Der Osmanensturm

Der Fall der Balkanstaaten und die Folgen

diese Geschichte und weitere Information über den „Balkanhaufen“  http://balkanreenactment.jimdo.com/

Die Lage auf dem Balkan ab 1330

Der Balkan um 1355; Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c8/Balkans1355.gif
– 29.10.2010 – 21:10

Das Jahr 1330 war ein Schicksalsjahr für das Zweite Bulgarische Zarenreich: Am 28. Juli dieses Jahres besiegten die Serben unter ihrem Herrscher Stefan Decanski mit ihrem 15000-18000 Mann starken
Heer das 15000 Mann starke Heer unter dem Zaren Michail Shishman, bei der unter anderem auch der Zar selbst starb, in der Schlacht von Velbázhd (heute Kyustendil/Bulgarien). Als neuen Zaren
Bulgariens setzte Stefan Decanski den Mann seiner Schwester Anna Neda und den Sohn Michail Shishmans, Ivan Stefan, auf den Thron. Dieser konnte sich aber nicht lange auf den Thron halten, und
wurde von den bulgarischen Boliaren gestürzt, und flüchtete mit seiner Frau erst nach Serbien, und anschließend nach Neapel, wo er dann auch verstarb. An seiner Stelle bestieg 1331 Zar Ivan
Aleksandr auf den Thron. Ivan Aleksandr war ein Neffe des verstorbenen Zaren Michail Shishman, und nahm selbst an der Schlacht von Velbázhd Teil. Er eroberte Gebiete von Serbien und Byzanz
zurück, und schlug die Byzantiner in der Schlacht von Rusokastro, am 18. Juli 1332. Das bulgarische Zarenreich konnte zwar nach der Niederlage von Velbázhd nie wieder die gleiche territoriale
Ausdehnung wie vor der Schlacht erlangen, behielt aber die slawisch-kulturelle Vormacht. Unter seiner Herrschaft wurde die Kunst stark gefördert, und die Hauptstadt Tarnovgrad (heute Veliko
Tarnovo) wurde zu einem kulturellen Zentrum auf dem Balkan, was zum Beginn des Zweiten Goldenen Zeitalters in Bulgarien führte.

Die Schlacht von Velbázhd 1330; Quelle: „Boj na Kosovu“ von Ilija Vojnovic (1989), S13

Zar Ivan Aleksandr und seine zweite Frau Sarah (eine Jüdin, die vor der Ehe zum orthodoxen Christentum übertrat, und den Namen Theodora annahm), sein Sohn aus erster Ehe, Ivan Stracimir, und
aus zweiter Ehe, Ivan Shishman;Tetraevangeliar von Zar Ivan Aleksandr, 14. Jahrhundert; Quelle: http://www.bulgaria-embassy.org/WebPage/About%20Bulgaria/Jewish%20Heritage.htm – 29.10.2010, 21:17

Auch in Serbien sollte es zu einem Umsturz kommen: Stefan Decanski wurde von Stefan Uros IV Dusan gestürzt. Er verbündete sich mit Zar Ivan Aleksandr 1332, und heiratete dessen Schwester Jelena.
Er erweiterte massiv das Territorium des Zarenreiches Serbien zum Nachteil des Byzantinischen Reiches, besiegte die von Byzantinern zur Hilfe gerufenen Osmanen und schlug die Ungarn in ihren
Expansionsbestrebungen nach Süden. 1345 wurde er schließlich zum Zaren von Byzantinern und Serben gekrönt, und sorgte für die Bildung der serbischen Nationalkirche. Er sollte in die Geschichte
als Stefan Uros IV Dushan Silni (Silni = der Starke) eingehen, und starb 1355.

Zar Stefan Urosh IV Dusan auf einem Kirchenfresko, Kloster Lesnovo, Mazedonien; Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:CarDusan.jpg&filetimestamp=20081215144023 – 29.10.2010 21:27

Ebenfalls im Jahr 1330 schlugen die Wallachen unter ihrem Voyvoden Bassarab I. die Ungarn in der Schlacht von Posada, und errangen so ihre Unabhängigkeit.

Die Schlacht von Posada 1330 aus der Kepes Kronika; Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Viennese_Illuminated_Chronicle_Posada.jpg; 29.10.2010 – 21:32

Nach dem Tode Stefan Uros IV Silni kam sein Sohn Stefan Uros V Nejak (der Schwache) auf den serbischen Thron. Der einzige Sohn von Stefan Uros IV schaffte es aber nicht, das Vermächtnis seiner
Vorgänger zu bewahren, und das serbische Zarenreich fiel wieder auseinander.

Zar Stefan Uros V, Kirchenfresko;Kloster Psachi; Quelle: http://sr.wikipedia.org/sr/%D0%A1%D1%82%D0%B5%D1%84%D0%B0%D0%BD_%D0%A3%D1%80%D0%BE%D1%88_V; 29.10.2010; 21:35

Die Entstehung des osmanischen Reiches und die erste Expansion

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde das heutige Anatolien von zahlreichen türkischen Clans und Stämmen (sog. Beyliks) bewohnt, die die Reste des seldschukischen Sultanats waren, und
sich gegenseitig bekriegten. Einer dieser Clans war der Clan der Tayr, vom Stamm der Sögüt, die im Nordwesten Anatoliens siedelten, wurde von einem Fürsten (türk. Bey = Herr) namens Eturgrul
angeführt. Ca. 1280 starb er, und sein Sohn, Osman, wurde der neue Bey. Ab 1299 machte sich Osman zunehmen unabhängig von den restlichen Rum-Seldschuken, und wurde zum Emir erklärt. Dies ist die
Geburtsstunde des Osmanischen Reiches. 1302 schlugen sie die Byzantiner in der Schlacht von Koyunhisar. Diese Schlacht gilt als der Gründungstag der Dynastie Osmans, 1326 fiel Bursa, kurz vor dem
Tode Osmans. Bursa wurde nun die neue Haupstadt des Osmanischen Reiches. 1331 fiel schließlich auch Nicaea (heute Iznik), unter dem Nachfolger und Sohn Osmans, Orhan.

Sultan Osman I., osm. Miniatur im Topkapi Saray Istanbul, 1400; Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:I_Osman.jpg 29.10.2010, 21:36

Die Byzantiner im 14. Jahrhundert

Im 14. Jahrhundert waren bereits die Byzantiner stark durch innere Unruhen und Bedrohungen von Außen geschwächt. Von 1321 bis 1351 war Byzanz von Unruhen geplagt, von 1341-1347 brach gar ein
Bürgerkrieg aus, und die verfeindeten Parteien nahmen sich nun auch osmanische Söldner in ihre Dienste. Die Pest, die verlorenen Schlachten gegen Serbien und Bulgarien und damit verbundenen
Verluste der Territorien auf dem Balkan, sowie auch der Verlust der beiden größten byzantinischen Städte im asiatischen Teil, Bursa und Nicaea, schwächten das byzantinische Reich noch weiter.
Trotzdem führte der Kaiser Andronikos erfolgreiche Kampagnen gegen Epirus und den Albanern, und eroberte schließlich Thessalien und Epirus.

Weitere Ausdehnung des Osmanischen Reiches und erste Ankunft in Europa

Währenddessen ging die Expansion der Osmanen unter Orhan weiter: 1337 eroberten sie Nikomedien (heute Izmit/Türkei), 1338 Skutra (heute im asiatischen Stadtteil von Istanbul, namens Üsküdra).
1345 eroberten die Osmanen das Emirat von Karesi, 1354 und 1355 eroberten sie Cimpe und Gelibolu (Gallipoli). Somit waren die Osmanen nun auch in Europa eine Bedrohung.

Die Heeresreform von Orhan, das Osmanische Heer und die Heere auf dem Balkan

Vor Orhan und dessen Reform war das osmanische Heer typisch für den islamischen Orient: Es bestand vor allem aus den sogenannten „Ghazis“, fromme, islamische Bürger, die besonders Kriegerisch
waren. Meistens waren es berittene Bogenschützen. Die Infanterie wurde meistens von der einheimischen Bevölkerung, sowie von Ghazis, die sich kein Pferd leisten konnten, gestellt.

