Die romanische Wehrkirche Oberranna

Auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Hügel des Mühltales, nördlich von Spitz an der Donau, liegt die weithin sichtbare Burg Ranna. Die Burg verdient besondere Beachtung durch ihren ausgezeichnet erhaltenen Zustand, der die gesamte Gebäudegruppe  samt umschließender Ringmauer und tiefen Ringgraben umfaßt. Die Burg wird durch einen zweite Befestigungsmauer mit Graben geschützt, deren Stärke für die Renaissance-Befestigungen im Waldviertel einzigartig ist. Mehr als auf prunkvolle Ausstattung und Bequemlichkeit des Wohnens haben die Besitzer im 16. Jh., das mächtige Geschlecht der Neidegger,  auf Wehrhaftigkeit Wert gelegt. Das muß auch der Grund gewesen sein, daß der Renaissance-Umbau sich nur um einen mäßig großen Rechteckhof gruppiert hat und die romanische Kirche sich dadurch erhielt.

Die Kirche ist in Österreich in ihrer Art einzigartig, was an ihre zwei Querschiffe und zwei Vierungstürmen liegt. Die Kirche wurde in den letzten Jahrhunderten als Wohnraum genutzt und in waagrechter und senkrechter Richtung unterteilt, wodurch sich 13 Räume ergaben, deren Schaffung nicht ohne Umänderungen und Zerstörung des Vorhandenen möglich war. Der letzte Besitzer, Herr Laurent Deleglise, hat die Kirche wieder in ihren jetzigen Zustand versetzt und als Kirche  zugänglich gemacht. Die jetzigen Besitzer setzen die Renovierungsarbeiten behutsam fort. Der Westteil dieser Kirche war vollständig  verbaut und der untere Teil des westlichen Querschiffes zugeschüttet, so daß nur der Ostteil der Kirche sichtbar war. Erst durch die Skizzen von Architeckt Dr. Julius Bergman sind die Wiederherstellungsarbeiten vorstellbar. Eine romanische Halle, bisher für sich allein als unterer Teil einer Doppelkapelle, erwies sich als Krypta.

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Zur Geschichte der Burg

Die erste und wichtigste Erwähnung der Burgkirche ist in den Salbüchern des Stiftes Göttweig (FRA II/69) zu lesen. Der Edle Pilgrim von Grie, der aus Bayern als Gefolgsmann des Grafen von Formbach ins Waldviertel kam, schenkt dem Stift sein Gut zu Ranna und die Kirche samt Bestiftung im Falle seines Todes. Es ist dies die fünfte von sieben bedeutenden Widmungen Pilgrims, die er nachträglich auf Bitten des Abtes Nanzo in Gegenwart des Markgrafen Leopold III. und dessen Sohn als Vogts des Stiftes bestätigt. Die zeitliche Eingrenzung für den Bau dürfte zwischen 1108 und 1125 liegen. Hier sollte noch erwähnt werden, dass in Niederranna die Kirche zur hl. Magareta bereits dem Stift Göttweig gehörte und 865 erbaut wurde und zu St. Michael gehörte. Die Geschichte des Besitzes von Oberranna war  zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert sehr wechselvoll. Entweder gehörte sie dem Geschlecht der Grie, die sich dann Herren von Ranna nannten oder dem Stift Göttweig.  1389 ging Oberranna an Johann von Neidegg über.

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Die größeren Umbauten und Erweiterungen dürften in die Zeit zum 15. Jh statt gefunden haben. 1556 wird sie als Fluchtort genannt, bald darauf folgten unster Georg v. Neidegg die Renaissance-Umbauten. 1593 gelangte der Besitz an Christoph v. Greiß. In Folge wechselten die Besitzer sehr rasch. Ab 1830 beginnt der Verfall der unbedeutenden Burganlage. 1905 an Baron Hammerstein, 1930 an Laurent Deleglise und ab 1961 an DI Roland Nemetz, der hier seit 1984 einen Hotelbetrieb betreibt. Die Burg ist in Verbindung mit einer Führung für Interessierte zu besichtigen.

