Ruine Pottenburg_ Österreichs östlichste Burg ODER Eine weitere Burg der Blutgräfin?

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WO: Gemeinde Berg. B9 über Hainburg und Wolfsthal, bis zum Kreisverkehr, da rechts in Richtung Berg/ Kittsee abbiegen. Hier taucht schon der Bergfried aus dem Wald hervor. Wenige hundert Meter nach dem Kreisverkehr gibt es rechts eine Abzweigung zur Kläranlage, diese nehmen und bis zum Waldrand fahren.

Parken: Bei der Kläranlage (mit Vorbehalt). Von dort links hinauf zu den Weinbergen, dann rechts bis zum Zaun. Eine Metalleiter ist vorhanden, diese überqueren und dann gerade aus hinauf. Der Weg ist zu diesem Zeitpunkt schon ersichtlich!

Öffnungszeiten: Frei zugänglich. Allerdings ungesichert!

 

Im Jahre 1253 taucht erstmals in einer Urkunde Herzog Ottokars ein „Otto de Potenburch“ auf, der sich im herzoglichen Gefolge befand. Eine Zeugengestalt unter vielen, ein Name, mehr nicht. 1256 dürften die Trautmannsdorfer aber bereits hier Besitz gehabt haben, wenn man einer Heiligenkreuzer Urkunde Glauben schenken darf. Diese beiden Nennungen deuten auf eine Burg, die eine unter vielen war und nicht irgendwelche Eigenheiten aufwies. Eine unscheinbare Burg also? IMG_1254

Spätestens im Jahr 1263/64 wird man von der Pottenburg ein anderes Bild erhalten und zwar dast einer Burganlage, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Die Pottenburg war im Mittelalter eine der Schlüsselburgen von Österreich, ja wenn nicht gar vom ganzen Heiligen Römischen Reich. Von Heinz Gerstinger 1997 als „östlichste Burg Österreichs“ gepriesen, wurde die Burg damals erstmals wieder“entdeckt“. Heute, 20. Jahre später, ist sie ein Teil des niederösterreichischen Burgenrepertoirs und wird von so manchen „Burgenfan“ besucht.

Was ist also 1263/64 passiert? In diesem Jahr heiratete ein Bruder des ungarischen Königs auf der Pottenburg. Diese Nennung vermittelt uns schon eher den Eindruck, dass die Pottenburg durchaus bedeutend gewesen sein muss. Noch dazu, wenn sie für Ungarn eine „Hochzeitsburg“ war. 1270 wird unweit der Burg ein Friedensvertrag zwischen Österreich und Ungarn abgeschlossen. Ein weiteres Indiz.

Um sich die Bedeutung vor zu stellen, muss man schon selbst hin zu ihr fahren. Kommt man von Hainburg, so fällt einem zunächst mal der Thebener Felsen mit dessen mächtiger Burgruine auf. Theben ist die westlichste Burg der Slowakei. Langsam, aber sicher näher wir uns nun dem Ziel. Rechts haben wir die Pottenburg, links- an der anderen Seite der Donau- die slowakische Hauptstadt Bratislava. Die dortige Burg- sie wird von manchen mit einem umgedrehten Tisch verglichen, dessen vier Beine in die Höhe ragen- war einst Residenz der ungarischen Könige.Die Pottenburg ist quasi ein Gegenstück zu Bratislava, ein Ruhepol zur pulsierenden Stadt. Und vor allem ein Versuch, dem Streben Ungarns nach Expansion in den Westen Einhalt zu gebieten.

Bei Preßburg, dem alten Namen von Bratislava- wurde 907 ein bayrisches Heer von den Ungarn vernichtet. 70. Jahre später entstand die Babenbergermark. Im Jahr 1055 schenkte Kaiser Heinrich III. dem Bistum Eichstätt das „locum Pottenburch„. Für viele Historiker war das die erste Nennung der Burg, aber noch mehr schrieben von einer ersten Erwähnung zwischen 990 und 1025. Gründer der Burg sei Poto von Regensburg gewesen, der, nachdem Heinrich III. die „Heimburg“ gegründet hat, sich hier ansiedelte, um die ungarischen Tätigkeiten zu beobachten. Aber Poto geriet in eine Aufstandsbewegung und musste 1055 seine Besitzungen abgeben. Genau hier aber ist dann auch die Schenkungsurkunde. Der Historiker Erwin Kupfer nimmt an, dass es sich hierbei kaum um die Pottenburg handelt, da in der Urkunde von einem „locum“ (Ort/ Platz) die Rede ist, nicht aber von einem „castrum“. Diese Annahme ist aber eher von der Hand zu weisen, da auch 1256 von einem Ort die Rede ist, nicht aber von der Burg. Einen konreteren Hinweis liefert da schon die Archäologie, die uns eine Gründungszeit zu Beginn des 13. Jahrhunderts angibt. Zu jener Zeit, als hier der ungarische Prinz seine Hochzeit abhielt, hatte die Pottenburg gerade ihren Bergfried erhalten, der auch heute noch besteht. Über die Nennung von 1055 wird noch nach zu denken sein. Aber nicht hier und nicht jetzt.

