Das Nordburgenland- Ein ungarisches Stück Österreich?

Wir überqueren die Leitha.

Mi átkelünk a Lajtán.

Damit sind wir in einem neuen Bundesland, in dem es grundsätzlich keine Viertel gibt, denn die Geschichte dieses Landstreifens ist beachtlich jung. Quasi zu jung für unsere Viertelreihe, denn erst das 20. Jahrhundert hat dieses Gebiet „geschaffen“, davor gehörte es zu einem viel größeren Komplex, der sich- eine Ironie aus der Feder dessen, der dieses neue Land schuf- im Namen des Bundeslandes widerspiegelt.

Wir sind im Burgenland.

Noch einmal wollen wir es aber wissen und betreten daher ganz ohne Hintergedanken dieses schöne Stück Land.

Vom Westen, dem Wiener Becken, das sich hier- von Ebreichsdorf kommend- als etwas düsteres Grenzland erweist, über das der mächtige Schneeberg wie ein Gott thront, kann man ebenso dieses Stück Land erreichen, wie von Norden, wo das Glitzern des Neusiedler Sees diesem Gebiet- wir sind fast geneigt, es Seenviertel zu nennen- eine ganz eigene Aura verschafft.

Diese Aura ist aber nur ein Teil, der östliche. Der zweite, westliche Teil des Nordburgenlandes- so wird dieses Gebiet etwas flapsig genannt- präsentiert sich als Ebene zwischen zwei Bergketten, dem Leithagebirge im Norden und dem Rosaliengebirge im Süden. Während am Fuße von ersterem die freundliche und schöne Landeshauptstadt Eisenstadt liegt, thront am Rosaliengebirge (von den Einheimischen als „Sala- Heh“ bezeichnet) die düstere Burg Forchtenstein, die einzige Burg des Nordburgenlandes und bekannteste Burg des Burgenlandes. Dazwischen liegt eine Gegend mit Kirchturmspitzen aus Stein, wenig Hügeln, Dorftürmen, viel Geschichte, einem eigenen Dialekt und einer Aura, die es wert ist, hier näher betrachtet zu werden.

Kapitel 1.

Von der jungen Identität.

Doch bevor wir uns mit diesem Landstrich beschäftigen, müssen wir zunächst doch die eigentlichen, recht jungen Beweggründe zur Entstehung dieses Gebietes ansehen.

Wir müssen dabei zunächst eines wissen, nämlich, dass wir beim Überqueren der Leitha das einstige Österreich, Cisleithanien, ja sogar das Heilige Römische Reich offiziell verlassen haben und nun ein ehemaliges Nachbargebiet betreten, nämlich das ehemalige Königreich Ungarn, dessen Geschichte aber dank der geografischen Nähe und den Habsburgern engst mit der österreichischen verbunden ist.

Nun herrschten diese Habsburger 640. Jahre in Österreich. In Ungarn waren es 392. Jahre, ehe im November 1918 diese K&K.- Monarchie nach einem äußerst blutigen Krieg mit eineinhalb Millionen Toten, einer schweren Hungersnot und einer ungewissen Zukunft, besiegt von einem Großteil der europäischen Mächte, ja selbst vom Partner Deutschland gedemütigt, die politische Bühne zusammenbrechend verließ, um seinen Territorien einen Neuanfang á la Phönix zu ermöglichen.

Zu dieser Zeit, als Mars also seine Schwerter langsam fallen ließ, entstanden in Mitteleuropa zahlreiche „Gebilde“, die man als Republiken definierte.

Eine dieser Republiken wurde am 22. November 1918 in Mattersburg ausgerufen. Ihr Name- Heinzenland- leitete sich vom Dialektwort „Heanzen“ oder „Hoanzln“ ab, jener deutschsprachigen Bevölkerung Westungarns, die nun eigene Wege gehen wollte, bestenfalls mit der damals zehn Tage alten Republik Deutschösterreich, die wiederum sich als Teil Deutschlands sah.

Mit anderen Worten, das Heinzenland ging eigene Wege, die von Budapest nicht toleriert wurden. Man schlug diese Republik nach einem Tag mit dem Militär nieder. Die Siegermächte aber tolerierten den Wunsch, um nicht zuletzt die katastrophale Versorgungslage in Wien zu verbessern. Ungarn, das ja auch als Verlierermacht galt, wehrte sich und als im Spätsommer 1921 österreichische Polizeiverbände das Gebiet besetzen wollten, stellten sich ihnen ungarische Freischärler- militärisch organisierte Freiwilligenkorps aus Ungarn- entgegen. Es kam zur Schlacht, da diese Freischärler in Österreich einrückten.

