Die Reithmühle am Kamp- Eine mystische Ruine

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WO: Gemeinde Altenburg. Auf der B 38 bis Krug, dort durch den Ort bis zum Parkplatz zur Ruine Schauenstein (Beschilderung vorhanden!).

ODER

B 38 bis Fuglau, im Ort, von Altenburg kommend links- von Zwettl kommend rechts- nach Steinegg abbiegen und die kurvenreiche Straße nach Steinegg hinunter fahren.

Parken: Am südlichen Ortsrand von Krug. Dann zur Ruine Schauenstein. Kurz vor der Ruine führt ein Wanderweg hinunter zum Kamptal. Dort erstes verfallenes Haus (Bienental), dann links Richtung Steinegg.

ODER

In Steinegg parken und Richtung Westen (rechts) den Wanderweg entlang des Kamps gehen.

In beiden Fällen dauert die Wanderzeit ca. 30-40. Minuten!

Öffnungszeiten: Frei zugänglich. Da sich das Gebäude in zunehmenden Verfall befindet, ist höchste Vorsicht geboten! Die Ruine ist akut einsturzgefährdet, ein Zutritt offiziell verboten!

 

 

An des Kampes Bach

Stehen Ruinen ohne Dach

Sie gehörten einst zu einer Mühl’

Von der zwar verschwunden viel,

so doch noch Mauern stehn

bis sie einst werden vergeh’n

 

Es war ein nebliger Herbsttag, der mich zu einer Ruine führte, die einsam und verlassen im Kamptal liegt. Nein, es ist keine mächtige Burgruine wie Schauenstein und Steinegg, es ist auch keine Schlossruine (wobei es eher in diese Richtung hin tendiert), es ist eine Mühlenruine, die zwischen den vorbei genannten Burgruinen liegt.

Nein, die Reithmühle ist kein mittelalterlicher Burgrest, sondern ein barock- klassizistischer Kosmos, der seine baulichen Ursprünge in der Renaissance hat und bis nach dem Zweiten Weltkrieg Verwendung fand. Dämme, Wehre sowie einige Kellern zeugen noch von der Dimension. Kein einfacher Hof, vielmehr eine mächtige Mühle, so kommt es einem vor, wenn er oder sie davor steht.

Alleine schon der Hausflur zeigt, wie gut situiert die Besitzer waren, tonnengewölbte Decken und Ansätze von Ornamenten prägen das Bild. Besonders die Stube, wo einst ein Ofen, der wie von Riesenhand zerdrückt wurde und daher unscheinbar in der Ecke liegt, stand und die Küche zeigen, wie man und sie hier gelebt haben.

Nein, die Reithmühle ist keine alte Ruine, sonders erst wegen eines Staudammprojektes verlassen worden, das allerdings dann nicht zu Stande kam. Was blieb, war ein verlassener Ort und bald eine Ruine. Seither hat die Natur die Herrschaft übernommen, vor allem der Kamp, durch den Mauern einstürzten und der letzte Hausrat mitgenommen wurde. Vielleicht war es auch der Kamp, der den Stubenofen „zerdrückte“.

Und in des Vorhauses Flur’

Man ein alt’ Gewölbe bestaunen kann

Hat schon viele Tage gehalten

Und erzählt von Altem,

das einst gewesen war:

Wie viel Herren es hat schon gesehen?

Wie viele werden noch vergehen?

Kommen wir zur „älteren“ Geschichte der Reithmühle. Und da gibt es, nein! Gab es eine Burg. Jawohl, irgendwo da stand ein wehrhafter Bau, der aber bereits im Spätmittelalter aufgegeben wurde. Wieso und warum das?

Nun, die Wissenschaft steht da noch am Anfang. Vier urkundliche Nennungen sind bekannt:

1281 wird ein dominus Chunradus miles de Gerut“ genannt (http://monasterium.net/mom/AT-StiAA/Urkunden/1281_V_20/charter). In diesem Dokument verkauft Heinrich von Plank dem Stifte Altenburg ein halbes Beneficium zu Zellerndorf und verpfändet zur Sicherheit seine Mühle in Plank.

1291 verkauft Reinhard von Kattau dem Stifte Altenburg sein Eigen bei Fuglau und eine Mühle an der Kamp bei Reut (http://monasterium.net/mom/AT-StiAA/Urkunden/1291_IV_09/charter). Das ist die erste Nennung der Mühle.

1301 wird Chunrat von Reut erneut in einer Abhandlung um Zellerndorf genannt (http://monasterium.net/mom/AT-StiAA/Urkunden/1301_III_12/charter), ehe Jans von Zellerndorf ihn als Schwager nennt (http://monasterium.net/mom/AT-StiAA/Urkunden/1301_XI_11/charter). Danach schweigen die Berichte.

 

Wir haben also drei Urkunden, die einen Konrad von Reith angeben. Auffällig ist die Verbindung zu Zellerndorf bei Pulkau, wo auch das Stift Altenburg Besitz hatte. Dort soll eine Burg anstelle der heutigen Schlossmühle gestanden sein, so die Hypothese der Forscher. Bei der Reithmühle ist eine derartige Vermutung unglaubwürdig.

Zunächst spricht die Urkunde von 1291 markant dagegen. Wie aber kam Reinhard von Kattau in den Besitz der Mühle?

Ein Blick auf die Landkarte verrät, dass Kattau nicht weit von Zellerndorf liegt, noch dazu vielleicht am Weg des Ritters Konrads von Reith nach Zellerndorf lag. Es ist insofern leicht möglich, dass es dadurch Verbindungen gab. Warum Konrad seine Mühle hergab, bleibt auf ewig ein Rätsel…

Die Burg des Konrad war gewiss nicht anstelle der Mühle, soviel steht fest. Mühlen wurden ja gerne unweit von Burgen errichtet, waren sie doch eine wichtige Einnamequelle (die dem Konrad eben abhanden kam!). Man wird wohl diese Burg irgendwo oberhalb der Mühle zu suchen haben, zumal auch die anderen Kampburgen dieser Gegend auf Bergen lagen, selbst der Turmhof der Wüstung „In der Sulz“ war am Berg und nicht im Tal. Erst in Wegscheid am Kamp ändert sich diese Situation, wobei der Turmhof im Dorf erst im Spätmittelalter errichtet wurde. Die Burg Reith dürfte im 14. Jahrhundert abgekommen sein, auch das Dorf Reith verschwand, denn 1569 ist von vier öden Hofstetten die Rede, aber noch zwischen 1613 und 1749 ist die Reithmühle in Altenburger Aufzeichnungen genannt. Ihren Untergang erlebt sie dann im 20. Jahrhundert. Heute geht die Reithmühle langsam aber sicher den Weg der Burg und des Dorfes Reith nach, bis auch sie eines Tages vom irdischen Dasein entschwunden ist.

 

Doch düster wirkt die Mühlenstatt

Auch die Stubn und die Küch’

Sind gespenstisch karg

Und das Ambiente wirkt gar arg

War das ein fröhlich’ Haus?

So sieht’s mir gar nicht aus!

 

Weitere Infos: http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/2629

Mehr Bilder: http://www.meinbezirk.at/themen/reithm%FChle.html

Gedicht von 2015

Mochten Sie den Errichtungsmechanismus erneut starten? Wir werden definitiv helfen http://www.freieseelen.de/67626268.

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