Telc in Böhmen – Häuser erzählen Geschichten

Telc zählt ist eine der bedeutensten Stadtkomplexen der Renaissance, das in seiner historischen Form nie verändert wurde und heute als Schloss und Stadt im Verzeichnis des Weltkulturerbes Unesco aufgenommen wurde. Da die Tschechen Geschichten und Sagen lieben, haben sich noch einige dieser erhalten zu den einzelnen Häusern.

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Prager Fenstersturz

Telc ging nach dem Aussterben des Geschlechts der von Neuhaus in die Hände von Slawatas aus Chlum und Koschumberg über. Am 23. Mai 1618 betraten unzufriedene protestantische Stände unter der Führung von Heinrich Matthias von Thurn die Prager Statthalterkanzlei. In einem kurzen und improvisierten Gerichtsverfahren beschuldigten sie die beiden katholischen Statthaltern, Vilem Slawata aus Chlum und Koschumberg und Jaroslav Borita von Martinice, der Verletzung der Religionsfreiheit. Schließlich stürzten sie die beiden aus dem Fenster und warfen auch noch ihren Sekretär hinterher. alle drei haben den Sturz aus 16 m Höhe auf den steilen Südhang der Prager Burg überlebt und entkamen auch den Schüssen, die ihnen ihre Feinde hinterherfeuerten – wahrscheinlich war dies auch der Tatsache zu verdanken, dass sie doppelte spansiche Anzüge trugen. Sie konnten sich zum Teil verletzt retten und wurden von der katholischen Adeligen Polyxena von Lobkowitz beherbergt. Nachdem der Aufstand niedergeschlagen worden war, kehrte Slawata auf seine herrschalftlichen Güter zurück und erwirkte an der Ablösung der alten Landesverfassung durch die erneuerte Landesverfassung im Jahre 1627 mit. Für seine Dienste wurde er in den gräflichen Stand erhoben und wurde auch mit der höchsten kaiserlichen Auszeichnung gewürdigt. Für die Stadt Telc konnte er beim Kaiser die Erneuerung aller Städtischen Privilegien, ein neues Wappen sowie ein neues Siegel erwirken. Im Schloss befindet sich ein Bild, das auf eine orginelle Art und Weise den Pragern Fenstersturz zeigt. Die Tatsache, dass alle drei Opfer von Engeln gerettet werden, lässt darauf schließen, dass das Bild von Slawata selbst in Auftrag gegeben worden war.

Gründung der Jesuitische Namen-Jesu-Kirche

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Die Gräfin Slawata hat sogar Gott ihren Sohn Karl Gott anvertraut, wie die Sage erzählt:

Karl Slawata stand damals kurz vor der Heirat. Guter Dinge ging er auf die Jagd und hatte sich unterwegs von seiner Gruppe entfernt, er irrte umher und fiel mit seinem Pferd in eine Wolfsfalle. Weder er noch sein Pferd konnten sich aus der Falle befreien. Da versprach der verzweifelte Slawata, dass er sich Gott hingibt, wenn er gerettet würde. Er rief um Hilfe und wurde schließlich von einem Bauern gehört, der ihn herausholte. Versprechen ist aber Versprechen. Die Tränen seiner Braut beachtete Slawata nicht und trat in ein Kloster ein. Als jedoch seine Brüder starben und er der einzige Stammhalter blieb, bekam er vom Papst die Erlaubnis, zum weltlichen Leben zurückzukehren und die Gutsherrschaft zu bestellen. es war ihm wohl nicht beschieden , als Mönch zu sterben.

Das Haus vom Bäcker Michal

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Als er es im Jahre 1553 kaufte, ließ er das Haus umbauen und ausschmücken. Am Giebel finden wir die Jahreszahl der Fertigstellung: 1555. Der Bäcker Michal wollte sein Haus zum schönsten Haus der Stadt machen um sich für das Bürgermeisteramt zu bewerben. Die Sgraffiti zeigen Portraits altestamentarischer Figuren -David, Goliath, Saulus, Holofernes und weitere.

