Ruine Ratzlburg

Anfahrt: Von Braunau am Inn in Richtung Ach- Burghausen fahren. Nach der kleinen Rotte Oberrothenbuch führt die Straße in einen Wald. Nach wenigen Hundert Metern biegt rechts ein Waldweg ab, ein Hinweisschild weißt links darauf hin! Beim Waldweg gibt es ausreichend Parkmöglichkeit.

Öffnungszeiten: Die Ruine ist frei zugänglich.

Südlich von Braunau, hoch über den Inn, lag bis vor 25. Jahren ein namenloser Hausberg, dessen Geschichte und Bedeutung im Großen und Ganzen unbekannt war. 1992 wurde dann mit den Ausgrabungen begonnen. Eine spannende Geschichte konnte beginnen…

Gefunden wurde damals ein achteckiger Wohnturm (!), der in seiner Form bei Burgen nur recht selten vorkommt. Man stand quasi vor einem Rätsel. Wie konnte es sein, dass hier eine Bauart verwendet wurde, die ansonst nur bei Burgen von gehobenen Adeligen, etwa Gars, fest zu stellen war? Hatte sich hier etwa ein derartiger Adelger ein kleines Privatanwesen zugelegt?

Beginn wir beim Anfang. Wir fahren von Braunau am Inn nach Burghausen und kommen in eine Rotte namens Rothenbuch. Der Name deutet schon darauf hin, dass dort was gestanden sein könnte, denn Rothenbuch ist nicht weit entfernt von Rothenburg.

Wir finden zunächst keinen Hinweis, erst nachdem wir uns schon aus dem Ort weg bewegt haben, um in Richtung „Ach“ (wie schön) nach Burghausen zu gelangen, ist ein Hinweisschild, das uns den Versuch, diese Anlage bekannter zu machen, zeigt.

Wir parken und gehen in Richtung Inn. Ein kleiner Graben, dann stehen wir vor dem Achteck. Wir merken skeptischen Auges, dass hier mit Beton leicht nachgeholfen wurde, um dem Besucher die Architektur vorstellbar zu machen.

Wir fühlen, dass dieser Ort, hoch über dem Inn, gegenüber von Bayern nicht unbedingt überrannt ist und während in Braunau das Stadtleben mit hektischen Autos zelebriert wird, ist hier ein Ort der Ruhe, ein Ort zum Inne halten (Inne ist hier wohl doppeldeutig 😉 ). Ein kleines Eldorado.

Vielleicht war dieser Ort schon vor 850. Jahren für jemanden ein willkommener Anlass, sich hier eine Burg zu bauen. Der Name „Rothenburg“ kann auf vielerlei hindeuten, die „Rodung“ mag hier nicht unbedingt gemeint sein. Als Errichter werden bis heute die Herren von Rohr vermutet, die 1277 einen Hof zu Rothenbuch dem Kloster Ranshofen als Seelengerät für einen verstorbenen Ahnen stifteten, wofür Herzog Heinrich von Bayern in Burghausen bürgte. Die Hypothese, dass die Burg damit abgetragen wurde, wirkt plausibel, dennoch wundert es, dass von dieser Burg nicht mehr bekannt ist.

Zwar sind uns derartige Fälle nur zu Gut bekannt, doch ist jeder Fall immer unterschiedlich.

Der achteckige Prachtbau, womöglich ein Versuch, dem nahe gelegenen Burghausen im 12. Jahrhundert ein opulentes Gegenstück „vor die Nase“ zu stellen, erforderte wohl gekonnte Architekten.

Die Herren von Rohr, deren Stammsitz die Ratzlburg (laut einer anderen Hypothese sei es Rohr bei Pocking) gewesen sein soll, hatten hier also das Bedürfnis, sich mit einem Prestigebauwerk einen Namen zu setzen. Das Achteck ist nicht weiter verwunderlich, die Zahl Acht hat eine magische Bedeutung und ist auch in zahlreichen Kirchen zu finden.

Die Herren von Rohr sind schon 1033 in der Umgebung der Ranshofner Falz bekannt,

1160 wird tatsächlich in einer Ranshofner Notiz (Nummer 74, OÖUB I, Seite 229) ein „Oulricus de Rattenbuech“ genannt, dessen Zugehörigkeit zu den Rohrern vorerst nicht ganz geklärt ist.

Die Bedeutung der Rohrer als „Reichsministeriale“ (und Edelfreie) spricht für sich, doch recht bald mussten auch sie sich „höheren Mächten“ unterwerfen und wurden Ministeriale der bayrischen Herzöge und der Babenberger. Mit dem Bau des Oktogons hatten sie vielleicht noch einmal ihre Unabhängigkeit beweisen wollen. Bedeutend erschien dabei ihre Beziehung zum Benachbarten Burghausen, wo die Sieghardinger (die Grafen von Burgehausen- Schala- Peilstein) residierten. Nach deren Aussterben, um 1165, ging das Erbe der Burghausner Linie gleich an den Herzog von Bayern und den Grafen von Plain. Heinrich I. von Rohr hatte von Bischof Gebhard I. von Plain das Privileg erhalten, Salz führende Schiffe mautfrei auf dem Inn zu transportieren, ein ungeheuer bedeutendes Privileg, dass den Reichtum der Rohrer durchaus förderlich war. Dass mit diesen Mitteln dann die Ratzlburg errichtet oder ausgebaut wurde, erscheint plausibel. Der Plan, eine weitere Burganlage in Rothenbuch zu errichten, dürfte gescheitert sein, das Bauwerk blieb ein Fragment.

Spätestens mit 1277 hatten die Rohrer ihr Interesse an der Ratzlburg verloren. Die Staufer, die öfters die achteckige Bauweise verwendeten (ein weiterer Hinweis auf die Selbstbehauptung der Rohrer, hier einen Bau, wie den ihrer Herrscher zu errichten) waren 1268 ausgestorben, eine Neuorientierung war der Plan. Man ging immer mehr nach Österreich.  Was blieb, war eine Ruine, die recht bald vergessen war. Alleine der volkstümliche, vor allem mit einem ungern gesehenen Nagetier vergleichbare Name „Ratzlburg“ blieb.

Dass die Gegend aber in späterer Zeit nicht ganz sicher war, erzählt die Sage vom Teufelsloch am Inn, das unterhalb des Burghügels liegt. Ein armer Fischer hatte gegen die kirchlichen Gebote verstoßen und war in der Nacht von Gründonnerstag zum Karfreitag auf den Inn gerudert, in der Hoffnung, noch einen guten Fang zu machen.

Nun fing er den Teufel, der sich einen großen Schrecken eingehandelt hatte und brausend durch die Luft in ein Felsloch fuhr, wo er verschwand. Der Fischer hatte wohl seine Lektion gelernt, der Teufel auch. Das Loch wird seitdem Teufelsloch genannt.

Mochten Sie den Errichtungsmechanismus erneut starten? Wir werden definitiv helfen potenzpillen.

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