Ruine Weikertschlag

WO: Gemeinde Raabs an der Thaya. In Raabs am Östlichen Ortsende Richtung Großau abbiegen und dort dann links nach Weikertschlag fahren. Oder Von Raabs Richtung Karlstein und dort rechts Richtung Thuma/ Oberndorf bei Weikertschlag fahren. Die Ruine ist auf einem Hügel am westlichen Ortsende von Weikertschlag, knapp westlich der Mährischen Thaya.

Parken: Am Straßenrand oder bei der Feuerwehr (mit Vorbehalt!). Bei Kilometertafel 43,8 beginnt der Aufstieg zur Ruine. Die Ruine selbst ist frei zugänglich, das Areal rundherum ist aber mit einem Zaun versehen und nicht zugänglich!

 

Ruine Weikertschlag gehört zu jenen Ruinen, die zwar begehbar (mit Schild!), aber an sich kaum besucht sind, was an der Größe der Anlage liegen mag. Nur mehr der Rest eines Turmes ist zu bestaunen und da auch nur die Hälfte. Aber irgendwie ist der Platz, oberhalb der gleichnamigen Ortschaft eigen und lädt zum Verweilen ein.

Warum eigen?

Weil der Turmrest nur ein Bruchteil jener Anlage ist, die hier mal gestanden sein soll. Und das erkennt man, wenn man dort steht. Georg Matthäus Vischer wiederum hat uns einen Stich hinterlassen, der die Größe anhand bestehender Bauwerke verdeutlicht.

Weikertschlag war eine riesige Anlage. Sie war fast so groß wie Raabs, mit der sie in Nachbarschaft stand. Doch irgendwie wirkt das Szenario etwas komisch: Raabs war im 12. Jahrhundert unabhängig von Österreich, hier saßen Edelfreie, die auch Burggrafen von Nürnberg waren. Deren Ministeriale hatten kleine Burganlagen (aus denen später oft Kirchen wurden, etwa in Liebenberg oder Liebnitz), erst um 1280, als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden größere Anlagen errichtet (etwa Kollmitz).

Auch die Turmruine von Weikertschlag stammt aus dem 13. Jahrhundert, die generelle Struktur des Sitzes und die urkundlichen Nennungen lassen aber auf eine Errichtung der Burg in das 12. Jahrhundert schließen. Damit haben wir den eigenartigen Umstand, hier eine mächtige Burg in der Nähe der mächtigen Raabser zu haben, die so gar nicht in das übliche Schema passt.

Nun wissen wir, wer diese Burg sowie den Ort gründete und dann hier saß, nämlich eine Kuenringernebenlinie, deren nicht unaggressives Verhalten in den letzten Jahren erforscht wurde. Diese Herren von Zöbing, Ministeriale der Babenberger, hatten neben ihrem, heute nicht mehr lokalisierbaren Stammsitz am Kamp durch geschickte Heiratspolitik mit den Edlen von Ranna- Grie diese in die Ministerialität zu den Babenbergern „gezwungen“ (vorher waren die Ranna- Grie Edelfreie, wie die Raabser), und über Erbwegen (wie es ganz genau von Statten ging, bleibt unklar) den Ort Stronsdorf mit der Feste Stronegg erworben, womit sie zu den einflussreichsten Adeligen der Babenberger gehörten.

Wie aber kamen diese Zöbinger nach Weikertschlag?

Im Gegensatz zu früheren Hypothesen, die sie als Ministeriale der Raabser sahen, ist heute die Ansicht, dass sie mit den Perneggern, für die sie Bernhardsthal und Waidhofen an der Thaya verwalteten, in das Land kamen und zu den Raabsern eine Konkurrenz bildeten.

Erstmals erwähnt wird werden die Brüder „Albero de Wichartsslage et Wichardus“ 1178 in einer Heiligenkreuzer Urkunde (Link: http://monasterium.net/mom/AT-StiAH/HeiligenkreuzOCist/1178_VI_19/charter), als Herzog Leopold V. gerade für einen Feldzug gegen Böhmen rüstete. Diesem Feldzug war 1176 ein böhmischer Angriff voraus gegangen, in dessen Verlauf Herzog Heinrich II. Jasomirgott gestorben war.

Ein Grenzkonflikt soll die Hauptursache gewesen sein, viel mehr waren aber auch generelle machtpolitische Diversitäten (etwa der Konflikt Kaiser gegen Papst) ausschlaggebend.

