Der Gaisruck bei Pettendorf- Ein unmotivierter Hausberg 4.0

 

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Anfahrt: S5 bis Ausfahrt Tulln, dort Richtung Göllersdorf/ Hollabrunn bis Gaisruck. Schon von weitem ist der Hügel sichtbar. In Gaisruck zunächst links, dann rechts (Richtung Pettendorf) abbiegen.

Parken: Bald nach der Abbiegung besteht rechts eine kleine Parkmöglichkeit. Etwas bergabwärts ist ein Weg, der zunächst links zur Kellergasse, dann rechts zum Burghügel.

Öffnungszeiten: Der Burghügel ist frei zugänglich.

Das Weinviertel ist ein Land der Hausberg, soviel steht fest. Im Gegensatz zum ruinenreichen Waldviertel sind hier fast keine mittelalterlichen Steinbauten erhalten, dafür jedoch gewaltige Erdkonstruktionen, die im ansonsten relativ flachen Land als eine markante Zäsur erscheinen. Das liegt vor allem an der Bodenbeschaffenheit, denn imposante und vor allem „burgfähige“ Felsen sind rar im Land zwischen Donau und Mähren. Die Hausberge des Weinviertels waren quasi ein „Ersatzprogramm“, um auch diesen Landstrich im Angriffsfalle zu verteidigen und dauerhaft zu sichern.

Alfred Komarek bezeichnet sie als “ziemlich unauffällig: oben abgeflachte Hügel, die irgendwie unmotiviert in der Gegend stehen, von hohem Gras bewachsen“, steht  außer Frage, dass, wenn es um das Thema „Hausberge“ geht, das Weinviertel sehr viel zu bieten hat. Eine dieser  “unmotivierten” Hügeln ist der Leeberg- Gaisruck zwischen Gaisruck und Pettendorf.

Die Bezeichnung „Leeberg“ findet man öfters im Weinviertel. Immer wieder sind es „unmotivierte“ Hausberge, die da in der Gegend herumstehen und meistens sind es Hügeln, die nicht unmittelbar im Mittelalter entstanden sein müssen. So auch hier.

Ja, der Leeberg ist etwas älter, so ca. 2500. Jahre hat er am Buckel (oder- besser gesagt- am Wagram). Ein Hallstattfürst soll hier irgendwann beigesetzt worden sein. Wer das war, ist nicht bekannt, denn die Personen dieser Kultur kannten die Schrift noch nicht. Somit bleibt es rätselhaft, wer hier wohl begraben wurde. Eines ist jedenfalls klar: unbedeutend war der Verstorbene nicht! So erzählt man sich heute noch landauf- landab, dass die Untertanen dieses Fürsten beim Begräbnis je eine Handvoll Erde auf den Sarg gelegt hätten, wodurch dann dieser Hügel entstanden wäre. Es war also eine hohe Motivation da, dass dieser Hügel zu Stande kam, könnte man meinen. Interessant ist allerdings, dass bei Niederhollabrunn und Großmugl zwei ähnliche „Leeberge“ zu finden sind, wobei der bei Großmugl den größten seiner Art darstellt.

Vielleicht waren es aber auch die Kelten, die sich hier verewigten. Nun, 15 vor Christus war Schluss damit, denn die Römer kamen und nahmen. Obgleich sie ihren Limes entlang der Donau zogen und somit nur südlich davon zu finden waren, gab es dennoch nördlich davon zahlreiche Kämpfe (um Ihnen eine kleine Vorstellung zu geben, soll hier auf das Making of zu Noricum II -> Überfall auf das Römerlager hingewiesen werden).

1000. Jahre später: Längst ist die Erinnerung an den Hallstatt- oder Keltenfürsten entschwunden, verschiedene Gruppen (der Terminus „Völker“ gilt heute als veraltet) sind gekommen und wieder gegangen. Langobarden, Großmährer und viele andere…

Um 1000 ist dieses Gebiet Grenzland. Bayrische Siedler leben zusammen mit Slawen. Die Stimmung ist aufgeheizt, zu viel passiert hier. Da taucht ein irischer Pilger auf. Da er nicht die geläufige Sprache spricht, ist er sofort verdächtig. Der nächste Hollunderstrauch ist gerade gut genug, um ihn auf zu knüpfen. So endet das Leben des Pilgers, der 100. Jahre später heilig gesprochen wird. Sein Name lautet Coloman, im irischen heißt das „armer Mann“.

