Malteserordenschloss Mailberg – geschichtsträchtiger Ort im Weinviertel

Schloss Mailberg liegt im Weinviertel nördöstlich von Hollabrunn inmitten von Weinbergen und Kellergassen. Die Burg Mailberg war ein geschichtsträchtiger Ort, hier verlor der Babenberger Markgraf Leopold II. gegen den kaisertreuen Böhmenfürst Wratislaw am 2. Mai 1082 eine entscheidende Schlacht. Das zweite politisch bedeutende Ereignis war das Bündnis der Landstände im Jahre 1451 der Ober-und Niederöstereicher, die mit Kaiser Friedrich III. wegen der Freigabe des unter seiner Vormundschaft stehenden Thronerben Ladislaus, im Streit lagen im Mailberger Bund. Dieses Bündnis wurde mit 250 Siegeln bestätigt und verhalfen dem rechtmäßigen Thronerben zu seinem Recht.

Die bauliche Substanz dürfte auf eine Ordensburg des Johanniter-Ordens zurückführen, die vermutlich zur Zeit des II.Kreuzzuges (1147-1149) enstand und eine Schenkung Chadolts von Zogelsdorf war. Ab dem 13. Jh. diente das Schloss als religöses, wirtschaftliches, militärisches und hospitalisches Zentrum vom Orden zur Kommende Maillberg zusammengefassten Besitzungen, welches heute die weltweit älteste im Ordensbesitz befindliche Kommende des Souveränen Malteser Ritter-Ordens ist.

Der Souveräne Malteserorden ( voller Titel: Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes von Jerusalem von Rhodos und von Malta – früher zu Jerusalem) ist eine kath. Ordensgemeinschaft, die im 11.Jh. in Jerusalem gegründet wurde und nach dem I.Kreuzzug auch ein geistl. Ritterorden wurde. Die ursprüngliche Bezeichnung Johanniter wandelte sich nach deren Ansiedlung in Malta um 1530 in die heute gebräuchliche Bezeichnung. Der Orden wird heute noch als ein souveränes, nichtstaatliches Völkerrechtsubjekt betrachtet und als solcher verfügt der Orden über eine eigene Gerichtsbarkeit mit Sitz in Malta. Ziel des Ordens ist es, Alte, Behinderte, Flüchtlinge, an tödlichen Krankheiten Leidende und Leprakranke – unabhängig von deren Religion und Herkunft – weltweit karitativ zu unterstützen. Der im Mittelalter gegründete und 1113 päpstlich anerkannte Malteserorden genießt die selbe unmittelbare päpstliche Anerkennung wie der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Beide sind die einzigen vom Heiligen Stuhl anerkannten Ritterorden der kath. Kirche, die in einem besonderen Souveränitätsverhältnis zum Heiligen Stuhl stehen. Es stammen immer noch viele Mitglieder des Ordens aus ehemaligen Ritterfamilien, allerdings hat sich der Orden aufgrund seiner Aufgaben nach den Ordensstatuten geeigneten Kandidaten geöffnet.

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Im 11. Jh. gehörte das Gebiet um Mailberg (Mauriberg, Mouriberch) Haderich, einem Sohn des Vogtes des Bischofs von Regensburg und seiner Nachkommen. Um 1135 kommt das Gebiet in den Besitz des Geschlechts der Kadolte (Chadolte), die im 12. Jh in Pulkau, Harras, Mailberg, Göllersdorf, Stronsdorf, Zogelsdorf und Seefeld nachgewiesen sind. Chadolt von  Zogelsdorf schloss sich 1147 unter Markgraf Heinrich II. Jasomirgott dem II. Kreuzzug an und stiftete bereits 1146 einen Teil seines Besitzes den 1099 gegründeten Johanniter. Nach dessen Tod beanspruchte sein Neffe Chadolt von Harras die Schenkung. Heinrich II. schlichtete am 15. August 1156 den Streit und im Zuge der Überlassung zweier Weingärten in Grinzing und bäuerliche Untertanen sollten die Johanniter Mailberg behalten können. Es wurde vermutlich schon während der Zeit der Schenkung unter der Amtszeit des Ordens-Großmeisters Fra Raymond du Puy ein Kloster mit Hospital und Kirche auf einer kleinen Anhöhe errichtet. Urkundlich wurde es aber erst durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa am 17. Sept. 1156 belegt.

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Im 12. und 13. Jh erfolgten einige Schenkungen an den Orden. Diese meist kleinen und verstreuten Besitzungen wurden auf der Verwaltungsebene zu einer Kommende zusammengefasst unter dem Johanniter-Orden. Der Ordensbesitz hatte demnach die Funktionen eines Wehrgebäudes, Wirtschaftshofes, Kirche und Pilgerhospitals. Mailberg befand sich auf einer Straßenkreuzung zwischen den Wegen von der Donau nach Böhmen und ins Waldviertel gelegen, was für die Kommenden als strategischer Knotenpunkt von Bedeutung war. In diesem Fall, weil dies  immer ein gefährdetes Grenzgebiet war und somit ein ein wichtiger Handelsweg und militärische Position.