Um diese Eskalation weiter zu verhindern, wurde ein Kompromiss beschlossen, der die eigentliche Hauptstadt dieses neuen Landes- Ödenburg- zu einem Abstimmungsgebiet machte.

Zwischenzeitlich hatten auch diese Freischärler, unzufrieden mit dem Kompromiss, eine Republik namens Lajtabánság ausgerufen, aber auch dieses Gebilde hielt nur kurz, wie einst das Heinzenland.

Ödenburg ging aber dieser Abstimmung an Ungarn verloren, mit ihr auch die umliegenden Gemeinden, die eigentlich zu Österreich gehören wollten, das Land stand ohne Hauptstadt dar.

Auch am Namen dieses neuen Bundeslandes war noch zu feilschen. Da die Gebiete in den Komitaten Pressburg, Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg lag, nahm man das gleiche Suffix und machte ein „Vierburgenland“ daraus, da aber keine dieser „Burgen“- ein merkenswerter Umstand- zu Österreich kam, wurde daraus die Bezeichnung „Burgenland“.

Soweit so gut.

Warum also füge ich diesen Landstrich bei den Vierteln hinzu? Diese mehr als berechtigte Frage hat einen Grund, der eigentlich die vorherige Entscheidung, nämlich dass dieses Gebiet erst seit 1921 zu Österreich gehört, empfindlich hinterfragt.

Diese Vorgehensweise habe ich ja schon bei einem Viertel getätigt. Erinnern Sie sich noch?

Ja genau, es war das Innviertel, das bis 1779 zu Bayern gehörte. Ob nun 1779 oder 1921, beide Landstriche haben schon viel länger eine österreich- bezogene Geschichte, die ihre Ursprünge im 13. Jahrhundert haben und zwar ausgerechnet bei- ob Ironie oder nicht- Friedrich dem Streitbaren. Doch alles der Reihe nach…

 

Kapitel 2.

Von einem Multikultiland im Hochmittelalter.

Beginnen wir noch einmal dort, wo wir auch beim Industrieviertel begonnen haben, nämlich bei der Festlegung, dass die Leitha die Grenze zwischen Österreich, damals noch eine junge Mark (seit 976 in der Hand der Babenberger) und Ungarn, einem noch jüngeren Königreich (seit 1000 bestehend), bildet. Das war 1043 und Ungarn befand sich damals in einer Krise, die noch ein Jahrzehnt für militärische Expansionen seitens der Babenberger und des römischen Kaisers, Heinrich III. führen sollte. Dann aber war Ruhe. Vorerst zumindest

In Ungarn begann man nun, ein ausgeflügeltes Grenzsystem zu errichten. Dieses System, im ungarischen „Gyepű“ genannt, war ein System aus Erdwällen und Palisaden, die linienartig einige Kilometer hinter der Grenze gezogen wurden. Zwischen den Palisaden gab es einige befestigte Plätze, die als Steinburgen für die Namensgebung ihrer selbst bedeutend werden sollten: Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg.

In dieses System wurde etwa auch der Neusiedler See miteinbezogen.

Zwischen der eigentlichen Grenze und den Palisaden befand sich kaum besiedeltes Niemandsland, in dem die Ungarn Wehrhöfe errichteten. Nur hatten die Ungarn ein Problem:

Sie hatten zu wenig eigene Leute, um hier die Grenze dauerhaft zu sichern. Bald schon gab es aber Interessierte, die aus den verschiedensten Winkeln Europas kamen, darunter auch deutschsprachige Siedler, die sich an der Grenze ansiedelten und begannen, diese zu verteidigen. Für das 11. Jahrhundert sind diese „Gäste“- so werden sie in der ungarischen Geschichtsschreibung genannt- kaum nachweisbar, im 12. Jahrhundert ist es schon anders.

1108 soll Markgraf Leopold III. eine Eisenburg zerstört haben, das berichtet zumindest 40. Jahre später sein Sohn Otto von Freising. Unbekannt bleibt aber, welcher Ort damit gemeint war.

