Strögen- die einsame Wehrkirche

Die Kirche ist auf der Strecke Wien – Waidhofen a. d. Thaya kurz nach Horn links weithin sichtbar.

Die Wehrkirche wurde 1067 vom Bischoff Altmann v. Passau als Zehentanteil der „ecclesia Strengen“ zu dem von ihm gegründeten Kloster St. Nikolai gehört haben. Da es bei der Stiftungsurkunde um eine Fälschung handelt aus dem Jahre 1138 bzw. 39, dürfte die Pfarre durch die Grafen von Poigen-Regau an das Stift Altenburg verschenkt worden sein. Hierfür gibt es leider keinen Quellennachweis. Für die Schenkung gibt es erst 1349 eine urkundliche Erwähnung. Als ein Gefolgsmann von Adelheid v. Wildberg-Hohenburg wird ein Dietmar v. Strögen erwähnt. Die Kirche wurde während der Hussiteneinfälle zerstört und 1437 wieder neu geweiht. Das Dorf Strögen wurde bei den Einfällen ebenso zerstört und ein wenig abseits der Kirche wieder neu errichtet. Die Kirche wurde 1619 zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges von den protestantischen Ständen zerstört und die letzten Bauschäden bis 1661 endgültig behoben.

Die Kirche ist dem Hl. Peter und Paul gewidmet und dürfte auf den nach Schwammenhöfer auf den Erdstrukturen einer ehem. Burganlage des ausgehenden 11. Jh. errichtet worden sein. Die ein gedrungenes Oval bildende Kirchhof- bzw. Friedhofmauer folgt demnach dem Verlauf eines verebneten Ringwalls. An der NO-, O- und SO-Seite sind Reste der ursprünglichen Anlage zu finden. Die Kirche dürfte ursprünglich wesentlich kleiner gewesen sein, was an der Stirnseite der Kirche durch die Steinstrukturen noch gut sichtbar ist. Die Meierei und das Pfarrhaus bildeten eine Einheit, da der Pfarrer auf die Erträge der Meierei zurückgreifen konnte und sein Einkommen daraus bestritt. Die Meierei existiert heute noch und von beeindruckender Größe für die damalige Zeit. Da der Ort Strögen von den Hussiten erstmalig zerstört wurde, wurde die Ortschaft in etwa 1 km Entfernung zur Kirche wieder aufgebaut. Wodurch die Kirche durch ihre einmalige Lage besticht. Die Kirche im Zentrum des Kirchhofes ist ein romanisches Langhaus, einem relativ langgestreckten Chor mit Polygonalschluss und einem im südlichen Chorwinkel angestellten Turm. Das Langhaus ist größtenteils nicht verputzt, wodurch sich dem Betrachter die ein unterschiedliches Bruchsteinwerk aus lagigen, sehr kleinen, hammerrechten Steinplatten und teilweise eingeschobenen Großquadern erschließt, dass auf eine Datierung ins frühe 12. Jh. vermuten läßt. Die W-Seite des Langhauses lässt aufgrund zweier Baunähte eine ursprüngliche Basilikale Gliederung vermuten, die im Zuge späterer Baumaßnahmen aufgegeben wurde und im Inneren nicht sichtbar ist. Der 3-jochige, mit Strebepfeilern und Maßwerkfenstern ausgestattete Chor wurden im 14. Jh erbaut und dabei das Langhaus geringfügig verändert. Der mächtige Turm wurde zuletzt angebaut. Das Innere und die Fenster des Langhauses gehören der Erneuerung von 1661 an. Die nicht mehr sehr hohe Kirchenhofmauer dürfte ebenfalls aus dem 12. Jh. und zum Teil aus dem 14. Jh. stammen. Im 15. Jh. entstanden im NW eine spätgot. Toranlage mit Fahr-und Nebentor sowie 2 Mauerzüge mit spätgot. Portalen, die den Bereich des Pfarrhofes vom übrigen Kirchenhof abgrenzen. Einige der isolierten Baukörper des Maierhofes, insbesondere der große hallenartige Speicherbau im Westen, dürften ebenso auf das 15. Jh. zurückgehen, sonst stammen die erhaltenen Gebäude aus dem 17.-19. Jh. Eventuell mussten sie nach 30-jährigen Krieg neu aufgebaut werden. Interessant ist der Kirchturm. Eine einheimische Dame machte mich darauf aufmerksam, da die Figuren nicht sehr groß sind und mit dem Tele wesentlich besser zu sehen sind. In den Ecken des Turms sind oben Steinköpfe und Plastiken vermauert, deren Ursprung nicht so ganz geklärt ist, da sie entweder aus der romanischen Zeit stammen oder noch älter aus der slawischen Besiedlungszeit. Wie in einem Artikel über Thurnau wurde diese Gegend von slawischen Fürsten bereits besiedelt. Diese Figuren sind auch noch an der Toranlage zu finden. In Strögen lässt sich wohl ein früher, mit Kirche ausgestatteter Siedlungs- bzw. Herrschaftssitz vermuten, der noch im späten Mittelalter Sitz einer ritterständischen Familie war. Wo sich der Sitz innerhalb des heutigen Komplexes befand, bleibt unbekannt. Die spätgot. Um- und Ausbauten fallen wohl ind die Zeit nach der Aufgabe der Burg bzw. des Sitzes, als ein befestigter Kirchensitz mit Meierei entstand. Strögen gehörte, wie das gesamte Horner Becken nicht zum Herrschaftsgebiet der Babenberger.

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