 

Renaissancebauten im Böhmerwald

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Beide Häuser sind typische Renaissancebauten mit sogen. Briefumschlag-Sgraffiti. Die Fassade enden mit einer Attika, auf beiden Seiten befinden sich zackige Zinnen. Bemerkenswert ist die Öffnungen zu beiden Seiten der Attika. Diese hatte den Zweck, trotz italienischem Designs böhmischen Winters zu widerstehen. Durch die Öffnungen wurder Schnee vom Dach entfernt. So war die Renaissance in Telc.

Von den Toten auferstanden

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Einst gehörte es der Familie  Kerndl mit der hübschen Tochter Julinka. Doch Julinka wurde schwer krank und verstarb trotz aller Pflege. Die Eltern legten dem Sarg ihrer geliebten Tochter kostbare goldene Schmuckstücke bei. Dem Totengräber gefiel das garnicht, daß diese Schätze mit dem Mädchen begraben werden und beschloß die Juwelen an sich zu nehmen. Das Armband und das Halsband konnte er leicht ablösen, der Ringl ließ sich nicht abnehmen. So beschloß er den ganzen Finger abzuschneiden. So bald er in den Finger schnitt schrie das Mädchen auf, kam schnell auf die Beine und rannte nach Hause. so wurde die Julinka wundersamer Weise gerettet. Die Eltern hatten ein gutes Herz und bestraften den Totengräber nicht. Doch niemand entkommt seinem Schicksal. So erlebte Julinka ihre eigene Hochzeit nicht mehr.

Frau Perchta – die Weiße Frau der Rosenberger

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Die Gutsherrschaft kaufte das Haus und ließ hier eine Küche für ihre Beamten einrichten. Für die Armen wurde hier am Gründonnerstag süßer Grießbrei zubereitet. Dieser Brauch, den Armen süßen Grießbrei zu geben, wurde von Frau Perchta eingeführt – von unserer Weißen Frau. Frau Perchta kam durch eine Heirat mit Johannes von Lichtenstein nach Telc. Dieser liebte sie nicht und behandelte sie sehr schlecht. Erst nach der Tod ihres Gatten befreite Perchta von ihrem Elend und sie konnte zu ihrer Familie zurückkehren. Seitdem hielt sich Perchta auf den Rosenberger Schlössern auf und half überall dort, wo man es brauchte, vorallem bei den Notleidenden. Sie war es, die die Beschenkung der Armen einführte. Zum Andenken an das letzte Abendmahl des Herrn wurden an diesem Abend die Armen von den Reichen bedient. Das Verschenken von Brei an die Armen wurde in Telc durch den Kaiser Joseph II. im Jhare 1783 abgeschafft. Die Ärmsten bekamen durch den Stadtrat Geld zugeteilt.

Über Perchta erzählte man sich, daß sie als Weiße Frau erschien. Sie kam entweder mit einm Lächeln – um den Rosenbergern eine frohe Botschaft zu verkünden  – oder mit einer finsteren Miene und schwarzen Handschuhen, was üblicherweise den Tod oder eine andere Plage bedeutete. die Weiße Frau half auch den Ammen der Rosenberger-Kindern bei deren Wachen.  Nicht selten, als die Ammen bereits vor Müdigkeit einschliefen, trat die Perchta an das Kind heran und nahm es in den Arm. Die Ammen kannten Perchta und ließen sie schweigend das Kind liebkosen.

