Der Klausenhof bei Krumau

Eine Ruine, versteckt im Holunderkleid. Der Klausenhof.

Zufahrt: Der Klausenhof befindet sich nördlich von Preinreichs bei Krumau am Kamp. Eine Straße führt von Preinreichs direkt dort hin. Diese Straße kann man entweder, von Krumau aus, schon vor dem ersten Haus (links) oder im Ortsgebiet- ebenfalls von Krumau aus- links vor der Ortskapelle erreichen. Beide Wege vereinen sich zu einem, der nach ca. einem Kilometer die Ruinen erreicht,  um danach nach links ab zu biegen. Hier besteht Parkmöglichkeit.

Wandern: Der Wanderweg von Krumau nach Idolsberg führt hier ebenfalls vorbei.

Der Abgang in den Keller.

In diesem Artikel geht es um einen verfallenen Hof in der Nähe von Krumau am Kamp, den ich Anfang Juni mit Gerhard Koller besichtigte.

Verfallene Höfe sind schon immer faszinierende Denkmäler gewesen, deren Aura sehr oft Besucher anlockt, die- trotz oftmaliger (offizieller) privater Zutrittsverbote- einen weiteren Weg auf sich nehmen, um diese Erinnerungsorte mal selbst zu sehen, bevor diese endgültig verschwinden.

Im digitalen Zeitalter erfreuen sich diese Orte- unter der Rubrik „Lost Places“- häufigerer Präsenz und sind für so manchen Fotografen ein wahres Highlight. Dennoch darf eines nicht vergessen werden: Sie haben eine Geschichte, die oftmals für die Aura dieses Ortes verantwortlich ist. Das soll jeden beim Besuch einer derartigen Anlage bewusst sein.

Was den Klausenhof betrifft, so gehörte er für mich seit langem zu dieser faszinierenden Rubrik. Erstmals habe ich vor über zehn Jahren von ihm gelesen. Der Kultband „Burgen Waldviertel- Wachau“ hatte ihn erwähnt, denn der Klausenhof dürfte einst ein befestigter Ansitz gewesen sein. Ich hatte mir seit damals einen, im Waldgestrüpp liegenden, zu wenigen Mauerresten verkümmerten Hof vorgestellt, der nur im Winter- und auch da nur mit Indiana Jones- Ausrüstung- zugänglich sei. Besonders faszinierend fand ich die Tatsache, dass der Zugang zum Keller noch vorhanden und der am besten erhaltene Teil sei.

Dazu sei noch die Baumallee (der Obstgarten) vorhanden, der einst zum Hof geführt habe. Die gezähmte Natur hatte also den Hof überlebt und ist noch heute erhalten.

Nun waren wir in Krumau, wo wir feststellten, dass neben der eigentlichen Burg eine beeindruckende Hausberganalge stand, deren Struktur wir eigentlich nur aus dem Weinviertel kannten. Da wir noch ein wenig Zeit hatten, wurde der Beschluss gefasst, diese Hausstatt zu besuchen, Gerhard Koller hatte sie Anfang April besucht und war davon derart begeistert gewesen, dass er schrieb:

Das ist so ein richtig verwunschener Ort aus einem Märchen.

Meine Vorstellung über die Liegenschaft wurde dann freilich verändert (ja ich hatte es mir etwas anders vorgestellt), aber keineswegs negativ beeinträchtigt: Von Preinreichs Richtung Kamp führt ein Weg- mit Blick auf Ruine Schauenstein-, der irgendwann eine Linksbiegung macht und hier liegt er linkerhand im Gestrüpp, davor eine Wiese mit Wiesenkümmel, ein Zeichen, dass hier die Natur noch intakt ist. Rechts ist die Baumallee mit alten, schon lange nicht mehr „kultivierten“ Bäumen.

Durch die Kümmelwiese kommen wir zum Gestrüpp, das von Holunder bekrönt wird. Wir dringen ein in dieses Versteck und sehen kleine Mauerreste. Rechts neben diesen Resten ist der Abgang zum Keller mit einem gewölbten Stiegenabgang, der uns an das Tor zur Unterwelt erinnert.

Der Keller selbst ist auch schon im Verfall begriffen, die Wand gegenüber dem Abstieg ist eingestürzt, der Zahn der Zeit lässt grüßen. Abgesehen von einem uralten Autositz (Puch oder VW- Käfer?) sind keine „Zeugnisse vergangenen Seins“ zu finden.