Wie dem auch sei, aus allen Teilen Europas kamen nun Ritter, um dem ungarischen König zu dienen. Viele versuchten quasi, hier ihr Glück zu finden. Die Amtssprache dabei war aber nicht ungarisch, sondern lateinisch, ein Umstand, der bis 1848 so blieb.

 

Kapitel 3.

Von den angeblichen Gründungsmythen.

Machen wir an dieser Stelle einen kurzen Ausflug in das Reich der Sagen:

Glaubt man diesen, so wäre einer der ersten Fürsten, die hier residierten, ein gewisser Giletaus oder Giletus von Forchtenstein gewesen, der eine überaus grausame Gattin namens Rosalia hatte, deren Lieblingsbeschäftigung es war, Untertanen im Hungerturm verhungern zu lassen. Als der Fürst einmal im Kriegszug war, waltete sie besonders grausam, worauf hin der Fürst nach seiner Heimkehr sie ebenso grausam verhungern ließ. Alle Viertel Stunden hatte ein Wächter die Verhungernde mit „Salah he!“ nach dem Fortschritt ihres Sterbens zu befragen, nach acht Tagen kam keine Antwort mehr, dafür ein Geist und die Benennung des Rosaliengebirges.

Diese Sage hat viel unwahres. Nur in eiener Version wird erklärt, Giletaus wäre der erste Fürst in dieser Gegend gewesen, von einem Geschlecht der Gileaten ist in den Quellen nichts bekannt und das Rosaliengebirge ist nach der Rosaliakapelle nach benannt, die 1644 von den Esterházys zu Ehren der Pestheiligen Rosalia errichtet wurde. Dennoch spielt Forchtenstein hier eine wichtige Rolle, nicht zuletzt, weil sie in späterer Zeit die mächtigste Burg dieser Gegend war und es auch noch ist.

Auch eine andere Sage berichtet von einer grausamen Burgherrin von Forchtenstein, deren Gatte sich in ein Mädchen aus dem Ort Mädchenthal verliebt hatte. Die Fürstin ließ das Mädchen und ihre Mutter, als der Fürst gerade abwesend war, im Dorfweiher ertränken, doch bevor die Mutter ins Wasser gestoßen wurde, verfluchte sie die Burgherrin. Der Fluch ging in Erfüllung, asu dem Weiher wurde ein Teich, aus dem Teich ein See. Die Bewohner von Mädchenthal mussten den überfluteten Ort verlassen und siedelten sich an einem sicheren Ort an, den sie Neusiedl nannten. So entstand angeblich der Neusiedler See.

Eigenartig ist, dass es neben dem Mädchenthal auch eine Frauenstadt (bei Wiesen) gegeben haben soll, deren Bewohner aber aus Übermut und Gottlosigkeit im Erdboden versanken.

Auch von gottlosen Rittern erzählt manche Sage, von einem Kampf zwischen zwei Brüdern auf einer großen Wiese zwischen Eisenstadt und Forchtenstein, wodurch der Name „Wiesen“ entstand.

Insgesamt fällt also auf, dass Forchtenstein im Sagengut eine sehr heraus ragende Rolle spielte, während andere Wehranlagen kaum genannt werden. Das zeigt, dass viele Burgen zu der Zeit, als diese Sagen sich entwickelten, bereits vergessen waren und daher kaum mittelalterliche Ursprünge haben. Für die Identität des Landes sind sie als Erzählgut wichtig, nicht aber für die Geschichtsschreibung.

 

Kapitel 4

Von jener Zeit, als die „Gäste“ das Land beherrschten.

Wo einst die Burg Leithaprodersdorf stand, grasen heute einige Ziegen…

Gehen wir zurück in das Mittelalter. Haben wir im 12. Jahrhundert noch kaum Quellen, so ändert sich das im 13. Jahrhundert schlagartig. Um 1200 kommen nun viele „Gäste“ in dieses Land, oftmals von weit her. Es sind Ritter und Grafen, Juden (!), Spanier und Steirer, die sich hier niederlassen und Burgen mit Siedlungen gründen oder vom König erhalten.

Wir wissen etwa von den Grafen Osl und Poth, dass sie in diesem Gebiet sich nieder ließen, letztere im Leithagebirge. Wir wissen, dass ein gewisser Mauritius Leithaprodersdorf erhielt, wahrscheinlich war er es, der die Wasserburg errichtete.