Orhan sollte schließlich das Heer der Osmanen massiv reformieren: Die größte Neuerung war die Bildung einer neuen Truppe, die die sehr zutreffende Bezeichnung „neue Truppe“ bekommen sollten. Auf
türkisch Yeni-Cari: Die Janitscharen. Ursprünglich bestand die Truppe aus nicht-türkischen Kriegsgefangenen, die von dem sufistischen Bektasi-Orden zu dem Sultan ergebene Krieger gedrillt wurden.
Ab 1438, mit der zunehmenden Übernahme von christlichen Gebieten durch die Osmanen, änderte sich das System: Nun wurden auch Jungen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren rekrutiert, im Rahmen der
sog. „Knabenlese“. Erst lernten sie durch einen „Usta“, einem Lehrmeister, einen Beruf, wie zB. Schmiede oder Tischler. Später wurde ermittelt, wer nun auch zum eigentlichen Kriegshandwerk
taugte, und machte dann die eigentliche Kampfausbildung, die bis zu 3 Jahre dauern konnte. Der militärische Drill, die Disziplin, die ausgezeichnete Logistik und hervorragende
Aufstiegsmöglichkeiten machten die Janitscharen zu einer gefürchteten Truppe. Da die Janitscharen aber als einzige gezwungen waren, dem Islam überzutreten, konnten ihre Kinder, die bereits
Muslime waren, nicht den Janitscharen beitreten, und sollten sie im Kampf sterben, so erbte das Regiment dessen Besitz, da ihnen auch die Heirat verboten war. Sie waren zum Großteil
Bogenschützen, aber auch Armbrüste, Lanzen, Wurfspeere, Säbel, Äxte und Yatagane waren wichtige Waffen für sie, manche von ihnen trugen auch Rüstungen.

Eine weitere wichtige Gattung der Fußkämpfer waren Azabs, und die Yayas, und hatten eine ähnliche Bewaffnung wie die Janitscharen. Anders als Diese waren sie aber eine irreguläre Truppe, die vor
allem aus Söldnern bestand. Aus christlichen Gebieten als Söldner angeheuert wurden auch sogenannte Voynuks (aus „Voynik“ = „Soldat“), die meistens Nahkämpfer waren.

Auch in der Reiterei gab es Änderungen, und so wurde ein neues Feudalsystem eingeführt, das sogenannte Timar-System, das dem seldschukischen Iqta-System nicht unähnlich war. Hier erhielt wie auch
im westlichen Feudalsystem, der Halter, genannt „Timariot“, Land im Gegenzug zu militärischen Diensten. Anders aber als die europäischen System, war der Titel nicht vererbbar: Starb der Timariot,
fiel das Lehn zurück an den Staat, und konnte vom Sultan neu zugesprochen werden. Auch konnte dem Halter das Land entzogen werden, falls er sich zB den Befehlen des Sultans widersetzten sollte.
Das System war nur bedingt an die Religion des Halters gebunden, so das es auch nach den Chroniken durchaus auch christliche Timariots gab.

Eben diese Feudalherren, bildeten die schwere Reiterei der Osmanen, die den Namen „Sipahi“ trugen. Sie waren relativ schwer gepanzerte Reiter, mit Säbel, Schildern und Bögen bewaffnet. Noch
schwerer gerüstet waren die Quapikulu (=wörtlich „Palastwache), die, wie die Janitscharen, direkt dem Sultan unterstanden. Auf dem anderen Ende des Spektrums der Reiterei standen die Akinci. Die
Akinci waren leichte Reiter, ihre Ausrüstung bestand hauptsächlich aus Bögen, Säbeln und Schildern, und waren gänzlich ungepanzert. Sie wurden meistens aus Turkmenen, und später, Krim-Tataren
rekrutriert. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Aufklärung, Zermürbung des Gegners als berittene Plänkler, und dem Verwüsten des Umfeldes von belagerten Städten (was ihnen später den Beinamen
„Mordbrenner“ einbringen sollte). Auch Reiter vom Balkan wurden eingesetzt, meistens von den christlichen Vasallen oder von Söldnern.

8: Ein schwerer osmanischer Infanterist, vermutlich ein Janitschare; 9: ein Sipahi, 3: 2 Azabs; 5: ein Janitschare, 10: Ein abgesetzter Akinci, 14: Ein Reiter vom Balkan in osmanischen Diensten;
Quelle: „Armies of the Middle Ages Vol. 2“ von Ian Heath

Auf dem Balkan herrschten verschiedene Feudalsysteme vor: In den katholisch geprägten Gebieten herrschte das Feudalsystem nach dem westlichen Vorbild vor. In den orthodoxen Gebieten gab es andere
Systeme: Dort herrschte das byzantinische Feudalsystem vor, das sogenannte Prononai-System. Es war dem osmanischen System ähnlicher als dem in Westeuropa, war aber vererbbar, konnte allerdings
auch durch den jeweiligen Machthaber entzogen werden. Allerdings lag es in der Hand des jeweiligen Feudalsystems, sich ein Heer zu organisieren, was durchaus auch zu separatistischen Aktionen
führen konnte. Ein etwas abgewandeltes System herrschte in Bulgarien und dem heutigen Rumänien vor. Es war weitgehend ident mit dem Prononai-System, mit dem Unterschied, dass die Halter des
Lehns, die sogenannten Boliaren (bulg.) bzw. Boyaren (rum.) dem sogenannten „Boyarenrat“ beiwohnten, wo gemeinsam mit dem Zaren gewisse Handlungen beschlossen wurden.

Das Heer der Bulgaren bestand aus schweren und leichten Reitern, sowie aus leichter und schwerer Infanterie. Die Bewaffnung der schweren Reiter, die meistens von den Boliaren gestellt wurden,
bestand aus Lanzen, Schwertern, Schildern und Lamellarrüstung, manchmal auch Bögen. Die leichten Reiter, die aus Bulgaren, aber auch aus Kumanen (die sich nach dem Mongoleneinfall im heutigen
Bulgarien, Rumänien und Ungarn ansiedelten) und Tataren, rekrutiert wurden, waren meistens nur leicht gerüstet, und waren mit Säbel, leichten Lanzen, Bögen und manchmal Schildern bewaffnet.

Die Infanterie wurde meistens aus den Reihen von Bulgaren, Wallachen und Griechen rekrutiert, die sich keine Pferde leisten konnten. Die Bewaffnung der schweren Infanterie bestand aus Lanzen,
schweren Schildern, Schwertern, Äxten und Streitkolben, und waren durch Lamellar-, Ketten-, und Schuppenpanzer geschützt. Die leichten Infanteristen waren meistens Bogenschützen und Plänkler.
Ihre Hauptbewaffnung bestand aus Bögen, Wurfspeeren, Schleudern (nur selten allerdings), leichten Schildern, Schwertern, Äxten und Streitkolben. Man muss aber bei den leichten Infanteristen
ebenfalls dazusagen, dass abgesehen vom Bogen, sie nicht nach gewissen Regeln ausgerüstet wurden.

