Die „Mutterpfarre der Wachau“ Filialkirche St. Michael

Die Wehrkirche St. Michale liegt an deiner Engstelle, an der die Straße am linken Donauufer gut gesichert und verlegt werden konnte. Um 800 schenkte Karl der Große das Gebiet der Wachau dem Bistum Passau. Die Kirche wurde anstelle einer keltischen Opferstätte ein „Michaelsheiligtum“. Die erste urkundliche Erwähnung war im Jahre 987. Der Bau des gotischen Karners mit Kreuzrippengewölbe erfolte 1395. Die romanische Steinkirche wurde daneben durch eine spätgotische Kirche 1500-1530 ersetzt. In dieser Zeit entstand auch die Wehranlage mit 5 Türmen, Zugbrücke und Kirche. Die Wehranlage wurde bis ins 17.Jh. mehrmals verstärkt. Es wurden von 1631-1643 mit barocken Elementen versehen nach einem Brand des Langhausgewölbes.

Wehranlage

Die Wehranlage besteht aus einer ursprünglich ca. 7 m hohen Umfassungsmauer. Diese Mauer wurden 1575 erhöht und im Jahre 1605 und 1677 verstärkt.In der Südostecke der Anlage ist ein dreigeschossiger mächtiger Rundturm integriert, der früher durch eine Bogenbrücke mit dem Karner verbunden war. Der Rundturm hat Pechnasen mit dreiseitigen Wangen auf Kragsteinen, zahlreiche Schlüsselscharten sowie im zweiten und dritten Geschoss vermauerte Türöffnungen zu den ehemaligen Wehrgängen der Friedhofsmauer und norseitig einen Abtritterker. Ein zweiter Rundturm in der Nordostecke der Wehranlage, der ursprünglich als Straßensperre diente ist 1805 teilweise eingestürzt und wurde abgetragen.

Interessant ist der Karner(Beinhaus). Der Karner kann gegen Anmeldung besucht werden. Zwischen der Apsis und dem Wehrturm befindet sich der Karner, der von dem Wösendorfer Ehepaar Seyfried und Magarete Freytl im Jahre 1395 erbaut wurde. Da der Friedhof von St. Michael nur begrenzte Kapazität hat, diente der Karner als Aufbewahrungsort für die Gebeine der Verstorbenen, um Platz auf dem Friedhof zu schaffen. Im Karner erinnert die Schädelpieta an diese Bestimmung. Es handelt sich hierbei größtenteils um die Gefallenen von der Schlacht um Loiben aus dem Jahre 1805, was durch ein Einschussloch einer österreichischen Musketenkugel an einem Schädel vermutet wird. (Anmerkung: auch in Dürnsteiner Karner sind die Gebeine der Gefallenen im Karner aufgebahrt). Diese Schädelpieta hat auch einen symbolischen Charakter daran, wie am Karfreitag Maria ihr toter Sohn in den Schoß gelegt wurde. In Vitrinen befinden sich Mumienreste, die vermutlich aus dem Mittelalter stammen, sowie drei josephinische Gemeindesärge aus dem Jahre 1785.

Die Sagenwelt kommt auch in St. Michael auf Ihre Kosten durch die Hasen von St. Michael. Strenge Winter sind in der Wachau sehr selten, aber einmal stellte sich der Winter mit solchen Schneemassen ein, daß die Häuser von St. Michael von ihnen bedeckt und die Fläche zwischen Kirche und Ort völlig ausgefüllt war und die Hasen,  im Hunger umherirrend, auf das Kirchendach und darüber hinaus liefen und dort nicht mehr zurück konnten und heute noch als Versteinerung zu sehen sind.

Es gibt eine ausführliche Beschreibung der Wehrkirche, die ich jetzt von Karl Kafka gefunden habe, für die die es genauer wissen möchten.