Die bekanntesten Gestalten aber sind bei Mattersdorf zu finden. Hier herrschte ein Benedikt, der 1202 von König Andreas II. (II. András) das „Dorf des Heiligen Martin“ bekam. Um 1220 wurde er von einem Ayan abgelöst, der sich aber als untreu erwies. Nun griff der König auf einen Spanier namens Simon zurück. Dieser Simon war mit seiner Schwester Tota im Gefolge der Königin Jolanthe von Konstantinopel, die den ungarischen König Andreas II. heiratete, nach Ungarn gekommen.

Simon musste bald feststellen, dass in diesem Stück Land sehr gerne gestritten wurde. Besonders mit dem jüdischen Kaufmann Téka, dem Pöttsching gehörte, kam es zu einer Fehde. Pöttsching war schon deswegen wichtig, weil wenige Jahrzehnte zuvor Herzog Leopold V. gleich in der Nähe den Ungarn eine „Stadt“, die „Nova civitas“ vor die Nase setzte. Simon konnte sich durchsetzen und bekam Pöttsching und Neudörfl. Er hatte somit freie Sicht auf die Neustadt.

Und dann kam die Katastrophe. Um 1240 fiel von Ostern her ein unbezwingbares Heer in Europa ein, dessen Ursprünge in der mongolischen Steppe lagen. Ganz Zentralasien unterwarfen sie und nun standen sie vor Ungarn. Aber sie standen nicht lange.

Der Einfall der Mongolen brachte Ungarn an den Rand des Untergangs, etwa die Hälfte der Untertanen wurde getötet, der König selbst, es war nun Béla IV., floh auf eine Adriainsel.

In diesem Untergangsszenario halfen zwei Personen dem König, die für uns von Bedeutung sind. Zum einen jener Simon, zum anderen Herzog Friedrich II. von Österreich, der prompt sich bereit erklärte, alle westungarischen Burgen zu sichern. Damit wollte Friedrich einerseits sich und sein Herzogtum schützen, andererseits hatte er damit auch Zugriff auf Westungarn. Es war die erste Geburtsstunde des Burgenlandes schlechthin.

Und dann, oh Wunder, drehten die Mongolen- angeblich vor Wien oder Korneuburg- um. Ihr Khan, Ögödei, war gestorben, die Nachfolge unsicher. Ungarn konnte aufatmen, der Wiederaufbau konnte beginnen. Doch genau da versuchte Friedrich die westungarischen Gebiete zu behalten. Simon, der sich angeblich heldenhaft benommen hatte, war nicht in der Lage, alleine den unguten Babenberger hinaus zu werfen. Béla IV., erzürnt über Friedrichs Vorgehen, half Simon. Am 15. Juni 1246 kam es zur Schlacht, Friedrich fiel.

Simon hatte damit diesen Gegner mit ausgeschaltet. Mehr noch, er konnte sich nun nahezu als alleiniger Landherr im Nordburgenland sehen. Das Gebiet von Forchtenstein bis Eisenstadt gehörte ihm, darüber hinaus konnte er sich nun als Graf sehen. Die Grafschaft Mattersdorf- Forchtenstein war geboren.

 

Kapitel 5

Von den Mattersdorfern.

Auch St. Margarethen gehörte den Mattersdorfern.

Mit dieser Zeit traten zwei Änderungen ein. Erstens war das Land nun für die österreichischen Machthaber interessant (Friedrichs Geist war demnach auf sehr fruchtbaren Boden gestoßen) und zweitens waren die Mattersdorfer Grafen nun alleinige Machthaber, während sich im Südburgenland die Grafen von Güns etablierten.

Beide Dynastien erlangten eine Unabhängigkeit vom ungarischen König. Mal neigten sie dazu, den österreichischen Machthabern (nun Přemysl Ottokar) zu schmeicheln, mal weilten sie bei ihrem eigenen König, der zeitweise ja auch steirischer Herzog war (1254-1260). Im Endeffekt brachten sie damit beide gegen sich.

Es gab aber auch freudige Ereignisse zu jener Zeit. 1264 etwa heiratete bei Kittsee Béla IV. Kunigunde von Brandenburg, während auf der österreichischen Pottenburg es ebenfalls zu derartigen Festivitäten kommt. Doch nur wenige Jahre später zerstört Přemysl Ottokar Kittsee und Leithaprodersdorf, letzteres bleibt dauerhaft verfallen.

