Wehrkirche Weissenkirchen in der Wachau

die bedeutendste Kirchenfestung Niederösterreichs. Der um 1150 als Hauptort des “Iocus Wahowa” geltende Ort “Liechtenchyrchen” darf sich als einzige Wachaugemeinde mit dem Zusatz “in der Wachau” schmücken was bereits in einer Urkunde von Albero von Kuenring 1258 erwähnt wurde.

Die Kirche wurde bereits in ihrem Ursprung als Wehrkirche angelegt. 1070 wird Weissenkirchen in einer Schenkungsurkunde an das Benediktinerkloster Weihenstephan (Bayern, bekannt durch die Brauerei)erwähnt, Besitzungen der Bischöfe von Freising. 1138 erhielt die Benediktinerabtei Michelbeuern  durch eine Schenkung der Gräfin Ita von Burghausen Weingärten in Weissenkirchen. Im 12. -14.Jh. finden sich spärliche Aufzeichnungen über Weissenkirchen. Was zu erklären ist, da die Aufzeichnungen meistens die größeren Besitzungen des Klosters Tegernsee meistens unter der Bezeichung “Distrikt Wachau” erwähnt wurden. Zu diesem bezeichneten Distrikt gehörten St. Michale, Wösendorf, Joching und Weissenkirchen. Das von Hadmar von Kuenring gestiftete Kloster Zwettl hatte seit mindestens 1256 Besitzungen in Weissenkirchen und Wösendorf.

1531 wurde die bestehende Anlage mit 4 Türmen, Graben und Wall zum Schutz gegen die Türken ausgebaut und mit 44 Kanonen bestückt. Die Wehrmaer ist größtenteils vollständig. Besonders wehrhaft ist die Ostmauer, der Südostturm ist am besten erhalten. Von der Donauseite bzw. Ortzentrum führt eine steile Treppe zur Kirche mit kleinen Toren und verwinkelt, also mit Hellebaden und Lanzen nicht möglich um die Ecke zu kommen.

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Für die, die es ein bißchen genauer wissen wollen eine ausführlichere Erklärung:

Weissenkirchen, einst Markt Wachau” genannt besitzt eine der bedeutendsten Kirchenbefetigung Niederösterreichs. Oben, am Rand einer Terrasse liegend, durch einen Talgraben getrennt, einerseits die alte Siedlung “Auf der Burg”, anderseits, unmittelbar über dem Markt, die Kirche mit dem umgebenden Kirchhof. Der Marktplatz war in dessen Umgebung von einer 1514 genannten Straßensperre dienenden Befestigung umgeben.

Im N und O wird der Wehrkirchhof von einem Graben umzogen, der das Eckplateau des Kirchhofs aus der der Terrassenfläche abtrennt. Er ist das Befestigungsteil, der urk. genannt wird. 1522 beschloß der Gemeinderat den Neubau der Kirche und wegen der Türkengefahr, “erstlich das man den graben sol räümen vnnd ein maur darin auffürenvnnd ein liechtzaun darauf”. Zu diesem Vorhaben wurden die Maurer in der Wachau zur Robot aufgerufen. Die Mauer, die am Innenrand des Grabens aufgeführt wurde, war kaum die heutige Kirchhofmauer. Vor allem hatte sie noch keine Ecktürme. Der Lichtzaun, aus dicht nebeneinander senkrecht in den Boden getriebenen und oben zugespitzten Pfählen bestehend, die an der Innenseite durch angenagelte Bretter miteinander verbunden waren, war an der Außenwand des Grabens gesetzt, um einen Einstieg in diesen zu verhindern.

Der Grundriß des Wehrkirchhofes zeigt ein unregelmäßiges Viereck, das sich dem Umriss des Kirchhofplateaus gefügig anpaßt. W- und S-Mauer sind bis an den Rand der Terrasse gerückt und greifen als Futtermauer tief in den Abhang hinunter. Die Ecken werden durch Rundtürme verstärkt. Die NW-Ecke wird vom Schulhaus  umschlossen. Schon 1385 wird die Schule genannt und ist eine der ältesten Schulen Österreichs, in der immer noch unterrichtet wird. 1518 ließ die Gemeinde die Mauer “unter der Schuel” ausbessern. Damals war wohl die Schule ein kleines, mit einem Pultdach an die Kirchhofmauer anschließendes Häuschen. Nach einem Brand, 1793, erhielt das Schulhaus ein Stockwerk und durch eine gleichzeitige Erweiterung verschwand der NW-Eckturm. 1530 war die Befestigung der Kirche vollendet.

