Greillenstein-Renaissancejuwel im Waldviertel

Haben Sie schon mal was von den „Grellen“ gehört?

Nein, es geht nicht um eine Tierart, sondern um ein Rittergeschlecht. Ein Rittergeschlecht mit einem doch etwas eigenartigem Namen. Der Name „Greillenstein“ ist recht bekannt, woher er kommt, wird meistens nicht hinterfragt.

Dabei ist es gerade hier recht interessant, denn Greillenstein ist der einzige mittelalterliche Ansitz, dessen Name sich auf die ersten Besitzer bezieht. Rund herum haben wir Landnamen. Strögen (Burgkirche), Mahrersdorf (Heute eine privat benutzte Burgruine), Eckenstein (ein schöner Felsen), Feinfeld (ein Turm, rundherum verbautes Gebiet), so die Namen der Burgen im Taffatal. Jaaaa, und dann haben wir auch die Sache mit Röhrenbach, wo wir schon 1170 einen Genannten finden. Das Problem liegt nur darin, dass wir heute nicht wissen, wo diese Burg stand, zumal Röhrenbach gleich neben Greillenstein liegt. Vielleicht dort, wo heute die Kirche steht, so wie es in Strögen der Fall ist. Vielleicht hieß Greillenstein zunächst Röhrenbach, denn nach 1173 gibt es keine Nennung der Röhrenbacher mehr. Zunächst. Denn 1288 tauchen sie wieder auf. Da gab es aber auch schon die Grellen. Hhhmmmmm…..

Naja, schieben wir mal dieses Thema zur Seite.

Fragen wir uns lieber, wie die erste Burg aussah. Thomas Kühtreiber und Gerhard Reichhalter vermuten den ursprünglichen Sitz der Grellen nicht im Bereich des Schlosses, sondern beim Meierhof, wo es heute noch bastionäre Anlagen gibt. Allerdings hat sich auch ein mittelalterlicher Mauerrest im Keller des Schlosses erhalten. Eine Sitznische. Insofern dürfte die Burg der Grellen doch dort gestanden sein, wo heute das Schloss steht. Damit war Greilleinstein die einzige Wasserburg weit und breit. Ist auch irgendwie komisch, nicht?

Wie dem auch sei, wir haben hier also eine Wasserburg, die 1371 genannt wird. Damals waren aber nicht mehr die Grellen Besitzer. Ich will Sie aber nicht weiter damit belästigen, da das alles ein bisschen kompliziert ist. Einmal der eine, einmal der andere. Davon ist das ganze Spätmittelalter geprägt und da wir auch nichts über den Bauzustand wissen, ist es ja auch nicht weiter wichtig. Kommen wir zu den Kuefsteinern.

Jaaaaaaaa, damit beginnt die berühmteste und vor allem anschaulichste Zeit. Anschaulich deswegen, weil wir heute noch ihr Renaissanceschloss besichtigen können. Dieses wurde um 1570 bis 1590 von Hans Georg III. von Kuefstein errichtet. Der war der zweite Kuefsteiner auf Greillenstein. Sein Vater Hans Lorenz hatte sie 1534 gekauft, dem Hans Georg dürfte die alte Burg nicht mehr gefallen haben. Er war definitiv kein Burgenfan.

Die alte Greillenstein wurde fast zur Gänze abgetragen und durch einen neuen representativen Prachtbau ersetzt, der sich sehen lassen konnte.

Im 18. Jh. gelangte die Region zu Wohlstand und wurde mit barockem Stil ergänzt. Ein großer Teil der Inneneinrichtung wurde 1809 durch französische Truppen zerstört und Johann-Ferdinand III. wollte dem Kaiser die Herrschaft Greillenstein zum Kauf anbieten. Der Kaiser lehnte ab und beauftragte den Besitzer Greillenstein wieder instand zu setzen. Durch die oftmalige Abwesenheit der Besitzer- bedingt durch ihre Tätigkeiten im diplomatischen Dienst – führte dazu, dass in Greillenstein die Orginaleinrichtungen des Gerichtssaales und der Registratur erhalten blieben. Bis in den 60igern wurde das Schloss von den Besitzern bewohnt und ist immer noch in deren Besitz. Bis 1848 wurde hier noch Gericht gehalten.
Bei Bauarbeiten fand man eine Badestube aus der Renaissancezeit. Sie besitzt Umkleideraum, Räume für Warmbäder und Kaltguss.
Interessant ist die Parkanlage und das barocke Zwergenmuseum. Die Parkanlage besteht seit 1534 und wurde später durch Zwerge und Drachen ergänzt. Diese wurden aus Zogelsdorfer Sandstein gestaltet.
Erwähnenswert sind noch die Sagen rund ums Schloss. Ein Mann wurde unschuldig verurteilt und aus dem Schloß zum Galgen transportiert und dort aufgehängt. Der Täter gestand am Totenbett die Tat. Seit dieser Zeit wächst die Furche, die der Wagen mit dem Unschuldigen nicht mehr zusammen und ist heute noch zu sehen.
Ausserdem soll die “weisse Frau” dem Dichter Grillparzer erschienen sein und ihn zu dem Gedicht über die Ahnenfrau inspiriert haben.

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