Für gewöhnlich überwogen die Priesterbrüder gegen die Zahl der Ritterbrüder in den habsburgerischen Kommenden, da diese auch Seelsorgeaufgaben hatten  in den Ordenspfarreien. Mailberg dürfte einer der wenigen Ritterkommenden des Großpriorats von Böhmen gewesen sein.  Komture, die Ritterbrüder waren, führten den Titel „Meister“ oder „Kommendator“, die Ritter, die die militärische und wirtschaftliche Führung innehatten wurden als „Magister fratrum in Mourberch“ überliefert. Darunter waren Namen wie Ludwig und Friedrich (1232) , Wolfger (1244), Konrad(1263) und Leupold vo Stillfried (1292 ) überliefert. Geistliche Brüder des „Ordinis Hospitlais sancti Johannis dictus de Meurenberge“ die dem Orden vorstanden wurden als „Prior“ bezeichnet.  Aus der Zeit Leupold von Stillfrieds ist ein Siegel der Kommende Mailberg überliefert, welches das Haupt Johannes des Täufers auf einer Fußschale ruhend zeigt.

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Im der ersten Hälfte des 14. Jh. war geprägt von Auseinandersetzungen von den Habsburgern und Luxemburgern. 1331 fielen böhmische Truppen im Weinviertel ein und verwüsteten das Land. Johann von Böhmen fiel 1336 erneut mit 20.000 Fußsoldaten und 2.000 Reitern ins Pulkautal ein und besetzte Mailberg. Unter den Komturen Otto und Berhard Lembucher (1392-1420) fielen die Herren von Lipa und Neuhaus 1399 und der Södnerführer Johan Sokol von Lamberg 1402 ein, der die Ordensburg kurzfristig besetzte. Dem Magister zu Mailberg ware in der ersten Hälfte des 14. Jh. mehrere Kommenden als „membra“ unterstellt, darunter Wien, Unterlaa, Ebenfurth und Stroheim bei Eferding sowie auch in Mähren. Im 14. Jh wandelten sich die europäischen Ordensniederlassungen immer mehr in Klerikale. In den Hussitenkriegen wurde die Kommende schwer beschädigt und   1426 fielen diesen Auseinandersetzungen der Ort, die Kunigundenkirche und das Hospital zum Opfer. Das Hauptgebäude und die Kirche dürften weitgehends unbeschädigt geblieben sein. Komtur Wilhelm Dechsner (1440-1462)  klagten noch 1445 über die wirtschaftlichen Folgen, hatten aber dennoch genug Mittel um den „Mailberger Hof“ in der Wiener Johannesgasse zu erwerben. Die Kommende Mailberg war bedeutend genug um jene Versammlung am 14. Oktober 1451  zu beherbergen, die in den Mailberger Bund gipfelten, wie anfangs erwähnt.  In der zweiten Hälfte des 15. Jh. war der einstige böhmische Söldnerführer Achaz Bohunko Komtur in Mailberg. Bohunko hatte sich in der Auseinandersetzung Kaiser Friedrichs III. mit den Landständen un der Stadt Wien auf dessen Seite geschlagen und nur durch seinen Einfluß wurde die Mailberger Kommende nicht dem St. Georgs-Orden, den Friedrich III. gründete, übereignet. 1477 fiel Matthias Corvinus fiel mit seinen Truppen in Niederösterreich ein. 1482 forderte der Papst Sixtus IV Corvinus auf Mailberg den Johannitern wieder zurückzugeben. Corvinus hatte den Ordenssitz aber von Kaiser Friedrich III. erlangt, der „Schloss und Herrschaft Marperg“, was ihm auch gehörte, wiederum für 7000 Golden an die Brüder Andreas, Ulrich und Wolfram von Grafenegg verpfändet hatte. Jan von Schellenberg, der oberste Kanzler von Böhmen , gab 1494 dem Johanniterordenstritter Andreas von Grafenegg und dessen Hauptmann Nikolaus Pflug Mailberg für 800 Gulden zurück. Diese Zeit war auch die Zeit des Niedergangs der politischen Bedeutung der europäischen Johanniterniederlassungen, dem der Ordensstaat auf Rhodos nicht mehr entgegen zu setzten hatte.

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Der Streit um die Kommende wurde durch den röm.-deutschen König Maximilian I. beigelegt und Mailberg 1517 entgültig dem Orden übergeben. Es setzte dann die Reformationzeit ein und kleinere Osmanische Übergriffe. Die Grabplatten von Hugko Popel (Hugo Paul) von Lobkowitz von 1517 und Johann Kalterderer von 1521 sind heute noch in der Kirche erhalten. Zu dieser Zeit waren kaum noch Ordensbrüder im Schloss und im Priesterhaus und es verfiel zusehends. Der Ordenssitz wurde  unter dem Komtur Karl Tettauer von Tettau 1594 generalsaniert, der den Bau bis zu den Grundmauern abtragen ließ und das Anwesen im Stile des späten Renaissance restaurierte. Die zwei Wappensteine an der Tordurchfahrt und der Aussenmauer der Schlosskirche stellen das Allianzwappen der Tettauer’schen und das Malteserwappen im Stil der Renaissance dar.

