Triest – auf den Spuren der Habsburger

Wieso Triest? Triest liegt doch in Italien? Mir war Triest nur ein Begriff als Stadt am Meer. Bei Besuchen im Schloß Artstetten haben mich die Bilder und Fotografien von Triest und Miraramar fasziniert. Triest war der Hafen der Habsburger Donaumonarchie bis zum 1. Weltkrieg. In Artstetten sind auch Nachbauten der österreichischen Kriegsschiffe und sehr viel Fotos von der österreichischen Marine. Der Thronfolger Franz Ferdinand war einer der wenigen Habsburger, der eine militärische Funktion in der Marine hatte, aufgrund seiner Ausbildung  auch zur Modernisierung der Marine beitrug. Wer in Triest ankommt glaubt zwischen der Ringstraße in Wien und Klein-Venedig gelandet zu sein.

Triest ist eine altes Siedlungsgebiet, das schon durch seine Lage von den Ilyrer, Griechen, Kelten und Römern besiedelt war. Die Geschichte Triests beginnet jedoch schon viele Jahrhunderte vor den Heldentaten Trajans und der Argonautensage. Vor  mindestens 50.000 Jahre war das Gebiet bereits von einem Verwandten der Neandertaler besiedelt.

Zur Argonautensage: Auf der Flucht aus Kolchis mit dem Goldenen Vlies fuhren Jason und Medea die Aria aufwärts und flüchteten sich in die Bucht von Triest, die vor den Wüten der Nordwinde von den Hügeln und den Wäldern des Karstgebietes geschützt war.

Der Hügel San Guisto ist der Ursprung der Geschichte von Triest. Sie wurden von den sardischen Nuraghen besiedelt, die das Gebiet beherrschten. Als dann die Kelten einfielen, warein die Istrier mit dem Ausbau ihrer Interessen auf dem Meer beschäftigt, denn das Land gab nicht viel her. Sie betrieben auch die Seeräuberei, die damals im ganzen Mittelmeerraum betrieben wurde. Die Stadt kam erst mit den Römern zu Reichtum, die bereits 46 v. Chr. unter Cäsar 52 v. Chr. diesen Landstrich besiedelten und die Mauern und die Verteidigungs Triests verstärkten.  1. Jh. nach Chr. war die Stadt eine römische Kolonie und von ihrer Lage ein wichtiger Standort für die römische Kolonialisierung, die Triest mit zwei Hafenbecken damals schon ausstatten. Die Glanzzeiten dauerten etwa 200 Jahre und dann hielt das Mittelalter Einzug. 476 gab es das Weströmische Reich nicht mehr und Triest folgte dem Schicksal des Oströmischen, in dem die Bischöfe die Macht übernahmen.

Am Weihnachtstag des Jahres 800 wurde Karl der Große zum Kaiser gekrönt und zu seinen vielen Ländereien zählte auch die verarmte römische Kolonie am Nordrand der Adria. Die Stadt teilte mit seinen römisch-byzantinischen Schwesterstädten deren Schicksal in Form von Überfällen der Goten, Hunnen, Langobarden und Awaren und das Eindringen der slawischen Stämme. Sie ließen sich in den ärmsten Gebieten nieder und bildeten den Kern, auf den der Herzog Johann, Vertreter des Kaisers, seine Macht stützte. Es gab in dieser Zeit sehr viele Querelen zwischen dem Herzog, Klerus und den angerenzenden Lateinern und Slawen. Ein Dokument aus dem Jahre 804 belegt die Beschwerden der Bevölkerung über die Misstände im Wechsel zwischen der untergehenden byzantinischen Gesellschaft und dem fränkischen Feudalismus. Ein weiteres Dokument stammt aus dem Jahr 948, indem erteilt der schwache König von Italien Lothar II. dem Bischof Johann die weltliche Macht über die Stadt. Drei Jahrhunderte lang blieb sie in den Händen ihrer Prälaten, die meistens deutscher Herkunft waren. Die Triester hatten immer wieder Schwierigkeiten ihre Produkte durch Handel auf den Markt zu bringen, da Venedig in dieser Zeit ein übermächtiger Gegner war und 1202 von den führenden Triester Familienoberhäuptern den „fidelitas“, den Treuepakt, unterschreiben lies. Was aber Triest nicht daran hinderte 1289 gegen die Republik Venedig Partei ergriff und sich mit zwei mächtigen bedrohlichen Nachbarn verbündete, dem Patriarchen von Auelja und dem Herzog von Görz. Nach zweijährigem Kampf unterschrieben der Patriarch und der Doge den Frieden und Triest war der große Verlierer. Es musste seine Mauern abreißen, seine Schiffe abgeben und den Seeweg aufgeben. Die nächste Jahrzente waren ein Wechselspiel aus Belagerungen, Plünderungen und Besatzungen der Venezianer, die auch das Kastell San Guisto bauten. Sie errichteten auch die Kirchen, Handelshäuser und die städtische Loggia. Die Stadt war von den Fremdherrschaften und Überfällen erschöpft und beschloss 1382, sich unter den Schutz Österreichs zu stellen. Zur Entscheidung trug die Tatsache bei, dass sie jetzt von Herzog Hugo von Duino, einem Verbündeten der Habsburger, besetzt waren. Diese willigten ein, da sie den Wein aus Triest sehr schätzten. Venedig hielt es aber nicht davon ab weiter Triest zu überfallen und versuchten jede Wirtschaftstätigkeit zu untergraben, vorallem ihr Salzmonopol zu verteidigen und so sah sich nachdem die Situation immer chaotischer wurde, Österreich gezwungen zu handeln und der Herzog von Österreich Friedrich III. besetzte die Stadt. Er setzte seine Herrschaft, die zunächst nur formal war auch effektiv durch. Die Arbeiten zum Bau der Burg wurden wieder aufgenommen. Die Burg wurde bei Auseinandersetzungen zwischen Venedig und Österreich abermals 1508 zerstört. Im darauffolgenden Jahr wurde Venedig besiegt und Triest erlebte eine kurze Zeit des Friedens und Wohlstands. Gegen Ende des 16.Jh. und 17. Jh wurde die Stadt geprägt von Hungersnöten, Pest und wirtschaftlicher wie kultureller Stagnation. Triest erwachte wieder am 18.März 1719 aus seinem Dornröschen Schlaf, als Kaiser Karl VI. Triest zum Freihafen erklärte. Die Habsburg Dynastie hatte sich in Europa durchgesetzt und durch kluge Heiratspolitik einen multinationalen Staat geschaffen, der einen Hafen mit Handelsfunktion brauchte, da es seine Interessen auch am Mittelmeer ausdehnen wollte. Die Handelsvergünstigungen, die Größe der Steuerfreibeträge, ohnesgleichen im 18. Jh. zogen Scharen von Händlern, Unternehmen und Abenteurern an. Die Stadt erlebte goldene Zeiten, die sich auch heute noch in den Straßen wiederspiegeln.

die Fotos unten sind neueren Datums und zeigen speziell die Kirche aus der frühmittelalterlichen Zeit und den Glockenturm.

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