Wehrkirche Wullersdorf und der barocke Ehrgeiz

Da ich öfters an Wullersdorf vorbeifahre, habe ich mich immer gewundert, weshalb ein so kleiner Ort so eine riesengroße Kirche braucht. Wullersdorf liegt ca. 20 km entfernt von Eggenburg.
Die Antwort findet sich in einer Legende:

Wieso gerade Wullersdorf eine so große Pfarrkirche hat, erzählte ein Benediktinerpater des nahe gelegenen Klosters von Maria-Roggendorf: Seit dem 15. Jahrhundet wird hier ein Marienbild verehrt. Die Pfarre von Roggendorf, den Zusatz „Maria“ trägt der Ort erst seit 1971, war seit je her eine Filialpfarre der Benediktinerabtei Göttweig in der Wachau. Im Jahr 1695 baute das Stift Göttweig die Kirche von Roggendorf in ihrer heutigen Form. Das war nun dem auf Repräsentation bedachten Abt von Melk, Berthold Dietmayer ein Dorn im Auge. Er, dem wir das Barockjuwel des Stiftes Melk an der Donau verdanken, beauftragte seinen Baumeister Jakob Prandtauer, in Wullersdorf zur Ehre Gottes eine noch größere und schönere Kirche zu bauen, als die von Roggenddorf. So wurde 1733 die Roggendorfer Kirche in seinen Schatten gestellt. .
Ein Schuft, wer Böses dabei denkt.

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Zur Geschichte:
Die Pfarre reicht bis in die Mitte des 11. Jh.zurück. 1105 erfolgte auf Bitte des Abtes von Melk eine Wiedereinweihung oder die Weihe einer an Stelle einer ölteren neu gebauten Kirche, die Mgf. Leopold III., der Heilige, dem Stift Melk schenkte, die Schenkung aber wurde erst 1113 beurkundet. Da die niederösterr. Landesfürsten das Gut Wullersdorf vom Stift auch zu Lehen nahmen, wurde dieses 1441 verpfändet. Während der Fehde zwischen K. Friedrich III. und seinem Bruder Hzg. Albrecht VI. unternahmen es 1463 Anhänger des Kaisers, die an der Schmieda und dem Göllersbach liegenden Burgen der Anhänger Albrechts zu brechen.
In einer Relation vom Jahre 1683 wurde auch „Wallerstorf in der Khirch“ als Zufluchtsort bestimmt. Ihr ging eine Lfdfl. Kommissionierung voraus, die neun umliegende Ortschaften gegen die Verpflichtung einer 3-tägigen Robot dem Wehrkirchhofe zuwies.
Unter dem jetzigen Kirchplatz, an dem die frühere Kirche aus dem Mittelalterstand, die wegen Baufälligkeit im 18.Jh. abgerissen wurde, ist der Eingang eines Fluchtganges zum Melkerhof abwärts mit 170 m Länge, der nach Vereinbarung besichtigt werden kann.
Die Wehrhaftigkeit ist nur im Portalbereich der Kirche zu sehen, der noch aus dem älteren Teil erhalten ist. Die rundbogige Toröffnung des Torturmes war ebenso wie ein links davon angebrachtes, rechteckig abgeschlossenes Fußgängerpförtchen für eine Zugbrücke eingerichtet, wie die beiden umgebenden Blenden zeigen. Der mauerumgebende Vorplatz ist daher, nichts anderes als eine steinerne Bogenbrücke, die über eine grabenförmige Lücke eines vormaligen Zwingers hinweggeht. Die noch gebräuchliche Bezeichnung Zwinger deutet auch an, daß der Kirchhof von einer doppelten Mauer umgeben war.

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Der Torturm hat siene Erhaltung dem Umstand zu verdanken, daß sein Obergeschoß als Rathaus des Marktes verwendet wird. Über der Zugbrückenblende des großen Tores ist ein Stein mit der Jz. 1498 eingemauert. In der Mauer stecken auch zwei Geschützkugeln, die von der Schwedenbesetzung 1645, stammen sollen.
Die Kirche ist eine durch Prandtauer 1725 begonnener und nach seinem Tod durch Mungenast vollendeter Umbau einer großen got. Kirche. Der orginalgebliebene Kirchturm wurde erst 1822 wegen Baufälligkeit abgetragen und die zwei Fassadentürme erbaut.
Im Inneren desdes Kirchenhgels wurde von L. Karner ein aus zwei Kammern und Verbindungsgängen bestehender Erdstall festgestellt, ein anderer, von NW nach SO gerichteter, bei der Fundamentherstellung der W-Türme gefunden. Auch vom Karner soll ein unterirdischer Gang hinunter zum Melkerhof, dem ehem. Pfarrhof, geführt haben, welcher zur Besichtigung ist.

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