Jindrichuv Hradec das böhmische Kanada

Die Stadt liegt in einer Landschaft, die allmählich von den Teichen der Witingauer Beckens in die wellenartigen Horizonte des Kremesnik-Berglandes und Böhmisch Kanada übergeht. Iindrichuv Hradec gehört zu den bedeutendsten historischen Städten der Tschechischen Republik.

Die Stadt wurde nach Jindrich benannt, der im Wappen die goldene Rose trug und als Gründer des Adelsgeschlechtes der Herren von Hradec bezeichnet ist. Irgendwann um 1220 eroberte er die hiesige Burg, die im 10.Jh. an Stelle der Premsylidenburgstätte geründet war. Die Nachkommen behielten die Burg bis zum aussterben des Geschlechts 1604, nachher erbten sie das Slavata-und 1693 das Cernin-Geschlecht, dessen sie bis zum 2.Weltkrieg gehörte.
Der Burg-und Schlosskomplex ist der drittgrößte in Tschechien (nach Prag und Cesky Krumlov). Vom mittelalterlichen gotischen Bau blieb der Palast Stare staveni (sog. Alter Bau) von 1260-70mit wertvollen Wandmalereien aus der 1. Hälfte des 14. Jh. (Thema der Hl. Georg) erhalten. Von den nachfolgenden Umgestaltungen gilt als der bedeutenstes der Renaissanceumbau in der 2. Hälte des 16. Jh. als zwei neue Flägel entstanden (Adams II. und Joachims) aber vor allem der Musikpavillon – Rondel, wobei der Architikt Baldassare Maggi zur norditalienischen Architektur neige. Interessant ist, dass die Musiker unter dem Fußboden spielten und der Ton durch eine, die Öffnung in der Mitte des Raumes verdeckende Vase an die Oberfläche und in den Raum gelangte. Dieser Teil wurde 1773 bei einem Brand zerstört.
Das Schloss lohnt sich zu besichtigen, da die Wandmalereien im Orginal sind und nur zweimal gereinigt wurden. Alle Wandmalereien und Decken sind aus dieser Zeit erhalten.

Hier noch ein paar Daten zum mittelalterlichen Teil der Burg. Da es in den meisten staatlichen Schlössern verboten ist zu fotografieren ist es sehr schwer mit Bildmaterial die Bauten von innen zu zeigen.

Der gotische Burgkomplex, den Ulrich (Oldrich) fertigstellte, bestand aus dem missiven Zylinderturm mit dem nordöstlichen eingang im ersten Stock. Der Palas am Turm war vom Burghof zugänglich. Zu dieser Zeit schützte die Burg die alte Burgwall-Befestigung, erst später wurden die Schanzen mit Zwinger und dem südwestlichen Turm erbaut. Anschliessend wurde die Kapelle 1277 im ersten Stock des Palas errichtet und er Wohnturm in der westlichen Ecke des Burghofes errichtet, der 1556 wieder abgerissen wurde.  Bereits im 13. Jh. schützten im inneren zwei vorgeschobene Burghöfe die Burg, die von einer steinernen Mauer umschlossen war. Die Verteidigungsmöglichkeiten wurden mit dem neu angelegten Teich wesentlich verbessert und die einem Einfahrtstor in Richtung Stadt versehen.  Die Ausschmückungen im Eintrittssaal wurden mit aneinander geordneten Reihen von Wandgemälden der Georglegende geschmückt. Die darunterliegende Reihe  mit Wappen waren wahrscheinlich die Teilnehmer der Kreuzzuge unter Johann von Luxemburg.

Die Wappengalerie wurde etwas später hinzugefügt. Zu erwähnen ist die Frau von Ulrichs Sohn Margarete, die mit der Sage der weißen Frau verknüpft ist. Margarete wurde nach ihrem Tod zum gutmütigen Gespenst der Weißen Frau und half den Leuten. Eine andere, ebenso gutmütige Weiße Frau Perchta entstammte der rosenbergschen Linie. Sie lebte erst 100 Jahre nach Margarete. Ihr Bildnis ist wie das ihres Mannes Johann von Liechtenstein, in der Ahnengalerie zu sehen. Sie gehörte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Wittigonen und ist auch in Telc in der Ahnengalerie zu finden.

Das Bild der Neuhauser Madonna stellt eins der höchst seltenen Werke der tschechischen spätgotischen Malerei des 15. Jh. und wurde etwa 1460 hergestellt.

Interessant ist auch der frühgotische Kamin mit Wappengemälden in der Nische der Galerie und stammt aus dem 13. Jh., die sich im ersten Stock des gotischen Palas befindet.

 

 

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