Das Schwarzviertel- Ein vergessenes Viertel?

Nach zahlreichen Rückfragen und einer durchaus erfreulichen Erwähnung bei den „Freistädter Memes“ (Dieser Moment: Wenn auf amoi Freistadt nimma ins Mühlviertel ghert!?) zum Schwarzviertel, gilt es nun doch, etwas Licht in diese Sache bringen.

Wir haben es hier also mit einem „vergessenen Viertel“ zu tun, einer Region, die ihnen aber durchaus bekannt sein sollte. Wenn ich ehrlich sein darf, habe ich Angst, dass Sie nun nicht weiter lesen wollen oder gar böse sind, wenn ich Ihnen sage, dass es sich dabei um…………..(bitte bitte weiterlesen!) das………….(soll ich es wirklich schreiben?)…Untere Mühlviertel handelt.

So, jetzt wissen Sie es endlich, wo dieses Schwarzviertel ist oder besser gesagt, war. Denn es wurde 1779 durch das Innviertel abgelöst und mit dem eigentlichen Mühlviertel verbunden. Nichts desto trotz ist das Schwarzviertel eine Gegend, die sich geschichtlich vom heutigen Oberen Mühlviertel durchaus trennt. Das kann man schon am Namen erkennen:

Kapitel 1.

Von Machland und Riedmark.

Vom Buckelwehstein aus, auf welchem einst eine Wehranlage stand, blickten schon die Machländer in die Täler…

In vielen historischen Ansichten wird man den Namen „Machlandviertel“ lesen. Der Name „Machland“ ist ja durchaus bekannt und beschreibt heute eine (flache) Region zwischen Mauthausen und Grein. Im Mittelalter waren hier die Herren von Machland die Burgherren, deren Territorium aber weiter nach Norden ging, wo sie das damals noch großteils urwald- ähnliche Gebiet rodeten und urbar machten. An diese Zeit erinnern einige Namen, wie etwa „Ruttenstein“ (von roden) oder „Prandegg“ (von brandroden). Ihre „Residenzen“ (Hauptburgen klingt da eventuell besser) befanden sich am Blasenstein, auf zwei Granithügeln, die noch heute neben der bemerkenswerten Wallfahrtskirche erklommen werden können, und auf Mitterberg bei Perg.

Um 1150 starben nun diese Herren von Machland aus, ihr Gebiet ging an die Grafen von Velburg. Die alte Residenz der Grafen auf zwei am Blasenstein wurde zu Gunsten einer neuen Burg weiter östlich aufgegeben, die den Namen „Klingenberg“ erhielt. Daneben wurde nun die Burg Clam zu einem wichtigen Zentrum der auch weiterhin vorangetriebenen Rodungstätigkeit.

Sowohl den Herren von Machland als auch ihren Erben erschien die Gefolgschaft bei den Babenbergern durchwegs lukrativer als bei irgendwem anderen, weswegen sie schon im frühen 12. Jahrhundert in der Nähe der österreichischen Markgrafen und (ab 1156) Herzöge zu finden sind. Auch eheliche Verbindungen sind geschlossen worden, so stammte die erste Gemahlin Markgraf Leopolds III. aus dieser Dynastie. Der bedeutendste Machländer war allerdings Otto, der 1142 das Kloster Baumgartenberg und 1149 auf seiner Burg Säbnich (einer weiteren Residenz, deren korrekte Lokalität erst vor einigen Jahren festgestellt wurde!) ein weiteres Kloster gründete. Doch die Burg war den Patres nicht genehm und so zogen sie (vielleicht auch aus Rodungszwecken) weiter nördlich, wo sie das Kloster Waldhausen (also auch Rodung!) gründeten. Bäume und Wälder deuten auch hier auf die Rodung hin.

Als 1217 der letzte Graf von Velburg am Fünften Kreuzzug sein Leben aushauchte, kaufte Herzog Leopold VI. das Machland. Im Zuge der Verkaufsurkunde wird erstmals auch der Bestand dieses Gebietes genannt. Erhalten hat sich von den Machländern das Wappen. Es ist das heutige oberösterreichische Landeswappen.

Das Machland ist aber nicht der einzige Teil des Schwarzviertels. Und auch nicht der größere. Denn da gibt es auch noch die Riedmark. Damit kommen wir zu einem Gebiet, über das auch schon sehr viel nachgedacht wurde. Zunächst meinten einige, dass das Machland und die Riedmark ein und dasselbe historische Territorium waren. Das ist aber sehr fragwürdig.

Schon 1115 ist bekannt, dass das Territorium im Einfluss der Babenberger stand. Damals befreite Markgraf Leopold III. von Österreich die in der Riedmark gelegenen Besitzungen des Klosters St. Florian von ihm zu entrichtenden Abgaben. Demnach dürfte das Gebiet schon unter dem Einfluss des Babenbergers gestanden sein. Die Frage ist nun, was die Riedmark überhaupt war!