80: Ein leichter bulgarischer Reiter, vermutlich kumanischer Herkunft, 82: schwerer bulgarischer Infanterist, 75: leichter bulgarischer Reiter bulgarischer Herkunft, links unten: ein schwerer
bulgarischer Reiter mit Bogen, rechts unten, ein leichter bulgarischer Infanterist wallachischer oder bulgarischer Herkunft; Quelle: „Armies of the Middle Ages Vol. 2“ und „Armies of Feudal
Europe 1066-1300“ von Ian Heath

Das Heer der Serben und Bosnier war zwar ähnlich gegliedert wie das der Bulgaren, dennoch gab es Unterschiede. Sie resultierten daraus, dass sie, anders als die Bulgaren, die unter einem
stärkeren Einfluss aus Byzanz, den Steppen des Nordschwarzmeerraumes und der heutigen Türkei standen, zwar ebenfalls unter dem Einfluss der Byzantiner, aber auch unter zunehmend stärker werdendem
Einfluss aus Ungarn, aus Italien und aus dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation standen. So bestand die Reiterei der Serben in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts noch aus Reitern nach
dem Vorbild von Byzanz, sprich mit Lamellar- oder Schuppenpanzer, Schwert, Säbel, Lanze und Bogen ausgerüstet, so setzten die Adeligen später auf Plattenrüstungen aus Westeuropa, importiert aus
Dubrovnik, Venedig, Genua und Neapel. Dennoch verdrängte der schwere Reiter nach westeuropäischen Vorbild nicht vollständig den Reiter nach byzantinischem Vorbild, nach dessen Muster sich ärmere
Adelige ausrüsteten. Allerdings bezieht sich dies nur auf Serbien. In Bosnien war der Einfluss aus Ungarn noch Stärker als in Serbien, so das dort der schwere Reiter nach westeuropäischem Vorbild
früher und noch verbreiteter war als im näher zu Byzanz liegenden Serbien. Die leichten Reiter änderten sich ebenfalls im Laufe der Zeit: Waren es am Anfang berittene Bogenschützen, die aus
Turkopolen (aus dem griechischen „Tourkopouloi“ = „Söhne von Türken“) bestand, so änderte sich auch die Ausrüstung in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, und durch den Einfluss der
osmanischen Akinci, sollte sich eine neue Einheit bilden: Die Husaren, die vor allem mit Lanzen, Säbeln, und rechteckigen Schildern ausgerüstet waren, aber auch Bögen waren noch immer Teil der
Bewaffnung, wenn auch nur noch selten.

Im Falle der Infanterie sind sich die Heere der Serben und Bosnier sehr ähnlich. Auch sie waren unter westlichem Einfluss, dennoch behielten sie ihre ursprüngliche Ausrüstung. Die Heere der
Serben und Bosnier bestand aus schwerer Infanterie, die mit Schild, Schwert (in Serbien auch Säbel), Lanzen, Streitkolben und Äxten gerüstet war, und leichter Infanterie, die mit Bögen,
Armbrüsten, Schildern, Säbel, Schwertern, Äxten und Streitkolben gerüstet waren.

Von Oben nach Unten und von Links nach Rechts: serbischer oder bosnischer schwerer Reiter, serbischer schwerer bis mittlerer Reiter nach byzantinischem Vorbild, serbischer oder bosnischer
leichter Infanterist, serbischer oder bosnischer schwerer Reiter, serbischer Infanterist; Quelle: „Armies of the Middle Ages Vol.2“ von Ian Heath

Die rumänischen Fürstentümer Wallachei und Moldau ähnelten sich in ihrer Ausrüstung. Ihre schweren Reiter, die vor allem von den Boyaren gestellt wurden, ähnelten sich jenen in Ungarn und im Rest
Westeuropas. Die leichten Reiter waren aber nach Steppenvorbild ausgerüstet, mit Säbel, Schild und Bogen bewaffnet.

Das Gros der Infanterie der rumänischen Fürstentümer bildeten Bogenschützen. Der Grund dafür ist nicht nur der starke Einfluss aus den Steppen des Nordschwarzmeerraumes, sondern auch die
Topographie des Landes.

Von Links nach Rechts: rumänischer Infanterist, rumänischer leichter Reiter, rumänischer schwerer Reiter; Quelle: „Armies of the Middle Ages Vol. 2“ von Ian Heath

Die Albaner unterschieden sich von den Rumänen dadurch, als das sie keine schwere Reiterei hatten. Die Chroniken schreiben, dass sie vor allem Fernkämpfer waren, sowohl zu Fuß, als auch beritten.
Sie setzten Bögen ein, zu Fuß manchmal Armbrüste und Feuerwaffen. Auch ein Wurfspeer, die Zagaje, war weit verbreitet. Zusätzlich trugen die Albaner Schild, Säbel, Streitkolben als Bewaffnung
mit.

Albanischer Reiter, mit einer Zagaje bewaffnet; Quelle: „Armies of the Middle Ages Vol. 2“ von Ian Heath

Die Ungarn, waren ein Heer nach Westeuropäischem Vorbild, sprich, hatten den gepanzerten Ritter als Kern ihrer Truppe. Dennoch gab es durch den starken Einfluss aus dem Osten unterschiede. Die
leichte Kavallerie bestand aus berittenen Bogenschützen, die aus Kumanen, Jazygen und Ungarn bestand, und Husaren, die oft aus serbischen Adeligen bestanden, die nach Ungarn geflohen waren.

Die Infanterie der Ungarn war nach westeuropäischem Vorbild, jedoch war der Bogen als Waffe bei den Ungarn verbreiteter als im Westen.

86: ein leichter ungarischer Reiter, vermutlich kumanischer Herkunft, 87: ein leichter ungarischer Reiter, vermutlich ungarischer Herkunft, 88: schwerer ungarischer Reiter, 90; leichter und
schwerer ungarischer Infanterist; Quelle: „Armies of the Middle Ages Vol.2“ von Ian Heath

Waffen und Taktiken auf dem Balkan

Der Balkan stand noch bevor die ersten Osmanen auf den Balkan expandieren sollten, unter osmanischem Einfluss. Auch die Einflüsse aus den Steppen des Nordschwarzmeerraumes und aus Byzanz
beeinflußten die Waffen auf dem Balkan. Man muss aber auch festhalten, dass es, wie oben bereits aufgefallen ist, zwischen Ost- und Westbalkan Unterschiede gab: So war der Ostbalkan stärker aus
der Steppe beeinflusst, der Westbalkan stärker durch Italien. Auch Nord-Süd gab es unterschiede: So gilt die Regel: Je weiter im Norden, desto stärkerer Einfluss aus Ungarn und dem Heiligen
Römischen Reich deutscher Nation, je weiter im Süden, desto stärker der Einfluss aus Byzanz. Dennoch konnte sich der gesamte Balkanraum nicht dem Einfluss aus der Steppe, Byzanz und dem
Osmanischen Reich entziehen, und dies lässt sich sehr schön nachvollziehen:

Ein sehr schönes Beispiel ist der Bogen. Aufgrund der topographischen Begebenheiten und eben der Einflüsse waren Bögen als Waffen weit verbreiteter als im Westen. Es wurden vor allem
Kompositreflexbögen verwendet. Mit zunehmendem Einfluss der Osmanen, verdrängte der osmanisch-türkische Bogen den vorher verwendeten Typ, wie auch der krim-tatarische Bogen (der genaugenommen
auch zu den osmanischen Bögen gehört). Auch kamen mit den Einflüssen der Osmanen neue Säbeltypen, wie das Killij und der Yatagan auf den Balkan, die die ansässigen Säbeltypen verdrängten, wenn
auch nur langsam (Die Freskos aus dem 14. Jahrhundert zeigen durchwegs Säbel „balkanischen“ Typus). Das Yatagan war allerdings am Anfang eine Waffe, vor allem durch die Janitscharen eingesetzt
wurde, und sich erst später als Bewaffnung anderer Balkanvölker durchsetzten. Viele der Blankwaffen, die die Osmanen mitbrachten, wie eben Yatagan, Killij, und auch das georgische Qama, sollten
bis ins frühe 20. Jahrhundert Verwendung auf dem Balkan finden. Interessant ist, dass die Entstehungszeit dieser Waffen nicht geklärt ist, speziell vom Yatagen. Man geht von der Zweiten Hälfte
des 14.Jahrhunderts (lt. „Istorija na Bulgarite v osam Toma, Tom 5: Voenna Istoria“ von Emil Aleksandrov) und dem 16. Jahrhundert aus. Gleiches auch beim Kindjal/Quama, dessen Entstehungszeit
allerdings auf wesentlich früher Datiert wird. Das Schwert verschwand allerdings erst dann von der Blickfläche, als der Balkan bereits fest in osmanischer Hand war. Die Axtköpfe wurden mit der
Zeit kleiner, und die Streitkolben fanden allmählich große Beliebtheit.

