Ruine Mitterberg_ Die zweitgrößte Ruine von Oberösterreich

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WO: Mitterberg liegt unweit von Perg beziehungsweise Pergkirchen. Beim östlichen Ortsende von Perg, Kreisverkehr Richtung Norden (Pabneukirchen) verlassen. Vor Forndorf, rechts die Abzweigung nach Mitterberg beachten. In Mitterberg die dritte Querstrasse nach Westen abbiegen.

Parken: In dieser Gasse möglich. Am Ende der Forststrasse nach Südwesten folgen. Einen direkten Weg gibt es nicht! Trotz verschiedener Wege ist diese Ruine aber relativ leicht zu finden. Die Ruine ist frei zugänglich!

Kennen Sie die zweitgrößte Ruine von Oberösterreich?

Na gut, dass Schaunberg ja die größte ist, ist weithin bekannt. Wer aber steht nun auf Platz 2?

Nein, es ist nicht Falkenstein oder Spilberg, nicht Prandegg oder Ruttenstein und auch nicht Losenstein oder Wartenburg.

Um ehrlich zu sein, werden Sie diese Anlage in keinen bedeutenden Burgenbüchern (etwa bei Ilse Schöndorfer) finden, es sei denn bei Oskar Hille. Wenn Sie mal einen Blick auf die Landkarte werfen, so werden Sie diese Anlage nicht finden, auch auf Wanderkarten ist kein „Ruine“- Zeichen. Und doch handelt es sich um die zweitgrößte Ruine von Oberösterreich.

Ihr Name lautet Mitterberg. Ein etwas eigenartiger Name, denn ein Ort, der mit „Mitter-„ anfängt, verlangt ja noch ein „Ober-„ und „Unter-“. Das gibt es hier eigentlich nicht, nur Perg ist in der Nähe zu finden. Es ist mehr als nahe liegend, dass Mitterberg zunächst eigentlich Perg hieß. Denn ein Geschlecht namens „von Perg“ lässt sich in den Quellen finden, noch dazu dürften es  Verwandte der Herren von Machland gewesen sein?

Die Perger waren also ein bedeutendes Geschlecht, das im 12. Jahrhundert in dieser Gegend massiv wirkten. Und wie jedes andere Geschlecht hatten sie eine Residenz. Und das dürfte Mitterberg gewesen sein.

Schon dem Heiligen Leopold (den III.) waren die Perger nicht ganz egal. Und deswegen heiratete er eine Pergerin, deren Name sich leider nicht erhalten hat. Als diese „Frau von Perg“ um 1100 starb, griff Leopold nach den Sternen und heiratete die Kaisertochter Agnes, der weitere Vorgang ist bekannt. Aus der Ehe mit der „Frau von Perg“ entsprang allerdings ein Sohn namens Adelbert, der erst 1138 gestorben ist.

Die Perger gründeten 1142 von ihrer Burg aus den Ort Pergkirchen und somit ein geistliches Zentrum. Sie blieben mit den Babenbergern weiterhin verbunden, ehe sie 1191 im Kreuzzug in Palästina zu Tode kamen. Haupterbe war…en….die….Babenberger. wer sonst?

All das sind ja eigentlich Gründe, um diese Burg zu kennen. Eine Residenz von  Babenbergerverwandten, das wären gute Gründe, das Mitterberg bekannt ist.

Apropos Babenberger: Die machten nun aus der Burg Perg die Burg Mitterberg und gaben sie einem Ministerialgeschlecht, das sich nach der Burg nannte. 1277 übergab König Rudolf I. Mitterberg und das Landgericht Machland dem Ulrich (II.) von Kapellen. Damit gehörte nun auch Mitterberg zum umfangreichen Kapeller- Besitz. Und die waren an Mitterberg sehr interessiert, war sie doch auch Sitz des Machländischen Landgerichts.

Hans I. von Kapellen etwa errichtete 1351 im inneren Burghof von Mitterberg eine Kapelle. Dafür musste er aber auch die Pfarre Pergkirchen entschädigen. Pergkirchen gehörte aber zu dieser Zeit dem Stift Melk, vor dem nun diese Sache ging. Und Melk bewilligte diese Burgkapelle.

Zu dieser Zeit dürfte Mitterberg auch zur Feste ausgebaut worden sein. Die Burg erhielt damals ihre Eckrundtürme, die der Anlage noch heute eine sehr wehrhafte Dimension verschaffen.

Doch nicht lange danach begann der Verfall. Unbekannt bleibt, wann genau die Burg aufgegeben wurde. Aber alles Mal der Reihe nach…

Fangen wir mal damit an, dass 1406 die Capeller ausstarben. Da eine der Töchter des letzten Kapellers, Dorothea mit Namen, mit Hartneid V. von Liechtenstein verheiratet war, kam Mitterberg zunächst an die Liechtensteiner, bald darauf aber an die uns bestens bekannten Wallseer, die damit quasi eh schon das ganze Müh- und Schwarzviertel inne hatten. Den Wallseern, Herren von Falkenstein, Nieder- (gegenüber auf der Mostviertler Seite) Oberwallsee (im Mühlviertel), Waxenberg war, dank des großen Besitzes und der vielen Burgen der Fortbestand von Mitterberg ziemlich egal.

Damit begann die Burg zu verfallen.

1483 starben die Wallseer aus (dieses Aussterben scheint für die Besitzer von Mitterberg ja quasi schon eine ständige Gefahr gewesen zu sein), Burgruine und Herrschaft wurden zunächst an die Zelkinger verpfändet und kamen dann an die Prager zu Windhaag. Und diese verwendeten die Burg als Steinbruch, um sich ein luxoriöses Schlösschen zu bauen. Dieser Komplex, pragthal genannt, fiel 150. Jahre später der berühmt berüchtigten Enzmillertochter zum Opfer, die zum Bau ihres Klosters nicht nur Graf Joachims Barockschloss in Windhaag, sondern auch andere Bauwerke vom Erdboden radieren ließ.