Einmal war unter den Ammen auch eine Neue, die nichts davon wusste, wie es auf dem Schloß zuging. Die fuhr die Weiße Frau an, wie diese es sich den erlaube, das Kind aus der Wiege zu nehmen. Perchta sagte ihr, wer sie ist und wies sie dann an, Petr. Vok über die Erscheinung hier zu erzählen. Dann trat sie in die Wand hinein und kam nicht mehr wieder. Die Amme erfüllte den Auftrag von Perchta und erzählte dem nun erwachsenen Petr. Vok, was hier passierte, als er noch ein kleines Kind war. Vok überlegte kurz und ließ dann die Wand an der Stelle einhauen, wo die Weiße Frau zuletzt verschwunden war. Was für ein Wunder: er fand dort einen großen Goldschatz.

Der Heilig-Geist-Turm und die Ritter

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Der Turm ist der alteste Turm in der Stadt, er stammt aus der spätromanischen Zeit. Je weiter zurück die Einrichtung des Turmes liegt, desto schwieriger wird festzustellen, wer in errichten ließ – die Templer? Premysl Otokar II? die Johanniter? War er ein Teil einer Burg? Es gilt aber als sicher, daß der Turm eine Abwehrfunktion hatte.

Zur Geschichte der Stadt

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Diese kleine Stadt, die in der Mitte von dem alten Weg aus Wien nach Prag liegende Stadt mit 6000 Einwohnern stellt eine einzigartigen Komplex aus Renaissance-Schloss historischem Marktplatz. Die Stadtgründung dürfte zwischen 1333-1335 gewesen sein. Die ursprüngliche Wasserfestung mit der gotischen Burg veränderte sich in die Renaissance-Stadt mit dem prächtigen Schloss und Marktplatz mit Renaissance-Häusern und Laubengang.
Die gotische Burg wurde in der 2. Hälfte des 16. Jh. von Zacharias von Hradec in eine Renaissanceresidenz umgebaut, und diese Renaissancegestaltung hat bis heute die Zeit überdauert.
Interessant sind die mittelalterlichen Keller unter dem Schloss und in den meisten Häusern. Einige der Keller sind sogarn zweistöckig. Ein Teil dieses unterirdischen ei zugänglich, beherbert eine interaktive Dauerausstellung die die Geschichte der Stadt vermittelt.

Zum Schloß

Wer die Möglichkeit hat sollte unbedingt das Schloß besichtigen. Es ist sehenswert. Zacharias von Neuhaus kam mit vielen Eindrücken aus Genua zurück und gestaltete das Schl0ß mit einem italienischen Architekten.  Die Sgraffito-Arbeiten sind noch im Orginalzustand. Das Erdgeschoß der alten Burg diente als Küche, Waffenkammer, Lager usw. In diesem Fall waren auch diese Räume sehr  repräsentativ.

Schatzkammer

Die Sgraffito-Dekoration wurde im Jahr 1553 ausgeführt und erst im 20. Jh wieder entdeckt und im Jahre 1904 durch den Maler Melichar und 1940 durch Meister Zeithammer restauriert.

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Kapelle des heiligen Georgs

die Kapelle befindet sich im ältesten Schloßteil bzw. der Burg. Die Kapelle diente bereits in der Zeit der Gotik zu Gottesdiensten. Der ursprüngliche gotische Raum wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jh. wesentlich abgesenkt und im Renaissance-Stil versehen. Die ursprüngliche Höhe war 16 m.  Die Kapelle wirkt jetzt eher klein und gedrungen. Die Kapelle wurde im Jahre 1564 fertiggestellt unter Zacharias von Neuhaus. Die ursprüngliche Farbe der Kapelle war golden und blau – die heraldischen Farben der Herren von Neuhaus, deren Wappen war ein goldenes Fünblatt-Rose auf blauem Grund. Die schwarze Farbe an der Decke kommt von Kienspänen und Kerzenleuchter.

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Theatersaal

Der Theatersaal stellt den ersten großen repräsentativen Saal auf dem Schloß dar. Früher war hier ein Tafesaal, heute ist es ein Theatersaal, da bis zum 19. Jh Konzerte und Theater dort veranstaltet wurden.

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