Der Dernberg- Ein unmotivierter Hausberg 1.0

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WO: Gemeinde Nappersdorf- Kammersdorf, unweit des Dorfes Hart- Aschendorf. An der Straße Kleinstetteldorf- Nappersdorf gegenüber der Abzweigung nach Haslach  den Feldweg (von Kleinstetteldorf kommend links!) nehmen. Der erste Feldweg rechts führt unmittelbar zum Burghügel.

Parken: Seitwärts vom Feldweg (Fahrweg freihalten!)

Öffnungszeiten: Frei zugänglich.

Kontakt:  bei Herrn Franz Seidl (http://www.sanz-art.at/)

Tipp: Einmal im Jahr findet die „Geister-und-Sagenwanderung“ statt, in der Alle mit Schatzregionale Gechichten und diverse Sagengestalten von den Bewohnern der umliegenden Dörfern dargestellt werden. Jedes Jahr gibt es einen historischen Schwerpunkt (so etwa 2017 das „Fahrende Volk“) mit verschiedenen Stationen. Daneben kann man im „Lager der Dernberger“ (unweit des Burghügels)  seine „ritterliche Geschicklichkeit“ auf die Probe stellen (so etwa im Probieren von Rüstungen)… (Siehe http://www.geister-und-sagenwanderung.at/)

Das Weinviertel ist ein Land der Hausberge. Das liegt vor allem an der Bodenbeschaffenheit, denn imposante und vor allem „wehrfähige“ Felsen, auf denen man eine Burg hätte hinbauen könnte, sind rar im Land zwischen Donau und Mähren. Die Hausberge des Weinviertels waren quasi ein „Ersatzprogramm“, um auch diesen Landstrich im Angriffsfalle zu verteidigen und dauerhaft zu sichern.

Im Gegensatz zum ruinenreichen Waldviertel sind hier fast keine mittelalterlichen Steinbauten erhalten, dafür jedoch gewaltige Erdkonstruktionen, die im ansonsten relativ flachen Land als eine markante Zäsur erscheinen. Es sind teilweise Hügeln von gigantischem Ausmaß, versehen mit zwei- oder mehrfachen Wällen und tiefen Gräben, die den Eindruck vermitteln, dass gewaltige Festungen hier einmal gestanden sein müssen, wenn alleine das Erdwerk so groß ist. Alfred Komarek schreibt in seinem Weinviertelbuch: „Es gibt sehr viele, die meisten sind ziemlich unauffällig: oben abgeflachte Hügel, die irgendwie unmotiviert in der Gegend stehen, von hohem Gras bewachsen.“ Es steht damit außer Frage, dass- wenn es um das Thema „Hausberge“ geht- das Weinviertel sehr viel zu bieten hat. Eine dieser monumental- „unmotivierten“ Hügeln ist der Dernberg bei Nappersdorf.

Im Gegensatz zu den bekannten Weinviertler „Mugeln“, wie etwa Gaiselberg und Stronegg, ist der Dernberg geschichtlich ziemlich schlecht erfasst, ein Umstand, der verblüffend ist, wenn man die einstige Größe dieser Anlage bedenkt.

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Der Dernberg. Gemälde von Franz Seidl.

Zwar wird schon 1208 der Name Dernberg urkundlich genannt, erwähnt wird allerdings nicht die Burg, sondern das Dorf Dernberg, das neben der Burg lag. Dieses Dorf schenkte anno dazumals Hademar II. von Kuenring, offensichtlich bis dahin Burg- und Dorfherr, dem Stift Zwettl. Eigentlich könnte man damit die Burg als untergegangen bezeichnen. Ohne Dorf keine Burg, aber ohne Burg ein Dorf. Ist damit dieses Kapitel jetzt schon fertig?, wird der unmotivierte Leser fragen.

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Dorf und Burg Dernberg. (© by Seidl)

Zu dessen Unfreude muss ich verneinen. Hier winkt die Quellenlage mit einem ziemlich stichfesten Beweis in der Hand dem motivierten Forscher entgegen.