Ungarn blieb auch nach 1270 an der Pottenburg interessiert. 1293 wurde die Burg kurzfristig ungarisch, nun „Léanyvar“ genannt. Aber die Habsburger konnten sich wieder durchsetzen. Als Besitzer schienen damals die „Brunner“ auf, die 1226 die Herren von Asparn beerbt hatten. Stammvater der Asparner war übrigens ein „Poto“, der gerne mit dem älteren „Poto“ kombiniert wird. Und die Asparner waren im Donaugebiet begütert, man denke da an A s p e r n. Wie dam auch sei, 1343 verkaufen die Brunner ihre Burg an…….(für die, was meine Artikel schon kennen) sie werden es nicht glauben, wenn ich jetzt erwähnen mag…..jaaaa, die  S c h a u n b e r g e r ! Unglaublich, aber wahr.

Für diejenigen, die die Schaunberger nicht kennen, sei empfohlen, h i e r zu klicken. Für alle anderen, jaaaaa, die waren nicht nur im Hausruckviertel und Melktal, sondern auch hier.

Wenn auch nur kurz.

Denn 1351 müssen die Schaunberger (denen damals auch Orth an der Donau gehörte!) die Pottenburg an Herzog Albrecht II. wieder abtreten, damit endet der Schaunberger Traum von einem Reich bis nach Ungarn. In der Folge blieb Pottenburg habsburgisch, wurde öfters verpfändet oder ging auch gerne mal „unfreiwillig“ in die Hand Ungarns. Der Ausblick auf die ungarische Stadt Preßburg war halt schon sehr verlockend ;-)!

Besonders in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde diese Verlockung zur Realität. Es gibt auch umgekehrt ein Beispiel, dass die Ungarn ja nicht der Pottenburg einen Besuch abstatten sollen: 1460 besetzte der böhmische Söldnerführer Gamareth Fronauer (von Eisdorf) die Burg. Fronauer besetzte (u.a.) auch Hornstein bei Eisenstadt und versuchte so, die Ungarn von einer Hilfeleistung für Kaiser Friedrich III. ab zu halten. Mit wenig Erfolg, denn nun erobert Ulrich von Grafeneck die Burg. Ulrich von Grafeneck ist ein ziemlich unguter Zeitgenosse gewesen, der mehrmals die politischen Seite wechselte und letztendlich daran auch zu Grunde ging. Er wird noch öfters in diverse Artikel vorkommen, genau so wie….etwa die Zelkinger, die 1517 die Burg erhalten haben.

Die Ungarn hatten zum letzten Mal im Jahre  1482 der Burg einen eroberndenden Besuch abgestattet, aber nach 1490 sie wieder an Österreich zurück erstattet. Mit 1526 änderte sich dann die Lage ernstlich. 1529 dürften die Truppen Sultan Süleymans auch vor der Pottenburg gestanden sein. Es blieb allerdings nicht beim Stehen…Seither ist die Pottenburg Ruine. 1546 war sie schon Ruine. Damit endet die offizielle Geschichte der Burg.

 

Es gibt rund um die Pottenburg ein recht grausige Sage. Und wie alle Sagen hat auch diese Sage einen traurigen Kern. Zunächst muss erwähnt werden, dass die Pottenburg auch Wottenburg oder Mädchenburg [in Anlehnung dazu Maidenburg] genannt wird. Das „Wotten-“ basiert auf einen Verständnisfehler eines mittelalterlichen Schreibers (und nicht auf Wotan!). Anders verhält es sich mit dem Namen „Mädchenburg“. Und davon will ich nun berichten. Und ich will versuchen, es ein wenig analytisch dar zu stellen, um Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser gegenenfalls vor dem grausamsten Stück dieser Sage zu warnen. Gegebenenfalls können Sie es auslassen.

