Haben unsere Ritter auch Ostereier gesammelt?

Vielleicht sammeln unsere jetzigen Ritter auch Ostereier mit ihren Kindern bei den mittelalterlichen Ostermärkten. Aber natürlich gab es im Mittelaltern noch keine bunten Ostereier.

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Das christliche Osterfest hat seine Wurzeln nicht in der germanischen Welt, sondern im jüdischen Pessach, ein Fest, das von den Juden noch immer am 14. Tag des jüdischen Frühlingsmonats Nisan gefeiert wird. Das christliche Ostern wird, so legte das Konzil von Nizäa im Jahre 325 entgültig fest, immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsmond zu feiern, was heißt frühestens am 22. März und spätestens am 25. April. Aber bereits im Frühmittelalter galt das Osterfest, das den Tod Jesus Christus’ betrauert und seine Auferstehung feiert, als wichtigstes Fest im Kirchenjahr. Mit dem österlichen Triuum Sacrum wurden die heiligen drei Tage des Leidens , des Todes und der Auferstehung Jesu begangen. Der Osterzeit ging die Quadragesim voraus, die 40 Tage umfasste und durch Buße und Fasten gekennzeichnet war. Nach Ostern wurde miter Pentekoste eine 50 Tage währende Festzeit begangen. Am vierzigsten Tag innerhalb dieses Zeitraums wurde Christi Himmelfahrt gefeiert,  deren Höhepunkt das Pfingstfest ist. Das Ei war auch damals schon ein Teil des Festes und wurde auch damals schon rot gefärbt als Sinnbild für das Blut Christi.

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Schon Jesus sieht im Ei, eine gute Gabe (Lukas 11 11-12). Dieses Brauchtum wurde im ganzen alten Christentum von Mesopotamien bis nach Spanien ausgeübt. Es ist das Sinnbild des erwachenden Leben für die Auferstehung Christi. Da in der Fastenzeit auf tierische Speisen verzichtet wurde, war das Ei, das man später auch bemalte (ova rubra = rote Eier) und verzierte, ein ersehntes Ostergeschenk. In manchen Gegenden wurden die inder Fastenzeit angesparten Eier auch als Zahlungsmittel (Zins, Pacht) verwendet. Ab dem 12. Jahrhundert kann die so genannte “Eierweihe” am Ostersonntag mit historischen Quellen belegt werden. Die Weihe beendete das Fasten und gab das Ei wieder zum Essen frei. So spielten Eierspeisen auch beim großen Osteressen als Abschluss der Fastenzeit bis ins 15. Jahrhundert eine große Rolle. Spätestens seit dem 17. Jahrhundert verschenkten die Menschen solche bemalten und verzierten Ostereier – und das nicht nur in der Farbe Rot.

In der Karwoche sollte die Arbeit ruhen

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Um dem Leiden Christus’ zu gedenken, ließ man bis ins 9. Jahrhundert schon zwei Wochen vor Ostern die Arbeit ruhen. Das Wort “Kar” hat seine Ursprünge im Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie “Trauer” und “Wehklagen”. Jesus’ Leidensgeschichte beginnt bereits am Gründonnerstag, schon im 12. Jahrhundert “gruener dunrestac” genannt (Vgl. Universität Innsbruck), wobei das “Grün” sich vermutlich nicht auf die Farbe, sondern auf das mittelhochdeutsche “grunen” bzw. “greinen” bezieht, das “weinen” bedeutet. Frühe Quellen deuten darauf hin, dass der Gründonnerstag schon im 4. Jahrhundert mit Fußwaschung und Erstkommunion begangen wurde. Im Altertum und im Mittelalter begann der Karfreitagsgottesdienst um 15 Uhr, dem überlieferten Todeszeitpunkt Jesus Christus’. Am späten Abend des Ostersamstags oder am frühen Morgen des Ostersonntags wandelt sich die Trauer um Jesus in Freude über seine Auferstehung. Das wird traditionell mit Gottesdiensten und Osterfeuern gefeiert. Dieses Brauchtum hat sich bei uns noch im Lungau und Oberösterreich gehalten.

