Die Entwicklung der Glocke

von Bronzeguss Familie Kral

( https://www.facebook.com/Bronzeguss-Familie-Kral-486173171565664/ )

 

Als die Entwicklung der Glocke im heutigen Sinn so richtig in Fahrt kommt, war man bereits seit Jahrhunderten mit Glocken in Bienenkorbform völlig zufrieden. Diese Glocken haben zwar einen ziemlich ungeordneten Teiltonaufbau, wenn sie allerdings klein sind, liegen die eigentlich problematischen Bereiche bereits so hoch, dass man sie gehörsmäßig gar nicht mehr richtig wahr nimmt. Die wenigen Funde von Glocken dieser Zeit (Jahrtausendwende und früher) zeigen auch, dass eine Glocke damals etwa in der Größenordnung von 30 kg lag, vermutlich wäre technisch bei uns auch gar nicht recht viel mehr drinnen gewesen. In youtube finden sich unter dem Suchwort „Bienenkorbglocke“ entsprechende Beispiele, eine eigene, die in der Tonlage zu den anderen beiden passt, habe ich hier eingestellt. Im 11. Jh. ändert sich allerdings die Situation, die Glocken werden groß, und wie das klingt findet man etwa unter der Lullusglocke von Bad Hersfeld, welche ja noch läutet. (Bitte, Geschmäcker sind verschieden…) Außerdem war es wohl nicht leicht, die riesigen Mengen an Wildbienenwachs aus den Bäumen zu kratzen, die man für das Wachsausschmelzverfahren benötigte (bei der Lullusglocke müssen das etwa 100 kg gewesen sein.)

Theophilus, offenbar bestrebt, den Guss so großer Glocken auch theoretisch zu untermauern, gibt zwar ein etwas fragwürdiges Verfahren zur Wachsrückgewinnung an, in der Praxis dürfte das allerdings eher in Flammen aufgegangen sein.

Jedenfalls kam ein findiger Mensch auf die Idee, die Glocken hoch und spitz zu machen (daher der Name „Zuckerhutglocke“), denn auf diese Weise konnte man das Wachsausschmelzverfahren durch eine abhebbare, dreischichtige Form ersetzen, das eigentliche Glockenmodell ließ sich so auch aus billigem Lehm machen, da man dieses ja, nach vorübergehendem Abheben des Mantels, zerschlagen konnte. (Anstatt es auszuschmelzen.) Wachs brauchte man so nur mehr für die Verzierungen. (Allerdings war es nun nicht mehr möglich, diese einfach in das Modell zu ritzen, sonst wäre die Verzierung beim Abheben des Mantels ausgebrochen.)

Leider waren die Zuckerhutglocken auch nicht das gelbe vom Ei. Für ihre Tonlage waren sie sehr schwer, weil die Höhe natürlich Gewicht aufträgt. Außerdem klingen sie vom Teiltonaufbau auch nicht schön, weil die vertieften Primen dem „Hauptton“ soviel Konkurrenz machen, dass man teilweise gar nicht mehr weiß, welchen Ton die Glocke eigentlich haben soll.

Es lag also auf der Hand, einen Mittelweg zu suchen, und dieser war spätestens im 13. Jh. auch gefunden. Das Ergebnis war eine Glocke mit etwa gleicher Breite wie Höhe, aber oben zulaufend. Die Herstellung war so im Mantelabhebeverfahren möglich, der Teiltonaufbau nähert sich (im Idealfall) einem sauberen Mollakkord mit einem Grundton genau eine Oktave darunter… Jedenfalls war das Ergebnis so gut, dass man bis heute auf die Form der Gotik zurückgreift!

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