 

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1609 wurde unter Graf von Sternberg Mailberg wieder als Handelsinfrastruktur der Gemeinde und die Schlosskirche wieder eingerichtet. Der Dreißigjährige Krieg in Böhmen brachte die Infrastruktur wieder zum Erliegen und Mailberg führte ab 1637 keine Landesabgaben mehr ab und war 1644 bereits hochverschuldet. Die schwedischen Truppen verwüsteten die Kommende durch Plünderungen und Zerstörung, was vor allem für den Weinbau katastrophale Folgen hatte. Mailberg wurde verpfändet und an Wenzel Freiherrn von Hegenmüller verpachtet. Unter Fra Leopold Karl von Kollonitsch als Komtur wurden die laufenden Schulden beglichen und  die Kommende mit einem „Schadlosbrief“ ausgelöst. Kollonitsch leitete die Barockisierung des Schlosses ein und baute ein eigenes Pfarrhaus unten am Schlosshügel.

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Der damalige Gesamteindruck der Kommende ist durch den bekannten Stich von Georg Matthäus Vischer aus dem Jahre 1672 überliefert. Von Kollonitsch zeichnete sich durch sein Engagement bei der zweiten Türkenbelagerung von 1683 aus. Er sorgte für die Besoldung der Truppen, richtete in Klöster Notspitäler ein, evakuierte Kinder aus Wien und brachte sie auf Schloss Mailberg. Die Grabplatte von ihm ist in der Schlosskirche Mailberg erhalten.

1745 wurde Anton von Colloredo-Waldsee Komtur, der  Großmeister des Ordens und Generalfeldmarschall unter Kaiserin Maria-Theresia Komtur. Er veranlasste 1752 einen neuerlichen Umbau, da der damalige Umbau nicht vollendet war und neuerlich heruntergekommen war. 1788 äschte ein Brand den Markt und das Schloss ein, was wiederum einen jahrelangen Wiederaufbau forderte.

1798 besetzte Napoleon Bonaparte die Insel Malta und entzog dem Malteser-Ritter- Orden mit einem Schlag die terretoriale Basis.  In dieser Zeit verloren die Orden ca. 90 % seiner Mitglieder durchd die Aufklärung und die Französische Revolution. Durch innere Reformen zurück zu seinen religösen und hospilitärer Basis besann sich der Malteser-Ritter-Orden wieder zu seiner Frühzeit des Ordens. Es trat wieder der Ordensburder in den Vordergrund, der sich ohne Ansehung von Herkunft, Rasse und Religion dem Dienst an Kranken, Schwachen und Hilfsbedürftigen widmet.

Bei der Dreikaiserschlacht von Austerlitz, ziehen französiche Truppen durch Mailberg. 1809 nach der Schlacht von Wagram bleiben Ortschaft und Schloss verschont. Das Revolutionsjahr 1848 brachte die Bauernbefreiung eine Veränderung im Abgabengefüge und die Komtureien waren auf ihren eigenbewirtschafteten Grund und Waldbesitz reduziert.  Die nächsten Renovierungen fanden unter der Amtszeit von Graf Schönborn von Buchheim statt. Er ließ die Kirche renovieren samt der Orgel und den Aufgang zum Chor errichten.

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Im ersten Weltkrieg diente es als Genesungsheim und der Orden hatte sich durch den Krieg finanziell verausgabt und war bis zur Machtergreifung der Nationalisten 1938 verpachtet. Der damalige jüdische Pächter wurde vertrieben und in den Kriegsjahren stand es unter der kommissarischen Verwaltung der SA. Nach dem Einmarsch der Sowjetischen Truppen wurde das Schloss und die Güter geplündert, die Hälfte der Weingärten ohne Weinstöcke ebenso die Ackerflächen verwüstet.

Das Schloss wurde den ursprünglichen Besitzern, dem Malteser-Ritter-Orden wieder zurückgegeben und diese haben das Schloss wieder in seinem ursprünglichen hergestellt. Der Orden betreibt ein Hotel mit 21 Doppelzimmern, das auch für Hochzeiten sehr gut gebucht wird. Es werden auch des öfteren mittelalterliche Hochzeiten in dem neurenoviertem Rittersaal veranstaltet. Es beherbert ein kleines Museum und der Orden plant im Zuge dessen auch das Archiv des Großpriorates von Österreich dort der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es ist auch eine Vinothek im Schloßkeller untergebracht , die aus den 48 ha Weinrieden des Ordens, bewirtschaftet durch die Weinkellerei Lenz Moser,  die Qualitätsmarke „Schlossweingut Malteser-Ritter-Orden“ weltweit vertreibt. Ausserdem werden noch Weine des Mailberger Winzergenossenschaft „Mailberg Valley“ angeboten.

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Die generalsanierte Schlosskirche dient seit 2007 wieder ihrer Bestimmung als Ordens- und Pfarrkirche des Ortes.

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