Mit dem am W-Fuß der Kirchenhöhe liegenden Schützenhof, auch Teisenhoferhof genannt, steht der Wehrkirchhof in baulichem Zusammenhang, doch dürfte es dazu erst bei seinem Umbau 1527-42 gekommen sein. Zwischen seiner von zwei Türmen begrenzten Rückwand und der Kirchhofmauer bzw. dem Schulhaus schiebt sich ein 4,5 m breiter Zwinger ein, der als Fortsetzung des Kirchgrabens anzusehen ist. Die den Boden des Zwingers um 3,55 m überragende Rückwand des Schützenhofes war urspr. eine freistehende, unverbaute Zwingermauer, wie Spuren eines Wehrganges und zwei Reihen, nun in den Dachraum zielender, Schießscharten beweisen. Der Zwinger hatte auch eine, heute verlorene, Beziehung zum Kirchhoftor. Die Bewohner der alten Hauptsiedlung “Auf der Burg” kamen vom NW her zur Kirche. Nachdem sie auf ihrem Weg den Bach übersetzt hatten, kamen sie an dem im Besitz der Gemeinde befindlichen Turnhof vorbei. Von ihm aus geht, am Beginn durch ein Bogentor unterbrochen, eine schmale Stiege längs der Terrassenabfalles hinauf und mündet in das W-Ende des N-Grabens, wo der Kirchenweg durch den Zwinger zum Kirchhoftor führte. Die überdachte, seitlich durch Holzwände vollständig geschlossene Kirchenstiege steigt mit 42 Steinstufen  in östliche Richtung hinauf. Sie wurd durch ein rundbogiges Tor abgeschlossen, das nach alten Ansichten  Teil eines Torturmes war. Von ihm steigt, im rechten Winkel dazu, eine ebenfalls geschlossene und überdachte Stiege mit 21 Stufen zum Kirchenhoftor empor.

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1550 wurde das Kirchenhoftor mit Gußerker und Fallgitter versehen, da sich der damalige Besitzer des Schützenhofes Richter Wolf Luftenberger sicherer fühlen wollte.

Das zweite Kirchhoftor, bildet eine rundbogige einfach abgefasste Öffnung in der w. Kirchhofmauer. Der einserne Türflügel stammt erst aus 1849. An der Außenseite ist der Tormauer eine 58 cm starke Verstärkung mit einer 25 cm breiten Gleitrinne für ein Fallgitter vorgesehen. Über dem Tor ragt eine mächtiger Gußerker vor. Sein Inneres bildet eine tiefe, vom Wehrgang der Mauer zugängliche Nische, von der die Gleitspalte für das Fallgitter ausgeht, das im aufgezogenenen Zustand hinter der Mauerverstärkung verborgen war. Durch eine über der schmalen w. Kirchhofteil hinweggeführte Brücke war auch für eine Verbindung zwischen Kirchhofmauer und Kirche gesorgt.

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Die vom sw. Eckturm ausgehende W-Mauer hat zunächt in ihrer unteren Hälfte eine Verstärkung, die in drei großen Rundbogennischen mit Schlüsselscharten aufgelöst sind. Auf ihrem 60 cm breiten Absatz lief der Wehrgang aon zwei Schlüsselscharten vorbei. Gegen das Kirchhoftor hin reichte die W-Front der Kirche so nahe an die Kirchhofmauer, daß nur ein 3 m breiter Zwischenraum bleibt. Der durch Tragbalken verbreiterte Wehrgang war deshalb hier auf einer geringeren Mauerverstärkung geführt, die auf Kragsteinen und zwei Bogen ruhten. Da der Wehrgang etwas höher verlief, liegen auch die ihm zugehörigen drei Schießscharten höher. Alle Scharten enthalten noch das Auflageholz. Über den Schießscharten zieht ein schmaler Mauerabsatz hin, der mit einem Sims aus vorsthenden Steinplatten verbunden ist. Darüber schließt die 5,88 m hohe Mauer mit kleinen Zinnen, die zum Torgußerker treppenartig aufsteigen, aber ein Produkt des 19.Jh. sind. Hinter einer höheren, abgeragenen, vermutlich mit großen Zinnen versehenen Brustwehr lief ein zweiter Wehrgang, der am Gußerker vorbeiging.