Die Kirche ist eine Templerkirche und wie viele andere Templerkirchen dem Hl. Georg geweiht. Die Templer Grabplatte wurde bei Aufgrabungsarbeiten gefunden und nachträglich in die Kirche eingefügt. Die Kirche wurde unter Joseph II. anderen Zwecken gewidmet und Stockwerke mit Abtrennungen eingezogen, die durch den vorherigen Besitzer wieder entfernt wurden, so daß der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werden wurde, so gut es ging.

Detailierter Ausführung über die Kirche:

Die für eine Burgkirche sehr beträchtliche Länge von 25,4 m übersteigt die des vierflügeligen Renaissanceschlosses. Sein ältester Teil war sichlich der Westflügel des trapezförmigen Hofes, vielleicht der einige Palas, in welchem noch ein frügotisches Spitzbogentor und gekuppelte Spitzbogenfenster vom Ausgang des 13. Jh. Zeugnis geben. Dieser Burgteil war mit der freistehenden Kirche wahrscheinlichh durch eine bei drohender Gefahr einziehbaren Brücke in der Höhe des ersten Stockes verbunden. Die Kirche liegt heute noch, den Burghügel beherrschend, in seiner Mitte, ihre Achse läuft parallel zu seiner Längenausdehnung und ist nicht östlich, sondern ewas nordöstlich gerichtet. Normalerweise sind alle Kirchen ostwärts gerichtet. Die einstige Pfarrkirche, der romanische Teil, verfügt über 1,20 m dicke Mauern, die hochliegenden schmalen Rundbogenfenster und der Umstand, daß die Halbkreisapsis nur ein Mittelfenster besaß, lassen darauf schließen, daß dies zur Wehrhaftigkeit diente. Das ist auch das Ungewöhnliche an dieser Kirche, da normalerweise die Kirchen etwas unterhalb der Burg lagen und vom Friedhof umgeben waren. Pfarrkirchen, die mit der Burg eine wehrtechnische Einheit bilden sind sehr selten. Keine der anderen Wehrkirchen wie Lengenfeld, Rehberg oder Senftenberg im heutigen Bestand in die erste Hälfte des 12. Jh. zurück, und keine übernimmt in sol hohem Maße die Verteidigung der Burg wie Ranna, dessen Kirche sich schützend vor die Burg stellt. An den zwei Vierungstürmen dieser Kirche mußte der die Burg bedrohende Feind vorbei, während die Burg, soweit erkennbar, keine eigenen Berchfrit und keine eigene Kapelle besaß. Der Bau selbst war primär mit gurtbogengegliederten Kreuzgratgewölben versehen. Das streng lagerhafte, hammerrechte Bruchsteinmauerwerk lässt sich durch die Kleinteiligkeit, die nur znal durch eingeschobene Großquader gestört wird und durch die noch stark tektonische Lagerung gut in jene Zeit datieren. Der sauber ausgeführte Eckverband wird oftmals durch aufgestelle Orthostaten gebildet. Die Apise zeicht am Bruchsteinsockel Szenen aus “opus spicatum”.  In der “.  Phase erfolgte ein beduetender Ausbau, zu dem das Westerk mit einem dem O-Teil entsprechenden Querhaus und die weit ind die westl. Vierung ragende 3-schiffige Hallenkrypta zahlen und er kunsthistorisch Leopold III. zugewiesen wird. Über der westl. Verung ist ein wieterer den O-teil entsprechender Turm rekonstruierbar. Die quadratische 4-Stützenkrypta besitzt bemerkenswerte, reliefierte Kapitelle, wovon eines durch szenische Mensch-und Tierabbildungen wiederholt als “Jagdmotiv” interpretiert wurde.Die Kirche ist im Bezug auf Herkunft, Bedeutung und Bauherren noch heute Gegenstand mancher Interpretationen. Da vorallem ihre jede Norm sprengende Bauweise zu spezielle oder höherrangige Funktion zu vielen Spekulationen führt.

Hauptquelle: Donin – Die romanische Kirche der Burg Ranna aus dem Jahre 1937, Burgen von Schubert&Franzke

Luftaufnahme: Thomas Eder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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