Das Hausruckviertel- Schaunbergs Traum und Fall

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Wir verlassen nunmehr Österreich nördlich der Donau und überqueren den Fluss in Richtung Süden. Hier kommen wir erstmals mit den Bergen in Berührung. Vorerst aber nur wenig, denn in den Bergen gibt es keine Burgruinen. Nun gut, wir begegnen einem Territorium, also einem Viertel, dessen Grenzen irgendwie nicht so ganz klar waren. Das war schon beim seeligen Georg Matthäus Vischer so, denn seine Oberösterreich- Karte von 1667 zeigt zwar ein Hausruckviertel, aber dieses Territorium stimmt kaum mit dem heutigen überein. Vischers Hausruckviertel verlief entlang der Donau, quasi von Eferding bis Enns. Selbst das namensgebende Hausruck- Gebirge gehörte laut Vischer nur zum kleinen Teil dazu (siehe hier). Auch Linz gehörte daher zum Hausruckviertel. Und klarerweise auch das nördliche Traunviertel. Bis heute ist es nicht ganz klar, in welches Viertel Linz hin zu rechnen wäre. Auf politischer Ebene wurde allerdings mit der Bildung eines Zentralraumes eine adäquate Lösung gefunden, die wir aber jetzt nicht weiter verfolgen. Kein Zentralraum in dieser Viertelreihe!

Kapitel 1.

Von den Schaunbergern und ihrem Territorium.

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Wie ein Finger zeigt ein Mauerrest am Bergfried der Burg in Richtung Donautal.

Wenn man sich aber historisch mit dem Hausruckviertel beschäftigt, so wird recht bald klar, dass es hier einmal eine politische Einheit gab, die wir in den anderen Vierteln nicht finden. Zu diDSC03448esem Zweck will ich Sie auf eine kurze Reise einladen. Südwestlich von Eferding befindet sich eine riesengroße Ruine, die größte des Landes. Von herunten sieht sie gar nicht sooo spektakulär aus, aber wenn man mal droben ist, lässt sie den Besucher nicht mehr aus. Schaunberg, so ihr Name, ist eine der mächtigsten und schönsten Anlagen Österreichs. In der Vorburg tummeln sich Hühner und Schweine, fast kommt man in Versuchung, sich in das Mittelalter zurück zu versetzen. Schaunberg lädt dazu ein. Die mächtige Burg mit einem halben Bergfried, einer großen Burgkapelle (mit Krypta), einer erhaltenen Sakristei (mit Kreuzrippengewölbe) und einem kolossalen Palas lässt erahnen, dass hier einmal sehr mächtige Herren residierten. Stellt man sich noch dazu vor, dass dieser Prachtbau ein Jahr lang belagert wurde, dann mag einem kalter Schauer über den Buckel laufen, wenn Steinkugel fliegen, überall Blut ist und der Hunger bereits das letzte Gras verschwinden ließ.

Nun, wovon rede ich eigentlich? Eine einzelne Burgbelagerung im Hausruckviertel mag ja nicht der einzig spannende Teil des Hausruckviertels sein, oder? Genau hier gilt es aber, sich zu fragen, welche Bedeutung diese Burg gehabt haben muss, dass sie a) so groß ist und b) von mir derart umschweifend erwähnt wird.

Es geht um die Grafen von Schaunberg, um es kurz und präzise zu sagen. Jenes Geschlecht, das diese Region derart geprägt hat, wie kein anderes. Und das dafür sorgte, dass wir heute auf Landkarten, die das Heilige Römische Reich darstellen, das Hausruckviertel vom restlichen Österreich farblich trennen. Vielleicht sind es auch die Schaunberger gewesen, die dem Hausruckviertel ein sehr großes Bewusstsein gaben, weswegen die Hausruckviertler ihr Viertel als „Landl“ bezeichnen.

