Ruine Buchenstein bei Raabs

Anfahrt: Von Horn nach Raabs, wenige Kilometer vor Oberndorf bei Raabs bei der Abzweigung nach Ludweis- Aigen in die andere Richtung nach Liebnitz. Durch den Ort Richtung Speisendorf auf der „alten Straße“ fahren. Nach der Brück über die Thaya parken.

Parken: Hier eingeschränkt möglich.
Öffnungszeiten
: Die Ruine ist frei zugänglich.

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Wir fahren südlich von Raabs nach Liebnitz, einem kleinen Ort an der Thaya westlich von Raabs. Die Straße verläuft weit oberhalb des Flusses, der hier kilometerweit entfernt zu sein scheint. Einpaar Abzweigungen zu Mühlen verraten ihn aber. Dann plötzlich steht „Hotel Liebnitzmühle“ und ein recht großer Bau kommt in Erscheinung, ehe nach kurzer Strecke die eigentliche Abbiegung nach Liebnitz erfolgt. Der Ort hat alsDSC03363o ein großes Hotel, das sich seiner energetischen Bedeutung rühmt, zumal unter dem Synonym „Sirius“ hier für den energetischen Mittelpunkt Europas geworben wird. Ein interessanter Ort also auf den ersten Blick.
Liebnitz selbst, etwas weiter westlich des Hotels, wirkt- wie fast alle Waldviertler Dörfer- verschlafen und hat eine alte Kirche, deren Turm aus der Häuserzeile blickt, die den Sakralbau umgibt. Wer in der Annahme ist, dass Liebnitz eine Burgkirchenanlage ist, hat Recht, denn neben der Kirche ist tatsächlich bis heute ein burgenartiger Bau.

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Verlassen wir nun Liebnitz auf einer kleinen Straße Richtung Westen und blicken zur Thaya, über die sich der kleine Ort erhebt. Wir sehen den Fluss und auf der anderen Seite einen aufragenden Wald. An einer Seite wird der Wald aber von einem mächtigen Felsen abgelöst, auf dem sich einkleiner Mauerzacken befindet. Das ist einer der letzten Reste der einstigen Burg Buchenstein.
Die kleine Straße geht über eine Brücke, dann geht rechts der Weg zur Ruine. Er führt zunächst bergauf durch den Wald, dann zur den Feldern auf der anderen Seite des Waldes. Am Rand dessen geht es ein Stück, dann noch mal rechts über den Graben und wir stehen in einem fünfeckigen Gebäude, dessen Mauern grad noch aus der Erde ragen. Es sind dies die letzten Reste des Bergfrieds, dessen Grundriss dem Bergfried der Burg Raabs gleicht. Hier befinden wir uns aber nicht auf einer Grafenburg, dafür ist sie viel zu klein, sondern auf einer Burg, deren Name äußerst selten erwähnt wird und deren Geschichte bis heute einige Rätsel aufgibt. DSC03366
Wir sind nach wie vor bekanntlich im Grenzland, einige Kilometer westlich von Burg Raabs. Die „Deutsche Thaya“ schlängelt sich durch das Tal, man hört ihr Rauschen. Ein sehr schöner Ort, soviel sei gesagt. Ein Ort der Ruhe. Ja, das ist Buchenstein allemal, ein Ort der Ruhe, an dem bis dato nur wenige Touristen herauf finden. Wer sich aber mal die Mühe macht und im Internet nach dieser Burg forscht, wird überrascht sein. Buchenstein ist für die Burgenforschung kein unbekannter Ort. Einige Historiker und Forscher machten sich sogar die Mühe und rekonstruierten diese Burg. Demnach bestand Buchenstein aus einem fünfeckigem Bergfried- in der Fachsprache Keilturm genannt- sowie einem kleinen Palas. Die Grundrissform erinnert ein wenig an Schauenstein im Kamptal, wobei Keiltürme generell im Waldviertel weit verbreitet sind. Neben Buchenstein besitzen u. a. Arbesbach, Mollenburg Raabs, Rastenberg, Schauenstein einen derartigen Turm, südlich der Donau wären Kammerstein (bei Wien), die Massenburg (bei Leoben) oder Freyenstein zu nennen.

