Ruine Altlengbach_ Eine Ruine mit zehn Zacken

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WO: Gemeinde Altlengbach. A1 bis Ausfahrt Altlengbach, dort dann in das Ortszentrum. Die Ruine liegt im Westen auf einen Hügel südlich des Ortes.

Parken: Im Ort. Es empfiehlt sich beim Hotel Steinberger zu Parken (mit Vorbehalt!), auf dem Burgweg über den Lengenbach und dann rechts (Markierung vorhanden).

Öffnungszeiten: Frei zugänglich. Im Sommer allerdings stark verwachsen.

 

Wir schreiben das Jahr 1683. Osmanische Streifscharen durchkämmen den Wienerwald. Dörfer werden verwüstet und gehen in Flammen auf. „‘s ist Krieg! ‘s ist Krieg!“ wird Matthias Claudius später einmal schreiben. Die Taktik der Osmanen ist damals allerdings nicht einzigartig. Fast alle Heere plündern und „verheeren“ Landschaften, zerstören altes Kulturgut und hinterlassen damit einen bleibenden Eindruck, der für Jahrhunderte überdauert.

Auch in Altlengbach (über die Schreibweise Altlengbach versus Alt Lengbach oder Alt- Lengbach möge man hier nicht herumdiskutieren!) kamen sie vorbei. Dort stand zur damaligen Zeit eine kleine Burg, die kaum wehrfähig war. Für die geübten Truppen ein leichtes Spiel. Altlengbach wurde erobert und zerstört. Damit endet die Geschichte dieser kleinen Anlage. Übrig blieb eine Ruine aus zehn Mauertrümmern. Eine Ruine mit zehn Zacken also…

Kritiker mögen nun schmunzeln, warum ich dieses Mal derart negativ beginne. Nun, eigentlich ist das Ende dieser Burg wahrscheinlich der spannendste Teil ihrer Geschichte. Denn Altlengbach war 1683 nicht einmal 300. Jahre alt. Und auch in diesen 300. Jahren war nicht viel spannendes.

Sie ist nicht der Stammsitz der im Mittelalter so bedeutenden Lengenbacher (Domvögte von Regensburg). Das war die Kirchenburg von Altlengbach. Zu dieser Zeit war hier noch ein schöner Hügel, mehr nicht. Erst um 1400 entschieden sich die Fallbacher (aus dem Weinviertel), hier eine kleine Burg zu errichten, die eventuell auch konfortabel sein sollte. Das bedeutet, weniger wehrhaftes, mehr Innenraum und Heizmöglichkeit. Damit wäre Altlengbach ein schönes Beispiel für eine spätmittelalterliche Burg. Wohlgemerkt „wäre“!

Denn so toll war die neu errichtete Burg dann doch nicht. Schon 1457 wird sie als „ödes Schloss“ bezeichnet. Zu dieser Zeit hatte sie den vierten Besitzer! Dieser relative rasche Besitzerwechsel sollte sich auch danach nicht ändern. Unklar bleibt, wer genau aus dem „öden Schloss“ wieder ein „schönes Schloss“ errichtete, das 1672 von Vischer gezeichnet wurde. Vischer zeichnete ein relatives kleines Landgut mit einem Turm, der ein Zwiebeldach hatte. Dass dieses kleine Gut elf Jahre später kaum verteidungsfähig war, liegt auf der Hand. Seit 1683 ist Altlengbach eine Ruine, eine Ruine mit zehn Zacken.

Denn genau zehn Mauerteile, zwischen welchen jeweils Fenster waren, haben sich erhalten. Diese zehn Mauerteile ragen wie Zacken in den Himmel, selbst im Sommer sieht man ihre grauen Spitzen aus dem Gebüsch herausragen, das die Anlage umgibt.

 

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