Rosenburg und Tursenstein ODER Traumschloss und Naturidylle

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Es gibt Regionen, in denen innerhalb weniger Kilometer die größten Kontraste auftreten können, ohne dass man es zunächst merkt. Gegenden, wo an einem Punkt etwa ein sehr markantes Bauwerk oder ein anderer, wohlgemerkt wichtiger Part des kulturellen Gedächtnisses steht, während im Nahbereich noch ein zweiter, eher unbekannter Ort sein Dasein fristet.

Solch ein Phänomen ist in der Nähe von Horn anzutreffen, wo auf mächtigem Fels eines der schönsten Renaissanceschlösser Österreichs steht, nämlich die Rosenburg. Man könnte der RoseDSC05244nburg beinahe das Attribut ,,Zentrum des Waldviertels’’ verleihen. Zahlreiche Besucher kommen jährlich, um den prächtigen Turnierhof, die Greifvögelschau und die Räume des Hochschlosses zu bestaunen. Manche kommen auch gerne wieder und besonders für Kinder ist die Rosenburg ein schönes Erlebnis.

Doch nur wenige Kilometer westlich davon befindet sich ein Ort der Ruhe, ein Kraftort, ein Erlebnis der anderen Art. Wie die Rosenburg von Menschenhand geschaffen, von eben dieser auch wieder zerstört. In der gängigen Fachliteratur wird dieser Ort unter Tursenstein geführt. Auf gängigen Landkarten findet man die Bezeichnung ,,Ödes Schloss’’. Da jedoch diese Bezeichnung für solcherlei Anlagen gängig ist, wird sie hier unter der ,,DSC00940wissenschaftlichen’’ Bezeichnung beschrieben. Zwei Orte, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten. Beide ein Zeugnis vergangener Zeit, wenngleich auch der Erhaltungszustand verschieden ist. Während die Rosenburg quasi ein musealisiertes Objekt aus vergangener Zeit darstellt, ist Tursenstein im wahrsten Sinne des Wortes ein Bruchstück. Beide Orte geben Zeugnis längst entschwundener Persönlichkeiten, die das ursprüngliche Aussehen bestimmt und zur Nachhaltigkeit beider Objekte wesentlich beigetragen haben.

Sowohl Tursenstein als auch die Rosenburg wurden als Schutzburgen gegen Böhmen gegründet und übernahmen die Rodung des Gebietes (Urbarisierung). Die einstige Burgenlinie Lichtenfels- Schönberg weist heute noch mehr als 20. Anlagen auf, wenngleich etwa drei Viertel davon zu Ruinen verkommen sind. Unter diesen Befestigungen nimmt die Rosenburg eine strategisch wichtige Position ein, da der Kamp hier durch den Rosenburg- Felsen von WestenDSC05220 nach Süden abgeleitet wird. Die Errichtung dürfte in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zu datieren sein, der Bergfried und die ältesten Bauteile stammen jedoch aus dem 13. Jahrhundert. 1175 taucht erstmals ein Goczwin von Rosenberg auf, Der Name ,,Rosenberg’’ sollte bis ins 17.Jahrhundert geläufig sein. Die Rosenberger sind uns bis 1290 urkundlich bekannt, es folgen die Stallegger, deren Burg südlich der Rosenburg lag, heute aber nur noch Ruine ist.

Bis Ende des 14. Jahrhunderts sind die Stallegger Besitzer der Rosenurg, dann sterben sie aus. Hierbei gilt es nun kurz den Blick auf das benachbarte Tursenstein zu lenken.

Wie bereits erwähnt, hatte Tursenstein viele Namen, gegründet wurde sie wohl als ,,Stein’’. Bereits Anfang des 12. Jahrhunderts tritt ein Wolfger von Stein auf, der wohl Ministeriale der Grafen von Poigen war. Dieses GescDSC03347hlecht war zu jener Zeit das bedeutendste in dieser Gegend und hatte seinen Stammsitz nur wenige Kilometer nördlich von Tursenstein, in der Nähe vom Stift Altenburg, dessen Name sich von der ,,alten’’ Burg der Grafen von Poigen herleitet, von der heute nichts mehr erhalten ist. Irgendwann beschlossen die Grafen, sich hier, oberhalb des Kamps eine „neue“ Burg zu bauen, während die „alte“ Burg- oder Teile von ihr- zu einem Kloster umfunktioniert wurde.

Ab 1210 in landesfürstlicher Hand, wurde sie stets von Pflegern verwaltet. 1265 wird die Burg auf Befehl von Ottokar Přemysl geschliffen, jedoch wird in der betreffenden Urkunde ausdrücklich von einem ,,Purchstall’’ berichtet, womit gemeint ist, dass die Anlage bereits zuvor verfallen war. Doch schon 1288 sind wieder Pfleger von Tursenstein erwähnt, jetzt die ,,Sonnberger’’, denen auch das benachbarte Schauenstein gehörte.DSC03348

1337 erhalten die Tursen, Verwandte der Sonnberger, die Burg. Kurze Zeit zuvor waren sie aus unerfindlichen Gründen die Burg Lichtenfels losgeworden und mussten sich nunmehr mit den Ruinen dieser Anlage begnügen. Reinprecht der Turse zögerte nicht lange. Auf seinen Befehl wurden Mauern ergänzt, ein Brunnenhaus errichtet und die Anlage mit ihrem noch heute gültigen Namen ,,Tursenstein’’ versehen. 1367 stirbt Reinprecht der Turs und die Anlage erlebt in der Folgezeit rasche Besitzerwechsel, ehe sie 1396 an das Stift Altenburg gelangt, mit der Auflage, die Anlage nieder zu reißen. 1419 wird sie bereits als verfallen bezeichnet. Über eine weitere Zerstörung durch die Hussiten in den Jahren 1427 und 1430, als diese Stift Altenburg plünderten, ist nichts bekannt.