Osmanischer Bogen, 14. Jahrhundert, Rekonstruktion; Quelle: http://www.grozerarchery.com; 29.10.2010 – 21:40

serbischer Bogen, 14. Jahrhundert, Militärmuseum Belgrad; Quelle: http://www.atarn.org (Suchbegriff: „Serbian Bow“ im Forum von atarn.org)

Osmanische Waffen, 15. bis 17. Jahrhundert, Militärmuseum Belgrad; Quelle: http://www.atarn.org; Suchbegriff „Serbian Bow“ im Forum von atarn.org

Axtkopffunde aus Moldavien, 13. und 14. Jahrhundert; Quelle: „Hungary and the Fall of Eastern Europe“ von David Nicolle

Ein Yatagan, 19. Jahrhundert; Quelle: google (Suchbegriff „Yatagan“)

Killij, Datierung unbekannt; Quelle: google (Suchbegriff „Killij“)

Kindjal/Qama, 19. Jahrhundert; Quelle: google (Suchbegriff „Kindjal“)

Auch in Sachen Rüstungen sieht man die Einflüsse verschiedener Kulturen und den Einfluss der Topographie sehr deutlich: Bei den Albanern und den rumänischen Fürstentümern waren Rüstungen kaum
verbreitet, nur die reichten Boyaren der rumänischen Fürstentümer verwendeten Rüstungen nach westlichem Vorbild, wenn sie sich auch bemühten, leichtere zu verwenden, als die im Westen üblichen.
In Bulgarien blieb man bei dem Lamellar- und Schuppenpanzer, und auch Kettenrüstungen waren noch immer in Verwendung. Etwas anders war es hingegen in Serbien und Bosnien: Hier verdrängten
Plattenrüstungen die vorher verwendeten Lamellar- und Schuppenpanzer, wenn sie auch nicht vollständig verdrängt wurden.

In Byzanz blieb man, wie in Bulgarien auch, konservativ, und blieb bei Lamellar- und Schuppenpanzer. Sie legten sogar mit Zunahme des osmanischen Einflusses ihre Rüstungen ab, und übernahmen nach
und nach die Kleidung und Rüstung der Osmanen, so dass sie gegen Ende bereits kaum von den Osmanen zu unterscheiden waren.

Von Rechts nach Links und von Oben nach Unten: schwerer byzantinischer Reiter, schwerer byzantinischer Reiter, leichter byzantinischer Reiter, schwerer byzantinischer Infanterist, schwerer
byzantinischer Bogenschütze, leichter byzantinischer Bogenschütze; Quelle: „Armies of the Middle Ages Vol. 2“ von Ian Heath

Byzantiner im Kampf gegen die Osmanen, spätbyzantinisches Kirchenfresko, ca. 1462; Quelle: „Byzantine Armies 1118-1461“ von Ian Heath

Bei den Osmanen war ein neuer Rüstungstyp in Verwendung, die den poetischen Namen „Insel im Meer“ hatte: Hierbei wurde vor allem auf Kettenrüstungen aufgebaut, allerdings wurden lebenswichtige
Organe zusätzlich durch runde Platten geschützt die eingearbeitet wurden. Angeblich soll die Produktion dieser runden Platten zur Erfindung des Musikinstrumentes des Beckens geführt haben, dies
ist allerdings nur Spekulation.

Osmanische Rüstung eines Sipahi, zwischen spätes 15. Jahrhundert und 17. Jahrhundert, Royal Armouries Museum, London; Quelle unbekannt

Osmanische Rüstung eines Sipahi, 15. oder 16. Jahrhundert; Quelle unbekannt

Im Rahmen der Reformen unter Orhan, änderten sich auch die Taktiken der Osmanen: Im Zentrum standen die Janitscharen, meistens hinter einem Graben, den sie zuvor ausgehoben haben. Davor standen
die Akinci und Azabs, deren Aufgabe es war, dem gegnerischen Sturm abzubremsen und an Wucht zu nehmen, sowie erste Verluste beizuwohnen. An den Flanken waren die Sipahis positioniert, manchmal
gemeinsam mit europäischen Reitern, die von den Vasallen gestellt wurden. In der Reserve standen die Quapikulu.

Die Albaner und Wallachen, pflegten Geplänkel, um den Gegner zu zermürben und aufzureiben. Die Reiterei wurde meistens ebenfalls zum zermürben eingesetzt, und um den zurückweichenden Gegner zu
verfolgen. Der Grund dieser Taktiken waren die topographischen Begebenheiten der von ihnen bewohnten Gebiete.

Ähnliche Taktiken setzte man auch in Serbien und Bulgarien ein. In der offenen Feldschlacht hingegen postierten die Serben ihre Reiterei nach vorne, und die Infanterie dahinter. So sollten die
serbischen Reiter die „Grobarbeit“ machen, und die Infanterie den Rest aufmischen, sowie den Vormarsch der Reiter decken.

In offener Feldschlacht setzten sowohl Bulgaren als auch Byzantiner ähnliche Taktiken ein: Sie postierten an der Front Speerkämpfer, dahinter Bogenschützen und Plänkler, die manchmal in
vorderster Linie stehen sollten, den Gegner zermürben, und sich dann hinter die Speerträger zurückziehen. An den Flanken wurde die Reiterei postiert. Ein Teil der Reiterei wurde allerdings auch
als Reserve zurückbehalten.

Weitere Ausdehnung der Osmanen auf dem Balkan, erste Niederlagen, die Teilung des bulgarischen Staates und Entstehung des Fürstentums Moldau.

Nun aber wieder zurück zu den dramatischen Ereignissen auf dem Balkan: 1359 bestieg ein neuer Mann den osmanischen Thron: Sultan Murad I. Er setzte die Expansion des osmanischen Reiches weiter
fort. Im gleichen Jahr wurde Ankyra (Ankara) eingenommen, 1361 fiel Adrianopel (heute Edirne/Ostthrakien/Türkei), und wurde 1365 die neue Hauptstadt des osmanischen Reiches.

Im Jahr 1359 erklärten nun auch die Moldavier ihre Unabhängigkeit von den Ungarn.

1371 schlugen die Osmanen ein bulgarisches Heer bei Samakov, im selben Jahr, besiegten die Osmanen mit einem 10000 Mann starkem Heer unter Lala Shahin, Beylerbey von Rumelien, in einem
Nachtangriff ein 60000 Mann starkes serbisch-bulgarisches Heer unter König Vukashin von Serbien und dessen Sohn Marko, und den Brüdern Gojko und Ioan Ugliesha. Die Osmanen nahmen in der Folge
Westthrakien und Makedonien ein. Bulgarien wurde nun osmanischer Vasall. Ebenfalls 1371 starb Zar Ivan Aleksandr. Das Land sollte nun unter seinen beiden Söhnen, Ivan Stracimir und Ivan Shishman,
aufgeteilt werden. Ivan Stracimir erhielt den Nordwesten Bulgariens, und regierte das neue Fürstentum Bdin von der gleichnamigen Stadt Bdin (heute Vidin/Bulgarien) aus. Ivan Shishman, der eine
Anti-Osmanische Politik pflegte, und die christlichen Bünde unterstützte erhielt das neu entstandene Fürstentum Tarnovo, regiert von der alten Hauptstadt Tárnovgrad (Veliko Tárnovo, Bulgarien),
im Süden. Im Nordosten, in der Dobrudja, spaltete sich der Despot Balik (vermutlich von einem bulgarischen Zarengeschlecht abstammend), unterstützt von seinen Brüdern Todor und Dobrotitsa ab. Die
Teilung des bulgarischen Staates sollte das Ende des bulgarischen Zarenreiches endgültig besiegeln. Trotzdem annektierten die Osmanen 1378 Ihtiman, 1383 Sofia und 1385 Nis.

