Ruine Schimmelsprung- Von Herrn Heinrich „Tumbenowe“ und einem toten Kavalier

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WO: Gemeinde Gars am Kamp. B34 bis Gars, hier in Richtung Ruine Garsabbiegen. In (!) der zweiten Kurve (die nach rechts geht) geht geradeaus eine Gasse (Schimmelsprunggasse) nach Süden, diese nehmen und bis zu deren Ende fahren

Parken: Beim Ende der Schimmelsprunggasse. Dort den Wanderweg entlang des Kamps weiter, bis rechts ein beschilderter Weg zur Ruine hinaufgeht.

Öffnungszeiten: frei zugänglich.

 

Im zweiten Teil zur Ruine Schimmelsprung geht es um zwei Persönlichkeiten, die mit dieser doch sehr interessanten Anlage zusammen hängen. Die eine erzählt von einer realen Persönlichkeit, die hier vermutet wird, die andere von einer Spukgestalt, die- sofern man dieser Sage trauen darf- hier gesehen wurde und in den 1920ern mit einem recht amüsant wirkenden Titel versehen wurde. Worum geht es also?

Im ersten Beitrag ist der Name von „Heinrich de Tumbenowe“ bereits erwähnt worden, seine Geschichte und seine Bedeutung für die Burg (insofern konstruierbar) sollen hier nun näher betrachtet werden. Tatsächlich war dieser Heinrich eine Figur, die im österreichischen Adel durchaus beachtenswert war. Heinrich war Kämmerer, also für die Finanzen zuständig. Dieses Amt darf aber nicht überschätzt werden. Zu Heinrichs Zeit war es nur noch ein Prestigeamt mit einem schönen Titel und, wenn dieser Heinrich tasächlich hier saß, über einer großen Verfügbarkeit über diversen Ressourcen. Mit anderen Worten, Heinrich konnte es sich leisten, eine eigene Burg zu bauen.

Doch wohin gehörte dieser Heinrich? Jüngst wurde die Vermutung verworfen, dass Heinrich ein Familienmitglied der Burggrafen von Gars war. Diese verfügten über einen großen Besitz, sind aber meistens durch die Namen „Erchenbert“ vertreten. Zu Heinrichs Zeit gibt es aber eine interessante Ausnahme im Namen, denn nun ist ein Heidenreich Burggraf von Gars. Offenbar war dieser Heidenreich auch an der Rodung des Nordgebietes interessiert und begann dort sich eine Herrschaft zu errichten. Daran erinnern heute Burg und Ort Heidenreichstein.

Genau in diesem Moment tritt Heinrich „Tumbenowe“ auf, dessen Name ja nur geringfügig anders ist. Und auch er verfügte über großen Besitz, wie wir aus mehreren Urkunden wissen. Er konnte es sich also leisten, eine Burg zu bauen, noch dazu, wo auf der Schanze die Reste einer slawischen Siedlung ausreichend Steine anboten. Dieses dürfte als Hypothese für eine Errichtung im späten 12. Jahrhundert ausreichen.

Vielleicht ist er ein Abkömmling des 1182 genanntenHeinrich Luscheman von Gars„, vielleicht auch ident mit den öfters genannten Heinrich von Gars, wobei hier eine Verwechslung mit Heidenreich nicht von der Hand zu weisen ist. Lassen wir uns aber nicht durcheinander bringen…

Im Jahre 1200 schenkte Heinrich Garzun Gebiete in Puch (?) sowie einen Waldteil mit zwei Weingärten dem Stift Zwettl, was von Herzog Leopold VI. bestätigt wurde. Es fällt auf, dass hier zunächst nicht die Rede von einem „Tumbenowe“ ist. Dennoch dürfte der Name erstmals zu dieser Zeit in den Urkunden aufgetaucht sein. Eine Bestätigung von Herzog Albrecht V. an die Bürger von Zwettl anno 1417 nennt „Heinricus de Tumbenowe camerarius“ und gibt an, dass dieser in der Originalurkunde von 1200 Zeuge war.

Als Leopold VI. 1203 dem Kloster St. Nikola bei Passau die Mautfreiheit verlieh, wird „Haeinricus de Tumbenowe“ als „De ordine ministerialium „, also der herzoglichen Ministerialität zugehörend genannt. „Camerarius“ war er zu dieser Zeit allerdings nicht mehr, da ihm ein Gottfried der Kämmerer in dieser Urkunde folgt. Demnach dürfte Heinrich nicht mehr eine allzubedeutende Position besessen haben. Mit viel Bauchweh könnte man demzufolge meinen, dass er schon davor mit dem Bau seiner Burg begonnen hatte. Als „Hainricus de Tumbenovve“ wird er kurz zuvor auch in einer herzoglichen Urkunde für Heiligenkreuz genannt.

1205 sind wir auch erstmals über die Familie des Heinrich informiert. In diesem Jahr schenkteAlheidis de Tumenawe“ mit Zustimmung ihres Gatten „Heinricus de Tumenawe“ dem Kloster Zwettl das Dorf „Gloknitz“, welches ihr väterliches Erbe war. Weiters geht hervor, dass das Paar keine Kinder hat, ein erster Hinweis für spätere Erbprozesse.

Spekulativ bleibt auch, wann genau Heinrichs Schwägerin Virginia in das Stift Klosterneuburg eintrat, er nutzte aber doch die Gelegenheit, dem Stift einige Güter zu schenken (FRA II/ 4 nr. 737). In diesem Vermerk wird erstmals seine Gattin „Alheit“ genannt, deren Schwester Virginia war.