Mit Herzog Albrecht I. kam 1282 ein weiteres kriegerisches Kaliber an die Macht. Ein sehr streithafter Geist wie einst Herzog Friedrich II. war er, ein Marsmensch also.

Albrecht fackelt mit den widerspenstigen Grenzgrafen zunächst überraschend lange herum, eher 1289 in nur einem Monat die Burgen der Mattersdorfer großteils erobert, um dann nach Süden zu ziehen. Erstaunlich ist, dass in der Reimchronik, wo dieser Kampf fest gehalten ist, nicht ein Mattersdorfer erwähnt wird- offenbar war Graf Ivan von Güns dem Autor weit bekannter. Auch in der heutigen Literatur findet sich kaum eine Nennung, wir wissen aber, dass es die Brüder Simon und Michael waren. Offenbar war Ivan, mit dem ja die Fehde eigentlich ausgetragen wurde, weit bedeutender oder er war der eigentliche Herrschaftsinhaber.

Wie dem auch sei, Mattersdorf wurde erobert, ebenso die Burg von Sankt Margarethen. Dann zog Albrecht I. weiter. Nachdem die Grenzgrafen mit dem ungarischen König Frieden schlossen, wurde auch mit Albrecht I. Friede gemacht. Dieser Friede von Hainburg garantierte, dass Albrecht sich nicht weiter einmischt, dafür wurden einige Burgen, darunter Mattersdorf geschleift. Die Mattersdorfer aber gaben nicht auf…

 

Kapitel 6

Von neuen Burgen und Herren.

Burg Hornstein bestand nur zwischen 1340 und 1463…

Nun wurde im Nordburgenland fleißig gebaut. An vielen Ecken entstanden mächtige Steinbauten. Auf der Rosalia wurde viele Jahre lang an der wohl bekanntesten Anlage errichtet. Ihr Aussehen sollte quasi den Feind das „Fürchten“ lernen, daher der Name Forchtenstein.

Von dieser „Erstburg“ hat sich der mächtige Bergfried erhalten, der heute noch über der Burg thront, wie ein Koloss. Im Keller dieses Turmes setzten sich die Mattersdorfer, genau genommen Paul I., nun Mattersdorf- Forchtensteiner, ein Denkmal. Hier ist als Gewölbeabschluss ihr Siegel in Stein gemeißelt.

Die Mattersdorf- Forchtensteiner hatten bei diesem Projekt aber ein zunehmendes Problem. Sie bekamen Konkurrenz. Denn bei Hornstein wurde ebenfalls eine Burganlage gebaut, die die lästigen Pottendorfer, deren Burg auf der anderen Seite der Leitha lag, von diversen Grenzverletzungen abhalten sollte.

Hier sind ab den 1360ern die Kanizsay, kroatische Adelige nachweisbar, die neben Hornstein nun eine weitere Wasserburg mit errichteten, neben welcher ein Markt lag. Aufgrund der sehr guten, vulgo „eisernen“ Verteidigungslage bekam dieser Ort, ursprünglich Klein Sankt Martin (im Gegensatz zur Groß Sankt Martin = Mattersburg), ungarisch Kismarton, geheißen, einen neuen Namen: Eisenstadt.

Doch die Habsburger gierten schon nach dem Lande und konnten 1405 endlich ihr Ziel erreichen: Eisenstadt kam an nun in ihre Hände, nicht zuletzt, weil der ungarische König Sigismund der Dynastie der Luxemburger entstammte, die zu dieser Zeit auch die Herrscherdynastie des Heiligen Römischen Reiches- mit einer Ausnahme- war. Sigismund- ungarisch Zsigmond– war ein Freund dieser Gegend. Angeblich soll er 1417 die Burg Scharfeneck, kurz davor noch ungarische Grenzburg mit- sagen wir Mal- miesen Ruf, zu einer geschmackvollen Prachtburg nach englisch- französischen Stil umbauen, sodass Scharfeneck die einzige dieser Art in Niederösterreich (!) ist.

Warum aber in Niederösterreich?

