WEIBSVOLK? – Anwesend!

Weibsvolk 1Wild und zugleich zart, temperamentvoll und doch anmutig: So kennt man uns, die 4 Weiber mit den weitfliegenden blauen Röcken, wie wir mit Sang und Klang von Fest zu Fest ziehen und uns unter das mittelalterliche Marktgetümmel mischen. Aber woher kommt dieser bunte Haufen? Was genau machen die da? Und wie hat das alles angefangen?

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Verena Tomys, das „Oberfeldweibel“ im Frühjahr 2014 ihre alte Schulkameradin vom Anton-Bruckner-Gymnasium Straubing (Niederbayern) anrief und fragte, ob sie, Lena Grossmann, Lust hätte beim Nibelungenfest in Plattling mal so richtig auf die Pauke zu hauen. – Lassen Sie mich kurz ausholen und Ihnen ein Bild von diesem Teufelsweib geben: Klein aber oho! und stets zu jeder Schandtat bereit. Hinter ihrer zierlichen Gestalt und den wallenden schwarzen Locken verbirgt sich eine taffe Frau, die den Ton angibt, egal ob mit Flöten oder mit der großen Davul. Im Juli 2016 legte sie die Abschlussprüfung zum Masterstudium Elementare Musik- und Tanzpädagogik am Orff-Institut Salzburg mit Auszeichnung ab. – Ohne Zögern folgte also auf meine Anfrage ein kräftiger Jubelschrei als Bejahung und schon wurde ein Konzept für dieses neue Alte-Musik-Projekt ausgetüftelt: Eine lustige Gruppe wollen wir sein, die Fröhlichkeit und gute Laune verbreitet. Unsere Musik soll zugleich anspruchsvoll aber auch leicht zugänglich sein und dabei den historischen Kontext nicht ausser Acht lassen. Spielerisches Können, Verlässlichkeit und Probendisziplin sind daher ebenfalls wichtige Kriterien bei der Suche nach weiteren Musikern. Darüberhinaus sollte man neben einer bezaubernden Ausstrahlung auch eine gewisse Zähigkeit besitzen, um im ganz normalen Wahnsinn eines mittelalterlichen Lagerlebens bestehen zu können. Dazu gehört besonders eine Resistenz gegenüber Nässe, egal ob in Form von Regen oder Schweiß. Aus Zucker, zickig oder „hoaglat“ darf man also nicht sein. Mit einem Wort, ein g’standnes Weibsbild eben. Und so wurde der Arbeitstitel „Weibsvolk“ auch gleich zum Bandnamen.

Nun gweibsvolk 2alt es, weitere begeisterungsfähige Weiber mit derartigen Eigenschaften zu finden und so streckten wir beide in der neuen Wahlheimat Salzburg unsere Fühler nach feschen und wackeren Mädels aus.

Mit Susanne Popp fanden wir ein echtes Weib, das für unser Vorhaben wie die Faust aufs Auge passte: Die leidenschaftliche Biologin und versierte Schwertkämpferin (Sie ist derzeitige Salzburger Vizelandesmeisterin im langen Schwert!) entpuppte sich bei den Feierlichkeiten von INDES, dem Verein für historisch europäischen Schwertkampf, dem wir beide angehören, auch als talentierte Gitarristin, Klarinettistin und Sängerin. Beim Weibsvolk hört man die gebürtige Spitalerin zumeist am Schrummstab, aber auch an Flöten, Rauschpfeifen und im Gesang stellt sie ihr Können unter Beweis. Ihre Naturverbundenheit, die sich nicht zuletzt durch das Masterstudium der Biologie ausdrückt und die vielfältigen Erfahrungen als Mitglied der Lagergruppe Die Soldknechte sind eine große Bereicherung besonders für alle aussermusikalischen Aspekte des Weibsvolks: Gewandung, Küche, allgemeine Gepflogenheiten und vieles mehr. Zudem bescherte ihr ihre fürsorgliche Art die ehrenvolle Rolle der Bannerbeauftragten.Weibsvolk andrea

Auch Natasha Schestopalova, die Schlagwerkstudentin aus St. Petersburg entsprach voll und ganz den Vorstellungen von einem Trommelweib. Umso härter fiel uns der Abschied, als sie bereits 2015 nach Studienende in ihre russische Heimat zurückkehren musste.

