Frankenburger Würfelspiele 2017

 

Wir schreiben das Jahr 1620. Die Erinnerungen an den „Prager Fenstersturz“ sind noch frisch, und der „30 jährige Krieg“ ist noch in den Anfängen und hat noch lange nicht die Perversität der späterer Jahre erreicht. Auch hier zu Lande machen sich noch viel protestantische Bürger und Bauern illusorische Hoffnungen, ihren Glauben auch weiterhin praktizieren zu dürfen.

Ferdinand II

Doch Kaiser Ferdinand II (1578 – 1637) ist röm. katholischer Kaiser und einer der Monarchen, die den 30 jährigen Krieg vorantreiben und natürlich auch die Gegenreformation in den eigenen Ländern vorantreiben. 1620 verpfändet der Kaiser weite Teile des heutigen Oberösterreichs an die bayrischen „Waffenbrüder“. ( Magna Charta der großen katholischen Allianz)

Als im Juni 1620 der ehemalige Protestant und „Radikalkonvertit“ Adam Graf von Herberstorff ( 1585 – 1629 ) als Stadthalter des heutigen OÖ eingesetzt wird, eilt ihm bereits ein Ruf als „ Bluthund der Gegenreformation“ voraus. Mit aller militärischer Härte und fanatischem katholischem Eifer sowie einer schier grenzenlosen Vollmacht treibt er die Gegenreformation voran. Sehr zum Wohlgefallen des Kaisers und zum Nutzen des eigenen Geldbeutels.

Adam von Herbersdorf

Als nun am 15. Mai 1625 in der Gemeinde Frankenburg ein katholischer Priester eingesetzt wird, der unter anderem auch die Gegenreformation in der Gegend organisieren soll, ist der Unmut der mehrheitlich evangelisch geprägten bäuerlichen Bevölkerung groß. Groß ist auch die Hoffnung der Bauern auf Verbesserung, oder zumindest der Möglichkeit ihren Glauben ausüben zu dürfen. Die Ernennung des katholischen Priesters ist genau der Tropfen, der das Fass der Unterdrückung zum überlaufen bringt. Vielerorts bewaffnen sich die Bauern, schließen sich zu Haufen und Gruppen zusammen und belagern schlussendlich das Schloss in Frankenburg, in dem sich der kath. Geistliche und einige Bewaffnete verschanzen.

Doch der Aufstand währt kaum 3 Tage! Schon sind die Truppen der bayrischen Besatzungsmacht in der Region. Graf Adam von Herbersdorf als Oberbefehlshaber verspricht Gnade, wenn sich alle männlichen Aufständischen unbewaffnet am Haushammerfeld einfänden. Und sie kommen. War doch bei einem ähnlichen Aufstand gegen einen italienischen Priester in der Nachbarschaft wirklich so etwas wie Gnade entstanden. Doch weit gefehlt. Schnell werden 38 vermeidliche Anführer vorgeführt und zur Verantwortung gezogen. Die „Gnade“ besteht darin, das diese 38 Männer paarweise um ihr Leben würfeln dürfen. Die Verlierer werden noch vor Ort gehängt.

Diese besondere Gnade wird genau ein Jahr später zu einem der größten Bauernaufstände führen die das Land je gesehen hat.

Diese historischen Ereignisse werden im größten österreichischen Laientheater alle 2 Jahre in einer der größten europäischen Freilichtbühnen dargeboten. Rund 600 Menschen als Statisten und Schauspieler und 300 Helfer bewirken eine einzigartige Aufführung. Da das Stück mit Unterbrechungen seit 1925 aufgeführt wird, sind in vielen Familien der Region ganze Generationen mit dem Frankenburger Würfelspielen fest verbunden. Vorallem aber die Frankenburger selbst stellen pro Haushalt mindestens eine Teilnehmer und über die Jahre waren mindestens 5.000 Personnen am Stück beteiligt, und wenn man bedenkt, das ganz Frankenburg genau so viele Einwohner hat, ist das eine stolze Leistung.

http://www.wuerfelspiel.at/

Hier einige Bilder von der letzten szenarischen Probe im strömenden Regen….leider ist die für den Abend angesetzte Generalprobe sprichwörtlich ins Wasser gefallen.

Hier sehen sie einige Bilder der Aufführung am ersten Wochenende

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