Zar Ivan Shishman im Jugendlichen Alter, Tetraevangeliar, 14. Jahrhundert; Quelle: http://www.absoluteastronomy.com/topics/Ivan_Shishman_of_Bulgaria – 29.10.2010; 21:22

Bulgarien und dessen Teilung nach 1371; Quelle: http://campusvirtual.unex.es/cala/epistemowikia/index.php?title=Imagen:Bulgaria-1371.jpg – 29.10.2010; 21:49

Im Jahr 1372 wurden nun auch die Byzantiner, unter dem zunehmenden Druck, ebenfalls osmanische Vasallen. 1373 brach auch noch ein Bürgerkrieg in Byzanz aus, der bis 1385 tobte. 1387 nahmen
schließlich die Osmanen nach dreijähriger Belagerung Thessaloniki. Im gleichen Jahr erlitten aber die Osmanen auch ihre erste Niederlage, durch Knez (=Fürst) Lazar Hrebljanovic, bei Plocnik, an
den Ufern des Flusses Toplitsa. Diese Niederlage führte nun dazu, dass auch Ivan Shishman wieder aktiv gegen die Osmanen zu agieren begann. Nach schweren Kämpfen, drangen die Osmanen bis zur
Festung Nikopolis an der Donau, wo sie Ivan Shishman belagerten, der gezwungen war, sich in die Festung zurückzuziehen. Er war gezwungen aufzugeben, und erneut die Vasallenherrschaft der Osmanen
anzuerkennen.

15. Juni 1389 Der Schicksalstag, und die Schlacht von Kosovo

Durch die Niederlage bei Plocnik angestachelt, zog nun Murad I. von Phillpopolis (Plovdiv/Bulgarien) in Richtung Kosovo, um von den dort aus in Richtung Serbien vorzustoßen.

Sultan Murad I., Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Muradhudavendigar.jpg; 29.10.2010 – 21:50

Knez Lazar Hrebljanovic, zog mit seinem Heer ebenfalls in Richtung Kosovo, um dem osmanischen Heer zu begegnen. Er schaffte es, den König von Bosnien, Vlatko Vukovic, und den Despoten Vuk
Brankovic, an seine Seite zu ziehen.

Das zwischen 12000 und 30000 Mann starke christliche Heer, das nicht nur aus Serben und Bosniern, sondern auch aus Kroaten, Albanern, Bulgaren, und Wallachen, bestand denen sich auch ungarische
und polnische Ritter angeschlossen haben sollen, stand dem 27000 bis 40000 Mann starken osmanischen Heer gegenüber.

Die Legende rund um die Schlacht von Kosovo, gibt die Worte wieder, die Lazar Hrebljanovic vor der Schlacht gesagt haben soll:

„Wer auch immer ist ein Serbe und von serbischer Geburt,

und von serbischem Blut und Erbe,

und kommt nicht auf die Schlacht von Kosovo,

soll er niemals die Erben haben, die sein Herz begehrt,

weder Sohn noch Tochter!

Nichts soll gedeihen, was seine Hand säht,

Weder dunkles noch helles Weizen,

Und soll er für immer verflucht sein!“

Knez Lazar Hrebljanovic; Gemälde von Dura Jaksic (1832-1878; Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Lazar_Hrebeljanovi%C4%87; 29.10.2010; 21:51

Die osmanischen Bogenschützen machten den Anfang, und beschossen die serbischen Reiter an der vordersten Linie. Dem folgte eine serbische Generalattacke. Die Serben schafften es, durch den Linken
Flügel zu brechen, schafften es aber nicht, durch das Zentrum und den rechten Flügel durchzustoßen. Auf dem linken Flügel machten die Akinci und Azabs eine erfolgreiche Konterattacke. Vlatko
Vukovic wurde unter schweren Verlusten auf dem rechten Flügel der durch den Sohn Murats I, Bayezid kommandiert wurde, aufgehalten. Im Zentrum wurden die Osmanen allerdings allmählich
zurückgedrängt.

Quelle: „Boj na Kosovu“ von Ilija Voinovic, S29

Während der Schlacht geschah allerdings noch etwas anderes: Ein serbischer Adeliger, mit dem Namen Milos Obillic, ging ins Lager Murats I., unter dem Vorwand, sich ihm anzuschließen. Tatsächlich
ermordete Obilic Murat I mit einem Dolch. Obillic sollte unmittelbar dannach geköpft werden.

Allmählich gewannen die Osmanen aber wieder die Oberhand in der Schlacht, und nahmen Knez Lazar Hrebljanovic gefangen. Als Vuk Brankovic dies erfuhr, zog er sich mit seinem Heer zurück. Die
Schlacht war entschieden, zugunsten der Osmanen, die allerdings schreckliche Verluste erlitten, und dem auch der Sultan zum Opfer fiel. Lazar Hrebljanovic wurde nach der Schlacht geköpft, und
später durch die Serben heilig gesprochen Da er es schaffte, die Serben zu vereinen, gilt die Schlacht auf dem Kosovo als Geburtsstunde der serbischen nationalen Identität.

Nach der Schlacht von Kosovo

Bayezid ritt um den osmanischen Thron zu besteigen, innerhalb kürzester Zeit vom Kosovo nach Edirne. Dies erbrachte ihn den Spitznamen „Yildirim“ (=Blitz) ein. Ein Jahr später, 1390, nahm er die
Tochter von Lazar Hrebljanovic, Olivera Despina, zur Frau, und setzte dessen Sohn Stefan Lazarevic auf den serbischen Thron als Vasall.

Sultan Bayezid I. „Yildirim”; Osmanische Miniatur aus dem Topkapi Saray; Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:I_Bayezit.jpg; 29.10.2010 21:53

1393 wurde erneut Bulgarien Ziel der Osmanen, und die Haupstadt Tarnovgrad wurde belagert. Im Vorfeld versuchte Ivan Shishman den Vormarsch der Osmanen zu verzögern, und zog sich anschließend
nach Nikopolis an die Donau zurück. Die Verteidigung der Stadt lag nun in den Händen des Patriarchen Evtimij. Nach einer dreimonatigen Belagerung fiel schließlich am 17. Juli die Stadt,
vermutlich durch Verrat aus Angst vor einer Hungersnot in der Stadt. Evtimij wurde nicht umgebracht, sondern ins Exil nach Makedonien gebracht. Für seine tapfere Verteidigung der Stadt, wurde
Evtimij schließlich heilig gesprochen. Bis 1395 regierte Ivan Shishman schließlich von Nikopol weiter, wurde aber am 3. Juni 1395 auf Befehl Bayazids hin exekutiert. 1397 wurden auch das Despotat
Dobrudja und das Fürstentum Bdin erobert. Das war das Ende des bulgarischen Staates. Der Halbbruder und Herrscher von Bdin, Ivan Stracimir, starb im osmanischen Exil in Bursa im Jahr 1398.

Ikone des heiligen Patriarch Evimij; Quelle: http://www.plovdivguide.com/traditions/3/?lang_id=3&alpha=S&lang_id=3&page= – 29.10.2010 – 21:55

Belagerung von Tarnovgrad 1393; Quelle: „Великите Битки и Борби на Българие през Средновековието“ von Aleksandr Trenev, S74

Im Jahr 1394 zog Bayezid gegen das Fürstentum Wallachei, jedoch schlug das wallachische Heer, dem sich auch Bulgaren anschlossen, unter dem Voyvoden Mircea cel Batran (Mirtscho der Ältere) das
osmanische Heer in der Schlacht von Rovine.

Mircea cel Batran; zeitgenössisches Kirchenfresko; Arges Episkop, Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:MirceacelBatran.jpg – 29.10.2010 – 21:57

Die Schlacht von Rovine 1394; Quelle unbekannt

Die Schlacht von Nikopolis 1396

1387 bestieg König Sigismund den ungarischen Thron, und seit seiner Thronbesteigung war er bemüht, eine Anti-Osmanische Koalition zu bilden. 1395 belagerte Bayezid Konstantinopel. Die Reaktion
war ein von Papst Bonifatius IX unterstützter und König Sigismund angeführter Kreuzzug gegen die Osmanen, Das Kreuzfahrerheer, bestehend aus Ungarn und Burgundern, angeführt von Johannes
Ohnefurcht und Marschall Bouicault, versammelte sich in Buda, und zog nach Süden, und belagerte am 10. September 1396 die Festung Nikopolis an der Donau. Dem Kreuzfahrerheer schloss sich auch
Mircea cel Batran mit seiner Armee an. Sultan Bayezid I. zog mit seinem Heer, dem sich auch serbische Reiter des Vasallen Stefan Lazarevic anschlossen.