Dafür konnten wir Andrea Kraft gewinnen. Derzeit befindet sie sich mitten im Masterstudium Musik- und Tanzpädagogik am Orff-Institut und studiert zusätzlich Instrumentalpädagogik für Blockflöte am Mozarteum. Getreu dem Spruch Nomen es Omen macht die Oberbayerin ihrem Namen alle Ehre und ist ein richtiger Glücksfall für das Weibsvolk: Mit schier unglaublicher Leichtigkeit huschen ihre flinken Fingerchen über Flöten und Rauschpfeifen. Aber Vorsicht! Dieses kecke Weib hat’s in sich! Ihr heiteres Wesen und ihr unvergleichlich herzhaftes Lachen sind extrem ansteckend. Doch mit Worten wird man dieser durchsetzungsfähigen, zielstrebigen und lebensfrohen Frau kaum gerecht – Andrea Kraft muss man einfach erleben!

UWeibsvolk susind um die Runde komplett zu machen, möchte auch ich mich kurz vorstellen: Nach meinem 1. Staatsexamen für das Gymnasiallehramt Musik an der Universität Regensburg hat mich mein Weg an das Mozarteum Salzburg geführt. Dort habe ich, ebenfalls diesen Sommer, das Konzertfachstudium Viola da Gamba absolviert. Mein Lieblingsspielzeug neben Flöte und Rauschpfeife ist die Fidel. Aber eigentlich genügt es zu sagen, ich bin verrückt genug mich voll und ganz dem historischen Schwertkampf, dem Schneidern verschiedenster Gewänder und dem Entstauben von Alter Musik zu widmen.

Sicher, das Musikstudium gibt uns die nötige Fingerfertigkeit und ein Grundverständnis für Alte und Frühe Musik, hilft aber im speziellen Fall der mittelalterlichen Musik nur bedingt weiter. Denn was und wie gespielt wird findet man nicht einfach so in den gängigen Lehrbüchern, sondern ist mit eingehender Quellrecherche verbunden, die über das alltägliche Studium der „klassischen Musik“ hinausgehen.Weibsvolk verena

Bei der Auswahl des Repertoires legen wir größten Wert darauf, unser Publikum nicht nur durch laute Jubeltöne mitreissen zu können, sondern es auch durch das Anschlagen sanftere Saiten zum Zuhören einzuladen. So kann man sich beispielsweise nachmittags in lauschiger Atmosphäre im Mokkazelt bei Honigtarte und Chai-latte von zarten Flötentönen berieseln lassen und abends dann mit einem feinen Becher Bier oder Met zum Klang der Rauschpfeifen heiter das Tanzbein schwingen. Dementsprechend vielfältig ist unser Repertoire. Es reicht von Neidhart von Reuenthal über die Carmina Burana, die Cantigas de Santa Maria und Thoinot Arbeau bis hin zur ursprünglichen Folklore verschiedenster europäischer Völker.

Weibsvolk LenaNicht ganz leicht gestaltete sich auch die Wahl der Instrumente. In Christian Dreier aus Georgsmarienhütte im Norden Deutschlands fanden wir schließlich einen hervorragenden Instrumentenbauer für unsere Rauschpfeifen. Diese mischen sich perfekt mit dem Klang unserer Flöten in diversen Ausführungen u.a. von Moeck. Die Kastenfidel Fridel wurde schon mindestens zweimal vor der totalen Vernichtung bewahrt und wurde nun in ihrem zarten Alter von 63 Jahren endgültig aus ihrem langen trostlosen Dasein in einem Kellerschrank befreit. Auch Rositha, die große Davul, hat bereits einige Jahre auf dem Buckel und macht dabei noch immer eine gute Figur. Die vorherige Besitzerin und Namensgeberin hatte sie von einem fahrenden türkischen Händler vor langer Zeit erworben. Nur durch Zufall fiel sie in die Hände des Weibsvolks. Eine kleine Kuriosität ist Susis Schrummstab, ein dreisaitiges gitarrenartiges Instrument. Auf der Suche nach neuen Klangfarben, einfacher Spielweise und komfortabler Handhabung, entwickelte der Schöpfer diese neuzeitlichen Erfindung.

Nun aber genug der Worte, denn am besten erlebt man uns live und in lebendigen Farben. Wann und wo das ist, finden Sie auf unserer website http://www.weibsvolk.at/ und/oder auf facebook.

Das Weibsvolk tummelt sich überall da, wo man singt, lacht und tanzt: Auf mittelalterlichen Festen und Märkten, im Lagerleben, bei Ritteressen, etc. Und wem die Warterei bis dahin zu lange dauert, kann uns auf youtube besuchen.

Wir freuen uns wenn es wieder heißt: Rafft die Röcke, schnürt die Mieder: s‘Weibsvolk spielt wieder!

Weibsvolk

Verena Tomys

August 2016

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