Der Gutenberg bei Grafenschlag- Hausberg und Hexentreffpunkt

WO: Gemeinde Grafenschlag. Auf der B 36 nach Grafenschlag, dort in Richtung Kleinnonndorf (bzw. Kleingöttfritz) abbiegen. In Kleinnonndorf (gerade aus) Richtung Wielands fahren, nach etwa 1,15km links zum Hof Guttenberg. Der Weg zum Gutenberg ist ab Kleinnonndorf beschildert!

Öffnungszeiten: Frei zugänglich.

Hexen gehören bis heute zu den sagenhaftesten Gestalten in unserem Sagengut. Ihre Magie, ihre Wirkungen, vor allem aber ihr Aussehen haben Generationen von unserer Gesellschaft nachhaltig geprägt.

Ihre Person wird bis heute problematisch gedeutet, ihr Aussehen soll Angst und Schrecken verbreiten, ihre Zauberkräfte gelten als „Schwarze Magie“.

Heute, da Halloween in Europa (wieder, aber durch und durch sinnentleerter) eine Renaissance genießt, besinnt man sich alter Erzählungen und Figuren, die eigentlich auf das äußerst krankhafte Buch eines Frauenhasses (man verzeihe mir an dieser Stelle diese durchchaus subjektive Bewertung) basieren, nämlich des Hexenhammers von Heinrich Institoris (einen originalen Druck gibt es hier zu sehen). 300. Jahre lang wurden unzählige Frauen und Männer, ja selbst Kinder, gefoltert, gemartert und unter unendlichen Qualen und Schmerzen verbrannt oder mit dem Schwert oder dem Strick hingerichtet. Eine ungeahnte Hasswelle gegen alle, die nicht in die Gesellschaft passten, die irgendeinem Neider zum Opfer fielen oder die durch andere Vergehen negativ auffielen, wurden dadurch zum Richtplatz gezerrt.

Erst heute werden die alten Prozessakten erforscht und publiziert. Ein grauenvolles Spektrum von Verhörprotokollen und Todesurteilen ist erhalten geblieben.

Doch nur wenige Jahrzehnte nach dem Ende dieser Verfolgung, im 19. Jahrhundert, begannen Literaten über die Hexen ein durchwegs romantisch- verklärtes Bild zu schaffen, dass sie zwar weiterhin negativ bleiben ließ, aber dennoch zu einer mythologoischen Figur machte.

Als bekanntestes Beispiel gilt hier, neben der Hexe in Grimms „Hänsel und Gretel“ die Walpurgisnacht- Szene bei Faust von Johann Wolfgang von Goethe.

Goethe konnte hier auf einen alten Mythos zurück greifen, der in der Zeit der Hexenverfolgungen durchaus gern als Befragungsinstrument verwendet wurde: Den Hexensabbat, jenes Treffen, bei dem sich die Hexen mit dem Teufel treffen und ein Fest feiern. Dieses Fest soll orgiastische Züge haben, von sexuellen Ausschweifungen geprägt sein und vor allem für normalsterbliche unverständlich oder gar tödlich sein.

Tatsächlich geht die Walpurgisnacht auf ein uraltes Brauchtum zurück, das wohl einen keltischen Ursprung hat und zu welchem heute noch das Aufstellen der Maibäume gehört. Damals wurde dem Frühling gehuldigt, der ja nun schon in voller Bracht stand.

Spätere Hexenprozesse leiteten davon die Walpurgisnacht ab, dernach die Hexen Wetterzauber abhielten und damit die folgende Ernte verderben sollten. Mit anderen Worten, sie wurden als Störenfriede des 1. Mai gesehen und sollten für klimatologische Probleme dank dieses Ereignisses verantwortlich sein. Da im 16. Jahrhundert die kleine Eiszeit über Europa ausbrach, kamen freilich sofort die Hexen in den Ruf, für das schlechte Wetter verantwortlich zu sein. Eine erste „Brandwelle“ sollte folgen.

 

Landauf landab sorgten nun diese Hexen- Treffen für zahlreiche Sagen, vor allem aber die Frage, wo sich die Besenflieger treffen, blieb vordergründig. Damit verbunden, wurden „Kultorte“ gefunden, die den Bewohnern ohnehin schon lange unheimlich waren. Der bekannteste Treffpunkt ist der Brocken im Harz (auch Blocksberg genannt), aber auch im Most- und Waldviertel sind derartige Erhebungen zu Hexentreffplätzen erwählt worden. Im Mostviertel ist es klarerweise der Ötscher, im Waldviertel der Gutenberg.

Nun ist der Gutenberg grundsätzlich kein besonders bekannter Berg. Er ist zwar „weithin“ sichtbar, aber man muss schon wissen, wo sich der 855m hohe Granitkogel befindet. Hat man ihn dann erreicht, so steht man auf einer schönen Kuppe und blickt in die Landschaft….

Aber nicht nur Hexenmystiker ist der Berg ein Begriff, auch die unentwegten Hausbergfans sind des öfteren am Gutenberg zu finden, denn hier stand nachweislich eine Burg, die auch in den Quellen auftaucht.

Die Burg Gutenberg gehörte zu einem Burgenring, der um die Kuenringerfeste Rappottenstein angelegt wurde. Die Gutenberger Burg war also eine Kuenringergründung. Zu diesem „Ring“ wiederum gehörten  auch Arbesbach und Burgleiten. Während Arbesbach heute als „Stockzahn des Waldviertels“ einen guten Ruf genießt, wurden Burgleiten und Gutenberg erst vor einigen Jahren touristisch entdeckt.

