Von den vielen Vierteln Österreichs_ Eine geographische Analyse

Immer wieder lesen wir, wenn es um die Bundesländer Niederösterreich und Oberösterreich geht, von diversen Vierteln. Besonders bekannt ist dabei das Waldviertel, das ja ein für sich eigenes Gebiet ist, bekannt durch seine Wälder, seinem Granit und diverse Burgen. Doch wo liegt eigentlich das Hausruckviertel, von dem man eher selten was hört? Und was hat es mit dem Industrieviertel auf sich? Nun wird man grundsätzlich meinen, dass es sich hier um Geographie handelt und taterman ja eher für Geschichte steht. Und genau da soll auch angeknüpft werden:

Es wird in den folgenden Artikeln nicht um geographische Eigenheiten gehen, sondern um geschichtliche Fakten. Viele dieser Regionen erlebten unterschiedliche Entwicklungen. Während im Waldviertel im Hochmittelalter etwa diverse Grafen hier ihr Herrschaftsgebiet ausweiteten, ist das Weinviertel meist von diversen Ministerialen gerodet worden. Das Traunviertel gehörte zunächst gar nicht zu Österreich, sondern zur Steiermark (daher auch der Name Steyer (!) –mark) , das Hausruckviertel wiederum wäre um 1380 fast unabhängig von Österreich geworden.

Das Innviertel ist bekanntlich erst 1779 zu Österreich gekommen. Was war vorher das vierte Viertel von Österreich ob der Enns?

Nun, zuviel soll hier nicht erwähnt werden, nur soviel, warum diese „Vierteln“ überhaupt geschaffen wurden. Das hängt mit der Landesverwaltung zusammen, die eine einheitlichere Übersicht anstrebte. Die vielen, oftmals kleinen Herrschaften glichen einem Fleckerlteppich, der unübersichtlich war und nur bedingt ein „Landesbewusstsein“ förderte. Noch dazu galt es, eine Landesverteidigung zu schaffen. Das heutige Oberösterreich, früher Österreich ob der Enns genannt, ging seit dem Hochmittelalter stückweise an die Babenberger, distanzierte sich von Anfang an vom Rest des Babenbergerherzogtums.

1478 beantragten die oberennsischen Stände beim Kaiser die Einteilung in vier Gebiete, die bis 1779 in ihrer Struktur so blieben. Es waren dies

  1. a) Das Viertel westlich des Haselgrabens (Mühlviertel)
  2. b) Das Viertel östlich des Haselgrabens (Schwarzviertel)
  3. c) Das Viertel westlich der Traun (Hausruckviertel)
  4. d) Das Viertel östlich der Traun (Traunviertel)

1779 kam das Innviertel hinzu, woraufhin das Schwarzviertel Teil des Mühlviertels wurde. Insofern soll dem Schwarzviertel auch ein eigener Artikel eingeräumt werden.

Da wir nun in Oberösterreich fünf Viertel haben, wurde der Beschluss gefasst, nebst Niederösterreich auch das Nordburgenland zu beschreiben, eine Region, die- ähnlich dem Innviertel- sehr lange als Grenzregion „gegen Österreich“ fungierte und seit 1921 ebenfalls Teil von Österreich ist (das restliche Burgenland könnte man eher mit der Steiermark vergleichen).

Die niederösterreichische Vierteleinteilung (zur Zeit der Hussitenkriege geschaffen) ist durch die geografischen Eigenheiten ihrer Gebiete geprägt, ein Merkmal, das in Oberösterreich nur beim Mühlviertel zu beobachten ist. Wenngleich eine klare Grenze zwischen Most- und Industrieviertel nicht vorhanden ist, denn die originale Einteilung von 1868 lautete:

  1. a) Viertel ob dem Wienerwald (Mostviertel)
  2. b) Viertel unter dem Wienerwald (Industrieviertel, demnächst vielleicht Thermenviertel)

Nördlich der Donau gilt der Manhartsberg als Trennlinie, wenngleich sich mit der Bezirkseinteilung mancher Ort ins andere Viertel „schummelte“. So liest man öfters, dass Hardegg zum Weinviertel gehöre, was aus geographisch- und geologischer Sicht mehr als absurd ist. Eggenburg wird aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Bezirk Horn wieder zum Waldviertel gerechnet.