Wer also waren diese Schaunberger? Nun, abstammen tun sie von den Julbachern, um es salopp zu formulieren. Die Julbacher waren in Bayern, in der Nähe von Simbach (ach diese Bäche…) beheimatet. Um 1100, vielleicht aber auch erst etwas später, gingen sie weiter nach osten. Hier begründete sie die Burgen Stauf und Schaunberg, die 1161 und 1167 erstmals urkundlich genannt werden. Damals noch bayrischen Ministerialen, dürften sie sich bald in Richtung Babenberger orientiert haben. Allerdings war Passau durchaus wichtiger, denn die meisten Urkunden des 12. und 13. Jahrhunderts zeugen von einer Orientierung zur Dreiflüssestadt. Ist auch insofern klar, denn die war ja näher. Und Passaus Burgen und Mautstationen enDSC07377tlang der Donau, vor allem die bei Aschach, waren auch für die Schaunberger ein Grund zur Freundlichkeit.

Aber auch in Österreich waren die Schaunberger gerne gesehen. 1209 waren sie etwa bei der Gründung des Stiftes Lilienfeld dabei und schon bald sollte sich das Einmischen in Österreich bezahlt machen. Denn 1246 sterben die Babenberger aus und die Schaunberger bedienten sich. Orth an der Donau und Waxenberg kamen in ihren Besitz, ebenso die Vogtei über das Kloster Wilhering und mit dem Aussterben der Grafen von Plain, 1260, wurde auch ein Teil des Mostviertels unter ihre Lehensherrschaft gestellt. Daneben hatten sie auch diverse Landgerichte. Ein ziemlich mächtiges Geschlecht, könnte man meinen. Ja, das waren sie. Das ganze Hausruckviertel gehörte ihnen, dazu noch diverse Gebiete und Herrschaften wie eben das Melktal und Orth an der Donau.

Dann kamen die Habsburger. Und hier beginnt das Dilemma. Denn die Habsburger waren so gar nicht den Schaunbergern geneigt. Und sie hatten ihre eigenen Ministerialen mitgebracht, wie eben die Wallseer. 1292 entzieht Herzog Albrecht I. den Schaunbergern Waxenberg, die anderen Territorien will Albrecht aber vorher nicht fordern. Zu mächtig sind sie und ihre Maut zu Aschau ein wichtiger Verkehrsknoten, den man mit der Abnahme Waxenbergs ohnehin schon tangiert hatte. Noch dazu blieben die Schaunberger auch auf Reichsebene durchaus beliebt (insofern man diese Formulierung in diesem Zusammenhang sagen kann). 1316 werden sie erstmals als „Grafen“ genannt. 1317 spricht man von ihrer „Grafschaft“. Unklar bleibt vorerst, warum sie diesen Titel bekamen, aber sie bezeichnen ihr Gebiet ab da als „unser Land“ (“Terra noster“)IMG_4485.

1319 unterstützten sie die Habsburger gegen Bayern. Vermutlich gerieten auch sie in Gefangenschaft, gibt es doch bis März 1324 keine Urkunde, in der sie genannt werden. Aber schon im März 1324 legen die Schaunberger eine gewaltige Summe von 2000. Mark Silber in Kärnten an. Ihre „Grafschaft“ ist zu dieser Zeit am Zenit. Die Schaunberger vergaben eigene Hofämter, wie die des Truchsessen und Marschalls.

Ulrich I. (1330-1373) war aber auch herzoglicher Kämmerer und Berater Herzog Albrechts II. und Rudolph IV. Doch besonders vertraut ihm haben beide Fürsten wohl nicht. Zu mächtig, zu sehr nach Unabhängigkeit strebend schien ihnen der Schaunberger. Das war auch schon bei seinem Onkel, Konrad. Dieser hatte 1343 die Pottenburg, gegenüber Pressburg erworben. 1351 musste er sie dem Landesfürsten abtreten.

Kapitel 2.

Die Schaunberger Fehde.

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Auch Burg Stauf gehörte den Schaunbergern.

1361 kommt es zur Ausstellung einer Urkunde in Weitra, die sich allerdings heute als Fälschung entpuppt. Darin übergeben die Habsburger „aus Freundschaft“ den Grafen von Schaunberg die Lehen Starhemberg, Traungau (!), Vöcklabruck und als Afterlehen auch Orth. Da zu dieser Zeit aber keine Schaunberger in Weitra waren und die Urkunde nicht die typischen Formulierungen einer „Schaunberger Urkunde“ enthält, dürfte dieses Dokument eine Fälschung sein. Und wer würde wohl so etwas können, wie Rudolph IV.? Der pfiffige Herzog ging aber noch einen Schritt weiter, in dem er die Wallseer gegen die Schaunberger aufstachelte. Um deren Treiben im Auge zu behalten, erlaubte er den Wallseern, sich eine Burg zu bauen, die den Namen Oberwallsee erhielt. Die Schaunberger antworteten mit einer Wasserspeierfigur am Bergfried ihrer Burg Neuhaus, die ihr Hinterteil (wo das Wasser herausrinnt!) gegen Wien zeigt. 1367 konnten sie sogar nochmals ihren Machtbereich erweitern, indem sie Eferding den Passauer Bischof abkauften.