 

Zurück zur Burg Gutenberg, die 1171 erstmals urkundlich erwähnt wird, als ein „Gozwin von Gutenberg“ in einer Zwettler Urkunde im Kuenringergefolge auftaucht (zur Urkunde geht’s hier: http://monasterium.net/mom/AT-StiAZ/Urkunden/1171_VII-XII.1/charter). Der Name Gozwin taucht übrigens zu dieser Zeit nur ein weiteres Mal in den quellen auf, nämlich 1175, als Gozwin von Rosenberg genannt wird. War es gar derselbe Gozwin? Das erscheint eher unglaubwürdig, denn der Rosenberger war Gefolgsmann der Grafen von Poigen- Hohenburg und nicht der Kuenringer. Immerhin wird aber heuer (2017) auf der Rosenburg mit einem gehörigen Mittelalterfest der Walpurgisnacht besonders gedacht. So schließt sich der Kreis 😉

Dass die Kuenringer für ihre „Böshaftigkeit“ in diversen Sagen bekannt sind, ist erwiesene Tatsache. Aber hier, am Gutenberg, lassen sich keine Raubrittergeschichten finden. Viel mehr saßen hier diverse Kleinadelige, deren Aufgabe es war, das Gebiet zu roden. Vielleicht war hier schon in „älterer Zeit“, als die Schrift hierzulande noch nicht bekannt war, ein Kultplatz, der den bayrischen Siedlern nun als Burgplatz diente. 1257 wird die Burg als „castrum“ bezeichnet. Sie war also zu dieser Zeit durchaus wehrhaftig. Die Kuenringer verloren aber irgendwann das Interesse an ihr, im Spätmittelalter war die Burg bereits verfallen. Im 15. Jahrhundert wurde sie noch einmal als „Tabor“ benutzt, dann verschwand sie aus der Geschichte. Zurück blieben nur Mauerreste und eine geheimnisvolle Aura, die das Burggelände umgab.

Schon bald wurde so manches gemunkelt, man begann den Ort zu meiden, vor allem zu gewissen Zeiten, wie etwa eben in der Walpurgisnacht. So erzählte man sich, dass in solcher Nacht einmal ein Hirtenjunge auf dem Gutenberg einen Feuerschein gesehen hätte.

Neugierig näherte er sich dem Berg und sah zahlreiche Hexen, die in Tiergestalt mit einem äußerst unheimlichen Priester eine schwarze Messe abhielten. Nach Beendigung dieser begann ein großes Gelage. Zu seinem Unglück wurde der Hirte entdeckt, doch die Hexen verköstigten ihn mit noch nie da gewesenen Köstlichkeiten und brachten ihn- freilich auf einem Besen- heim. Er hatte sich einige Dinge mitgenommen, die sich daheim als stinkender Unflat heraus stellten. Dem nicht genug sollte der Hirte bald danach sterben, er hatte sein Erlebnis mit dem Leben bezahlt.

Der Gutenberg wurde zum Blocksberg des Waldviertels, auch wenn seine Klima dem rauen, windigen und durchaus nebeligen Klima des Brockens nicht nachkommt (es sei denn, man bezieht da das ganze Waldviertel mit ein).

Aber auch die Burg selbst hat im Sagenstoff einen Platz bekommen:

Dereinst ging ein Landstreicher am Gutenberg vorbei, als er ein Schluchzen vernahm. Neugierig näherte er sich (wie einst der unglückliche Hirte) der damals verfallenen Burg und gewahrte eine weinende Maid vor der Burg. Er erbarmte sich ihrer und fragte nach dem Grund.

Sie bat ihn aber um einen Gefallen, nämlich dass er zum Guttenberg gehen möge und dort in „das Loch, das der verfallene Eingang zur Burg ist, einen Rosenkranz zu werfen“. Dieser Eingang befindet sich freilich erst im dritten Burghof (andere erzählen, es wäre der dritte Keller) und er dürfe sich auf seinem Weg dorthin nicht fürchten. Wenn ihm dieses gelingt wäre sie erlöst.

Der Bettler versprach es, ging hinein, doch die Furcht überkam ihn, den die Burg war schon arg baufällig- einsturzgefährdete Gewölbe sowie heruntergefallene Mörtel und Mauerteile brachten den Landstreicher zur Umkehr, zum Leide der weinenden Frau, deren Rettung und Erlösung in weite Ferne gerückt war. Erst wenn das (damals noch bestehende) Kloster in Schönbach abkommt und wieder neu gegründet wird, dann kann sie der erste Geistliche, der in diesem Kloster geweiht wird, erlösen.

Das Kloster von Schönbach, im 17. Jahrhundert gegründet, wurde nach etwa 150. Jahren wieder aufgelöst, heute ist hier die Pfarre des Ortes. Von einer verfallenen Burg am Gutenberg ist nichts mehr zu sehen, die Anlage wird als „Hausberg“ eingestuft. Insofern würden herabstürzende Mauern bei einer Erlösung kein Problem sein. An Ruinenfans, die sich in derartige Gebäude wagen, dürfte es heute zu Tage auch nicht mangeln, zumal es zahlreiche Erkundungstouren gibt, die im Internet präsentiert werden. Bloß ob da auch Priester unterwegs wären, bleibt fraglich…

http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1958

Für Goethe Fans:

Faust 1: Die Walpurgisnacht: http://gutenberg.spiegel.de/buch/faust-eine-tragodie-3664/24

Faust 2: Klassische Walpurgisnacht: http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-tragodie-zweiter-teil-3645/22   und http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-tragodie-zweiter-teil-3645/23

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