Der Feinasberg- ein geheimnisvoller Hausberg

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Anfahrt: In Gmünd von der B 41 südl., ca. 6 km, nach Waldenstein abzweigen. Von hier führen Wegweiser des “Mystischen Waldviertels” über Grünbach zur ehem. Burganlage.

Parken: Bei einem Martel beschränkte Parkmöglichkeit. Zuletzt ca. 10 Min. Fußweg.
Öffnungszeiten: Die Anlage ist ganzjährig frei zugänglich.

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Zwei von etwa 13. erhaltenen Buckelquadern aus dem Hochmittelalter.

Etwa 10km östlich von Weitra befindet sich eine der rätselhaftesten Hausberganlagen von Österreich. Immerhin so bedeutend, dass sogar der Tourismusschiene ,,Mystisches Waldviertel’’ den Weg zur Anlage mit Schildern versehen hat. Lediglich die letzten 200 Meter bleibt der Besucher sich selbst überlassen und muss sich den Weg selbst ,,erkämpfen’’.

Nun gibt es hinsichtlich eines Hausberges nicht viele Möglichkeiten von Besonderheiten, lediglich Mauerreste und Kellergewölbe sind meistens die letzten Eigenheiten, die ein Erdwerk noch aufweisen kann. Der Feinasberg macht hierbei eine recht eigenartige Ausnahme: Auf dem Gelände rund um den Burghügel liegen unzählige, sorgfältig behauene Quadersteine, so genannte Buckelquader. Die von Kühtreiber genannten 13. können gewiss nur einen Bruchteil dessen darstellen, was noch eventuell unter der Erde ist! IMG_3337

Diese ,,Steine’’ stammten mit großer Sicherheit von professionellen Steinmetzen und konnten aufgrund ihrer Bearbeitung in das 13. Jahrhunderts verwiesen werden. Doch für eine derartige Anlage, wie man sie aufgrund der vorhandenen Steine vermuten kann, ist die Hausberganlage eindeutig zu klein. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass bis heute kein historischer Name für die Anlage herausgefunden werden konnte. Die Bezeichnung ,,Feinasberg’’ kommt in keiner Urkunde je vor, weswegen sich die Forschung nunmehr anderer Titel bedient.

Neben dem Namen Feinasberg wird auch der Begriff ,,Venusberg’’ verwendet (wovon sich Feinasberg ableitet), wenngleich hier wohl nie ein Anbetungsort für die römische Liebesgöttin gewesen sein kann, da der Limes viele Kilometer südlich entlang der Donau verlief. Wahrscheinlicher ist die Theorie, dass sich der Name vom hochmittelalterlichen ,,fenn’’ – Feuer ableitet und die Anlage als Station für Kreidefeuer diente.

Mangels eines originären Namens kann man auch die Geschichte der Burg nicht wirklich nach verfolgen. Vermutungen gehen dahin, dass die Anlage noch während ihrer Errichtung durch den Einfall der Böhmen zerstört worden sein könnte. IMG_3342

Westlich der Anlage liegt das Dorf Groß Neusiedl. Der Name ,,Neusiedl’’ könnte auf ein historische Ereignis verweisen. Die beiden Burgenforscher Walther Pongratz und Gerhard Seebach haben in ihrem Buch ,,Burgen und Schlösser’’ in Bezug auf die Anlage einen,,Heinrich von Neusiedl’’ erwähnt, der 1163 in einer Zwettler Urkunde erwähnt wird. Noch zwei Mal wird Neusiedl genannt. In einer Urkunde von 1171 bestätigt Albero von Kuenring, dass ein Wolfger von Stain drei Eigen in Neusiedl iuxta Plaustuden (im Gebiet von oder neben Plaustuden) mit einem Hof dem Stift Zwettl überanIMG_3343twortete. Dieses ,,Plaustuden’’ konnte bis dato nicht gesichert werden, könnte aber ein erster Hinweis auf den Namen der Anlage sein. 1318 kommt Neusiedl endgültig an das Stift Zwettl, von einer Burg ist keine Rede. Immerhin datieren archäologische Funde aus dem Umfeld der Burg in das 12. bis 15. Jahrhundert und konnten zumindest ein wenig Licht ins historische Dunkel bringen.

Vielleicht befand sich aber auch hier der heute verschwundene Ort Alt- Streitbach, der 1374 als ,,ödes Lehen’’ bezeichnet wird und heute südöstlich von Grünbach liegt.

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So manches Rätsel blickt noch aus dem Erdreich heraus.

So rätselhaft die Geschichte des Feinasberges ist, so groß ist der ,,Sagenschatz’’ rund um die Burg. So soll der ganze Burghügel mit zahlreichen unterirdischen Gängen versehen sein, wo ein sagenhafter Schatz noch heute seines Entdeckers harrt. Die einstigen Burgherren wiederum sollen wegen ihres ausschweifenden Lebenswandels gar mitsamt der Burg in der Erde versunken sein. Ein anscheinend bodenloses Loch soll bis um 1900 auf dem Burghügel bestanden haben.

Tatsächlich wurden in einem Haus in Groß Neusiedl ein unterirdischer Gang gefunden, der in Richtung Feinasberg führte und bei einer Tür endete. Dieser Gang ist jedoch zugeschüttet worden.

Das Rätsel rund um den Feinasberg ist eines der eigenartigsten seiner Art. Selten ist ein Burghügel so geheimnisvoll wie er. Und nicht zuletzt sind es die Buckelquader, die der Anlage eine eigenartige Aura geben wie Roland Kernstock schreibt: ,,…dass man den Eindruck gewinnen muss, der ganze Venusberg sei eine Art Pyramide und bestünde zur Gänze aus solchen Quadern’’.

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Weitere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1941

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