Der böhmische Steinkreis

Wo?: am nördlichen Rand des Ortes Holašovice – westlich von Budweis ( 48°57’57.5″N 14°16’31.2″E )

Parken: direkt vor dem Steinkreis oder am Parkplatz im Ort + 10 Minuten Fußweg

Warum bitte baut man einen so großen Steinkreis auf einer Wiese in der böhmischen Pampa, da ist doch weit und breit nichts, nur das Dorf?

Da grinst Janek, einer der „Steinsetzer“, dreht sich genüsslich eine Zigarette und meint: „Bei der Umgestaltung des Dorfplatzes stießen wird 2003 im Boden vor dem Gemeindeamt auf einen seltsamen Stein. Wir wussten nicht recht was wird damit machen sollten….dort wo er war, konnte er nicht bleiben. Zerstören wollte ihn auch niemand, und eigentlich hatte niemand Zeit sich großartig Gedanken zu machen, also stand der Stein erst mal herum. Schließlich brachten wir ihn zu einer nahe gelegenen Firma, aber immer wieder musste ich an den seltsamen Stein denken. Und als ich mit meinen Nachbarn über den Stein sprach wurde die Idee eines Steinkreises geboren, mit diesen mir schon recht „lieb gewordenen“ Stein als Zentrum.“

Es sollten noch 5 Jahre vergehen bis ein Verein gegründet wurde. Mit tatkräftiger Unterstützung der Familie Jílek wurden zunächst ein Grundstück gekauft, und Janek: „…wenn, dann wollten wir das alles richtig, und groß machen.“ Dipl. Ing. Kozâk kam zum Verein, andere Steine wurden gefunden und mit einem logistischen Kraftakt in Position gebracht. Wobei „in Position gebracht“….eine völlig unzureichende Umschreibung für eine gewaltige Stein.- und Erdbewegung ist, die nicht nur nach bautechnischen, statischen Methoden erfolgt, sondern vor allem nach sehr sehr alten Prinzipien…..es sollte ja alles „…richtig gemacht werden.“

Und da kein Steinkreis nur ein Steinkreis ist, und nie alleine in der Gegend steht…begann man auch das umliegende Gebiet zu gestalten. 2009 wurde ein kleiner See angelegt und mit 4 Steinen versehen, die ihrerseits wieder verschiedene „Funktionen“ erfüllen. 2011 wurde ein gigantischer Dolmen aufgestellt. Und natürlich der Menhir, der im hinteren Teil der Anlage steht, dazu möchte ich nur sagen….wenn sie dort sind, stellen sie sich einfach vor diesen gewaltigen Stein, und sie werden sehen was ich meine. Weiters gibt es noch eine Menge anderer Steine im Areal, die jeder für sich eine eigene „Aufgabe“ haben…..so ein eine „Steinliege“ die sie unbedingt benützen sollten…Felle und Decken für Kälteempfindliche werden auf Nachfrage bereit gestellt, bzw. sind in der Holzkiste beim Infostand.

Grundsätzliches Verhalten?

Ja, es muss sein!!!

Da ich bei vorherigen Besuchen immer wieder „krasses“ Verhalten beobachten musste, kann ich es nicht lassen ein paar Zeilen dazu zu schreiben. Die meisten Leserinnen werden sich nicht angesprochen fühlen, aber:

Lassen sie ihre Mobiltelefone gleich im Auto! Nichts passenderes wenn ein Telefon klingelt während sich andere Menschen konzentrieren, und man sollte es nicht glauben, aber es interessiert einfach niemand was sie lautstark ihrem Gesprächspartner mitzuteilen haben. Generell sollten sie möglichst wenig „Metall“ mit in den Steinkreis nehmen….und sie müssen sicher nicht alle 10 Minuten auf die Uhr sehen.

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, das sie sich nicht nur im Steinkreis ruhig verhalten, sondern natürlich auch im gesamten Areal.

Mitgebrachte Speisen und Getränke bitte NICHT im Steinkreis verzehren…..ja auch das hat es schon gegeben…..der Steinkreis ist keine Jausenstation!!!

Vor dem Betreten: Beim Infostand ist ein schöner Platz um erst mal zur Ruhe zu kommen…sie können den kleine Hügel besteigen und sich erst einmal einen Überblick verschaffen….den Dolmen besuchen und einfach den Ort wirken lassen.

Betreten: Bitte den Steinkreis NUR von der vorderen Seite…ein kleiner ausgetretener Pfad führt zum Eingang. Vor dem Eingang ist ein kleiner flacher „Einlassstein“ am Boden. Dort könnten sie kurz inne halten und (in Gedanken) ihre Absicht definieren und um Einlass bitten.

Drinnen: Natürlich können sie sich frei im Kreis bewegen, aber eben den Kreis nicht zwischen den Steinen verlassen….dafür gibt es den Eingang, der zugleich Ausgang ist…..

Sie werden wahrscheinlich den Zentrumsstein „besuchen“……wenn sie wollen, könnte sie sich an der dem Eingang abgewandten Seite mit dem Rücken an den Stein lehnen…..bedenken sie aber das dies möglicherweise ein sehr „Energie geladener“ Ort ist.

Verlassen: Bitte verlassen sie den Steinkreis nur durch den Eingang….und eben NICHT an der gegenüberliegenden Seite.

Der Menhir

Wenn sie vom Steinkreis kommen und zum Menhir gehen, ist es am schönsten den Pfad zu nützen….er wurde nicht umsonst angelegt und ist Teil der kultischen Handlung…des „Weges“.

Zu Thema Menhir möchte ich nur so viel sagen, das sie es selbst heraus finden werden….

Der Teich

Ist ein schöner Ausklang mit dem Element Wasser. Brachten sie die Anordnung der Steine am Ufer…sie sind zunächst ein gelungenes Beispiel der Landschaftsgestaltung, bei näherer Betrachtung werden sie ihre multiple Funktion erkennen.

Der Ort Hollschowitz (Holašovice)

Nachdem im 18 Jahrhundert die Pest fast die gesamten Einwohner getötet hatte, wurde der Ort und die verwaisten Gehöfte mit vorwiegend deutschen Bauern besiedelt. Diese wurden ab 1944 vertrieben, und der Ort, die ganze Region fiel in den bekannten Dämmerschlaf des realen Sozialismus. Dieser Zustand wurde 1972 jäh unterbrochen, als im Ort der Film „Die verkaufte Braut“ (nach einer Oper von Friedrich Smetana) gedreht wurde. Das Ortsbild wurde zwar nicht restauriert aber zumindest „behübscht“. Der „Aufstieg“ des Ortes begann 1998, als Fassadenambiente des Dorfes zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Und ja, der Charakter des „bäuerlichen Barrocks“ das noch immer viele Ortsbilder in Böhmen prägt wurde zumindest in diesem Ort restauriert, während andere Dörfer sich selber überlassen wurden…..und man kann den Ort präsentieren und touristisch vermarkten. So findet auch der Ende Juli (?) der größte tschechische Handwerksmarkt am riesigen Dorfplatz statt.

 

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