Die Höhlen von Fohregg — Eine kurze Geschichte der Flucht im Mostviertel mit Happy End!

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Zufahrt: Die A 1 bis Melk, dann über die B 215 durch das Melktal nach St. Leonhard am Forst und Ruprechtshofen fahren, dann in Richtung Wieselburg abzweigen, knapp 3 km nach Grabenegg einbiegen, hinauf nach Brunnwiesen, dann rechts nach Fohregg. Durch Fohregg, dann nach Ortsende nicht dem Straßenverlauf links hinunter (nach Süden) folgen, sondern in der Mitte nach Westen fahren.

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Parken: Beim nächsten Waldstück, rechts (mit Vorbehalt!). Dann durch den Wald und bei der Felswand seitwärts rechts hinunter (ein Waldweg ist vorhanden). Achtung Absturzgefahr! Die Höhlen befinden sich in der Felswand und sind nur über einen schmalen Steig erreichbar!

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Nachdem wir uns das letzte Mal mit Schlatten und seiner antiken Vergangenheit beschäftigt haben, machen wir nun einen Zeitsprung ins 10. Jahrhundert. Wir befinden uns also im späten Frühmittelalter, so verrückt es klingen mag. Und ach ja, wir müssen von Schlatten etwas nach Westen gehen, hinauf auf den Berg nach Brunnwiesen und dann Fohregg. Und dann….DSC07315

Jaaa, das wussten wir auch lange nicht, denn in der Literatur ist die Angabe dieser Höhle mehr als unzureichend dargestellt. Aber gut, wir sind ja „halbert“ Einheimisch hier und da darf man sich so was nicht erlauben. Dachten wir.

Komisch nur, dass die „vollen“ Einheimschen von Fohregg „ah nix gwisst ham“. Wir standen vor einem Rätsel. Nach einem halben Jahr haben wir sie (die Felswand, genannt Hollnstein) dann gefunden gehabt und sind äußerst motiviert hingegangen.

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Zwei Höhlen haben wir gefunden, die dritte (mit ihren seltsamen Zeichen: einem erhängten Fisch, der nach Osten blickt) ist äußerst gut versteckt. So gut, dass sie nur sehr erschwerend zu finden ist. Als wir sie dann endlich gefunden hattten, fanden wir keinen Weg dorthin. Der Rat eines älteren (wissenden!) Einheimischen, dass am Abhang beim Gebüsch irgendwo ein Weg dorthin zu finden sei, erwies sich leider als unauffindbarer Steig.

Und selbst da ist nicht sicher, ob man es hineinschafft, denn teuflische Stoßlöcher in Kniehöhe schützten den Höhleneingang vor diversen Angreifern. Und das hat Tradition seit dem 10. Jahrhundert.

Oder schon länger…

Doch für diese Hypothesen fehlt es an archäologischen Grabungen.

Nun, da standen wir noch vor einer zugemauerten Höhle, einer kleinen grottenähnlichen Höhle und sahen von unten noch eine Höhle darüber.

Was uns klarerweise auch stark interessieren würde, wäre, wann die eine Höhle zugemauert wurde. Unser Gefühl (und das, was wir an Mauerwerksarbeiten kennen) sagt uns, dass vor etwa 20. Jahren hier bewusst „ausgebessertDSC07327“ wurde. Immerhin ist noch ein kleiner Schlitz offen und wir blicken hinein in diesen riesigen Dom, der den ganzen Berg zu unterminieren scheint. Ein frühmittelalterlicher Fluchtstall?

Kaum, wie wir später erfuhren:

Tatsächlich wurde diese riesige Höhle erst um 1800 angelegt. Als Mostkeller. Doch die Wieselburger Bürger hörten das Gerücht, dass da ein sehr großer Weinkeller wäre. Ein Ort, wo man edle Tropfen findet.

So wurde um 1890 die Mauerwand aufgebrochen und der Keller ausgeräumt.  Ausnahmsweise war es also kein feindliches Heer, dass die Einheimischen zu diesen Ort bewegten, sondern die Lust auf Wein.