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Das Phänomen „Keilturm“ hat seinen Ursprung im 13. Jahrhundert und genau hier dürfte auch Buchenstein errichtet worden sein. Doch Ministeriale, die sich nach dieser Burg nennen, gibt es nicht.
Beim Anblick der kleinen Burg fällt eines Auf: Buchenstein konnte nur von Norden erreicht werden, ein komischer Umstand, der zunächst nicht ganz erklärbar ist. Der Feind, in dem Fall böhmisch- mährische Horden, hätte hier zunächst die Zugangsseite der Burg erreicht, was aus strategischer Sicht unoptimal ist. Zu diesem Zweck wurde der Bergfried im Norden der Anlage errichtet, sein „Scharfes Eck“ war gegen die Zugangsseite gerichtet, ein Umstand, der in der Burg Raabs genau so zu beobachten ist und der sogar in der Burggrafenburg der Nürnberger Burg sehr ähnlich verläuft. Demnach dürfte Buchensteins Zugangsseite nach Vorbild der Raabser Burg errichtet worden sein.
Diese baulichen Parallelen lassen die Vermutung aufkommen, dass Buchenstein eine Gründung der Raabser gewesen wäre, die hier neben ihrer Burg eine zweite Burg errichten ließen. Die Größe dieser Anlage spricht aber akut dagegen. Vielmehr dürfte Buchenstein die Burg eines Ministerialgeschlechtes der Raabser gewesen sein. Wie bereits erwähnt, gibt es aber keine Buchensteiner.
Die einzige Nennung der Burg ist in der „Prima Funacio“, dem Zehentverzeichnis des Klosters St. Georgen, dessen Nachfolger das heutige Stift Herzogenburg ist, zu finden. Hier wird „Puchenstain, ex soposito lymbtz“ genannt, während die „villa Lymbtz“ noch einmal selbst eine eigene Einschätzung erhält. Demnach behandelte das Zehentverzeichnis die Burg nicht als Teil des Ortes Liebnitz, setzt den Ort aber als Orientierungspunkt an. Eine erste Spur?
Bleiben wir vorerst in Liebnitz. Hier gab es sehr wohl Ritter, die sich nach dem Ort nannten. IMG_8648

Im Artikel zu den Grafen von Raabs wurde bereits auf jene bemerkenswerte Urkunde von 1175 hingewiesen, die Konrad II. in Thaya durch den Raabser Pfarrer ausstellen ließ. Dieses Dokument, eine Waldschenkung an die Johanniter, die heute im Staatsarchiv Prag aufbewahrt wird, gibt erstmals auch die Raabser Ministerialen an und nennt unter ihnen einen „Gotefrit de Libenze“. Gottfried von Liebnitz führt einen sehr interessanten Namen, der bei seinen Herren auch beliebt war, denn der Ahnherr der Raabser hieß Gottfried und die Nürnberger Linie trug ebenfalls diesen Namen bis zu ihrem Aussterben um 1160. Demnach dürften die Liebnitzer ebenfalls aus Franken gekommen sein.
1202 und 1203 werden ein „Ecchehardus de Lidmitze“ und ein Heinrich genannt, dann schweigen für 90. Jahre die Berichte. Zu dieser Zeit dürfte Buchenstein errichtet worden sein. Vielleicht geht der Bau auf einen Bruderzwist zurück, der eine Herrschaftsteilung zur Folge hatte.
Doch genau hier, im 13. Jahrhundert, als bekanntlich auch die Raabser Herrschaft einen schwierigen Wandel durchlebt, schweigen die Berichte. Kein Liebnitzer wird im Gefolge der Gräfin Sophie oder der Gräfin DSC03367Agnes genannt, keiner im Gefolge der Plainer oder Rosenberger. Erst 1294 wird ein Hugo genannt, 1314 ein Peter, Hermann und Ludwig von Liebnitz. Demnach dürfte hier die alte Burgkirche wieder ihre ursprüngliche Bedeutung erworben haben, während Buchenstein aus welchem Grund auch immer verfiel. 1385 wird Buchenstein noch im Lehensbuch der Puchheimer genannt, allerdings ohne Beschreibung. Damit enden die geschichtlichen Daten wieder.

Die Burg Buchenstein ist demnach bis heute ein Relikt einer anderen, durchaus turbulenten Zeit, deren Hintergründe wir kaum mehr ergründen können. Heute wirkt der Burgfelsen ruhig und verlassen. Wer oben steht, sieht hinunter zur Thaya, zum Hotelkomplex und zum Ort Liebnitz, mit dem Buchenstein ja eng verbunden war. Noch ein kurzes Innehalten, dann geht es weiter in eine andere, begehrte Richtung…

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Weitere Infos (mit Rekonstruktion) unter http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1793

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