König Sigismund; Gemälde von Albrecht Dürer; Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Albrecht_D%C3%BCrer_082.jpg&filetimestamp=20050519095859 – 29.10.2010 – 21:59

Am 25. September standen sich die beiden Armeen, die beide zwischen 12000 und 15000 Mann stark waren, gegenüber. Ursprünglich wollte Sigismund die Wallachen als Vorhut schicken, doch schmetterten
die Franzosen dies ab, und stürmten auf die Position Bayezids vor. Sigismund schickte die Infanterie nach. Bayezid ließ die Akinci in Richtung der Janitscharen, die sie unter Beschuss nahmen.
Sofort wandten sich die Ritter gegen die Janitscharen, doch da die Janitscharen im Vorfeld Gräben aushuben und Pfähle reinsteckten, waren die Ritter gezwungen, von ihren Pferden abzusteigen und
zu Fuß weiterzukämpfen. Trotz des massiven Beschusses gelang es den Rittern, bis zu den Osmanen vorzudringen, und in schwere Bedrängnis zu bringen. In diesem Moment ließ Bayezid die Sipahis die
Flanke der inzwischen ermüdeten Ritter angreifen. Die Wallachen zogen sich zurück. Schließlich standen die Kreuzfahrer in der Zange zwischen den Sipahis, und den serbischen Reitern, die im
richtigen Moment angriffen. Die Schlachtordnung der Ungarn wurde durch die ständig durch die Linie zurückweichenden verbündeten Truppen gestört, so dass auch sie dem osmanischen Sturm nicht
standhalten konnten.

Der Ansturm auf die osmanische Stellung; Quelle: „Nikopolis 1396“ von David Nicolle, S58f

Der Ansturm der Serben; Quelle: „Nikopolis 1396“ von David Nicolle, S66f

Das Desaster war perfekt, und die Niederlage vernichtend. Viele starben auf der Flucht, Johann Ohnefurcht und Jean II. Le Maingre wurden gefangengenommen, und mussten sich Freikaufen. Sigismund
kehrte nach Ungarn zurück.

Das osmanische Desaster von 1402 und die Folgen, der Aufstand von Konstantin und Fruzhin und der Orden des Drachen

1402 erschien ein neuer Gegner im Osten: Timur Lenk. Er expandierte sein Imperium, und wurde zu einer neuen Bedrohung für die Osmanen. Im Vorfeld der Schlacht, meinte Timur, das er echten
Anspruch auf den Osten Anatoliens habe, anders als Bayezid, den er unverhohlen einen Hurensohn beschimpfte. Bayezid war schwer beleidigt, und zog mit seinem Heer nach Ankara. Auf dem Weg dort
hin, verdursteten bereits Tausende des Heeres von Bayezid, da Timur sämtliche Brunnen zerstören ließ. Nur noch mit 10000 Janitscharen und serbischen Reitern unter Stefan Lazarevic im kampffähigen
Zustand, wurde er nach 20 Stunden Kampf vernichtend geschlagen. Stefan Lazarevic floh, wie auch 3 Söhne von Bayezid. Ein Sohn Bayezids wurde gefangengenommen, wie auch Bayezid selbst. Bayezid
wurde durch Timur gedemütigt, in Ketten durch die Stadt Samarkand geschleift. Er starb 1403. Timur sollte 1405 sterben.

Das, was vom osmanischen Reich übrig blieb, wurde unter den 3 Söhnen aufgeteilt: Mehmet regierte in Amasya, Süleyman in Edirne und Isa in Bursa. Die türkischen Emirate in Anatolien erklärten ihre
Unabhängigkeit. Auch auf dem Balkan atmete man auf: Die Staaten, die noch unter Bayezid Vasallen waren, schüttelten das Vasallentum ab, wie zB Mircea cel Batran, der nach der Niederlage in
Nikopolis 1396 osmanischer Vasall wurde.

1408 gründete Sigismund, der Verlierer von Nikopolis, einen neuen Ritterorden: den Orden des Drachen. Es war ein katholischer Ritterorden, der sich dem Kampf gegen die Osmanen verschrieb. Diesem
Orden traten Persönlichkeiten wie Vyautatas der Große, König von Litauen, Wladislav II. Jagielo von Polen, Janós Hunyadi, und der uneheliche Sohn von Mircea cel Batran, Vlad II., der den Namen
Dracul (Drache/Teufel) als Zeichen seiner Mitgliedschaft im Orden übernahm. Besonders sein Sohn sollte grausame Berühmtheit erlangen: Vlad III. Dracul, bekannter als Vlad der Pfähler, die
historische Figur hinter Graf Dracula.

Vlad II. Dracul; zeitgenössische Abbildung; Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Vlad_Dracul.jpg – 29.10.2010 – 22:01

Ebenfalls im Jahr 1408, brach in Bulgarien ein Aufstand aus: Der Aufstand von Konstantin und Fruzhin. Fruzhin war ein Sohn des letzten Zaren von Tárnovo, Zar Ivan Shishman. Sein Bruder,
Aleksandr, schloss sich den Osmanen an, und konvertierte zum Islam, wo er dann Iskender hieß. Konstantin, war der Sohn des Halbbruders von Ivan Shishman und Herrscher des Fürstentums Bdin, Ivan
Stracimir. Sie schafften es gemeinsam, Teile Bulgarien wieder unter ihrer Kontrolle zu bringen und bis 1422 zu halten.

Frujin im Kampf gegen die Osmanen vor den Toren von Bdin; Quelle: „Веилките Битки и Борби на Българите през Османското Робство“ von Aleksandr Trenev, S7

Die Wiedervereinigung und Wiedererstarkung des osmanischen Reiches, und die Niederschlagung des Aufstandes von Frujin

1413 ging Mehmet I. als Sieger um den Thron des osmanischen Reiches hervor, und vereinte das Osmanische Reich neu. Zwischen 1413 und 1422 machte er erneut Bosnien, Serbien, Byzanz und die
Wallachei zu Vasallen, und schlug 1422 den Aufstand von Konstantin und Frujin nieder. Frujin flüchtete nach Ungarn, wo er an der Seite Sigismunds Karriere machen sollte. Konstantin flüchtete nach
Serbien, und starb noch im selben Jahr.

Trotzdem war Mehmet I. ein friedliebender Herrscher, und pflegte gute Beziehungen zum byzantinischen Kaiser und dem Dogen von Venedig. Erst 32-jährig, starb Mehmet II. bei einem Sturz von einem
Pferd wegen eines epileptischen Anfalls. Sein Sohn, Murat II., bestieg den Thron.

Murat II. belagerte Konstantinopel, musste aber wegen Thronstreitigkeiten sein Vorhaben stoppen. Dannach eroberte er die verloren gegangen türkischen Emirate zurück. 1430 unterwarf er Dubrovnik,
und machte es zum Vasallen.

Sultan Murat II., Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Murat_II.jpg 29.10.2010 – 22:03

Die Kampagnen von Janós Hunyadi, Wladislav III. Jagielo und Skanderbeg

1440 belagerten die Osmanen erfolglos Belgrad, und 1442 ebenfalls erfolglos Sibiu. 1443 brach in Albanien ein Aufstand gegen die Osmanen aus, angeführt vom legendären Skanderbeg.