Erst beim dritten Besuch (mit Imago Nuntius) haben wir dann den zweiten Einstieg in diesen „Dom“ gefunden, ein vergittertes Tor, das unsere Neugierde beflügelt hat. Denn dieses Gitter wurde mit zwei Plastikfolien abgedeckt, um uneinsehbar zu bleiben. Das Tor, in das man „mit an 15er- Steyra einefoarn kuntat“ (so ein Einheimscher),  wirkt wie ein Einstieg in eine Welt, die verdrängt und vergessen werden soll. Was wir nicht wussten, sind die wirklichen Dimensionen: Mehrere Räume, eine Holztüre, Nischen und eine sehr eigenartige Aura…

Tatsächlich wurden bis vor einigen Jahren okkulte Zusammentreffen in dieser Höhle abgehalten, Busse und massenweise „Touristen“ herangekarrt, „Messen“ gefeiert und der Ort „verunstaltet“, bis der Bauer, dem die Höhle gehörte, dem Treiben ein Ende machte und die Höhle vergitterte. Damit ist eine Flucht nicht mehr möglich!

 

Übrigens Flucht. Warum wurde gerade im 10. Jahrhundert so oft geflohen?

Nun, was war da los, so um 950?

Machen wir mal eine kurze Geschichtsstunde!

Für diese Frage gibt es nur eine Antwort: Die Ungarn! Ein Ausruf, der in dieser Gegend im 10. Jahrhundert quasi ein Schreckensruf war. Immer wieder wurde geraubt, gestohlen und gemordet. Um diese lästigen Angreifer ab zu wehren, wurden FlucDSC07335htorte gebaut und befestigt, darunter auch diese Höhle. Ob sie je erobert wurde, wissen wir nicht.

Irgendwann nach 955 kamen von Westen her „andere Angreifer“: die Bayern, die die Ungarn nach der Schlacht am Lechfeld weit verfolgten. Danach wurde es vorerst ruhig in dem Gebiet.

Vorerst.

Bis etwa 1050 gab es noch immer Probleme mit den Ungarn. Kritisch blieb es auch noch im 12. Jahrhundert, etwa als es in den 1170ern Kämpfe mit den Steirern (!) gab. Nach dem Aussterben der Babenberger, 1246, wurde wieder mehr geflohen. Böhmen, Ungarn (again), Bayern und viele andere „verheerten“ Österreich. Am Ende übernahmen die Habsburger die Herrschaft.

DSC07330Aber auch danach blieb es nicht ruhig. Vor allem in den turbulenten Zeiten des 15. Jahrhunderts, in denen etwa ein Pankraz von Plankenstein in dieser Gegend einpaar Städte belagerte oder unter Matthias Corvinus, der die bei Zelking gelegene Ruine Wildenstein wieder aufgebaut haben soll.

1529, 1532 und 1683 mordeten und plünderten die Osmanen dieses Gebiet. Die Chroniken und „Protokolle“ berichten sehr eindringlich von der Not dieser Region. 1748 kamen die Bayern bis nach St. Pölten. 1805 und 1809 plünderten Napoleons Truppen diese Region. Alles Gründe für eine Flucht.

Dann war im 19. Jahrhundert die Sache mit dem Wein, die aus den Fluchthöhlen einen Ort für alkoholischen Sehnsüchte machte.

Zuletzt kamen 1945 die Russen. Ein letzter Grund zur Flucht?

Die deutsche Wehrmacht beschloss kurz vor Kriegsende, hier eine Militärbasis gegen die Russen zu bauen. Gräben wurden ausgehoben, Geschütze herbeigebracht. Zum Kampf aber kam es nicht mehr, denn am 8. Mai 1945 stand die Front beim Dunkelsteinerwald und somit fast 20km weit entfernt.

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 trafen sich im nahen Erlauf der sowjetische General Dmitri Dritschkin und der US-amerikanische General Stanley Reinhart und feierten gemeinsam den um 00:01 Uhr in Kraft tretenden Waffenstillstand. Der Krieg war zu Ende!

Seitdem sind die Höhlen in Fohregg keine Fluchthöhlen mehr. Und das ist gut so!

Na gut, ohne Euphorie: Wir Höhlenbesucher tun uns ziemlich schwer mit dem Finden. Aber was solls, Hauptsache Frieden, Hauptsache Keine Flucht!

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Hier ein paar Bilder vom Besuch im Juni 2016

 

Literatur

Zur Höhle

Karl Lukan, Alte Welt im Donauland (1996), Seite 37- 39.

Sagenhaftes Melktal (2004), Seite 88.

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