Der Gaisruck steht noch immer völlig „unmotiviert“ in der Gegend herum. Er wehrt sich auch nicht, als mittelalterliche Ritter die Verflachung der Kuppe bestimmen. Zu Colomans Zeit ist der Gaisruck eine Grenzburg gewesen, war der Wagram dazumals die Nordostgrenze der Babenbergermark. Urkundliche Erwähnungen gibt es nicht.

Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wird Pettendorf erstmals erwähnt. Das ist relativ früh für diese Gegend. Der Edelfreie Egilolf ist gestorben und seine Witwe Hildburg übergibt verschiedene Güter in Pettendorf dem Stift Göttweig. Damit ist Göttweig Grundherr in Pettendorf, dennoch hegen recht bald auch die Passauer Bischöfe großes Interesse, sich hier fest zu setzen. Irgendwann wird der Besitz geteilt, es gibt eine Göttweiger und eine Passauer Hälfte, wobei die Passauer ritterliche Dienstleute hier einsetzten.

1108 ist Friedrich von Pettendorf genannt, ein ursprünglich bambergischer Ritter, der mit einer Stieftochter des Heiligen Leopolds verheiratet war und somit Teil des römisch- deutschen Hochadels. Obgleich nicht klar ist, welche Verbindungen es hier gibt, darf doch angenommen werden, dass der Gaisruck um 1100 bedeutend war, die Nennung einer Burg fehlt allerdings in den Dokumenten.. War er zunächst Grenzburg, so dürfte er im 11. Jahrhundert Fluchtburg gewesen sein. Im Gegensatz zu Pettendorf dürfte Gaisruck rein passauerisch gewesen sein.

Um 1190/ 1220 wird ein „Rudolfus de Gaizrukke“ genannt, es ist der einzige Hinweis auf einen Adeligen dieses Namens. Nach Pettendorf hingegen mehrere Adelige. Wie Rudolf sind es Passauer Ministeriale, die hier den Besitz verwalten. Rudolf von Gaisruck war demnach eine Ausnahmeerscheinung und zeigt auf, wie unsicher damals die Namensgebung für den Burghügel war (ein Aspekt, der sich bis heute kaum geändert hat).

1298 verkauft der „miles“ Sieghard von Pettendorf einen Teil seiner Güter zu Pettendorf an Kadold von Ebersdorf, dem auch der Göttweiger, seit 1264 landesfürstliche Teil gehörte. Sieghard, er war mit einer Margaretha verheiratet und hatte zwei Söhne, ist noch mehrmals um 1300 genannt, dann sind die Ebersdorfer endgültig Besitzer. Auch die Burg dürfte in ihre Eigentum gekommen sein. Die Pettendorfer starben entweder aus oder gingen in den Passauer Raum, immerhin verleiht der Passauer Bischof noch 1438 einem Albrecht von Pettendorf Güter. Die Burg wurde nach 1300 aufgegeben, vermutlich war sie ohnehin immer nur eine Holzburg gewesen. Bis ins 17. Jahrhundert war hier eine Kreidefeuerstation. Geblieben ist allerdings nur der Hügel.

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Und der steht noch heute. 2014 wurde er zum Kunstwerk umfunktioniert. Im Rahmen der Aktion „Kultur verbindet“ wurden auf dem Hügel Findlingsteine und eine große Pfanne in der Mitte aufgestellt, in der jedes Jahr das Sonnwendfeuer entzündet wird. Somit hat der Gaisruck eine neue Bedeutung bekommen, die dritte in seiner Geschichte nach Grabstätte und Burgplatz.

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…Und für unmotivierte Hügelbesucher gibt es eine Entspannungsbank am Fuße des Hügels…

http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/481

http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/964

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