Skanderbeg hieß mit wirklichem Namen Gjergi Kastrioti, und war der Sohn von Gijon Kastrioti, einem mächtigen Herrscher in Nordalbanien. Als Kind kam er als Geisel in das Osmanische Reich, wurde
als Janitschar ausgebildet, und trat dem Islam über. Nach einer Weile kehrte er in seine Heimat Kruja zurück. Er vereinte die albanischen Clans unter seinem Banner, und führte sie erfolgreich
gegen die Osmanen an. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass vor Skanderbeg die Albaner keinen eigenen Staat hatten, sondern ein Verbund von Clans waren, die sich ständig gegenseitig
bekriegten. Seine Leistungen wurden im Westen bewundert, so dass er auch aus Venedig Unterstützung in Form von Waffen und Truppen bekam. Er schaffte es, die Osmanen von Albanien fern zu halten.
Er starb 1468. Erst 10 Jahre nach seinem Tod, schafften es die Osmanen, Albanien einzunehmen. Skanderbeg schuf den ersten albanischen Staat, und ist heute seiner Leistungen wegen der albanische
Nationalheld. Die heutige albanische Fahne, der Schwarze Adler auf rotem Grund, ist das einstige Wappen von Skanderbeg gewesen.

Portrait von Skanderbeg; Quelle: http://www.prosopa.eu/buy.php?id=skanderbeg – 29.10.2010 – 22:04

Der Helm Skanderbegs, Ausgestellt in der Hofjagd- und Rüstkammer in Wien; Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Helmet_of_Skanderbeg.JPG – 29.10.2010 – 22:06

Angespornt durch diese Ereignisse und der Absicherung durch Bündnisse mit Serbien und der Wallachei, zogen nun 1444 Wladislav III. Jagielo, König von Polen und Ungarn und Janós Hunyadi, Fürst in
Transsylvanien, dem glänzende Siege gegen die Osmanen bei Smederevo 1441, 1442 bei Sibiu und bei der Donauklamm gelangen, und Nis und Sofia einnahm, vom serbischen Smederevo aus in Richtung dem
osmanischen Reich, mit dem Ziel Konstantinopel zu beschützen. Auf dem Weg nach Osten zerstörten sie die Schlüsselfestung Shumen (Bulgarien), und zogen weiter nach Osten, nach Varna.

Janos Hunyadi, Zeitgenössische Abbildung; Quelle: „Hungarxy and the Fall of Eastern Europe“ von David Nicolle, S39

König Wladislav III. Jagielo „Varnenczik“; Quelle: http://forum.stirpes.net/middle-ages/18374-historical-tale-about-varna-battle.html – 29.10.2010 – 22:09

Murat II. zog wutentbrannt (da Wladislav den vorher unterzeichneten Friedensvertrag brach) mit seinem Heer nach Norden, wo das bis zu 60000 Mann starke Heer der Osmanen am 10. November auf das
bis zu 30000 Mann starke polnisch-ungarische Heer traf.

Intern war die Armee der Kreuzfahrer durch Rivalitäten zwischen Wladislav und Hunyadi geschwächt. So begann Wladislav, der nach dem Rückzug der Wallachen auch die Ankunft weiterer Feinde
fürchtete, einen voreiligen Angriff auf das überlegene türkische Heer, ohne auf Hunyadis Verstärkungen zu warten und Diesem den vermeintlichen Sieg überlassen zu müssen. Sein Manöver, war ebenso
tollkühn wie riskant und unüberlegt. Die Schlacht entwickelte sich zum Desaster. Janós Hunyadi entkam nur knapp, und Wladislav III. starb in der Schlacht, und erhielt posthum den Namen
„Varnentschik“.

Die Schlacht von Varna 1444; Quelle. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Battle_of_Varna_1444.PNG – 29.10.2010 – 22:10

Hunyadi versuchte 1448 erneut einen Feldzug gegen die Osmanen, und wurde in der zwei Tage andauernden Zweiten Schlacht von Kosovo vom 17.-19- April geschlagen. Hunyadi starb 1456.

Die Eroberung Konstantinopels, der Fürst der Finsternis und Stefan cel Mare

1451 stirbt Murat II., und sein Sohn, Mehmet II. wird mit 21 Jahren Sultan des Osmanischen Reiches. Er belagert im Jahr 1453 Konstantinopel, mit einem 80000 bis 200000 Mann starkem Heer und 126
Schiffen. Die Stadt selbst wird vom letzten Kaiser von Byzanz, Konstantin XII. und 7000 Mann verteidigt. Mehmet setzte auf Kanonen, und nahm Dank diesen am 29 Mai Konstantinopel ein. Dies
bedeutete den endgültigen Untergang von Byzanz, das schon längst Schatten seiner Selbst war. Konstantin XII. starb bei der Belagerung. Es ist nicht bekannt, wie er starb, aber die osmanischen
Quellen meinen, dass er tapfer kämpfte.

Sultan Mehmet II., zeitgenössische Abbildung; Gentile Bellini, National Gallery London Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Mehmed_II – 29.10.2010 – 22:11

Eroberung Konstantinopels 1453, Quelle: http://www.fihimafih.net/blog/?p=414 – 28.11.2011 – 12:46

Unter Mehmet II. kam es zu einem urbanen Aufschwung im osmanischen Reich, so wurden 300 Moscheen errichtet, und 57 islamische Hochschulen, sowie den Topkapi-Palast in Istanbul (Topkapi heißt
soviel wie Kanonenturm, und sollte an die Kanonen erinnern, mit deren Hilfe Konstantinopel erobert wurde.

1454/1455 eroberte er Südserbien, 1456 die Inseln in der Nordägäis, 1458-1460 die Morea, 1461 das „Byzantinische Reich von Trapezunt“, 1464 mit Hilfe der Bogomilenbewegung Bosnien und
Herzegovina. Erst 1478 gelang es Mehmet II., Nordalbanien einzunehmen, sowie die meisten Inseln in der südlichen Ägäis. Im Allgemeinen wird Mehmet II. nachgesagt, das er über 200 Städte eroberte.
Das Fürstentum Wallachei und sein berühmter Voyvode widerstanden ihm allerdings.

Diesem Voyvoden wird Nachgesagt, das er so böse sei, das nicht mal der Teufel ihn aufnahm: Vlad III. Dracul. Wie bereits erwähnt, war er ein Sohn des unehelichen Sohnes von Mircea cel Batran,
Vlad II. Dracul. Durch Thronintrigen kam er 1448 für kurze Zeit auf den Thron, musste jedoch nach einem Boyarenaufstand fliehen, kam jedoch 1456 erneut auf den Thron, und rächte sich furchtbar an
den Boyaren, die auch am Tod seines Vaters Schuld waren, mit seiner Lieblingsstrafe, dem Pfählen.

Vlad III Dracula; 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts; KHM Wien; Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Vlad_Tepes_002.jpg – 29.10.2010 – 22:13

Nach zahlreichen Konflikten mit Vlad III. Dracul, zog Mehmet II. nun auch gegen ihn ins Feld. Unter anderem waren es die ständigen Plünderungen durch die Wallachen, aber auch das Ablehnen von
Tributzahlungen durch Vlad III. Dracul. Die Art und Weise, wie er die Tributzahlungen ablehnte, war grausam: Er ließ den Gesandten, die ihre Turbane nicht absetzen wollten, ihre Turbane an ihren
Köpfen nageln, und ihre Leichname nach Istanbul schaffen. Am 16. Juni 1461 schlug Mehmet II. sein Lager südlich von Bucuresti auf. Drei Stunden nach Sonnenuntergang, bis 4 Uhr in der Früh,
griffen die Wallachen das Lager an, mit dem Ziel, Mehmet II. zu töten. Der Ausgang der Schlacht ist unbekannt, vor allem was die Verluste der Osmanen angeht, man geht allerdings von 15000 Toten
Osmanen und 1200 durch die von den verfolgenden Janitscharen getöteten Wallachen. Mehmet II. kam aber mit seinem Leben davon.

Die Nachtattacke 1461; Gemälde von Theodor Aman (1831 – 1891; Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:AtaculdeNoapte.jpg – 29.10.2010 – 22:14

Trotz der angeschlagen Moral, beschloss Mehmet, weiter gegen die Haupstadt des Fürstentums Wallachei, Targoviste zu ziehen. Auf dem Weg dorthin machten sie eine grausame Entdeckung:

Vlad ließ einen Wald errichten. Ein Wald aus über 20000 Gefangenen Türken und muslimischen Bulgaren. Eine halbe Stunde lang, zog Mehmet mit seiner Armee durch diesen Wald durch.