Das vergangene „Sein“, das ist die 600. Jährige Geschichte des Klausenhofs. Wie bereits erwähnt, befindet er sich ja auch im Waldviertler Burgenbuch, er war aber keine Burg, wie Krumau, Thurnberg oder Schauenstein, sondern ein befestigter Hof, der sich auf einer künstlich angelegten Terasse befindet.

Es geht in das Reich der Geschichte…

Der Klausenhof sollte einen wirtschaftlich wichtigen Punkt der Krumauer Herrschaft abdecken. Nördlich des Hofes, beim Kamp war eine Engstelle, eine Klause (!). Hier wurde eine Mühle errichtet, die Klausenmühle. Um aber den Berg oberhalb dieser, heute durch den Stausee veränderten, Klause ebenfalls ab zu sichern, wurde in einer größeren Senke zwischen dem Berg und dem, von Preinreichs herkommenden Hügelrückens, wo der Weg nach Krumau abbog, eben auf einer künstlich angelegten Terasse der Hof errichtet, ein für Wehranlagen eigentlich sehr unspektakulärer Ort.

Der Klausenhof war Teil der Herrschaft Krumau, die bis 1297 landesfürstlich war und von Burggrafen verwaltet wurde. 1297 wurde Krumau den Maissauern verpfändet, Burggraf war ein Walchun. Dieser Walchun wird nun 1321 von Ulrich v. Maissau mit Zehenten „datz der Chlasen“ belehnt, demnach war dies ein wichtiges Lehen für die Herrschaft mit verschiedenen Abgaben.

1330 ist Jörg Thumeritzer Lehensinhaber, um 1400 seine Nachkommen Ulrich und Hans Thumeritzer. Die Thumeritzer sind Kleinadelige, die hier den Wehrhof und die Mühle inne hatten. Der Besitz blieb allerdings begehrt und gelangte nun wieder in landesfürstlicher Hand.

1432 belehnt Herzog Albrecht V. die Tochter des Hans Thumeritzer, Margarete, mit Zehenten und Gülten auf der Mühle zu Klausenhof.

Zu dieser Zeit wird der Besitz aufgeteilt.

Vor 1447 sind nämlich Hans Vischer sowie dessen Sohn Kaspar und die Tochter Agnes Inhaber der Mühle, Agnes verkauft nun ihren halben (!) Anteil an der Mühle an ihren Stiefvater (!) Matthias Ebentaler.

Wie es bei derartigen Besitzzerteilungen vorkommt, dürfte auch die Mühle zu dieser Zeit verfallen sein, gleichzeitig wurde nun der Hof entweder erst errichtet oder umgebaut.

Ihre Zugehörigkeit ist nun mit Preinreichs, Arndorf und den Rapper v. Rosenharts zersplittert.

1534 verkaufen nun Georg von Roggendorf- Herr auf Krumau-, Wolfgang Feiertager und Sigmund Oberheimer als „Gerhaben der unvogtbaren Kinder des verstorbenen Servatius Schauchinger zu Arndorf“ zur Vermeidung „weiteren Schadens“ ihrer Mündel die damlas öde Mühle am Kamp unterhalb von Krumau, genannt die „Klausenmüll“, welche jährlich zu Michaelis und Georgi in das Amt Preinreichs je 6 ß d dient, samt Zubehör um einen ungenannten Betrag an Gregor Rauber, dem neuen Herren von Krumau, womit die Liegenschaft wieder einigermaßen geeint war. Die Mühle wurde wieder aufgebaut und war

1637 im Besitz des Alexander Magnus Hutstocker. Aber danach wird sie wieder herumgereicht: 1669 geht sie an die Herschaft Dobra, 1705 ist sie Bestandteil der Herrschaft Idolsberg. Im Josephinischen Kataster ist die Mühle bereits nicht eingezeichnet, vermutlich war sie bereits verfallen. Der Hof blieb allerdings besteht, bis er in den 1960ern aus unverständlichen Gründen zerstört wurde.

Wir verlassen diesen versteckten Ort wieder, dessen Aura sehr interessant ist. Es scheint, dass die Natur hier sehr viel zurück erobert hat, aber nicht mit Brennessel und Dornen, sondern mit Holunder und Wiesenkümmel. Den Obstgarten ließ sie aus Gnade stehen, bis eines Tages….ja das werden und wollen wir wohl nie erfahren.

Nun geht es wieder aufwärts in die Gegenwart…

Weitere Infos unter http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/2035

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