Der Kirchhof bildet im Grundriß ein Rechteck, das durch die Einbeziehung des Karners von 1395 nach SO mit einer Ecke vorgeschoben ist,  in die ein großer Rundturm eingebaut wurde. Der Boden mußte beim Bau der Kirche und der Anlage des sie umgebenden Kirchhofs im N abgegraben und im S aufgeschüttet werden. Infolgedessen bildet die Kirchhofmauer im N eine den Kirchhof erhöhende die alte Straße stützende Futtermauer, während sie im S, wo ihre Innenhöhe nur 1,28 m erreicht, außen auf 5,40 m tief hinabreicht.

Der große, runde Mauerturm wird in den Zechrechungen d. 16. Jh. der“Thuern auf die Thainaw-werts“ genannt. Bei einem lichten Durchmesser von über 7 m, hat er im Erdgeschoß eine Mauerdicke von 1, 32m bis 1,12m hin abwärts.Das  durch ein Tür vom Kirchhof zugängliche Erdgeschoß ist mit sechs Schießscharten ausgerüstet. Je eine Schießscharte gegen O und gegen die Donau zu sind Geschützscharten mit großen, rechteckigen Schießfenstern von 26 cm Breite und 50 cm Höhe, die durch ein Auflageholz auch zum Gebrauch von Handfeuerwaffen geeignet sind. Der zweite Stock war als Hauptwaffenraum durch mannigfaltige Wehreinrichtungen ausgezeichnet. Zwischen den Schießscharten sind Pechnasen von besonderer Ausbildung angebracht. An der Außenwand sind auf zwei Kragsteinen dreieckige Wangen aufgemauert, auf denen eine oben schräg an die Mauer schließende, nun überall verschwundene Steinplatte pultartig lag. Durch das so gebildete Gußloch konnte man in senkrechter Richtung werfen und gießen. Um die Pechnase auch als Schießscharte benützen und durch ein wahrscheinlich in der Deckplatte ausgeschnittenes Schießloch schießen zu können, sind in den Seitenwänden der Nischen Rinne und Loch für ein einzulegendes Auflageholz angebracht. Über dem dritten Stockwerk mit fünf Schießscharten saß  ein spitzes Kegeldach.

Die Kirchhofmauer hat, als sie bis auf ein Rumpfstück abgebrochen wurde, ansätze am Rundturm hinterlassen, die über ihren ehem. Aufbau Aufklärung geben. Im Ansatz an den Turm erreicht die Mauer an der Innenseite eine Höhe von 7,25 m, womit die urspr. Mauerhöhe gegeben ist. Als Spuren des Wehrganges sind unweit der Mauer-Turmwinkels in 1,98 m Höhe noch ein im Mauerwerk steckender Balkenrest und ein zweiter im N vorhanden. Es sind die Reste der Tragbalken, auf denen die Laufbretter des Wehrganges lagen. Weitere Wehrgangspurn sind unter dem Verputz verborgen.

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Über der Dachspur des Wehrganges erheb sich der Maueransatz noch um 2 m höer und endet mit einer von einer Schießscharte durchbrochenen Zinne. Sie ist die letzte von einer langen Reihe die O-Mauer krönenden Zinnen. Entlang dieser Reihe lief ein zweiter, von einem Satteldach überdeckter Wehrgang. Da das Mauerwerk verputzt ist, sind die Spuren seiner Tragbalken nicht sichtbar. 2,32 m hoch, etwas über dem vorbeiführenden Laufboden öffnet sich anschließend an den Turm eine rundbogig überwölbte Nische, die den Zugang zu einme außen im Mauer-Turmwinkel auf starken Steinbalken vorgekragten Abtritterker vermittelt.

