berühmtesten Monumentbauten der Welt.

Warum ist Stoneheng einzigartig?

Kein anderes “henge” wurde über einen Zeitraum von über 1000 Jahre gebaut und benutzt. Was heute zu sehen ist, ist sind nur die restlichen sichtbaren Steinmonumente der Ruine aus den letzten Entwicklungsphasen von Stonehenge.

Kein anderes “henge” weist Steine auf, die über eine große Distanz herbeigeschafft wurden.

Kein anderes “henge” hat die Steine, die mit einfachen Hammersteinen präzise zugerichtet in ineinander gefügt wurden.

Kein anderes “henge” wurde mit so großer Sorgfalt gebaut, um ein Bauwerk solcher Vollkommenheit und Eleganz zu errichten.

Stonehenge ist das steinzeitliche Äquivalent zu den mittelalterlichen Kathedralen.

 

Was ist neu an Stonehenge?

Dank neuester Technik wurde festgestellt, daß Stonehenge nicht isoliert ist, sondern eingebettet in eine rituelle Landschaft von hunderten von Monumenten. Einige sind bis heute im Gelände sichtbar, aber weit mehr liegen im Boden verborgen und wurden erst jetz durch die High-Tech-Methoden entdeckt. Durch die im inneren Kreis aufrecht stehenden Pfosten konnte neue “Henge” Monumente in der Landschaft von Stoneheng nachgewiesen werden und eine virtuelle Rekonstruktion läßt die Landschaft wieder auferstehen.

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Schloß Aspern und das Mamuz – Zeitreise von der Steinzeit bis ins Mittelalter

Die Zeitreise fängt im obersten Stock an mit der Venus von Willendorf und Babys vom Wachtberg und endet bei der Feste Grafendorf und den Ausgrabungsteilen aus der Gotik um 1300 bis 1500 n. Chr. In den Vitrinen sind unter anderem auch eine Sonnenuhr aus Buntmetall zu finden.

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Interessant sind auch dort Erkenntnisse, die Aufschluß über das frühere Siedlungsgebiet in Niederösterreich geben.  Bis 1992 war man der festen Überzeugung, das der niederösterreichische Nordwald im 10. Jh. unbesiedelt war. Die in diesem Jahr entdeckte Burganlage wirft ein neues Licht auf die Besiedlungsgeschichte. Diese Burg ist in keiner schriftlichen Nachricht erwähnt und wird nur achöologisch fassbar. Die Burg bestand nur 20 Jahre und wurde dann niedergebrannt. Der Bau fällt in die Zeit des ostfränkischen Königs Heinrich I. und den Ungarn. Die Burg “Sand” entstand nur ca. 1,5 km entfernt von der Burg “Raabs. Die Burg “Raabs” ist eine der ersten Steinburgen der Region und einer der Ausgangspunkte für den hochmittelalterlichen Landesausbau im Waldviertel. Vorallem im 12. Jh. kommt es zur Anlage von zahlreichen Dörfern.

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Kreisgräben wie es mal ausgesehen hat.

Kreisgräben wie es mal ausgesehen hat.

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Die Ausstellung bietet auch Zeitzeugnisse aus der Steinzeit bis zur Keltenbesiedelung. Die Ausstellung zeigt einige Kunsthandwerke aus den jeweiligen Epochen. Da die Krieger nicht unbewaffnet ins Jenseits gingen, sind hier auch viele Exponate der Schmiedekunst zu finden. Die Ausstellung bietet für jeden Besucher etwas.

 

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