Juhuuu, ich hab da noch was, aus dem Jahr 1285!!!! Tatsächlich scheint da ein Witig von Dernberg  urkundlich auf, unter großteils mährischen Adeligen, daher dürfte auch er- worauf auch sein Name hindeuten würde- aus dem mährischen Gebiet kommen. Ein Tscheche auf Dernberg? „Bittarschen!“ Warum nicht! Immerhin war ja in Österreich kurz zuvor die Herrschaft des Böhmenkönigs Ottokar Premysls durch die der Habsburger „ersetzt“ worden. Erinnern sie sich noch auf Dürnkrut- Jedenspeigen, anno 1278? Ja genau, da fiel der Böhmenkönig! Witig von Dernberg dürfte zu den „Restbeständen“ der ehemaligen Böhmer hier gehören, ein Überbleibsel quasi. 1290 wird Witig noch einmal genannt, dieses Mal in einer Urkunde Leutolds von Kuenring, was wiederum die Zugehörigkeit Dernbergs zu den Kuenringern bestätigen würde. Dann schweigen die Urkunden. Falls der unmotivierte Leser noch immer liest, nein, auch jetzt bin ich noch nicht fertig:

1311 ist ein bemerkenswerter Eintrag im Zwettler Stiftungsbuch (Bärenhaut) zu finden (keine Urkunde!), worin alle Besitztümer erfasst sind. Hier ist neben dem Dorf Dernberg, das Hademar II. gestiftet hatte, auch von einem Hügel (monte) die Rede, der als Burgstall erwähnt wird, was auf eine Verödung der Burg hinweist. Demnach dürfte die Burg Dernberg zwischen 1290 und 1311 öd gefallen sein. Da Witig von Dernberg 1290 sich im Gefolge Leutolds von Kuenring befand, wäre es durchaus vorstellbar, dass die Burg im Zuge der Erhebung Leutolds gegen die Habsburger, 1296, zerstört wurde- für diese These fehlen jedoch die Belege. Schade, Schade…

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Der Dernberg ist zu jeder Jahreszeit sehenswert…

Einmal muss ich aber das Rad der Geschichte nochmals zurückdrehen, nur so interessenshalber: 1208 muss sie ja bereits bestanden haben und dürfte im Besitz der Kuenringer gewesen sein. Wie alt war sie damals? Gibt es nicht vielleicht doch irgendeinen Beleg? Hier ist vor allem das benachbarte Nappersdorf interessant, dessen Pfarre bereits um 1130 an das Stift Göttweig ging. Ohne Pfarre eine Burg, ohne Burg eine Pfarre, so könnte man hier sagen. Aber da gibt es nun ein kleines Problem, das informa zweier Ritter auftritt, die sich im 12. Jahrhundert nach Nappersdorf nennen:

Um 1180 widmete der als „Edelmann“ bezeichnete Gerung von Nappersdorf dem Stift Göttweig einen Weingarten. Dieser Gerung dürfte also durchaus bedeutend gewesen sein. Kein armer Schlucker sozuagen. In einem undatierten Vermerk (der jedoch ins 12. Jahrhundert zu datieren ist) des Stiftes Klosterneuburg wird ein Heinrich von Nappersdorf als Zeuge für den Eintritt eines Herren Gerung (!) in das Kloster genannt. Vielleicht war es der gleiche Gerung und Heinrich sein Verwandter. Gerung von Nappersdorf, Weinherr und Klosterbruder… Wo aber stand nun diese Burg Nappersdorf, wenn das dem Stift Göttweig gehörte? Zumal der Dernberg ja quasi „unmotiviert“ um die Ecke steht…

Leider hat sich noch ein Quelle aufgetan, die im Jahre 1285 die Nappersdorfer als kuenringische Gefolgsleute erwähnt. Wieder tauchen die Namen „Gerung“ und „Heinrich“ auf. Damit ist der Spagat perfekt. Er wird erst in Zukunft zu lösen sein…

Der Dernberg ist damit auch weiterhin ein historisches Mysterium. Wie kann es sein, dass eine derart gewaltig wirkende Burg so selten in Urkunden vorkommt und demnach eher unbedeutend gewesen sein muss? Diese Frage wird auch weiterhin die Forschung beschäftigen. Vielleicht ist eines Tages klar, welche Bedeutung der Dernberg wirklich hatte. Man kann es nur hoffen.

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Link.:  http://www.geister-und-sagenwanderung.at/

http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/651

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