Der Wernberg- Ein unmotivierter Hausberg 3.0

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Anfahrt: S3 bis Ausfahrt Göllersdorf, dort auf die B 19 Richtung Eitzersthal/ Stranzendorf/ Tulln abzweigen. Gegenüber der südlichen Ortszufahrt (!) nach Eitzerstal führt ein Feldweg zum Burghügel hinauf.

Parken: Bei diesem Feldweg. Der Weg biegt gleich zu Beginn des Waldes nach rechts, macht dann nochmals eine Linkskurve, wo aber der Burghügel dann schon sichtbar ist.

Öffnungszeiten: Der Burghügel ist frei zugänglich.

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Das Weinviertel ist ein Land der Hausberg, was vor allem an der Bodenbeschaffenheit liegt, denn imposante und vor allem „burgfähige“ Felsen sind rar im Land zwischen Donau und Mähren. Die Hausberge des Weinviertels waren quasi ein „Ersatzprogramm“, um auch diesen Landstrich im Angriffsfalle zu verteidigen und dauerhaft zu sichern.

Im Gegensatz zum ruinenreichen Waldviertel sind hier fast keine mittelalterlichen Steinbauten erhalten, dafür jedoch gewaltige Erdkonstruktionen, die im ansonsten relativ flachen Land als eine markante Zäsur erscheinen.

Von Alfred Komarek als “ziemlich unauffällig: oben abgeflachte Hügel, die irgendwie unmotiviert in der Gegend stehen, von hohem Gras bewachsen“, steht  außer Frage, dass, wenn es um das Thema „Hausberge“ geht, das Weinviertel sehr viel zu bieten hat. Eine dieser  “unmotivierten” Hügeln ist der eher unbekannte Wernberg bei Göllersdorf.

Nein, hier geht es nicht um den Dernberg bei Nappersdorf, hier geht es um den W(!)ernberg, einer eher unauffälligen Kuppe bei Göllersdorf, dessen, von außen beeindruckende Schlossanlage wohl niemand freiwillig von innen sehen will, denn das Schloss ist ein Gefängnis.

Der Wernberg dagegen ist zwar nicht so „beachtenswert“, aber er ist ein schöner „Mugel“ mit Geschichte. Vor allem bekannter Geschichte! Das unterscheidet ihn auch von den bereits beschriebenen „unmotivierten Hausbergen“ Dernberg und Buschberg.

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Bevor wir uns aber mit der Geschichte befassen, will ich noch kurz über den Burghügel selbst schreiben und dem geschichtsunmotivierten Leser noch eine Verschnaufspause geben.

ALSO: Wernberg ist nicht ein Burghügel, sondern besteht aus zwei Hügeln, nämlich einem bewachsenen Vorwerk und dem Hauptburghügel, dessen Deckfläche mit 12 x 15m erstaunlich klein ist (zum Vergleich: Der oberste Stumpf des Dernbergs hat 20 x 46m , der Buschberg hat 28 x 10 m). Der Wernberg dürfte insofern nicht so besonders groß gewesen sein, ein Umstand, der zumindest zum Teil auch Rückschlüsse auf seine Bedeutung gibt und DAMIT kommen wir zum Geschichtlichen Teil:

Im Jahr 1264, also relativ spät wird ein Wernhard von Eitzersthal genannt. Der Ort Eitzersthal liegt gegenüber der Burg, ein sicheres Indiz für einen geschichtlichen Zusammenhang. Dieser Wernhard war ein Gefolgsmann der Herren von Werd, die die eigentlichen Burgherren waren und hier einen Pfleger einsetzten.

Ob sich der Burgname von Wernhard der den Werdern ableitet, bleibt spekulativ. Tatsächlich wird nur vier Jahre später, 1268, erstmals der Wernberg an sich genannt. Auffällig ist allerdings, dass sich die Eitzersthaler nie nach Wernberg nennen! Ein weiteres Rätsel in der Geschichte?

Nun, die Sache bleibt etwas unkar. Es ist wohl möglich, dass der Wernberg erst nach 1250 errichtet wurde, der Ort Eitzersthal aber schon älter war und die Eitzersthaler auch schon länger im Dienste der Werder waren, allerdings gibt es da diese verflixte Quellenlücke zwischen 1230 und 1260, die generell in der Forschung ein großes Problem ist. Erst nach 1260 nimmt die Quantität der Quellen zu  und erstmals werden auch niedere Adelige, wie eben die Eitzersthaler genannt.

Kurz nach 1300 verkaufen die Werder die Burg an die Zelkinger. Die Eitzersthaler scheinen noch bis 1313 auf, dann verschwinden sie wieder aus den Quellen. 1309 wird das „haus ze werdenperg“ mit zwei Maierhöfen genannt, 1327 ist ebenso noch mal ein „haus ze wernperg“ genannt, dann wurde die Burg aufgegeben. 1357 wird nur mehr ein „burgstall Wernperg“ erwähnt. Burg und Dorf werden bald danach geteilt und erlebt in den folgenden Jahrzehnten einen regen Besitzerwechsel. Damit endet die Geschichte des Wernbergs.

Eine Funktion hat der Wernberg heute: Jährlich  zur Sonnwende treffen sich die Eitzersthaler, also nicht die Ritter, sondern die Einwohner am Burghügel und entzünden hier das Sonnwendfeuer, um diesen „unmotivierten“ Burghügel zumindest für eine Nacht im „feuerigen Lichte“ erstrahlen zu lassen.

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Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/335

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