Nach Ulrichs Tod eskalierte die Situation zunehmend. In den Streitigkeiten zwischen Herzog Albrecht III. und Leopold III. hielt Graf Heinrich VII. zu Leopold, der aber 1379 im Vertrag von Neuberg die Steiermark, Kärnten, Krain, Tirol und die Vorlande erhielt. In Österreich beiderseits der Enns regierte Albrecht. Schon 1377 fürchtete Heinrich eine Fehde, weswegen er sich zu einer recht schlauen Tat entschied. Er verkaufte die Herrschaft Orth an Leopold und erhielt sie zurück als Lehen. Doch Leopold half den Schaunbergern nicht weiter.

Nach 1379 war ein offener Konflikt immer deutlicher. Und am 17. März brach er aus! Albrecht III., der Herzog mit dem Zopf, bevollmächtigte Reinprecht von Wallsee (Wen sonst?) und dieser ließ es sich nicht zweimal sagen und begann mit einem großen Feldzug. Auf der einen Seite stehen die Wallseer, auf der anderen die Schaunberger und die Rosenberger (!) als Verbündete.

Der Feldzug endete bereits im Jänner 1381 mit einem Waffenstillstand. 1383 kommt es zum Frieden in Nürnberg. Aber nur für wenige Jahre. 1385/86 kommt es erneut zum Konflikt, am 25. März 1386 wird erneut Frieden geschlossen. Verloren ging hierbei die Feste Neuhaus an der Donau mit der besonderen Wasserspeierfigur. Aber schon im Oktober 1386 gehen die Streitereien weiter. Dann gibt es für drei Jahre fast keine Dokumente. Im Oktober 1389 übergibt der Passauer Bischof dann Herzog Albrecht III. einen Lehensbrief über die Burgen Schaunberg, Stauf, Neuhaus und die Stadt Eferding. Die Schaunberger mussten sich unterwerfen. Damit endete die Unabhängigkeit des „Landl“.

Kapitel 3.

Von den mächtigen Polheimern und einem ertrinkenden Papst.

Der Sturz der Schaunberger war für das Hausruckviertel einerseits ein Abschiednehmen von der Eigenständigkeit, es war aber für einige Adelige ein hierarchischer Aufstieg. Denn das Hausruckviertel ist nicht nur ein “Schaunbergerviertel”, es ist auch Herrschaftsgebiet der Polheimer, Jörger, Starhemberger und noch einiger anderer Adeliger gewesen.Und alle haben ihre Spuren hinterlassen.

Besonders die der Polheimer können sich sehen lassen. Zu diesem Zweck verlassen wir das Eferdinger Becken und begeben uns nach Grieskirchen. Von dort sind es nur weniger Kilometer, ehe man vor einer der schönsten Freskenzyklen Österreichs steht. Schloss Parz heißt dieser sehenswerte Ort, wo Kultur und Geschichte, vereint mit Religionsdiskurs und bemerkenswerter Propaganda gemeinsam auftreten. Ein Erinnerungsort allemal. Dass die Polheimer keine unbedeutenden Adeligen waren, ist nicht neu. Bereits im 13. Jahrhundert befanden sie sich in der oberösterreichischen Landesregierung, und sowohl Passauerischer Bischof als auch ein Salzburger Erzbischof stammte aus ihrer Sippe. Aber erst Wolfgang von Polheim gelang es, in den Reichsfreiherrenstand zu kommen. Als Berater Kaiser Maximilians I. verhandelte er für diesen 1477 die Ehe mit Maria von Burgrund aus. Und nachdem diese unglücklich (und todbringend) vom Pferd gestürzt war, verhandelte Polheim mit Anna von der Bretagne, einer weiteren, sehr reichen Erbin. Stellvertretend für Maximilian heiratete Polheim die Erbin, aber aus dieser Ehe wurde dann doch nichts. Aber Kaiser Maximilian I. zeigte sich wohlwollend. Er erlaubt den Polheimer das alte Schloss Parz und die Burg Tegernbach ab zu reißen und sich mit deren Steinen in Parz, nun Neu- Tegernbach genannt, einen Prachtbau zu errichten. Dass dieser Prachtbau aber bald den Habsburgern aus religiösen Gründen ein Dorn im Auge sein wird, ist eine andere Geschichte. Denn die Reformation war dem Siegmund Polheim (1531-1598) ein besonders großes Anliegen. Und so wurde zu jener Zeit ein Freskenzyklus angebracht, der auf den ersten Blick biblische und mythologische Handlung aufzeigt. Doch wenn es um die Darstellung der Ägypter im Roten Meer geht, die das jüdische Volk verfolgen, dann ist schon mal der Papst der Pharao, umgeben von türkischen Reitern. Ein ertrinkender Papst im Hausruckviertel also.