Ansonsten ist die historische Einteilung noch heute auch auf politischer Ebene so beibehalten (wie generell das Viertelsystem heute noch als Gliederung bedeutend ist, etwa für Wahlkreise):

  1. c) Viertel unter dem Manhartsberg (Weinviertel)
  2. d) Viertel ob dem Manhartsberg (Waldviertel)

Wir haben es also mit 10. Regionen zu tun, die jeweils historisch behandelt werden. UND NATÜRLICH WIRD ES UM BURGEN/ STIFTE/ WEHRKIRCHEN USW. GEHEN!

Pro Viertel wird es einen geschichtlichen Teil und eine Sammlung sehenswerter Bauwerke geben, zu denen sich auch auf taterman Artikel finden lassen…

Nicht näher berücksichtigt wird Wien. Diverse kleinere Regionen (Wachau, Strudengau, Marchfeld usw.) sind hier jeweils den Vierteln zugeordnet, zu denen sie geographisch gehören.

Zuletzt nochmals die Aufzählung der zehn Regionen (mit den geschichtlichen Titeln) :

 

Österreich

Mit Beiträgen und Bildern von Gratia von Schala, Karin Jungmayer, Gerhard Koller, Imago Nuntius, & Maximilian Mautner- Markhof.

P.S.: 2017 wurden die Artikel noch einmal geändert und mit Kapiteln versehen, um eine bessere Übersicht zu verschaffen.

Das Innviertel (Ein bayrisches Stück Österreich)

8Das Innviertel ist Österreich jüngstes Viertel, denn es kam erst 1779 zu Österreich. Und so haben wir uns auf die Suche nach den, eigentlich bayrischen Ursprüngen gemacht und sind auf erstaunlich österreich- nahe Bezüge gestoßen, aber auch auf grausame Burgherren, die teilweise nur durch Nagetiere bezwungen werden konnten.

 

Das Schwarzviertel (Ein vergessenes Viertel?)

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Wer oder was bitte ist das Schwarzviertel? Ein vergessenes Stück Österreich? Nicht ganz, denn eigentlich liegt das Schwarzviertel ziemlich zentral zwischen….nein, das verrate ich Ihnen hier nicht. Wir haben uns die Geschichte dieses bekannten unbekannten Viertel angesehen und sind auf einige sehr interessante Geschichten gestoßen, von einer mehrfach geteilten Burg bis hin zu einem Grafen, dessen Prunkschloss nur wenige Jahre nach der Fertigstellung wieder abgerissen wurde.

 

Das Mühlviertel (Von Falkensteinern, Wallseern und Oberhaimern)

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Im Mühlviertel wurde schon viel politisiert und gestritten, immerhin trafen sich hier, an den Ufern der Mühl, die territorialen Interessen von Österreich und Passau. Darüber hinaus gab es eine Menge Adelige, die entweder nicht ausstarben (!) oder als Raubritter es den Zeitgenossen so richtig schwer machten, an das Gute zu glauben. Noch heute ragen mächtige Burgen als Zeugnisse dieser ereignisreichen Zeit über das Land und so manche Ritter irrt noch immer durch die Wälder.

 

Das Hausruckviertel (Schaunbergs Traum und Fall)

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Die Geschichte des Hausruckvierrtels ist eng mit den Schaunbergern verbunden, jenen Grafen, die im späten 14. Jahrhunderten nach der Unabhängigkeit griffen, womit das Hausruckviertel beinahe ein eigenes Land geworden wäre. Ihre mächtige Ruine thront noch heute über das Eferdinger Land. Im Hausruckviertel brach aber 1625 auch der Große Bauernkrieg aus und um 1800 verunsicherte ein religiöse Sekte das „Landl“.

 

Das Traunviertel (Ein steirisches Stück Österreich?)