1209 finden wir ihn und seinen Bruder (!) in der Stiftungurkunde von Lilienfeld als „Heinricus de Tumbenowe“ sowie „Kunradus frater eius„. Heinrich hatte also einen Bruder namens Konrad. Aber genau hier wird auch kurz zuvor „Heindenricus de Gors“ genannt, ohne dass auf ein familiäres Verhältnis eingegangen wird. Wie bereits erwähnt, lässt dieses auf keine familiäre Bindung schließen, wenngleich Heinrich eventuell ein naher Verwandter war oder kurzfristig Gars bekommen hatte, die Burg aber dann wieder an die eigentlichen Burggrafen zurück geben musste. Das sind aber alles nur reine Spekulationen.

1210 taucht er jeweils in herzoglichen Urkunden für  Altenburg und Formbach auf.

1212 finden wir in einer Zwettler Urkunde noch einmal Heinrich von Tumbenowe, ihm folgt in der Reihe Otto von Heidenreichstein nach, was auf ein verwandtschaftliches Verhältnis schließen lässt. Bald darauf dürfte Heinrich allerdings gestorben sein, seine Gattin überlebte ihn und heiratete nochmals. In einer Urkunde, die für 1214 datiert werden kann (letzte Urkunde von 1212, † sowie ein Jahr Trauerzeit ), bestätigtAlheidis de Tumenawe“ mit Zustimmung ihres zweiten Gatten „Rudolfus Mazo de Heimburg“ die Schenkung des Dorfes Gloggnitz an das Kloster Zwettl.

Soweit so gut.

Heinrichs Nachwirken ist aber auch nach seinem Tot nicht unbedeutend. Seine Schenkungen bewogen etwa das Stift Lilienfeld, sich beim Papst eine Bestätigung zu holen. Papst Innozenz III. ließ sich nicht lange bitten und bestätigte am 11. März 1214, dass die Schenkungen Heinrichs auch weiterhin im Besitz des Stiftes bleiben.

Unklar ist das Schicksal der Burg. Vermutlich ging sie an Adelheit und ihren Gatten. Die Mazos sind noch im späten 13. Jahrhundert in Klosterneuburger und Heiligenkreuzer Urkunden genannt. Sie bewegen sich großteils im südöstlichen Niederösterreich, besaßen aber auch die Burg Kopfstetten. Als Rudolph Mazo 1286 starb, ging diese Burg zurück an den Lehensgeber Regensburg. Vermutlich kam auch Thunau zurück an den Landesfürsten. Vermutlich kam die Burg nun an die Burggrafen von Gars. Mit deren Aussterben, um 1360, dürfte die Burg dem Verfall überlassen worden sein.

 

Gute 700. Jahre nach Heinrichs Tod versuchte ein Beamter im Handelsministerium, Anton von Mailly, die Sagen des Landes zu sammeln und zu publizieren. Schnell konstruierte er auch einige Erzählungen, machte aus dem „Bösen Ritter“ (im ersten Teil zu finden) einen Tempelritter, der in der benachbarten Burg Klösterl residiert haben soll. Templer klingen eben besser, so Mailly und es kann ja kein Zufall sein, dass diese Ruine Klösterl (über die wir vielleicht auch noch was schreiben werden) diesen monastisch-orientierten Namen hat. Tatsächlich wurde im Volksmund ja nur von einem „Bösen Ritter“ berichtet und Mailly schaffte es nicht, diese „originale“ Version mit seinen Fantasien zu vermischen. Und so wurde 1923 der Schimmelsprung als Templerburg genannt.

Doch Mailly erzählt noch eine andere Sage:

Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts mähte ein Mädchen in der Nähe der Ruine „Schimmelsprung“ bei Thunau am Kamp Gras. Plötzlich trat aus der Ruine ein Mann heraus. Sein Gesicht war fahl wie der Tod, ein halbvermoderter Samtkragen hing ihm um die Schultern, ein Dreispitz beschattete das unheimliche Gesicht. Er hatte kurze Beinkleider, Strümpfe und Schnallenschuhe, ein Spitzdegen hing ihm an der Seite. Die Gestalt winkte mit ihrer knochigen Hand der Maid; sie besann sich nicht lange und lief davon. 

 

Mit „Anfang des vorigen Jahrhunderts“ ist die Zeit kurz nach 1800 gemeint, denn Mailly lebte um 1920. Wo auch immer das Mädchen gemäht haben mag, ist nicht weiter klar, denn Grasstellen gibt es hier keine. Die Ruine ist großteils von Wald umgeben, aber möglich ist, dass das um 1800 anders war. Auch die Ruine Gars war um 1800 unbewaldet.

Die Gestalt des „Kavaliers“ (warum Mailly ihn so nannte, ist aus dem Inhalt erkennbar) ist laut der (überraschend expliziten) Beschreibung seiner Kleider eher in das 18. Jahrhundert zu deuten. Samtkragen, Dreispitz, Beinkleider, Strümpfe, Schnallenschuhe und ein Degen sind eindeutig Modetrends des 18. Jahrhundert. Vielleicht wohnte in der Ruine eine solche Gestalt mit älterer Mode, zumahl er laut der Sage nicht unbedingt als Geist zu sehen ist. Es war also keine Gestalt aus dem Mittelalter, kein Heinrich von „Tumbenowe“ und auch nicht ein Templer. Eher ein Obdachloser, der hier eine Wohnstatt gefunden hatte.

Wer auch immer der Mann war, das Mädchen tat gut, zu fliehen…

 

Weitere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/2301

 

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