Das Traunviertel- Ein steirisches Stück Österreich?

Das Viertel östlich der Traun ist unter den oberösterreichischen Vierteln das größte, vor allem, wenn man das heutige Mühlviertel teilt. Eine klare Sache, die noch dazu durch den westlichen Grenzfluss einem markanten Namen erhalten hat. Gibt es doch nebst der Traun selbst auch noch den Traunsee, Traunkirchen (am Traunsee) und den Traunstein (ebenfalls dort, quasi um die Ecke). Der Traunstein gehört zu den mächtigsten und markantesten Bergen des Viertels und ist derjenige, den man schon von weitem sieht und der wie eine Gottheit über das Viertel thront. Dieses Phänomen werden wir noch im Most- und Industriviertel beobachten.

Der Traunstein ist aber keineswegs der höchste Berg dieses gebirgsreichen Viertels, dessen Fläche fast zur Hälfte aus Gebirge besteht. Schon vom weitem (etwa vom Mostviertel) sieht man sie, die großen Riesen, die stumm und doch mächtig dastehen. Verschiedene sind hier zu finden, etwa das Sensengebirge mit dem Hohen Nock (1963 Meter hoch) als absolutern Höhepunkt, der Dachstein (mit fast 3.000 Metern Höhe), der Hohe Schrattl (immerhin stolze 1839 Meter hoch), der Große Höllkogel (etwa 100 Meter kleiner als der Hohe Nock) und noch viele andere. Wir sind somit im Salzkammergut, einer Gegend, die es eigentlich verdient hätte, ein eigenes Viertel zu sein. Die Traun ist dabei ein ständiger Begleiter. Sie fließt vom innersten Nukleus des Viertels, ergo Hallstatt nach Bad Ischl und Gmunden, das so malerisch am Traunsee liegt, durch welchen die Traun fließt. Ab da grenzt sie zum Hausruckviertel.

 

auf und auf nach da traun flingitzen d’stoan
und koa oanziga gassl’bua mog ma was toa

…singt Hubert von Goisern. Seine „Gassel’ Buam“ sind aber wohl die einzigen Traunviertler, die „faul“ sind. Denn hier liegt ein Teil der einstigen Eisenstraße und in Steyrermühl sowie auch nach Norden hingehend, befinden sich wichtige Industriegebiete, die dem Gebiet nebst seinen Bergen noch einen anderen Charakter vermitteln. Dazwischen liegt viel Landschaft…

Steyr war und ist überhaupt eine der bekanntesten Industrieorte der Alpenrepublik. Dort sind wir dann schon beim zweiten Grenzfluss, der Enns. Die Enns teilt Österreich, denn dank ihr gibt es ein Ober[der Enns]österreich und ein Nieder[der Enns]österreich. Wobei diese Grenzfunktion tatsächlich nur zwischen der Stadt Enns und Steyr entlang der Enns verläuft.

Die Stadt Enns wiederum ist heute quasi ein Vorort von Linz. Besonders eindrucksvoll ist der Ennser Stadtturm. Wenn man vom Mostviertel herkommend auf der Autobahn nach St. Valentin die Ebene vcor Enns erreicht, so entbiet sich dem Betrachter (und klarerweise auch der Betrachterin 😉 ) eine weite (wohlgemerkt industriell geprägte) Ebene mit Enns und dessen Stadtturm an der Spitze. Wie eine verheißungsvolle Silhouette, die uns was neues verspricht. So hat es dereinst auch schon Georg Matthäus Vischer gesehen…

Lange diskutiert und ohne klare Ergebnisse blieb die Frage, wohin Linz gehöre. Der schon erwähnte Vischer etwa sprach dieses Gebiet dem Hausruckviertel zu. Nun, da Linz westlich der Traun liegt, wäre der Fall ja wohl klar, möchte man meinen. Dagegen sprechen aber mehrere Faktoren. Zum einen rechnete Vischer auch das Mündungsgebiet der Traun bis hin zu Enns zum Hausruckviertel, womit seine Interpretation eher an zu zweifeln ist. Zum anderen ist eben dieses Mündungsgebiet heute Stadtgebiet. Daher sei hier ab Leonding auch das Gebiet westlich der Traun bis hin zum Kürnberger Wald dem Traunviertel zugerechnet.

Im politischen Kontext wurde mit der Schaffung eines „Zentralraums“ eine andere Lösung gefunden. Auf dieses wird aber hier- nicht zuletzt, darum, um diese Sache nicht noch komplizierter zu machen- verzichtet.

Kapitel 1.

Als im Traunviertel Weltgeschichte geschah.

