Můj milý Josefe – Joseph, lieber Joseph mein – auf dem böhmischen Bock

Die sogenannte „Mittelalterliche Marktsackpfeife“…
http://faq.sackpfeifen.info/content/1/12/de/die-sogenannte-mittelalterliche-marktsackpfeife.html
ad: „Es ist sehr stark zu bezweifeln, dass man im Mittelalter 4 oder 5 Sackpfeifen zur gleichen Zeit und dann auch noch unisono gespielt hat.“

Und gerade das bezweifle ich, wenn der Verfasser unter dem Ausdruck „unisono“ Einstimmigkeit meint. Denn Musikwissenschafter behaupten, der Mönch von Salzburg (1365–1396), also spätes Mittelalter –
der Dudelsackspieler auf dem böhmischen Bock singt heute noch auf Adventmärkten
„Můj milý Josefe“,
viele von uns intonieren die gleiche Meldodei unterm Weihnachtsbaum mit den Worten Joseph, lieber Joseph mein,
hilf mir wiegen mein Kindelein,
Gott, der wird dein Lohner sein
im Himmelreich, der Jungfrau Sohn Maria

hat im deutschsprachigen Raum die „Nichtunisono“, die Mehrstimmigkeit eingeführt.
Ein Beispiel dieser frühen Mehrstimmigkeit mag „untarnslaf“ geben. Der Unters(untarns)berg, auf dem zu Mittag(untarn) häufig die Sonne zu scheinen pflegt, gibt dem Mönch von Salzburg Anlaß zur Minneparodie oder zur Erkenntnis, nicht nur hohe Herrschaften, nein, auch das ländliche Volk, der Senn und seine liebe Sennerin seien zur Minne fähig, denn:

Untarn ist gewonlich reden ze Salzburg
und bedëutt, so man izzet nach mittem
tag über ain stund oder zwo.

Untarn slaf
tut den sumer wol,
der an straf
liblich ruen sol
pey der diren
auf dem stro:
in der stiren
macht es fro.

Ein Mittagsschlaf
im Sommer tut gut,
wenn einer
ohne Sorgen zärtlich
bei der Magd
auf dem Stroh
liegen kann.
Das bereitet Vergnügen

Aber ach: Herczen Trost, wy wol ich spür,
daz du mir pist ain ungetrëuez weib!

http://www.altemusik.net/klangproben/mp3_files/kuehhorn.mp3

Franz Mettauer

 

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