Es heißt,. das Vlad selbst bei der Hinrichtung der Gefangenen anwesend war, an der Stelle speiste, und sogar sein Brot im Blut der Opfer tunkte. Diese Taten brachten ihn den Ruf des ultimativ
Bösen dar, und den Beinamen „der Pfähler“.

Quelle: Screenshot aus „Deadliest Warrior, Episode 10

Die Legende besagt, das Mehmet II. von der Eroberung abließ, als er dies Erblickte, mit den Worten „Wir können diesen Mann nicht besiegen, denn er ist kein Mensch, sondern ein Dämon.“ Tatsächlich
zog sich auch Mehmet II. nach Konstantinopel zurück, ließ jedoch seine Armee weiter gegen Vlad vorgehen.

Vlad blieb an der Macht bis 1462, wurde jedoch durch die wallachischen Boyaren, die seine Grausamkeiten nicht mehr erduldeten, gestürzt, und floh nach Ungarn. 1476 kam er erneut auf den Thron,
wurde jedoch ermordet.

1475 griff Mehmet II. mit 120000 das Fürstentum Moldau an, und dessen Fürsten Stefan. Er schlug die Osmanen mit einem nur 40000 Mann starkem Heer bei Vaslui, und bewahrte so für eine Weile die
Unabhängigkeit Moldaus von den Osmanen, aber auch von den Tataren, und ging so unter dem Namen Stefan cel Mare – Stefan der Große – in die Geschichte ein.

Bild von Stefan cel Mare, zeitgenössisches Kirchenfresko; Putna; Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Stefan_cel_Mare – 29.10.2010 – 22:16

Schlacht von Vaslui; Quelle: google (Suchbegriff „Battle of Vaslui“)

Nach dem Osmanensturm: Die Folgen

1472 wurde das Emirat von Karaman erobert, 1475 wurde das Krim-Tataren-Khanat osmanischer Vasall. 1481 wurde Bayezid II. Sultan des Osmanischen Reiches, 1512 Selim I. Ein Jahr später reicht das
Osmanische Reich bis nach Azerbaijan im Osten, 1492 wurde Moldavien wieder osmanischer Vasall. 1520 bestieg Süleyman I. den Thron, 1526 wurden die Ungarn durch die Osmanen vernichtend geschlagen,
in der Schlacht von Mohács, und schon 1529 standen die Osmanen vor den Toren Wiens. Nun waren die Osmanen auch in Mitteleuropa eine massive Bedrohung. Auch als Seemacht waren sie nun gefürchtet,
und plünderten im 17. Jahrhundert sogar Island.

Deli Sinan Mihailoglu im Duell mit dem Ungarn Eugenius in der Schlacht von Mohács 1526; Süleymanname, Manuskript aus dem 16. Jahrhundert;
Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Deli_Sinan.jpg – 28.11.2011 – 13:08

Die Albaner und Bosnier traten allmählich dem Islam über. Die ersten Muslime in Albanien waren Turkmenen, die angesiedelt wurden, und in Bosnien halfen die in Bosnien besonders starken Bogomilen,
eine christliche Häretikergruppe, die im Islam die Erlösung sahen, bei der Islamisierung Bosniens. Man sollte aber auch sagen, dass die Osmanen bei weitem toleranter in religiösen Dingen waren,
als es im Westen üblich war. Für 400-500 Jahre blieb der Balkan in osmanischer Hand.

Das Osmanische Reich und die Ausdehnung im Jahr 1580; Quelle: http://www.allaboutturkey.com/ottoman.htm – 29.10.2010 – 22:21

Skanderbeg wurde für die Albaner zum Nationalhelden, immerhin gilt er als Staatsgründer Albaniens. Für die Rumänen ist Mircea cel Batran, aber auch, trotz der grausamen Regentschaft, Vlad III.
Dracul ebenfalls Nationalhelden, wegen ihren Kämpfen gegen die Osmanen.

Die Schlacht von Kosovo 1389 machte für die Serben das Amselfeld, auf serbisch Kosovo Polje, zu einem beinahe heiligem Boden, denn auf dem Amselfeld wurde zum ersten Mal die Idee geboren, dass
die Serben nicht gegeneinander, sondern miteinander agieren sollten. Mit der Zeit sollten sich auch Albaner im Kosovo niederlassen, und wurden auch zum Teil von den Osmanen dort
angesiedelt.

In Bulgarien sind Zar Ivan Shishman, Fruzhin und Konstantin, und der heilige Patriarch Evtimij zur Legende geworden. Viele der großen Burgen und Festungen im heutigen Bulgarien wurden
geschliffen, so dass man den einstigen Glanz des Zarenreiches Bulgarien nur noch erahnen kann. Auch die Hauptstadt, Veliko Tarnovo, ereilte dieses Schicksal. Heute ist die Stadt der Zaren ein
Denkmal: Sie erinnert an die einstige Größe und Macht Bulgariens, die von dieser Stadt noch immer ausgestrahlt wird, aber auch der Tragödie ihres Untergangs.

Aber die Osmanen hatten auch eine konservierende Wirkung auf den Balkan: Sie schnitten Teile des Balkans von westlichen Einflüssen ab. Dadurch, und durch den Willen seine eigene, bereits vorher
geschaffene Identität zu erhalten, konnten sich die Bräuche und Folklore erhalten. Ein schönes Beispiel sind die zahlreichen Bräuche, die auf dem Balkan praktiziert werden oder wie zB die
Schwerttänze in Albanien, in denen noch immer ihre Vergangenheit in Stammesverbändn durchklingt, oder Bräuche und Folklore in Rumänien und Bulgarien. Ja sogar in der Kleidung blieben Teile des
Balkan wie im späten Mittelalter „eingefroren“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tatsächlich ist gerade die Vielfalt der Kulturen in den einzelnen Balkanstaaten aber ein Erbe Vor-Osmanischer Zeiten. Denn die mittelalterlichen Reiche auf dem Balkan waren bereits
multiethnisch.

Bis heute lassen sich die Auswirkungen aus jener Zeit spüren, und viele Konflikte die den Balkan geplagt haben, finden in jener Zeit ihre Entstehung, und auch Mitteleuropa blieb von ihm
verschont: Dem Sturm, der über den Bospurus und den Balkan hinwegfegte, dem Osmanensturm.

Quellen und weiterführende Literatur

Българска Военна История през Средновековието – X-XV век von D. Angelov und B. Cholpanov, Verlag BAN Sofia

Великите Битки и Борби на Българите през Средновекивието von Aleksandr Trenev, Verlag Издателство Световна Библиотека София, Sofia

Великите Битки и Борби на Българите през Османското Робство von Aleksandr Trenev, Verlag Издателство Световна Библиотека София, Sofia

История на Българите в осъм тома – Том V Военна История von Prof. Dr. Georgi Bakalov, Prof. Dr. Georgi Markov, Polkovnik Boris Cholpanov uA., Verlag труд und 24часа, Sofia

Armies of the Middle Ages Vol. 2 von Ian Heath, Verlag Wargames Research Group

Armies of the Ottoman Turks 1300-1700 von David Nicolle, Osprey Publishing Verlag

Hungary and the Fall of Eastern Europe 1000 – 1568 von David Nicolle, Osprey Publishing Verlag

Byzantine Armies 1118 – 1461 von Ian Heath, Osprey Publishing Verlag

The Janissaries von David Nicolle, Osprey Publishing Verlag

Byzantium at War von John Haldon, Osprey Publishing Verlag

Constantinople 1453 – The end of Byzantium von David Nicolle, Osprey Publishing Verlag

The Ottoman Empire 1326-1699 von Stephen Turnbull, Osprey Publishing Verlag

Memoiren eines Janitscharen oder Türkische Chronik von Konstantin Miihailovic, Hrsg. Renate Lachmann, Verlag Ferdinant Schöningh

Geschichte des osmanischen Reiches von Suraiya Faroqui, C.H. Beck

Geschichte des Balkans von Edgar Hösch, C.H. Beck

Nicopolis 1396 – The last Crusade von David Nicolle, Osprey Publishing Verlag

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