St. Thomas am Blasenstein und das fünfte Viertel

St. Thomas am Blasenstein und das fünfte Viertel

Unser Taterman Schönleitner hat sich ja bereits ausgiebig mit den Vierteln beschäftigt. Das Gebiet von der Rodl, bei Linz, bis zum Sarmingbach, NÖ Landesgrenze, wurde nach dem Machland, der Donauebene zw. Mauthausen und Grein, als Machlandviertel bezeichnet und reicht bis in den Nordwald in Höhe Freistadt. ( Es gibt überschneidend noch die Riedmark). Nach 1779, als das Innviertel als fünftes Viertel zu Österreich kam, wurde das Machlandviertel zum „Unteren Mühlviertel“. Das Gebiet nördlich der Donau, nicht von den Römern besiedelt aber wohl argwöhnisch kontrolliert über fast 500 Jahre, war Slawen Gebiet und bis zum Ende des ersten Jahrtausends auch von Bayern bis zu einer Linie Pregarten, Zell bei Zellhof und Schönau besiedelt. Es wurden schon um 800 die Mutterpfarren Ried in der Riedmark, Naarn und Saxen gegründet.

In dieser Mischzone waren hölzerne Burg Wall Befestigungs-Anlagen üblich. Mit dem Ende des Großmährischen Reiches, um 894, drängten die Bayern in das slawische Gebiet. In den Ungarnstürmen (908-955) sind viele Siedler aus den fruchtbaren Donauebenen ins Hinterland gezogen und haben dort neues Ackerland gerodet. 1141 wurde von Mönchdorf berichtet, dass gerodetes Land schon wieder verwildert und verlassen war.

Im Mittelalter saßen hier die mächtigen Herren von Perg- Machland, deren Territorium bis in den Nordwald reichte, wo sie rodeten und das Land urbar machten. Aus dieser Zeit lassen sich Namen ableiten wie Ruttenstein von roden oder Prandegg von brandroden.Ihre Hauptburgen befanden sich in Perg (Holzburg),Pergkirchen (roman. Rest-Quader-Mauerwerk im Pfarrhof freigelegt sichtbar) , Baumgartenberg ( auf dem Hügel neben dem Stift) ,Clam, Blasenstein       ( Burgstall oberhalb der Wallfahrtskirche in St. Thomas), Mitterberg bei Perg. Um 1150 starben die Herren von Machland mit Otto aus und der Besitz ging an die Herren von Clam. Klingenberg als nächste Rodungsburg, nördlich von Blasenstein, heute St. Thomas, liegt in Sichtweite zur Burg Clam, weiter nördlich zur Burg Ruttenstein, und bei Schönwetter Ausblick bis zur gesamten Alpenkette vom Schneeberg bis zu den bayrischen Alpen.

Die Herren von Perg- Machland- Clam waren treue Gefolgschaft der Babenberger. So war die erste Gemahlin Markgraf Leopolds III., Adelheid (1080-1100), eine Tochter des Walchun I. von Perg (1050-1114). Der bedeutendste Machländer war Otto, der 1142 das Stift Baumgartenberg und 1149 auf seiner Burg Säbnich ein weiteres Stift gründete. Die Mönche zogen aus Platzgründen bald weiter nach Waldhausen. Als 1218 der letzte Graf Clam-Velburg am 5. Kreuzzug in Ägypten umkam, fiel der Besitz an Herzog Leopold IV. Das Wappen der Machländer wurde zum OÖ.-Landeswappen.

Zur Geschichte von St.Thomas a.Bl.

Schon in der Steinzeit von Jägern durchstreift war der obere Burgstall vermutlich auch eine Kultstätte. Die Burg am oberen Burgstallfelsen hatte nur etwa ein Ausmaß von 600m². Es sind Abstemmungen am Rande des Felsen für die Lagerung der Ringmauer erkennbar, am nördlichen steilen Felsabbruch wäre eine Vorburg mit ca. 180m² anzunehmen. Auch sind zwei Pfostenlöcher in Türbreite, daneben eine quadratische Ausstemmung und im NO eine größere kreisrunde, als Baukranlager, vorhanden. (Von manchen als „Lichtschalen“ bezeichnet).

Auf der NW-Seite müssten zwischen den großen Felsblöcken Palisaden gewesen sein. 1967 entdeckte Prof. Alfred Höllhuber die Einstemmungen für Mauerauflagen am oberen wie auch am unteren Burgstall (Bucklweh-Lucke) und bestätigte somit die >Burgställe<.

Es gibt Reste von Mauerfundamenten und einem Rundturm mit 8 – 9 m Durchmesser, südlich davon war an Hand der Funde die Küche (Grabungen Prof. Herbert Hiesmayr).