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Der Froschhof

Einzig der Wirtschaftshof der Burg, der so genannte Froschhof, wird weiterhin verwendet und erst 1945 zerstört. Seine Reste sind heute noch zu sehen. Dass jedoch auch die Ruinen der einstigen Feste nicht ganz verlassen waren, konnte durch archäologischen Funden bestätigt werden. Wo die Geschichte der Feste Tursenstein endet, beginnt nun die der Rosenburg. 1433 von den Hussiten kurzfristig erobert, blieb die Burg dann zunächst in landesfürstlichem Besitz, ehe nach mehreren Besitzerwechseln 1487 Christoph Grabner die Burg erwarb. Seine Familie sollte sie bis 1604 behalten. Die Rosenburg wird zum Renaissanceschloss umgebaut, mit Türmen und einem neuen Trakt versehen. Mit der Renaissance hielt auch die Reformation ihren Einzug in die Rosenburg. Leopold Grabner beDSC05168rief mit Dr. Christof Reuter einen Organisator für die Reformation in Österreich an seinen Hof.

1610 erwarben die protestantischen Stände Niederösterreichs die Rosenburg. Wenige Jahre zuvor hatten sie in Horn als Reaktion zur Gegenreformation den sogenannten ,,Horner Bund’’ geschlossen. Die Rosenburg sollte nun vor allem ein Ort der Festivitäten werden. 1611 wurde etwa eine prunkvolle Hochzeit zwischen einer Grabner-Tochter und dem Grafen Kufstein abgehalten. Doch der finanzielle Aufwand für die Rosenburg überstieg bald die Finanzen der Stände, sodass man sich zum Verkauf gezwungen sah. Ausgerechnet der bedeutendste Gegenreformator von Mähren, Kardinal Franz von Dietrichstein zu Olmütz machte dem protestantischen Treiben mit seinem Kauf ein Ende.

Ihm folgte 1614 der Heereslieferant Vinzenz Muschinger, der schon kurze Zeit später mit dem Bau des prächtigen Turnierhofes begann. Um das finanziell aufwendige Programm rund um den Ausbau der Rosenburg fort zu führen, wurden mehrere Herrschaften hin zu gekauft, das Gebiet also deutlich vergDSC05284rößert. 1620 plünderten protestantische Reiter die Rosenburg, 300. Menschen sollen umgekommen sein, wovon eine Säule und das berühmte Lied ,,Es liegt ein Schloss in Österreich’’ zeugen. Allerdings taucht in den vorhandenen Annalen kein Beweis dafür auf, dass die Soldateska hier gewütet hätte, eher scheint es, als wäre eine Seuche die Ursache für das Massensterben gewesen. Immerhin ging das wertvolle Mobiliar verloren, wie Muschinger Kaiser Ferdinand II. kDSC05213lagte.

1645 plündern die Schweden abermals Schloss und Herrschaft Rosenburg. Muschinger war bereits 1628 gestorben, seine Erben stürzten in die Schuldenfalle, der Besitz wurde veräußert. Mit diesen festgefahrenen Zuständen begann dann auch der erste Niedergang der Rosenburg.

1658 erwarb Joachim Enzmiller, Freihher von Windhaag, die Rosenburg. Windhaag, aus ärmlichen Kreisen kommend, war im Dreißigjährigen Krieg reich geworden. Von der Rosenburg aus sollte er nun auch die gegenreformatorischen Aktionen der Habsburger unterstützen. Seinen Besitz ließ er um 1660 in einer ,,Topographia’’ von Clemens Beuttler verewigen. Doch schon mit seinem Tode 1678 begann der endgültige Niedergang der Rosenburg. Die neuen Besitzer, die Freiherren von Hoyos und später auch Sprinzersstein, verloren immer mehr ihr Interesse und die Dachsteuer Kaiser Josefs II. bewirkte, dass bald nur mehr wenige Räume überdacht und bewohnbar waren.

DSC05195Erst Ernst Graf Hoyos-Sprinzersstein begann 1859 mit dem Wiederaufbau. Seit dieser Zeit glänzt die Rosenburg wieder in voller Pracht. Natürlich hat der im 19. Jahrhundert wieder entstandene Renaissancebau nur musealen Charakter und es fehlt die Kontinuität zur vergangenen Lebenswelt. Als imposante Anlage beeindruckt sie aber zweifellos. Tursenstein hingegen kann man immerhin als ,,originalen Überrest’’ sehen, der seit 600. Jahren vor sich hin verfällt. Im Gegensatz zur Rosenburg verlieren sich die Spuren der Burg Tursenstein und es scheint nahezu unglaublich, dass immerhin noch diese Reste erhalten sind, wenngleich man heute nicht einmal mehr sagen kann, welche Reste zu welchem Gebäude gehörten. Ob der nördliche Rest als Bergfried gesehen werden kann, ist ebenso fraglich wie ursprüngliche Bestimmung der rätselhaften ReDSC00956ste eines viereckigen Gebäudes mit rundem Innenraum, der von Forschern als Brunnenhaus identifiziert worden ist. Ungewissheit und Ruinen also in Tursenstein. Imponierende Mächtigkeit und gute Herkunftsdokumentation bei der Rosenburg, zu der jahrein jahraus viele Menschen strömen, während man auf Tursenstein hingegen man nur wenige Burgenliebhaber und Wanderer trifft, deren Absicht es eher ist, das Kamptal und die Idylle seiner Natur zu erleben und zu genießen, wobei die Mauern der einstigen Feste einen zusätzlich ästhetischen Reiz bieten.

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