Zu diesem Zweck sehen wir uns Mal an, wo dieses Gebiet überhaupt liegt. Dabei will ich jetzt nicht die Definition bei wikipedia verwenden, sondern eher darauf hinweisen, dass Grenzen im Hochmittelalter eher vage waren und durch Grenzräume ersetzt wurden. Grenzräume wurden allerdings im Mittelalter „Marken“ genannt, die berühmteste davon ist die bayrische „Ostmark“, aus dem sich Österreich bildete. Im Falle der Riedmark dürfte die Sache anders gewesen sein. Hier gab es einen Ausgangspunkt, nämlich Ried (heute Ried in der Riedmark genannt), von dem aus nach Norden gerodet und kolonisiert wurde. Ried wird bereits 823 urkundlich genannt und schon damals bestand hier eine Pfarre des Bistums Passau. Von Ried aus erfolgte die Kolonisation in alle Richtungen. Eine besondere Bedeutung dürften im Osten die Flüsse Aist und Naaren gehabt haben. Die Aist galt dann auch als Grenze zum Machland, während nach Westen hin der Haselgraben und die Rodel die Grenze zu „Passauer Interessen“ bildeten.

Kapitel 2.

Von einer geteilten Burg, gemütlichen Burgen und einem unermüdlichen Burgenforscher.

Ruine Prandegg. Einst eine geteilte Burg.

Da hinter diesen beiden Grenzverläufen die Interessenssphären „anderer“ Herrschaften lag, ging man weiter nach Norden. Aber auch hier gab es schon bald andere Interessenten, wie etwa das Bistum Regensburg. Dieses hatte bereits 853 Gebiete zwischen Aist und Naarn erhalten. Erst 400. Jahre später finden wir ein Regensburger Lehen wieder in diesem Gebiet. Es ist die Burg Prandegg.

Prandegg ist hinsichtlich seiner Geschichte verwirrend, denn diese Burg hatte zwei Lehensherren. Die Herrschaft gehörte zur Hälfte dem Bistum Regensburg, das sie seinem Ministerialen Pranter als Lehen überlassen hatte, die andere Hälfte war ein landesfürstliches Lehen. 1298 hatte Prandegg bereits drei Herren (Ulrich von Kapellen und Haug von Reichenstein teilten sich das regensburgische Lehen während Wernhard von Rußbach die landesfürstliche Hälfte besaß)! Dieses durchaus verwirrende Hin- und Her- Lehensnehmen wurde erst im 16. Jahrhundert durch die Jörger beseitigt.

Die Rodung ging immer mehr nach Norden, wo dann 1363 mit Freistadt erstmals eine planmäßige Stadtgründung stattfand. Damit war quasi die Rodung vorerst mal abgeschlossen und man konnte sich auch auf andere Dinge konzentrieren. Dass die Schwarviertler Burgherren bald Kultur und so manchen Luxus hier her brachten, zeigt etwa der Kefermarkter Altar. Aber auch die im Spätmittelalter errichteten Burgen Chrenegg, Dornach  und Kronast sind nur bedingt zu militärischen Zwecken errichtet worden. Die Hussiten machten in den 1420ern diese Anlagen aber schnell zu Ruinen.

Verfallen waren damals aber auch schon die zahlreichen kleineren Anlagen, die zunächst von den zuständigen Ministerialen errichtet worden waren. Und viele gerieten auch bald in Vergessenheit und wären heute auch beinahe vergessen, hätten nicht einpaar Scherben das Interesse eines motivierten Laien gefunden. Alfred Höllhuber, 1919 geboren, wuchs auf Burg Reichenstein auf und fand bei eben dieser Scherben, die ihn bald zu diversen anderen Burgställen führte. Höllhuber wurde fündig. Dank ihm sind diverse andere Burgplätze (in der Fachsprache „Burgställe“) wie Buchberg, Herzogreith, Strafenberg oder Turnertobel bekannt und erforscht. Seine letzte Forschungstätigkeit betraf einen Burgstall vor seinem eigenen Haus in Reichenstein, am Hofberg. 2008 starb Höllhuber, sein Museum auf Reichenstein wurde 2013 zum „Oberösterreichischen Burgenmuseum“ umfunktioniert.

Kapitel 3.

Von einem Bauernschinder und einer Geschichte über die Vergänglichkeit.

Die Burg Reichenstein wirkt heute noch düster…

Bleiben wir aber noch in Reichenstein und kehren wir zu den „representativen Zwecken“ zurück. Dass diese „Zwecke“ mit Ausbeutung zusammenhängen, ist ja wohl nicht weiter zu erklären. Und so hören und lesen wir landauf- landab von diversen Bauernschindern, die ihr Unwesen auf dem Rücken ihrer Untertanen trieben und oftmals dann bis über den Tod hinaus verflucht wurden. Auf Reichenstein nun haben wir das tragische Glück, dass wir über genug Quellen verfügen. Wir sehen aber auch das bauliche Ergebnis, das aus den aufgebrachten finanziellen Mitteln entstand. Und wir sehen in der Burgkapelle das überlebensgroße Epitaph des Bauernschinders. Toll, oder?