Zuvor, in den 1160er Jahren, war Konrad II. von Raabs nicht im Raabser Gebiet anwesend, Zeit genug, hier eine Burg und eine Kirche zu errichten. 1178 dann gehören sie mit diesem Titel wieder zu den Adeligen, die mit dem Herzog gegen Böhmen kämpfen.

Der Umstand, in dem die Zöbinger hier also erscheinen, ist demnach eigenartig. Hier galt es, den Raabsern eine Konkurrenz zu bieten. Dafür spricht auch die große Burg.

 

Um 1183 kommt es dann zu einer Annäherung, 1188 sind Raabser Ministeriale bereits in der Nähe der Zöbinger. Als mit Konrad II. die Raabser aussterben, sind sie die führende Dynastie im Nordland. Dieses Machtstreben zeigt sich dadurch, dass sie noch eine Burg, Landstein, gründen und dem Johanniterorden einige Schenkungen machen.

Doch 1232 wird Wichard II. ermordet, die Familie stirbt aus. Herzog Friedrich II. „der Streitbare“ übernimmt das Erbe und setzt Pfleger ein, gleiches tut nach ihm auch Přemysl Ottokar. Die Burg wird umgebaut. Aus der Grenzburg Weikertschlag wird eine Burg inmitten eines großen Reiches, das aber bald zerfällt, denn nun kommt Rudolph I. von Habsburg. Dieser fordert bereits 1276 die Burg von Ottokar Přemysl als „feindselig entrissen“ zurück. Weikertschlag gehörte demnach zu den bedeutendsten Burgen des Landes.

Rudolph konnte sie auch behalten, während die Burg Landstein und andere Teile der Zöbinger Herrschaft an Böhmen gingen. Die Burg ließen er und seine Nachkommen durch Burggrafen verwalten.

Im 14. Jahrhundert sind zwei derartige Verwalter bekannt, nämlich 1379 Peter Hillebrand und sein Sohn Hensel, der mit dem um 1384 genannten Hans von Weikertschlag ident sein dürfte.

1399 werden die Burg und der Markt von Ulrich von Rosenberg zu Neuhaus eingenommen. Dieser richtet hier einen Stützpunkt für Überfälle ein, worauf die Herzöge Albrecht IV. und Wilhelm die Burg belagern und letztendlich erobern. Doch die Finanzen der Habsburger sind bekanntlich krisenhaft und so wird die Burg 1405 an Konrad Schawl verpfändet, der sie aber im selben Jahr an Zacharias Haderer übergibt, einem legendären Ritter, dessen Waffenrock 2002 gefunden wurde (https://de.wikipedia.org/wiki/Plattenrock_des_Zacharias_Haderer , darüber hinaus hatte Haderer, erstmals unter Einsatz von Feuerwaffen, 1390 die Burg Leonstein für die Herzöge erobert). Doch Haderer zeigte sich nicht an Weikertschlag interessiert, wodurch noch im gleichen Jahr wieder die Habsburger die Burg übernehmen.

Um 1434 kommen die Einkünfte an Konrad von Eitzing, der ab 1438 auch Drosendorf besitzt. Diese Zusammenlegung führt zum Verfall der Burg. 1633 ist von einem öden Burgstall zu Weikertschlag (welche klanghafte Bemerkung) die Rede. Und Vischers Zeichnung zeigt nur noch die Kapelle als intakten Bau. Doch im 18/19. Jahrhundert werden die meisten Teile der Burg abgetragen, einzig der Turm bleibt über.

Und er wacht noch heute über den Burghügel und über den Ort, fast wie ein verfallener Stadt- oder Uhrturm. Und so gehört die Ruine zum Ortsbild, ja gibt ihm eine eigene Aura.

Doch auch die Aura am Burgberg selbst ist einzigartig und wer in dieser Ruine, deren Mauern noch heute mächtig wirken, steht, begreift, dass es sich hierbei um eine der imposantesten Anlagen des Waldviertels gehandelt haben muss. Denn diese Mauern erzählen noch heute durch ihr Auftreten die Geschichte der (offiziell) nördlichsten Ruine Österreichs.

 

PS.: Inoffiziell gibt es noch eine nördlicher gelegene Ruine, nämlich in Gilgenberg. Die dortigen Burgreste bei der St. Ägidienkapelle werden aber als Burgstall angesprochen. Dieser Umstand ist beim Betrachten des Mauerwerks nicht ganz nachvollziehbar.

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