Ruine Windegg_ Von einer verwunschenen Burgherrin und seltsamen Gesichtern im Mauerwerk

 

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Am Bergfried der Ruine Windegg kann man noch so manches Gesicht sehen…

WO: Gemeinde Schwertberg. Im Ort selbst zweigt kurz vorm Schloß ein Weg nach Westen ab, der nach Winden und schließlich Windegg führt (Beschilderung vorhanden!)

Parken: Unterhalb der Burg.

Öffnungszeiten: Sonntag und Feiertag von 14-18. Uhr (Galerie im Turm).

 

Es ist für eine Burgruine fast unumgänglich, einen Burggeist zu besitzen, der bis heute in den Resten der Anlage sein Unwesen treibt, bis….und hier unterscheiden sich die Geschichten. Mal ist es ein einfaches Gebet, mal zeigt der Geist sogar einen Schatz, mal muss man sogar mit einem Monster kämpfen. Aber wo gibt es schon einen Geist, der seinem Betrachter etwas zum Trinken anbieten möchte?

Um dieses heraus zu finden, begäbe man sich nach Windegg bei Schwertberg, einer kleinen Ruine, die etwas versteckt liegt und viele Jahrzehnte lang vergessen war. Windegg ist keine große Anlage, nicht vergleichbar mit Ruttenstein oder Prandegg, dementsprechend klein und unkomfortabel mag man sich diese Burg erdenken. Ein quadratischer Turm, ein Palas und einpaar Nebengebäude, that’s it.

Es wundert daher auch nicht, dass Windegg von den „großen Rittergeschlechtern“ niemals bewohnt, wenngleich doch besessen wurde. Vielmehr dürften hier diverse Pfleger gesessen sein, die die kleine Burg und die dazugehörige Herrschaft verwalteten. Das geht schon aus der ältesten Erwähnung von 1208 hervor, die einen „Dietrich von Winecke“ nennt, der hier Burggraf war. Wann die Burg errichtet worden war, ist unklar. Da das Gebiet aber seit der Karolingerzeit dem Bistums Regensburg gehörte, dürften die so genannten Lengenbacher, Domherren von Regensburg, die Burg gegründet haben. Den Babenbergern lag allerdings auch viel daran, hier Fuß zu fassen, denn jener Dietrich von Windegg wird eindeutig als Dienstmann Herzog Leopolds VI. angegeben. Soweit so gut.

Die nächsten Burgherren waren quasi die Profis für eine derart „baumreiche“ Verwaltung, hatten sie doch im Waldviertel zahlreiche Burgen, die ähnlich abgelegen lagen. Sie haben es hoffentlich erraten! Nein? Es handelt sich um die Kuenringer, who else? Auch damals wurde Windegg von einem Pfleger verwaltet, der die absolute Gewalt über die diversen Untertanen besaß. Kein Wunder also, wenn es da „übereifrige Burgherren“ oder gar „Herrinnen“ gab, wie uns der Volksmund erzählt.

Die Vorstellung, dass das Mittelalter zur Gänze patriachal geprägt war, wird auch durch den Volksmund widerlegt. Hier gibt es nicht nur brutale Burgherren, die durch Psychoterror, Folter und einem willigen Gesinde zu „Leutschindern“ wurden, sondern auch  Burgherrinen, die sich durch so manche „Eitelkeit“ einen Namen machten.

Es ist nicht bekannt, wann dieses „Frauenzimmer“ auf Windegg residierte, beliebt war sie offensichtlich nicht. Vor allem gegenüber Fremden verhielt sich die Herrin mehr als unritterlich. Von einem Gemahl weiß die Sage nichts zu erzählen, sehr wohl aber war es ein Mann, der das Treiben der Burgfrau beendete. Ein Pilger vom Heiligen Land seis gewesen, so will es die Sage wissen. Beim Besuchen von Windegg wird man sich wohl schnell die Frage stellen, wie es sein kann, dass ein solcher Wanderer sich ausgerechnet in ein Seitental zum ohnehin eher ruhig und beschaulichen Aisttal verirrte. Warum klopft er nicht im benachbarten Schwertberg an? Oder ist es vielleicht doch ein göttlicher Bote?

Wie dem auch sei, die Herrin lehnte den Wunsch des Bettlers nach einem Glas Wasser oder Wein strikt ab und verwies ihn, sich des Wassers vom Bach im Tal zu bedienen. Nun fließt tatsächlich gleich neben der Burg ein kleiner Bach, wo sich heute ein Kneippbad befindet. Das hätte seinerzeit den Pilger wohl auch beruhigt und er hätte kaum gesorgt, dass die Windeggerin zur Spukgestalt wird.

Da es also damals noch kein Kneippbad gab und der Pilger vielleicht doch ein göttlicher Bote war, kam es zur „Geistreichen“ Wende. Die Windeggerin starb (woran auch immer) und muss seither in der Burg herumgeistern. Sie trägt im Zuge ihrer Tätigkeit einen Becher voll…das verrät die Sage leider nicht, was aber daran liegt, dass noch niemand ihr den Kelch abnahm und trank. Sollte es aber jemals jemand tun, so wäre die Frau erlöst. Wie lange die Windeggerin schon herumgeistert, ist unklar. Tatsache ist, dass die doch recht kleinräumige Burg bis ins 17. Jahrhundert bestand, Vischer zeigte sie noch in einem guten Zustand. Wie bei vielen anderen Burgen hatte Windegg hier bereits eine doch recht anschauliche Besitzerreihe hinter sich: Die (als Raubritter berüchtigten) Kuenringer wurden bereits erwähnt (weswegen die Sage von der Burgherrin hier recht gut hereinpasste!), 1355 folgten die Kapeller (die auch Ruttenstein besaßen), 1406 die Wallseer (die so ziemlich alles besaßen, was man damals besitzen konnte), 1483 die Schaunberger (ebenfalls berühmt- berüchtigt), bald darauf die Scherffenbergs und ab 1557 die Tschernembls (die berühmt- berüchtigte Calvinisten waren), die auch Schwertberg besaßen. Kein einziges dieser Geschlechter bewohnte Windegg tatsächlich (vielleicht hatten sie Angst vorm Burggeist), aber erst unter den Tschernembls verlor sie allmählich an Bedeutung. Um 1700 verfiel sie endgültig.

Fast 300. Jahre blieb Windegg verfallen, wurde vielleicht zum Gegenstand diverser Sagen, aber niemand interessierte sich wirklich für die Burg. 1980 war dann der absolute Tiefpunkt erreicht: Man plante die Sprengung der Ruine. Erst da erkannte ein lokaler Verein die Schönheit dieser Burg und begann mit der Revitalisierung. Der damals nurmehr zur Hälfte bestehende Bergfried wurde wieder aufgebaut und die Ruine restauriert. Im Zuge dessen konnte auch eine Zisterne rekonstruiert werden. Wer allerdings nicht auf den nächsten Regen oder den Getränkspendenden Burggeist warten will, kann sich jeden Sonn- und Feiertag im Turm laben (Anm. d. Verfassers.: Das in älterer Literatur genannte Kaffeehaus unter der Burg konnte nicht gefunden werden und fast hofften wir auf den Burggeist!). Beim Betrachten des Gleichen werden dem aufmerksamen Seher auch die beiden Gesichter auf der originalen Burgzinne nicht entgehen. Es handelt sich sogar um zwei Stück! Welches ist nun das Gesicht der Burgherrin, was das andere? Und wo ist der Becher mit dem „köstlichen“ Inhalt hingekommen?

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Gesicht 1

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Gesicht 2

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