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Die an den Außenseite bis zu 7 m in die Tiefe hinabreichende S-Mauer ist im Kirchhof bis auf eine Brüstungshöhe von 90 cm abgebrochen. Anschließend an der sö. Eckturmist ist jedoch ein 7 m langes Mauerstück von der vollen Höhe bis zum niedrigen Stumpf schräg abfallend abgeglichen worden. Das genügt, um ein Bild der alten Mauer zu vermitteln. die Innenhöhe der Mauer betrug uspr. 5,81 m. Die Höhenlage des einstigen Wehrganges wird durch eine Turmtür, deren Schwelle 3,80 m hoch liegt, sowie durch ein einzelnes Tragebalkenloch bestimmt. Von den noch zum Wehrturm gehörigen Schießscharten sind nur noch die Doppelscharte erhalten. Da sich die S-Mauer über einen steilen abhang erhebt, war ein zweiter, oberer Wehrgang hier überflüssig.

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Die O-Mauer ist in ganz ungewöhlichem Ausmaß zu einem starken, fast selbständig wirkenden Verteidigungswerk ausgebaut worden. Vielleicht, weil in den angrenzenden Weingärten der Feind mühelos bis an den Grabenrand kommen konnte, oder auch, weil ein solcher Feind vor allem aus dem O zu erwarten war. Sie ist in einer Weise zur Verteidigung eingerichtet, wie dies bei keiner zweiten österreichischen Kirchhofmauer geschehen ist. Schon die Mauerdicke von 1 m ist beträchtlich. Außerdem ist an der Außenseite eine mächtige Stützmauer von fast 3 m Höhe angefügt, die etwas geböscht und an der Oberkante noch 60 cm stark ist. Die jetzige Gesamthöhe an der Innenseite beträgt 8,73 m. In halber Mauerhöe verjüngt sich die Mauerdicke um die Hälfte. Dem dicken unteren Teil sind Pfelerarkaden vorgelegt, die über 3 m breite und 1,65 m tiefe Nischen bilden und die auf ihrer Oberfläche, verbunden mit dem durch die Verjüngung der Mauer entstandenen Absatz, einen Wehrgang von 2,06 m Breite tragen. Auf den Wehrgang führt eine allseits geschlossene Steintreppe, die an der Stelle einer Nische eingebaut ist und am Beginn durch eine, noch den Rest eines flachen Kleeblattbogensturzes aufweisende Tür zu sperren ist.

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Die Stiege wird von einem Tonnengewölbe überdeckt, über das der hier etwas erhöte Wehrgang hinweggeht. Ohne Beispiel ist die überaus abwechslungsreiche Gestaltung der Schießscharten, an denen der Wehrgang vorbeiführt. Es gibt da Maulscharten, Hosenscharten, mit Pechnasen verbundene und vormals mit Fall-Laden versehene Schießfenster. Die interessanteste Scharte bildet eine Nische, die mit vier Steinplatten abgeschlossen ist, die aber eine rechteckige Öffnung freilassen. In diese ist ein drehbarer Steinzylinder eingesetzt, in dem eine Schlüsselscharte ausgemeißelt ist. Durch Ensetzen der Finger in drei auf jeder Seite angebrachten Rillen konnte der Steinzylinder nach Abgabe eines Schusses gedreht werden, daß er die Schartenöffnung verschloß.

Völlig einzigartig und in dieser Art und Ausdehnung noc bei keiner zweiten Kirchenhofmauer nachgewiesen, ist ihre Ausrüstung mit Spähröhren. Es sind Tonröhren, die gerade oder schräg durch die Mauer gehen. Da sie aus zwei übereinander gelegten Dachhohlziegeln gebildet sind, haben sie konische Gestalt. durch die Spähröhren konnten die Verteidiger, besonders noch nach abgabe eines Schusses, das Vorgelände überblicken ohne selbst gesehen zu werden.