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Die Palmbuschen gibt es nicht erst seit unserer Zeit. Das Mitragen von Palmzweigen und Olivenzweigen galt im Judentum als Zeichen der Huldigung und des Sieges.  Am Palmsonntag (sonntag vor Ostern) feiern die christlichen Kirchen, dass Jesus einst auf dem Rücken einer Eselin als „Friedenskönig“ in die Stadt Jerusalem einzog.In Erinnerung an jene Huldigung Jesu wird die Palmweihe vollzogen. In Jerusalem, in Rom und in südlichen Ländern werden Palzweige und Olivenzweige gesegnet, in nörlichen Ländern müssen „Palmkätzchen“, „Segenbaum“ (Buchsbaum) oder andere Zeige als würdigen Ersatz dienen. Sie geweihten Zweige gelten im Volk als Segenszeichen für Haus und Felder.  Das älteste erhaltene Zeugnis für die Palmweihe findet sich in einem irischen Messbuch aus dem 7.Jh. Im 8 Jh. ist die Palmweihe schon sehr weit verbreitet. Eine Palmsonntagsprozession gibt es in der Ostkirche seit dem 4. Jh., im nördlichen Abendland erst seit dem 11. Jh. Für das richtige Palmbuschenbinden gibt es genau Anleitungen: 7 oder 9erlei Kräuter werden mit Ringen aus Salweide in ungeraden Zahlen zusammengebunden und immer sollte ein Buchsbaum, Wacholder, Stechpalme, Eibe, Zeder,Segenbaum, Thuje, Efeu, und Immergrün jeglicher Art dabei sein. Geschmückt wird das Ganze mit Eiern, Bändern, Apfeln und regionalen Vorlieben. Ungerade Zahl, weil dies ein Glücksbringer ist. Die geweihten Palmbuschen hatten vielerlei Aufgaben. Sie kamen in den Herrgottswinkel, auf den Opfertisch und hinter das Kreuz zum Beispiel. Die Zweige wurden in den Raunächten zum Räuchern verwandt. Teile des Buschens wurden auch unter den Dachfirst gelegt. Menschen steckten sie auch in die Ohren und schluckten bei den verschiedensten Beschwerden. Die Verwendung war also sehr vielfältig. Interessant ist hierbei, daß die Weide Salicylsäure enthält, was ein Ausgangsstoff für Aspirin ist.

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Die Oster-und Passionsspiele sind zwar im kirchlichen Kontext enstanden bildeten aber einen eher festen Bestandteil der Festkultur des Volkes. In Frankreich wurde bereits im 13. Jh. diese in der Regel mehrtägige Passionsspiele einen Zeitraum von bis zu einem Monat einnahmen. Anfangs wurden die Spiele durch die Kirche finanziert und auch unter der Leitung des Klerus mit Darstellern besetzt. Im Laufe der Zeit übernahmen diese Aufgaben die Städte und ihre Zünfte selbst. Ab dem 15. Jh waren die Spiele fest in ihrer Hand. Die Rolle der Passionsspiele verlor bis zum späten Mittelalter ihren religiösen Charakter und sie wurden mehr zu Volksfesten und entgleisten immer mehr zu handgreiflichen Trinkgelagen und wurden bis zum Ende des 16. Jh. in den meisten europäischen Städten verboten. In Österreich und Bayern haben sich die Passionsspiele bis heute noch ihre Wichtigkeit behalten und werden unter Mitwirkung der Bevölkerung veranstaltet.

Österliches Brauchtum

Was sich vor allem als Brauch im österreichischem Raum gehalten hat, ist der Palmesel, nach den Palmbuschen. In manchen katholischen Gemeinden besteht der Brauch, bei der Palmprozession am Palmsonntag einen lebensgroßen Holzessel, auf dem eine Christusfigur sitzt, mitzuführen. Dieser religöse Spielbrauch ist wahrscheinlich schon im 9.Jh. in Verbreitung und erfreut sich seit dem 13. Jh. großer Beliebtheit, bis ihn die Reformation und Aufklärung eindämmte. In unserer Zeit erfährt er eine Wiederbelebung.  In einigen Gemeinden ist am Palmsonntag auch ein echter Esel, auf dem ein Priester oder Christusdarsteller reitet im Einsatz.

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Osterlamm

Seit Jahrtausenden ist das Schaf Symbol des Lebens. Es gibt Speise und Trank, Kleidung, Boden und Dach, es liefert Material für die Herstellung von Trommeln, Instrumenten und findet als Opfertier eine „gute“ Beziehung zur Gottheit. Bei uns wird es in unserer jetzigen Tradition selbst gebacken oder käuflich als Kuchen erworben in Form eines Lammes.

Ratschen

Das Ratschen ersetzt von der Gründonnerstagsmesse bis zur Osternacht das Glockengeläut, da die „Glocken nach Rom fliegen und erst an Ostern wieder zurückkommen“. Früher klopften die Gläubigen bei diesen Messen auf Holzbretter, die Ende des 15. Jh. durch Ratschen ersetzt wurden, da es beim Klopfen zur Entwicklung eines hohen Lärmpegels und darauf resultierenden tumultartigen Ausschreitungen kam.

Osterfeuer

Die in Europa, besonders in Gebirgsländern, verbreiteten Osterfeuer haben ihren Ursprung in der katholischen Osterliturgie. Osterfeuer erinnern an die Auferstehung Christi. Die christliche Osterfeier kennt seit dem 4. Jh. eine eigene Lichtfeier, seit dem 8. Jh. wird dafür  eine Feuerweihe vor der Kirche gehalten. Das Feuer wird dazu aus Steinen geschlagen oder mittels eines Kristalls aus Sonnenstrahlen gewonnen. Diese Arten der Feuerentzündung symbolisieren die Auferweckung Christi aus dem steinigen Felsengrab bzw. die Kraft „von oben“, die Christus zu neuem Leben erweckt. Mit dem geweihten Feuer wird bis heute die Osterkerze entzündet, die unter dem dreimaligen Ruf „LumenChristi“ – (Christus das Licht) in die dunkle Kirche getragen wird. Die Tradition des Osterfeuers ist vor allem im Salzburger Lungau noch eine alte Tradition.

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