Anfänglich besaß die Kirchenhofmauer nur eine einzige Verteidigungslinie. Nach den Rechnungen der St. Michaelzeche wurde sie 1575 durch den Mauermeister Michael Lindhammer aus Spitz erhöht. Damit war der Aufbau eines zweiten Wehrganges verbunden. Die N-Mauer ist heute eine Stützmauer der etwa 5 m ober dem Kirchenhof die Steigung in der Felsenge überwindenden alten Straße. Die schmale Straße war noch A. d. 19. Jh. durch einen Torturm gesperrt. Er stürzte erst 1805 z. T. ein und wurde dann abgebrochen. Der Wehrkirchhof bildete also auch eine Straßensperre, eine sog. Portenburg. Die Stelle, wo der Felsriegel sich vorschiebt, heißt auch heute noch „Schanzel„. Ursprünglich dürfte hier nur eine Quermauer mit Tor den Engpaß und die Straße gesperrt haben.

Alte Ansichten, darunter eine Lithograpie von Lang von Mayer aus 1836, zeigen, wieviel von  der einst mächtigen Wehranlage zugrunde gegangenen ist. Wo man heute an der abgerundeten Ecke im NO mit leichter Mühe über die niedrige, zerbröckelnde Mauer in den Kirchhof steigen kann, erhob sich ein starker Rundturm von ähnlichen Ausmaßen wie der noch erhaltene and der Donauseite. Der 1582 gleichfalls erhöhte Turm wurde „Schuelthurn“ genannt, da sich in ihm auch die Schule befand. An der Stelle der durch eine eiserne Gittertür zu schließenen Mauerlücke, durch die heute der Eingang in den Kirchhof führt, stand ein Torturm. Der Torbogen zeigt die rechteckige Blende für eine Zugbrücke. Dahinter hing ein „Gätter„, ein Fallgitter. In dem Geschoß darüber befand sich auch ein Backofen. Der Torturm hieß das „Tor bey der Pruggen“ oder das „Freydhoftor“ Zu ihm fürte eine auf frei Steinpfeilern ruhende Holzbrücke über einen Graben. Auch an der abgestumpften SW-Ecke dürfte ein Turm gestanden sein. An der NW-Ecke ist der „Thurn am Aeßeren Tour auf Spitzwerts zu ligundt“ bezeugt, ein kleiner Torturm mit Zugbrücke.

An die W-Seite des Wehrkirchhofs anschließend steht ein stattliches Gevierhaus, der ehem. Pfarrhof, der mit dem Kirchhof eine wehrtechnische Einheit bildete. Von seinem Obergeschoß konnte man über eine den W-Teil des Kirchhofs überquerende Brücke auf die W-Empore der Kirche gelangen.

Der Karner im SO-Winkel des Kirchhofs war in das Verteidigungssystem einbezogen. Vom recheckigen, in fünf Seiten des Achtecks geschlossenen Bau spannte sich ein Mauerbogen zum Rundturm hinüber, der aber nur der Festigung des Mauerwerkes diente und 1868 noch nicht vorhanden war. Darüber trug jedoch ein Mauerbogen eine Verbindungsbrücke, die auch mit den Wehrgängen der Kirchenhofmauer verbunden war. Die Turmausgänge zu den zwei O-Wehrgängen der Kirchhofmauer verbunden war. Die Turmausgänge zu den zwei O-Wehrgängen liegen nicht genau übereinander. deruntere ausgang ist näher der Mauer gerückt, jedoch zu weit von ihr entfernt, daß der untere Wehrgang noch an einem Teil der Turmwandung entlang geführt werden mußte, weil er zugleich auf die zu Dachboden des Karners führende Brücke hinausging. Auf  dem Brückenbogen lag ein seitlich mit Brettern verschlossener Gang, überdeckt von einem Satteldach, von dem an der Turmtür noch die Löcher, in denen Jz. 1886 gibt an, wann, nachdem die Brücke schon längst abgetragen war, die Tür vermauert und der jetzige Bogen gewölbt wurde.