Apropos Windhaag: Graf Joachim Enzmiller, der Vater der erwähnten Schlösserzerstörerin, ließ es sich nicht nehmen, für seine prachtvolle Herrschaft eine Topographie an zu legen, die von Clemens Beuttler erstellt wurde. Und genau da befindet sich die älteste Ansicht von Mitterberg. Damals war die Burg bereits in etwa so wie heute.

Wer hätte also gedacht, dass die zweitgrößte Burganlage von Oberösterreich ziemlich versteckt bei Perg liegt? Kein Schild, touristische Informationen oder ein Ruinenzeichen in den Wanderkarten weisen auf dieses Bauwerk hin.

Wir stehen also vor einem Rätsel. Selbst die Einheimischen wissen nicht genau, welcher Weg genau zur Ruine hinführt. Hat man erst einmal die Anlage erreicht, wird man merken, dass alle Wege nach Mitterberg führen.
Ja selbst die Fachliteratur vernachlässigt Mitterberg, man spricht gar von keiner Ruine, sondern einer Hausberganlage. Dennoch haben sich mächtige Rundtürme und ein Keller erhalten, was will man mehr?

Ein Burggespenst wäre nicht schlecht!

Ja, auch das gibt es in Mitterberg. Darf ich vorstellen:

Frau Adelheid, einst aus dem Geschlecht der Kapeller, nun schon seit über 600. Jahren in diesem Haus. Ihre unglückliche Geschichte markiert den Abschluss dieses Artikels.

Es geht um die Liebe! Wer kennt dieses nicht?

Nun, Frau Adelheid war die Tochter von Ulrich von Capell und seiner Gemahlin Regina. Lange hatten die beiden kein Glück und blieben kinderlos. Dann kam Adelheid.

Eines Tages saß Regina unter der Linde nahe der Burg (wo auch immer diese gestanden sein mag) und war mit dem Stillen des Kindes beschäftigt.

Da kam eine ältere Dame des Weges. Unklar bleibt, was auch immer diese Frau gewesen sein mag. Mal spricht man(n) von Mütterlein, mal von einer Wahrsagerin, oder von einer Zigeunerin.

Sie las der Regina aus der Hand und kam mit der wenig beglückenden Botschaft

„Das Mägdlein wird früher sterben als wir beide und dennoch leben. Ein Knabe wird es ins höchste Unglück bringen, ein anderer sie zum Glücke führen.“

Nun, diese Aussage führte im Hause Mitterberg gewiss zu heftigen Ängsten, aber mit den Jahren vergas man diese Erinnerung.
Adelheid wuchs zu einer recht feschen Frau heran. Als sie 17 Jahren alt war, lernte sie bei einem Turnier in Tulln Eberhard von Falkenstein kennen, der sich unweigerlich in die schöne Adelheid verliebte. Er bat um ihre Hand und Ulrich stimmt freudig zu. Doch drei Jahre sollte dieses Paar noch bis zur Hochzeit warten.

Eine lange Zeit…

…in der sich Eberhard in Blance von Wallsee verliebt. Ui Ui Ui die bösen bösen Wallseer…

…wobei: Falkenstein gehörte zu dieser Zeit auch den Wallseern. HHHmmm…

Wie dem auch sei, Eberhard heiratete Blanca. Adelheid probierte bei der Hochzeit noch einen Mordanschlag, der misslang, woraufhin sich Adelheid selbst richtete. Sie wurde, ihrem Wunsch gemäß in der Kirche von Altenburg beigesetzt. Doch noch heute soll sie keine Ruhe haben. In diesem Gewölbe, „dessen Riegel niemand mehr öffnen konnte“- so die Sage-, sitzt sie, in den Psalmen lesend, ihrer Erlösung harrend.

Warum konnte niemand diese Türe öffnen?

Und Eberhard?

Nun, alles mal der Reihe nach: Blanca nahm den schwarzen Schleier und blieb alleine stehend, Eberhard zog nach Palästina und fiel dort. Er hätte, gemäß seinem letzten Wunsch bei Adelheid beigesetzt werden sollen und wurde zu diesem Zweck noch im Morgenland skelettiert, doch die Tür zur Gruft klemmte dermaßen, dass man sein Skelett in eine Nische neben der Tür hinstellte.

Nun kam eines Tages eine kecke Magd, die im Wirtshaus gewettet hatte, das Skelett Eberhards zu nehmen und in die Gaststube zu bringen. Gesagt, getan. Doch als diese Maid, die noch dazu schwanger war, die Knochen zurück bringen wollte, sprang das Skelett ihr auf den Rücken und meinte, es gehe erst wieder herunter, wenn sie Adelheid um Verzeihung bittet. Und nun ging die Tür wieder auf. Und ja, natürlich verzieh Adelheid. In diesem Moment sprang das Skelett herunter und wurde zu einem Häufchen Staub. Die Magd flüchtete…

Manche meinen aber auch, dass sie eigentlich in Mitterberg sitzt und dort Psalmen liest. Kellergewölbe gäbe es ja genug. Wie dem auch sei, die Geschichte erinnert letztendlich an Grillparzers Ahnfrau, die ebenso in ihrem dunklen Gewölbe dem Untergang entgegen wartet…

In diesem Sinne:

Öffne dich, du stille Klause,
Denn die Ahnfrau kehrt nach Hause!

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