Ruine Hohenstein_ Eine Burgruine aus Essig im Kremstal

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WO: Gemeinde Gföhl. B37 bis Gföhl, von dort nach Süden Richtung Senftenberg. An der Kreuzzung zur Straße Meisling- Senftenberg (gegenüber dem Denkmal) rechts nach Unter- und Obermeisling. In Obermeisling  rechts nach Felling und dann nach kurzer Strecke links nach Hohenstein abzweigen.

Parken: Im Ort. Von dort über die Kremsbrücke Richtung Süden, bis dann links eine relativ steiler Weg zur Ruine hinaufführt.

Öffnungszeiten: Frei zugänglich. Allerdings ungesichert und teilweise in einem baulich kritischen Zustand!! Siehe Hinweis unten!

Hinweis: Diese Ruine ist, wie oben erwähnt, in einem baulich kritischem Zustand. Besonders der Chorborgen in der Kapelle ist stark einsturzgefährdet! Das Mauerwerk darüber ist in den letzten 15. Jahren abgestürzt. Falls sie die Ruine besichtigen sollten und der Chorbogen (siehe Bild unten!) nicht mehr vorhanden ist, sagen sie uns bitte auf fb Bescheid (https://www.facebook.com/taterman.at/?fref=ts)! Danke!

Geneigte Leserin, lieber Leser! Vielleicht werden Sie mich jetzt kritisch hinterfragen, warum ich denn eine einsturzgefährdete Ruine im „taterman“ präsentiere? Zumal es doch soviele andere schöne Ruinen gibt, die man ebenfalls beschreiben könnte. Nun, erstens werde ich irgendwann einmal auch über diese Anlagen schreiben, zweitens verdienen auch kleinere und vor allem unbekanntere Ruinen einen Artikel einen Eintrag und drittens ist Hohenstein nicht akut einsturzgefährdet. Es gibt da nur einen kleinen Teil, nämlich den schönen Chorbogen der Kapelle, der seit vielen Jahren von Burgenforschern, Mittelalterarchäologen und Historikern mit (teleologischer) Wehmut beobachtet wird. Wann wird er einstürzen?, so die traurige Frage.

Ansonsten ist Hohenstein eine sehenswerte Ruine. Wenngleich sich auch niemand wirklich um sie kümmert. Immerhin haben die Einwohner des Ortes am Turm einen Weihnachtsstern angebracht, der jedes Jahr in der Advent- und Weihnachtszeit leuchtet. Insofern hat Hohenstein nun doch eine kleine Funktion.

Beim Betreten dieser Ruine fragt man sich vielleicht, wie lange Hohenstein eigentlich schon verfallen ist. 200. Jahre? Weit gefehlt! 300? Auch falsch! Mehr als 550. Jahre ist Hohenstein schon verfallen! Insofern ist es mehr als erstaunlich, dass noch soviel erhalten ist. Nun liegt aber Hohenstein auch ziemlich abgelegen, oberhalb von einem Ort mit wenigen Häusern. Damit ist sie definitiv schon länger Ruine, als sie eine Burg war.

Ihr erster urkundlich bekannter Besitzer, Reinprecht von Hohenstein, ist ein recht interessanter Ritter, der über einigen Besitz verfügte, sich aber auch gerne Besitzungen anderer bediente und diese dann herschenkte! Eine 1156/71 datierte Urkunde nennt ihn erstmals (siehe http://monasterium.net/mom/AT-StiAZ/Urkunden/1156-1171/charter), 1182/89 schenkte er dann einige Güter dem Stift Göttweig, darunter das Lehen eines Otto (FRA II7 69 nr. 391). Zur gleichen Zeit schenkte auch eine Adelheid von Hohenstein mittels ihres Salmannes (notars), Gozwin von Gutenberg einige Güter dem Stift (FRA II7 69 nr. 389). Es ist anzunehmen, dass Adelheid Reinprechts Gemahlin oder Verwandte war. In beiden Schenkungen werden auch einige Bedienstete genannt, aber keine Kinder oder Verwandte. Demnach starben Reinprecht und Adelheid kinderlos.

Ihr Besitz ging an die Rastenberger- Ottensteiner und verblieb bis 1391 in deren Hand. Offenbar gefiel denen das Ambiente so sehr, dass sich auf Hohenstein eine Nebenlinie der Rastenberger etabliere, die auch oft in den Urkunden zu finden ist. 1377 wird erstmals die Burgkapelle St. Peter erwähnt, 1388 ein Burgkaplan namens Haymo. 1391 verpfändete Hans v. Hohenstein die Feste an seinen Verwandten Konrad von Lichtenegg (bei Ottenstein).

Zu dieser Zeit dürfte die Burg komplett umgebaut worden sein, denn bis auf die Kapelle, die im 12. Jahrhundert entstanden ist, stammen alle anderen Bauteile aus dem Spätmittelalter. Auch der Bergfried, der im Palaskomplex involviert war, ist aus dieser Zeit.

Doch nicht lange musste er über die Burg wachen. 1430 kam Hohenberg an die Starhemberger, 1456 wird die Burg bereits als „öde“ bezeichnet. Seither ist Hohenstein Ruine. Im Volksmund erzählt man sich übrigens noch einen anderen Grund, warum Hohenstein verfiel:

Immer wieder wird Hohenstein mit den Burg(ruin)en Hartenstein und Dürnstein verbunden. Bei Hartenstein ist die Nähe der Grund dafür, bei Dürnstein wirds schon eher fraglich. Einerseits ist die Rede von einem Geheimgang, der die drei Burgen verband. Andererseits wird erzählt, dass drei Brüder sich die Burgen erbaut hätten, zum Mörtel wäre für Hartenstein Wein, für Hohenstein Essig und für Dürnstein Wasser (wenn das König Richard I. erfahren hätte!) verwendet worden. Da Hartenstein mit der edelsten Flüssigkeit errichtet wurde, hielt sie am längsten. Andererseits wurde in Hartenstein 1896 eine Kaltwasserheilanstalt (keine Kaltweinanstalt!) errichtet, wobei große Teile der romanischen Altburg einer kitschigen Neugotisierung weichen mussten. Heute ist Hartenstein unzugänglicher Privatbesitz.

Die aus Essig errichtete Burgruine Hohenstein ist dagegen nach wie vor frei zugänglich und sehenswert. Neben dem Bergfried, der ein Teil des Palas ist, gilt es der Burgkapelle große Bedeutung bei zu messen, obgleich sie leider- wie oben bereits ausführlich erwähnt- in einem kritischen Zustand ist. Besonders ihre beiden Eckpfeiler zum Chor sind interessant, da sie jeweils in einer anderen Form verziert wurden (siehe unten)!

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