Bemerkenswert ist auch die N-Mauer, die aus dem Graben schartenlos bis zu einer Höhe von 8 m aufsteigt. Mit 1,42 m Dicke ist sie die stärkste Kirchenhofmauer Österreichs und übertrifft  sogar die unterfränkischen Wehrkirchen. An der Kirchhofmauer waren auch fortlaufende Unterkünfte angegliedert für die Bürger, Vorräte, Kochstellen und auch Wasserbrunnen. Noch in voller Höhe ist der SO-Turm erhalten. Die Art, wei sein Dreiviertelrund an das Ende der O-Mauer gesetzt ist, beweist seine nachträgliche Erbauung. Ebenfalls in voller Höhe, jedoch ohne Zwischendecken und Dach ist der NO-Turm erhalten. Er war in erster Linie ein den Graben und sein Vorgelände beherrschendes Werk und bildet ein Vollrund, das unter dem Wehrgang der Kirchhofmauer durch Einziehung des Mauerwerkes an der Innenseite etwas abgeplattet ist. Das Erdgeschoß und die zwei Stockwerke sind mit Rechteckscharten ausgerüstet und vom Kirchhof aus zugänglich, vermutlich von den angebauten Gaden, das oberste von den Wehrgängen. In den beiden äußeren Mauerwinkeln befinden sich Reste von Abortanlagen.06-DSC_0131

Der mit allen Mitteln ma. Kriegskunst ausgerüstete Wehrkirchhof wird vor allem vom mächtigen, fast 10 m Steitenlänge messenden Kirchturm beherrscht, der sich an der NW-Ecke der Kirche erhebt. Er war trotzdem kein Wehrkirchturm.Ein sptzbogiges Portal mit Stabwerk und Krabben war bis 1738 der Haupteingang in die Kirche. Er führt in eine kreuzgewölbte Vorhalle und war durch einen Riegelbalken zu sperren. Sie haben nach allen Seiten große, spitzbogige Nischen und mit rechteckigen Fenstern in den freiliegenden Abschlußwänden. Die Schallfenster der Glockenstube sind in den gleichen Nischen über 1,22 m hohen Brüstungen angebracht. Über einer modernen, den Turmkörper abschließenden Betondecke erhebt sich ein steiles Sattelwalmdach mit Dacherkern an den vier Seiten. Der Bau des Turmes wurde am 18. April 1502 durch W. Fröhlich als Baumeister begonnen und im gleichen Jahr vollendet. Nach der Befestigung des Kirchhofs hat man den Turm, der geänderten Zwecken gemäß, verwendet, zunächst zeitweise als Wachturm. Er diente als Zufluchtsstätte für die Frauen. Die Kirche wurde von 1502-1526 gebaut und war nicht als Wehrkirche konzipiert. 1555 schrieb der Probst von St. Florian an die Gemeinde, er habe vernommen, daß die Kirche nicht als Bethaus sonder eher einem Kramhause gleiche. Die Kirche diente also als Bergungsraum. Die Befestigungen und der Kirchhof gehörten der Gemeinde, die zeitweise auch die Kirche als ihr Eigentum ansah und sie als Bergungskirche verwendete. Die Schlüssel der Kirche hatte der Zechmeister und der Schulmeister aufzubewahren und nicht der Pfarrer.  1550 waren bei der Kirche bereits 44 Stück oder Büchsen. Ernsthaft wurden sie kaum verwendet. Mit dem Aufhören der Türkengefahr 1683 endete auch die kriegerische Bestimmung des Kirchhofs. Wehrgänge und Gaden fielen vermutlich einem Brand 1793 zum Opfer. Mitte d. 19. Jh. erfolgte der Abbruch der S-Mauer.

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Literaturquelle Karl Kafka

 

 

 

Interessantes rund um Wehrkirchen sammelt die Taterman Reporterin Karin und zeigt euch einen Einblick in Geschichte und Verwendung dieser Kirchen

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