Nirgendwo anders kann man einen Bauernschinder so nahe kommen, wie in Reichenstein, könnte man meinen. Doch genug der schmeichelnden Worte, kommen wir zur Person des Schinders selbst. Sein Name war Christoph Haym. 1567 kaufte er die Burg Reichenstein und begann, die mittelalterliche Anlage im Stile der Renaissance aus zu bauen. Die Untertanen mussten dafür erhöhte Abgaben leisten. Das führte schnell zu großen Unmut, der von Haym wohl vorerst nicht beachtet wurde. Das führte klarerweise zur Eskalation. Und so belagerte 1569 eine Schar Bauern unter der Führung Siegmund Gaisruckers die Burg. Zu einer Eroberung kam es nicht, dafür aber zur Brandschatzung von zwei Maierhöfen der Burg. Am 21. Mai 1569 schloss Haym dennoch einen Vertrag mit den Bauern, wonach der Robot nach Landesgebrauch zu leisten sei. Die Aufständischen sollten aber keine Zusammenkünfte mehr abhalten. Und dieses Verbot führte erneut zu einem Aufstand, der dem Haym 1571 das Leben kostete. Er wurde aus dem Hinterhalt von Gaisrucker erschossen.

Der Aufstand soll aber danach noch weiter gegangen sein, zumal auch an Reichenstein weiter gebaut wurde. Von der einstigen Renaissanceanlage ist heute nur mehr ein Torso übrig, aber immerhin ein Torso.

Nichts mehr erhalten hat sich vom einst so prächtigen Schloss Windhaag bei Perg, dessen Geschichte den letzten Teil der Schwarzviertel- Erzählung markieren soll. Wer heute nach Windhaag kommt, wird zwar eine Ruine erblicken, das ist aber die Burgruine, von einem großartigen Schloss, wie es in diversen Beschreibungen Erwähnung fand, ist keine Spur mehr zu finden. Oder nur ganz wenige. Was also hat es auf Sich mit diesem Schloss?

Windhaag bei Perg ist ein Beispiel für die barocke Vergänglichkeit, einem Sinnbild dieser Zeit.

Was ist die Welt und ihr berühmtes Glänzen?
Was ist die Welt und ihre ganze Pracht?
Ein schnöder Schein in kurzgefaßten Grenzen,
Ein schneller Blitz bei schwarzgewölkter Nacht,

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Ein letzter Rest von Windhaags Pracht…

schrieb etwa der Barockdichter Hofmannswaldau und diese Frage sollte man sich auch im Bezug zu Windhaag stellen. Deren Burg, 1287 erstmals urkundlich genannt und heute eben durch einige Reste vertreten, wurde 1636 von Joachim Enzmiller gekauft. Enzmiller war ein schwäbischer Bürger, der sich in der Gegenreformation durch Beamtenschläue und seiner Loyalität bis hin zum Reichsfreiherrenstand „hinaufarbeitete“. Dem nicht genug, konnte er mit dem Geld aus konfiszierten Protestanten- Güter sich neben der Burg Windhaag ein wunderschönes Schloss erbauen. Dem Schloss war ein Garten hinzugefügt. Durch eine zeitgenössische Beschreibung, die im Auftrag Enzmillers geschah, wissen wir, wie prächtig dieses Schloss gewesen sein muss: Eine Bibliothek mit 16.000 Bänden, die in drei große Säle gegliedert war. Eine Gemäldegalerie, die drei Stockwerke in Anspruch nahm sowie ein Österreich- und ein Römersaal. Die meisten Säle waren mit großartigen Stuckdecken und Gemälden ausgestattet, ein Luxus, der an große Stifte wie Melk oder Kremsmünster, erinnern lässt.

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Ein letzter Rest…

1673 war Schloss Windhaag fertig. 1678 starb Enzmiller. Er hatte aber nur eine Tochter, die den geistlichen Stand gewählt hatte und unvorzüglich im schönen Barockgarten ein Kloster gründete. Zu dessen Bau wurde 1681 der Schlossbau fast vollständig abgerissen und verschwand damit wieder aus der Geschichte. Acht Jahre hatte dieses Prachtschloss bestanden, eine unglaubliche Vergeudung diverser Ressourcen. Schade um dieses schöne Schloss!

Doch auch der Tochter, Eva Magdalena, und ihrem Kloster sollte ein ähnliches Schicksal ereilen. 1700 starb sie, 1701 zerstörte ein Blitzschlag das ganze Kloster1 War es vielleicht doch göttlicher Zorn, den sie auf sich aufgeladen hatte? 1782 hob Kaiser Joseph II. dann auch dieses Kloster auf. Heute sieht man noch die barocke Kirche mit ihrem interessanten Turm. Die Kirche steht auf einem Hügel, die Burgruine östlich davon im Graben. So seltsam kann es zugehen…

Finis.

Empfehlenswerte Literatur

Heimat- und Kulturverein Pregarten, Schlösser, Burgen, Ansitze  In der Nähe der Aist

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