Apropos Politik: Zweimal geriet das Traunviertel auf das dünne Eis der weltpolitischen Ebene. Einmal hat es mit Salz zu tun, das andere Mal mit Krieg. Das eine Mal, wo es erfreulicherweise um ein Genussmittel geht, müssen wir unseren Blick nach Hallstatt wenden. Dort erfolgte schon zu jener Zeit, als Cheops seine riesige Pyramide errichten ließ, ein reger Salzabbau, der Hallstatt zu einem wirtschaftlichen Zentrum machte. Aus dieser Zeit, wir sind so ca. um 600 vor Christus hat sich ein riesiges Gräberfeld erhalten, deren Bestattete teilweise mit großzügigen Grabbeigaben versehen wurden. Helme, Schmuck, Schwerter, kurz das Beste und wertvollste der Alten Welt. Seltsam nur, dass sich nichts schriftliches erhalten hat. Denn die „Hallstätter“- der Name dieses Volks ist nicht bekannt!) konnten anscheinend nicht schreiben. Auch andere „schreiblustigen“ Völker, wie etwa die Griechen, sahen von einer Erwähnung ab. Für einen Herodot war Hallstatt anscheind nicht erwähnenswert. Um 350 vor Christus, zu der Zeit, als Alexander der Große das Licht der Welt erblickte, verschwand diese Handelsmacht. Schuld daran dürfte eine Naturkatastrophe gewesen sein. Aber schon wenige Jahrhunderte später, unter den Römern, wird Hallstatt wieder bekannt und beliebt. Viele Häuser in dem kleinen Ort haben bis heute römische Fundamente. Von den „Hallstättern“ des frühen ersten Jahrtausends vor Christus haben sich neben Schmuck und Waffen auch andere, durchaus gschmackige Relikte erhalten.

Das zweite Mal ist wesentlich trauriger und führt uns einige Kilometer nach Norden, genauer gesagt nach Bad Ischl. Diesen Kurort hatten seit dem Biedermeier die Habsburger für sich entdeckt, besonders Kaiser Franz Joseph. 82. Sommer verbrachte er hier. Hier lernte er Sissy kennen und verliebte sich in sie. Ischl wurde ein Zentrum der Monarchie, quasi die Sommeresidenz des Doppelreiches, das immer morbider wurde und zum bröckeln began, BIS am 28. Juli 1914 ein durchaus mit allen Wässerchen gewaschener Herr die Kaiservilla betrat und dem damals schon kreisenhaften Kaiser eine durchaus besorgniserregende Note. Sein Name war Leopold Graf Berchtold und er war Minister des Äußeren sowie Staatsgründer von Albanien (!) und fanatischer Serbiengegner. Und dieser Berchtold brachte dem Kaiser an diesem Tag in dieser schönen Gegend die Meldung, dass Serbien Österreich- Ungarn angegriffen hätte. Franz Joseph glaubte ihm dieses und unterschrieb die ebenfalls mitgebrachte Kriegserklärung. Damit begann der Erste Weltkrieg, hier in Bad Ischl, im Traunviertel. Übrigens war diese Meldung Berchtolds eine Erfindung desgleichen, die dann sofort, als der Herr Minister wieder in Wien war, aus der Kriegserklärung entfernt wurde! Franz Joseph, zu diesem Zeitpunkt schon fast 66. Jahre im Amt, verließ bald darauf Bad Ischl und kehrte nie mehr zurück. Es sollte sein letzter Sommer im Traunviertel werden. Und viele weitere, wenngleich exorbitant jüngere Traunviertler sollten ebenfalls bald nicht mehr zurükkehren…

Nicht nur für die Welt-, auch für die österreichische Geschichte sind diese beiden Ereignisse von besonderer Bedeutung. Sie sind aber nicht die einzigen, mit denen das Traunviertel verbunden wird. Selbst im Namen eines Bundeslandes, das an das Traunviertel grenzt, verbirgt sich ein Stück Traunviertel. Und das kann man nur mittels Geschichte erklären.

Kapitel 2.

Von Steyr und der Steiermark.

Schloss Lamberg in Steyr. Hier stand einst die Styraburg.

Die Rede ist von der………………Steiermark. Jawohl und Sie bauchen wohl nicht lange überlegen, welcher Wortteil seinen Ursprung im Traunviertel hat. Richtig, es ist das „Steier“, das sich von der heutigen Stadt „Steyr“ herleitet. Nun mag die Schreibweise etwas anders sein, aber das ist grundsätzlich ganz normal, denn in früherer Zeit schrieb man meist, wie man es hörte. Das braucht uns also nicht weiter beschäftigen. Wesentlich auffälliger und bemerkenswerter ist aber die Tatsache, dass zwischen Steyr und der Steiermark ca. 40. Kilometer liegen. Was also hat es auf sich mit dieser geografisch- historischen Eigenheit?