Stellen Sie sich vor, eine Burgherrin begehrt eines Jünglings, der sich ihrer verweigert. Keine unnormale Begebenheit, sowohl damals wie heute. Nun ging diese Burgherrin aber noch einpaar, durchwegs grausame Schritte weiter. Und jeder Schritt hatte eine dementsprechende Konsequenz:

Schritt 1 (blutig): Der unwillige Jüngling wurde von ihr bezichtigt, sich an ihr vergriffen zu haben. Der Gemahl der Burgherrin, der „Pottenburger“ griff zum Schwert und erschlug den Knaben. Das ist übrigens die einzig aktive Handlung des „Pottenburgers“ in dieser Sage.

Konsequenz 1: Die Burgherrin bekam daraufhin einen furchtbaren Ausschlag. Sie ging zu einer „Heilerin“, die irgendwo in den Donauauen armseelig hauste. Und dieses  gottlose Wesen riet ihr zu

Schritt 2 (äßerst blutig): Die Burgherrin sollte in Mädchenblut baden! Jawohl, sie haben richtig gelesen! Also wurden hunderte Mädchen (meist Jungfrauen) auf die Burg geschleppt, ermordet und ihr Blut in ein Bad geleitet, in dem die Burgherrin badete. Ein äußerst grausamer Schritt!

Konsequenz 2: Es half nichts. Die Massenmörderin ging nochmals zu der „Heilerin“ und drohte ihr. Diese jedoch „kicherte“ nur und meinte, dass es das Blut einer Adeligen bedurfte, um den Ausschlag zu beseitigen. Der Burgherrin fiel ein, dass in Bälde der Herr von Preßburg und seine blutjunge und (natürlich) äußerst bezaubernde Schwester (die noch Jungfrau war), den Pottenburgern einen Besch abstatten würden.

Schritt 3 (unblutig): Der Versuch, diese zu ermorden, scheiterte am Verrat eines Knechts, der dem Preßburger die Leichengrube unter der Burg zeigte. Daraufhin…

Konsequenz 3 (leicht blutig): …und da gibt es zwei Versionen:

3a:… eilte dieser nach Preßburg, holte sich eine Schar und stürmte die Burg, befreite seine Schwester und stürzte die Burgherrin in den Burghof. Diese war †

3b:…eilte, zumal ihm gerade einfiel, dass die Burgherrin seiner Schwester den Turm zeigen wollte (wohl in der Absicht, an einer bautechnisch bedenklichen Stelle diegleiche hinunter zu stürzen), den Turm hinauf, entriss seine Schwester der bösen Herrin und stürzte diese in den †

So endet die Sage vom „Weibersturz“. Und wie bei allen Sagen gibt es einen wahren Kern. Den wollen wir hier nun kurz beleuchten!

Wenn Sie von einer in Blut badenden Herrin lesen, an wen denken Sie? Ja genau, da gab es doch diese eine Sadistin namens Erzsébet Báthory (1560-1614), auf deren Konto an die 650 junge Mädchen (oder weit mehr) gehen sollen. Doch zu Báthorys Zeit war die Pottenburg schon verfallen und nachweislich auch nie in deren Besitz. Vielleicht benutzte sie die damals bereits verfallene Burg, um hier geheim ihre Grausamkeiten aus zu leben.

Oder es ist eine Verwechslung.

Denn gegenüber der Pottenburg, am anderen Ufer der Donau liegt die bereits erwähnte Burg(ruine) Theben (Devín). Das Wort „Devín“ heißt übersetzt „junges Mädchen“ oder „Jungfrau“. Nun heißt aber auch die Pottenburg „Mädchenburg“.

Eine Namensverwechslung?

Eine erste Spur?

Mehr als das!

Denn raten Sie einmal, wer um 1600 die Burg Devín besaß! Ja, richtig, es war Erzsébet Báthory beziehungsweise ihre Familie. Und es ist mehr als wahrscheinlich, dass auch auf Theben die „Blutgräfin“ ihren bestialischen Hobbys nachging.  Die Pottenburg dürfte dabei im Laufe der Jahrhunderte mit Theben verwechselt worden sein.

Dennoch hält sich das Gerücht bis heute und so manche versuchten, die Massenmorde auf der Pottenburg nach zu weisen. Heinz Gerstinger etwa meinte, dass es nur die Pottenburg sein kann, weil man hier in der Nacht oder bei Nebel den Geist der Burgfrau schluchzen hört. Einen „stichfesteren“ (im wahrsten Sinne des Wortes, denn wie Stichfest ist schon ein Geist?) Beweis fand er nicht.

Und unglücklicherweise ist dort, wo damals die unzähligen Mädchen angeblich bestattet wurden, heute die Kläranlage, sodass die letzten Spuren unwiederbringlich verwischt wurden….

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