Blasenstein müsste nach der Art der Anlage als Höhenburg bezeichnet werden, wie in Windegg und auf Klingenberg, in romanischer zweischaliger Mauertechnik aus Weinsberger Granit-Quadern, dazwischen Füllmauerwerk. Drei Quader mit erhaltener Putzfläche sind nach einem Jahrtausend noch erhalten. Die Errichtung ist im 11. Jhd. an Hand der Fundstücke zu datieren, bis 1230/40 etwa genutzt, danach Erweiterung als Schloß nach Westen bis zum derzeitigen Pfarrhof. Die untere Burg Blasenstein soll bis 1350 bewohnt gewesen sein. Nach Fertigstellung der benachbarten, nur 4 km entfernten, moderneren und größeren Klingenberg hatte Oberblasenstein als Burg an Bedeutung verloren. Die untere noch kleinere Burg hatte einen Bergfried und Palas mit einem Gesamtausmaß 31,5 x 15,5 m. Der Einstieg in den Turm über dem Bucklweh-Lucken-Stein musste mindestens 5 m über dem Plateau gelegen sein.

Nach dem Tod Ulrichs von Clam-Velburg 1218 beim 5. Kreuzzug, in Ägypten, fiel der gesamte Besitz an den Landesfürsten Leopold IV. Auf dem Schloß Blasenstein war ab 1270 die Verwaltung der Herrschaft Klingenberg und ab ~ 1400 in Münzbach. (Wegen der abgelegenen Lage von Klingenberg). Die alten Burgen dienten als Baumaterial für die Kirche, die zur Wallfahrtskirche immer wieder vergrößert wurde. Der Durchgang unter dem Chor führt zu einer ursprünglichen Kapelle mit Sakramentsnische, die terrainbedingt nicht geostet ist. 

Der alte Pfarrhof war im westlichen Schloßtrakt (1967 Abriss). Am 11.1.1458 gelobt in einem Schreiben Peter Engelhartstetter Herzog Albrecht VI. Gehorsam.

Es gibt noch Schriften, in denen Elisabeth von Blasenstein (Witwe des letzten Clam-Velburgers) dem Stift Baumgartenberg den Ellenbach-Hof schenkt. Laut Pfarrchronik ist seit 1209 im „Schloß des Edlinger von Blasenstein“ der Pfarrhof. Im 13. Jhd. findet sich ein Chunradus v. Blasenstein als Zeuge im Testament des Grafen Ulrich v. Clam-Velburg. 1234 bezeugten Wolfirius und sein Bruder Heinrich von Blasenstein das Bekenntnis Ottos von Schleunz, demzufolge sich die Klosterbrüder in Baumgartenberg unrechtmäßig ein Dominikalgut in Pulligen angeeignet hätten. Belegt ist: 1147 Bischof Reginbert v. Passau schenkt Burgkapeelle an Chorherrenstift Säbnich/ Waldhausen, 1320 u. 1330 „Capella Sancti Thome“ und   1343 „Plasensteiner Pfarr“, 1331 St.Thomas als Filialkirche von Münzbach. Herzog Albrecht II. stiftet 1347 eine tägliche Messe und seit 1359 besteht die selbständige Pfarre.

Zur Kirche:

Die Kirche liegt einzigartig auf der Kuppe einer sogenannten Wollsack-Granit-Formation. Das Erreichen der Kirche muß sich über die Jahrhunderte bei Glätte im Winter abenteuerlich

gestaltete haben. Ohne Geländer wäre mir jetzt die Besichtigung nicht gelungen über den steil ansteigenden Weg. Das Kirchenschiff ist für die Bevölkerung sehr groß, 20 x 18 m. Es zeigt sich ein Übergangsstil von der Gotik zum Barock, ist dreischiffig mit leichter Achsenabweichung des Chores. Zwei wertvolle Terrakotta-Reliefs befinden sich im Chor sehr hoch situiert (Marienkrönung, Marientod). Am Florianialtarbild ist die Kirche, das Schloßgebäude und der alte Brunnen zu sehen, zu dem vom alten Pfarrhof ein unterirdischer Gang führte, der bei Kanalarbeiten 1999 zerstört wurde. Der Gang führte auch Richtung alte Schule, der Eingang ist noch bekannt.

Wer schon einmal hier ist, sollte dem „Luft-geselchten Pfarrer“ einen Besuch abstatten. Durch den sogenannten Kreuzgang unter der Kirche gelangt man in eine Kammer mit dem ehem. Chorherrn und Pfarrvikar Franz Xaverius Sydler de Rosenegg (4.6.1709 – 2.9. 1746). Über dessen Tod und seinem guten Erhalt ranken sich Legenden.

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Wer sich nach St.Thomas begibt, sollte sich einen ganzen Tag Zeit nehmen und auch noch manch andere interessante Plätze in und um den Ort besuchen. Es war immer schon ein Kraftplatz. Parken ist an der Ortszufahrt am besten, da bei der Kirche wenige Parkplätze sind und die gute Küche des Wirtshauses auch für volle Parkplätze sorgt. Vom Ort führt auch ein Wanderweg zur Ruine Klingenberg.

zu den Quellen:

unser Schönleitner

Herbert Hiesmayr

Dr. Josef Strasser (der so freundlich war mir die örtlichen Gegebenheiten zu zeigen) und den Text auf seine Richtigkeit nach vielen Jahrer der Forschung in alten Unterlagen zu ergänzen und auf den neuesten Stand zu bringen.

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