Zu diesem Zweck machen wir eine kleine Zeitreise ins 11. Jahrhundert. Wir betreten das Traunviertel von Westen, wobei wir eigentlich noch westlich der Traun sind. Hier hatten die GRafen von Wels- Lambach ihre Residenzen. Ihnen gehörte auch das Traunviertel, welches damals noch den altertümlichen Namen „Traungau“ trug. Diese Wels- Lambacher waren ziemlich wilde Kerle, besonders Graf Gottfried, der 1042 die Ungarn bei Pitten schlug und sich dann dort eine Grafschaft verschaffte. Doch Gottfried, ein gewiss rauher und nicht überall beliebter Geselle, verschaffte sich und seiner Dynastie viele Feinde. Und diese statteten den Wels- Lambachern zu Weihnachten 1049 einen blutigen Besuch ab. Gottfried, sein Bruder und andere Familienmitglieder starben da durch das Schwert, einzig Gottfrieds Vater Arnold und sein Bruder Adalbero, seines Zeichens Bischof von Würzburg überlebten und gründeten auf ihrer Burg ein Kloster, das heute noch besteht. Es ist das Stift Lambach.

Nach Arnolds Tod 1056 erbten nun die nächsten Verwandten den Besitz. Und das waren die so genannten Otakare, nunmehr auch Traungauer genannt. Diese Traungauer erbten von den wels- Lambachern eben den Traungau sowie eine Mark an der mittleren Mur, die formal dem Herzog von Kärnten unterstellt war.PD_12_File_001

Nun residierten diese Otakare am Liebsten auf ihrer Burg in…..ja, richtig, in Steyr. Von dort aus verwalteten sie ihre Gebiete. Bis nach Enns ging ihr Besitz. In den nächsten 150. Jahren konnten sich die Otakare immer mehr im Enns- und Murtal durchsetzen, indem sie einige andere bedeutende Dynastien beerbten. Um 1180, als sie in den Herzogsstand erhoben wurden,  hatten die Otakare ein Gebiet von Enns bis Marburg, dem heutigen Maribor in Slowenien. Doch den Otakaren war ihre Burg in Steyr noch immer am liebsten und so nannten sie sich „de Styria“. Die Bezeichnung blieb, auch als die Babenberger 1192 die Otakare beerbten. Der Länderkomplex „Styria“ umfasste nebst der heutigen Steiermark die Untersteiermark in Slowenien, die Pittener Mark (die ja auch eine Gründung von Gottfried von Wels- Lambach war) sowie den Traungau. Ein großes Stück Land also, das den Babenbergern da zugefallen war. Doch so groß war dieses Gebietes war nur  kurz. Denn 1254, acht Jahre nach dem Tod des letzten Babenbergers, entschieden sich die Steirer, dass der König von Ungarn ihr neuer Landesherr sein soll. Alle?? Nein, die Ritter des Traungaus und der Pittener Mark waren dagegen und kamen damit zu Österreich, wo Ottokar Přemysl von Böhmen herrschte. In Ofen, der Hauptstadt Ungarns (heute Buda) wurde Frieden geschlossen, hier fiel erstmals auch die Bezeichnung „Austria superioris“ (Ober- Österreich). Damit schließt sich der Kreis. Seitdem muss die Steiermark ohne ihren Namensgeber auskommen.

Wo 1186 angeblich die Handfeste geschlossen wurde: Der Georgenberg bei Enns.

Heute sind Oberösterreich und die Steiermark zwei selbstständige Bundesländer, Steyr eine Bezirkshauptstadt und Graz die Hauptstadt der Steiermark. Der Traungau ist heute das Traunviertel und Wels- Lambach heute im Hausruckviertel. Das Salzkammergut ist das Salzkammergut und Hallstatt ein UNESCO- Weltkulturerbe, das von China detailgetreu in der Stadt Boluo nachgebaut wurde. (Nur die katholische Kirche ist in Cinas Kopie nicht zu finden.) So wird Hallstatt zum zweiten Mal weltberühmt. Doch das ist eine andere Geschichte…

Finis.

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Eine Steyr- Impression von Gratia von Schala, 2016.

 

Empfehlenswerte Literatur:

Gabriele Huber (Hg.), Sagenhaftes Steyr-, Enns- und Kremstal

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