Ruine Röthelstein- Devíns österreichisches Gegenstück

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Anfahrt: Von Wien kommend die A 4 an der Abfahrt Fischamend verlassen und über die B 9 bis Hainburg fahren. Entweder den Parkplatz an der Donaulände im N Hainburgs benutzen oder nach dem Durchqueren der Stadt die Straße Richtung Braunsberg wählen und bei der Abzweigung des Fußweges, unmittelbar vor dem Wintersperre-Schranken parken. Der weitere Weg ist in beiden Fällen ausgewiesen und nicht zu verfehlen. Parkmöglichkeiten finden sich am Ausgang der genannten Fußwege. Der relativ bequeme Zugang dauert (über gut beschilderte und markierte Wanderwege) 10-25 Min.
Öffnungszeiten: Das Ruinengelände ist ganzjährig frei zugänglich.

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Nachdem zuletzt Devín vorgestellt wurde, soll nun auch das österreichische Gegenstück zu Wort kommen. Nein, es ist keine derart prächtige Anlage wie Devín, ja nicht einmal wie Hainburg. Es ist eine kleine Burgruine, die bis vor etwa zehn Jahren fast völlig vergessen wurde. Aber sie ist eine sehr harmonische Ruine und ein Ruheort, fernab von hektischen Treiben und diesem doch erschreckend nahe.

Es ist dies die Ruine Röthelstein bei Hainburg, eine fast vergessene Ruine an der Donau.

Zahlreiche Sagen erzählen von verwunschenen Templern, die vorbeigehenden Wanderern ihre Schätze zeigen, die angeblich im Burgfelsen in einer kleinen Kammer auf ihren EnIMG_2158tdecker warten. Urkundliche Beweise dazu gibt es jedoch nicht, weswegen sämtliche Theorie hier nur Spekulation bleiben muss. Ein Interesse an dieser Lokalität seitens der Templer wäre grundsätzlich möglich gewesen, die Quellen liefern dazu aber kein Ergebnis.

Nun, was sagen uns eigentlich die Quellen?

1170 / 80 kommt erstmals ein Irnfried von Röthelstein urkundlich vor. Die Röthelsteiner waren Ministeriale der Vohburger, die das Grenzgebiet verwalteten. Röthelstein war also keine Babenbergerfestung wie etwa Hainburg. Unklar ist, wie lange die Röthelsteiner auf der Burg residierten. 1272 sind die Trautmannsdorfer die Burgherren, danach Otto von Haslau. Dieser war ein bekannter Kreuzfahrer, wodurch hier eine Verbindung zu den Templern gefunden werden könnte. Wohlgemerkt könnte!

Ab 1318 ist Röthelstein landesfürstlich und wird – wie Theben – von Pflegern verwaltet. Ab 1373 scheint sie jedoch wieder in private Hände gelangt zu sein. Eine nicht ganz klare Besitzerfolge beginnt, gleichzeitig entwickelt sich Röthelstein zu einem Raubritternest. Willhelm von Enzersdorf, seit 1411 Besitzer der Burg führt von Anfang an andauernd Streitigkeiten mit der Stadt Hainburg. Meist ging es um Jagd- und Fischereirechte. Da die Stadt Hainburg nicht einlenkte, kam es zu gewaltsamen Übergriffen. Erst ein Vergleich löste den Streit.IMG_2156

40. Jahre später:

Ledvenko von Ruckenau, ein verwegener slowakischer Raubritter, erobert die österreichische Grenzfeste. Mit seinen Spießgesellen, den so genannten ,,Schnapphähnen ’’, plündert und terrorisiert er die ganze Gegend. Bei Hof an der March und Röthelstein werden Sperren, so genannte Tabore, errichtet, die jedes Schiff an einem Weiterkommen hindern. Die Raubritter treiben es immer toller. Ledvenkos Spießgeselle Pankraz von Gaicz geht sogar so weit, das er selbst Lehen verteilte. 1458 eroberte schließlich Erzherzog Albrecht VI. die Burg, Ledvenko flieht, seine Schnapphähne, etwa 500. an der Zahl, lässt der Eroberer über die Klinge springen. Im Gegensatz zum friedlichen Ende der Zwistigkeiten des Enzersdorfers endeten die Untaten des Ledvenko also in einem Blutbad. IMG_2137

Röthelstein wird wieder landesfürstlich, wenn auch nur kurz. 1459 besuchte Kaiser Friedrich III. die Burg. Sie muss dem zu folge noch eine recht respektable Feste gewesen sein. Doch der in andauernden Geldnöten verwickelte Herrscher verpfändete bald darauf die Burg, zuletzt 1479 an die Grafen von St. Georgen und Pösing, denen seit 1459 ja auch Devín gehörte. Röthelstein, seiner Funktion nun wertlos geworden, wird dem Verfall überlassen. 1511 schenken die Grafen die bereits verfallene Feste der Stadt Hainburg. Der Name bleibt immerhin noch als Titel erhalten. So nennt sich 1580 etwa der Stadthauptmann von Hainburg, Willhelm Gienger, auch Herr von Röthelstein. Und noch 1693 wird gegen dem Abbruch der Burg protestiert. Danach schweigen die Berichte. Röthelstein wird fast gänzlich vergessen. Nur Burgenforscher interessierten sich schon seit dem 19. Jahrhundert für die wenigen Mauern. Daneben entwickelt sich ein regelrechter Sagenschatz rund um die Burg. Vor allem Templer sollen hier immer wieder auftauchen und die Bevölkerung ihre Schätze zeigen. Doch auch von Geisterfesten in den Mauern wird erzählt. Vielleicht sind es die Templer, vielleicht aber Ledvenko und seine Schnapphähne. Lange Zeit hatte die Burgruine den Ruf eines ungeheueren Ortes und wurde teilweise gemieden. Heute hat sich das verändert….

Weitere Infos unter http://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=1504

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