Kapitel 4.

Vom Bauernkrieg anno 1625 und den Pöschlianern.

Das Bauen kostete aber sehr viel und trieb die Polheimer in eine hohe Schuldenlast. Aber was störte dieses schon den Adel? So lange es genug Bauern gab, die die Schuld abarbeiteten, war alles im Lot. Doch als die Schulden immer mehr wurden, ein größerer Krieg im “Teutschen Reich” ausbrach und die finanzielle Not der Habsburger in eine Verpfändung ganz Oberösterreichs an Bayern mündete, eskalierte die Situation zunehmend.

In Frankenburg am Hausruck aber wurde eine ungeheure Tat zum Auslöser einer der größten Bauernkriege in Österreich. Hier hatte der bayrische Statthalter Adam Graf Herberstorff etwa 5.000 Bauern hergetrieben. 36 ließ er um ihr Leben würfeln. Der mit der kleineren Zahl wurde auf der Stelle gehenkt. 17. Bauern verloren dabei ihr Leben. Was heute ein friedlich wirkender Ort ist, war 1625 ein Ausgangspunkt für die Oberösterreichischen Bauernkriege. Und das harmlos klingende “Frankenburger Würfelspiel” wurde zum Synonym für sinnlose Gewalt und die grausemste Seite der “Herrschaftszeit”.

Noch einmal sollte das Hausruckviertel zum Ausgangspunkt einer durchaus blutigen Bewegung werden. Haben Sie schon mal was von den “Pöschlianern” gehört? Damit sind wir schon recht weit weg vom Mittelalter. Um genauer zu sein, sind wir in der Napoleonischen Ära. Und da gab es in Ampflwang im Hausruck so einen Kaplan, der gegen Napoleon wetterte und das “Jüngste Gericht” vorhersah. Bald schon hatte dieser Kaplan, Thomas Pöschl mit Namen, viele Anhänger und war den damaligen kirchlichen Behörden ein Dorn im Auge. Er wurde mehrmals versetzt, landete letztendlich im Wiener Priesterhaus. Seine Anhänger begannen aber bald auf brutale Art diesen Untergang zu “erwarten”. Besonders der Ottnanger Bauer Johann Haas radikalisierte dieses Treiben, indem er seine Nachbarn Georg Nehammer, dessen Frau und deren Tochter erschlug und dann noch sein Patenkind Anna Maria Einzinger. Diese versuchte sich zunächst noch zu wehren, weswegen beim ersten Schlag einige Finger verlustig gingen, aber ab dem zweiten Schlag hatte sie keine Chance mehr und wurde bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Ihr Mörder ging übrigens später dann aufgrund geistiger Unzurechnungsfähigkeit frei. Heute sind die Ereignisse rund um die Pöschlianer fast vergessen, das Wort selbst gibt es aber noch als Schimpfwort. Und es gibt auch ein nettes Gedicht dazu, mit welchem dieser Bericht beendet wird!

Der Hausruckwald, der is a Gschicht

Der is zum Glück so rund und dicht,

dass er d’Pöschlianer guat verdeckt

und Horden wilder Sau versteckt.

Finis.

eferding

Empfehlenswerte Literatur:

Zu den Schaunbergern: http://www.schaunberg.de/

Alexander Ritzinger, Schlösser Parz. Siegmund Polheim und der ersäufte Papst

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