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Das Traunviertel ist bekannt für den Traunsee, Bad Ischl (wo 1914 der Erste Weltkrieg formal begann), Hallstatt (wo in Vorchristlicher Zeit eine hochentwickelte Kultur bestand) und dem mächtigen Traunstein, der wie kein anderer über dieses Viertel herrscht. Im Traunviertel gibt es aber auch noch andere Geschichten. Eine davon ist die Gründung der Steiermark, die in Steyr ihren Anfang hat.

Das Mostviertel (Die Wiege Österreichs?)

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Das Mostviertel ist flächenmäßig das größte der Vierteln und birgt einen großen Reichtum an Geschichte und Geschichten. Hier hat Österreich seine Ursprünge, hier tumelten sich die Burgunder des Nibelungenliedes, die Sieghardinger oder Hademar von Kuenring. Hier wurde (wie so oft) gestritten, manchmal als Frau (!) um Herrschaftsrechte, manchmal um einen Birnbaum. Nicht zuletzt fanden hier auch militärische Katastrophen, wie etwa die Bauernkriege statt. Überragt wird diese Szenerie vom Östscher, dem Vater der Mostviertler (und Mostviertlerinnen).

 

Das Waldviertel (Ein steinreiches Viertel)

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Das Waldviertel ist das bekannteste Viertel. Sein rauhes Klima, die touristisch gut vermarktete Mystik und die Granitsteine machen es zu einer ganz besonderen Gegend. Das Waldviertel weißt aber auch eine ungewöhnlich hohe Zahl an ehemaligen Wehrbauten auf, insgesamt sollen es 703 gewesen sein. Ein Bruchteil dieser Anlagen sind heute noch als Burgen erhalten, während nahezu jeder Ort eine Burgruine aufweist. Damit ist das Waldviertel zu recht ein „steinreiches Viertel“, dessen Charme, einst wegen der rauhen Verhältnisse ein gefürchtetes Faktum, heute ein Ort für Historiker und Burgenliebhaber geworden ist.

 

Das Weinviertel (Ein Viertel der Hausberge)

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Das Weinviertel ist ein Land der Hausberge. Oftmals sind es kleine Hügel, die- wie Alfred Komarek schreibt- unmotiviert in der Gegend herum stehen. Die Tradition, hier derartige Anlagen zu schaffen, geht bis in die Urgeschichte zurück, wo in grauer Vorzeit mit den Kreisgrabenanlagen erste Monumentalbauten geschaffen wurden. Das Weinviertel ist aber auch das Land der Kellergassen und des „ui“- Dialektes, wo 1645 die Schweden wüteten und heute barocke Schlösser im Dornrösschenschlaf liegen.

 

Das Industrieviertel (Ein attraktives Grenzland?)

Das Industrieviertel ist ein geschichtsträchtiger Boden. Hier residierten Herzöge, Könige und Kaiser, hier wurden Klöster gegründet, aber auch gestritten, gemordet und bekriegt. Einerseits also ein Ort, der für so manchen „Großen“ höchst attraktiv war (etwa für dem Streitbaren, den Schönen sowie den dritten Friederich 😉 ), während dann eben auch Mars Einzug hielt. Überragt wurde und wird dieses Treiben vom Schneeberg und der Rax, die über die verschieden Teile des einstigen Grenzlandes, Wienerwald, Wiener Becken und der Buckligen Welt schützend stehen.

 

Das Nordburgenland (ein ungarisches Stück Österreich?)

Das Nordburgenland ist grundsätzlich kein Viertel, aber es bietet sich hier die Gelegenheit, ein ungarisches Gegenstück zum ehemals bayrischen Innviertel dar zu stellen. Eingezwickt zwischen Leitha- und Rosaliengebirge, den Neusiedler See umufernd, geprägt von Kirchentürmen mit steinernen Spitzdächern sowie beherrscht von einer mächtigen Burg präsentiert sich dieser Landstrich als durchaus geschichtsträchtiger Boden, für den sich einst sogar spanische Ritter interessierten. Aus dieser denkbar vielschichtigen Geschichte haben sich allerlei Zeugnisse erhalten, etwa ein Stück Mauer, ein steinerner Türke, ein tiefer Brunnen und einige denkwürdige Anekdoten zu den Esterházys.

 

 

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