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Die Kirche ist eine spätgot. dreischiffige Hallenkirche die 1631 bis 1634 durchCyprian Biassino ein gratiges Kreuzgewölbe erhielt. Der Bau der jetzigen Kirche dürfte bald nach 1500 begonnen haben, in welchem Jahre mehrere Kardinäle der Kirche einen Ablaß verliehen. Es ist anzunehmen, daß 1544die Turmerhöhung und die Befestigung des Kirchenhofs vollendet wurde. Die unteren Eingänge der Treppen haben starke, mit Eisenbändern beschlagene Türflügel, die außen durch Schlösser, innen aber auch durch Eisenriegel zu sperren sind. In ausgesprochener Verteidigungsabsicht ist der Eingang in das zweite Stockwerk und damit der Zugang zu allen übrigen Turmgeschossen angelegt. Der 1 m breite Brückengang im oberen Turm hat ein Tonnengewölbe aus Ziegeln und reicht über das 1631-1634 geschaffene Gewölbe hinaus in den Dachrum, so daß jetzt eine kleine Fensterluke in diesen mündet, während sie früher, als das durch Rippenansätze noch kenntl. got. Gewölbe bestand, in den Kirchenraum hinausging. Doch war der Steg urspr. gar nicht oder nur durch eine Bretterwand geschlossen. Die Bogenwand wurde erst später eingezogen, so das ihr ansatz an die Turmwand das Türgewände tw. verdeckt. Durch Wegnahme der Bretter konnte die turmtüre ohne weiteres unzugänglich gemacht werden. Eine unter ihr liegende Türöffnung in der W-Wand an der Kirche, durch die mittels eines Brückenganges ein Verbindung zwischen Empore und dem Wehrgang der w. Kirchhofmauer hat im S. ein ehem. vergittertes Fenster in flachgewölbter Nische, die mit einer gemauerten Seitenbank ausgestattet ist. Der den Eingang behütende Wächter konnte von hier aus den Strom überschauen.

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Die Ausrüstung des Wehrkirchenhofes war  eine der Hauptsorgen der Bürger von Wösendorf und St. Michel. Es waren Geschütze, „Häggen und Doppelhäggen“ vorhanden. Mit den Obrigkeiten des Wehrkirchhoes befaßte sich hauptsächlich eine religöse Gemeinschaft, die Michelszeche. 1558 kaufte diese von einem Spitzer Bürger eine Hackenbüchse. Auch ein „feichtenes“ Fäßchen für Pulver wird erwähnt. Die fallweise Überprüfung der Feuerwaffen erfolgte durch reisige Kriegsknechte, Reparaturen durch den Schlosser in Spitz. Auch für St. Michael wurde 1605 angeordnet, die Mauern und Türme instand zu setzen,  und 1609 beanspruchten die Bürger von Weißenkirchen, das Recht, die Wehren und Geschütze zu besichtigen. Als sie der Pfarrer daran hinderte, beschwerte sich der Strein’sche Pfleger darüber. 1671 erteilte der Hauptmann des Viertels ober dem Manhartsberg den Befahl, die Kirche wegen der in Ungarn ausgerochenen Rebellion in Verteidigungszustand zu setzen und die benachbarten Ortschaften Heinrichsschlag, Himberg, Wolfenreith, Griosbach, Schwallenbach, Aggsbach und Wösendorf zu den Befestigungsarbeiten aufzubieten. Diese Orte waren dem Wehrkirchhof robotplfichtig und besaßen dafür Zufluchtsrecht. Die Bewachung des Wehrkirchhofs scheint oft sehr vernachlässigt gewesen zu sein. Am 23.April 1620 gelang es wallonischen Soldaten in kaisl. Diensten, durch das gegen Spitz gelegene Tor inden Kirchhof einzudringen. Die Frauen hatten sich in der angrenzenden Pfarrhof geflüchtet, wurden aber auch dort beraubt. der Ort wurde geplündert. Dies geschah, trotzdem 1619-20 wegen des “ streifenden Volckhs„aus Böhmen „guete und fleißige Wacht“ gehalten werden sollte.

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