Gehen wir alles der Reihe nach:

Sigismund hatte keinen Sohn und starb 1437 auf der Flucht, König wurde sein Schwiegersohn Albrecht von Habsburg (!), doch der starb 1439 im Heerlager. Sigismunds Tochter, Albrechts Gattin, Elisabeth, zu dieser Zeit hochschwanger, behauptete sich nun keck gegen diverse „Interessenten“ (in dem sie die Krone in einem Polster versteckte), floh nach Forchtenstein, gebar einen Sohn und sorgte, dass dieser letztendlich König wurde.

Ob sie tatsächlich auch am Tabor bei Neusiedl residierte, erscheint unglaubwürdig. 1442 starb sie jedenfalls, nicht ohne zuvor Friedrich III., dem Cousin Albrecht V., Hornstein verpfändet zu haben. Auf diesen Zug sprang auch Willhelm von Forchtenstein auf, der letzte und hoch verschuldete Mattersdorfer, indem er dem Albrecht VI., Bruder Friedrich III., Forchtenstein übergab.

Doch nun brach im Nordburgenland, wie auch in der Umgebung ein Bürgerkrieg aus, in dessen Zuge die Burg Hornstein zerstört wurde. Dabei vergaß man angeblich die Gefangenen, die an Eisen gehenkt waren, die nun elendig verhungerten.

Die Herrschaft kam zunächst an die Hornsteiner, später an den dubiosen Ulrich von Grafeneck. Matthias Corvinus, der nunmehrige Ungarnkönig bekriegte Friedrich und konnte ihn in den 1480ern aus dem Nordburgenland endgültig vertreiben. Doch nach seinem Tod wurden die Güter an die Habsburger restituiert. Eisenstadt, Forchtenstein und Hornstein blieben in der Hand der Habsburger, ebenso Scharfeneck, das letztendlich österreichisch blieb und Teil von Niederösterreich wurde.

 

Kapitel 7

Von einem steinernen Türkenkopf und einer typisch österreichischen Feste.

Der Purbacher Türke.

Nun also hatten sie ihren Fuß in der Türe, die Habsburger. Vier, gar „köstliche“ Herrschaften, zwei bedeutende Burgen, ein Wasserschloss, eine Ruine, was will man mehr? Eigentlich wäre das Nordburgenland nun zum Teil österreichisch, doch genau hier tritt noch ein anderer Potentat die Türe ein: Die Osmanen besiegen 1526 den Ungarnkönig Lajos II. bei Mohács vernichtend. Der junge König setzte dann noch sprichwörtlich auf das falsche Pferd. Sein Schlachtross war für eine Flucht ungeeignet und so versank er im Donausumpf. Die Ungarn wählten den Siebenbürger Fürsten Szapolyai János, aber die Erbverträge mit den Habsburgern bevollmächtigten Ferdinand I., die Krone zu bekommen. Es kam erneut zum Krieg und die Osmanen halfen dem Szapolyai, besetzten Ungarn und zogen in Richtung Westen, nach Wien, wo sie im Herbst 1529 begannen, die Stadt zu belagern.

Das Nordburgenland wurde nahezu entvölkert, alles, was nicht floh, ermordet oder versklavt. In der Ebene wurde es blutruhig.

1532 kamen sie schon wieder. Ein kleiner Trupp fiel auch in Purbach ein, fand aber alles leer. Ein Soldat, ein Kinderbuch hat ihm den Namen Ali gegeben, fand nun den Wein und blieb besoffen zurück, um seinen Rausch aus zu schlafen. Geweckt durch die fremden Stimmen der wieder zurück kehrenden Einwohner, gedachte er sich zu verstecken und kroch in den Rauchfang eines Hauses. Dort wurde er aber erst Recht gefunden und ausgeräuchert, konnte sich aber dann durch die Gnade der Einwohner dem sicheren Tod entziehen. Ali wurde Christ und Knecht, am Rauchfang aber ließ der Besitzer einen Türkenkopf aus Stein anbringen. Den Purbacher Türken.

Da das Gebiet nahezu entvölkert war, wurden nun Kroaten hier angesiedelt. Die Burg Forchtenstein kam an einen Söldner (Jaob von der Dürr), der diese Neubesiedelung planmäßig vorantrieb. Überhaupt schlug Forchtenstein nun einen österreichischen Weg ein, denn hier saßen oftmals typisch österreichische Geschlechter, denen die Habsburger so manche Burg verpfändeten (die Besitzerreihe lässt etwa an Kreuzenstein zu dieser Zeit denken), wie etwa die Grafen von Hardegg.

Nun also sitzen wir in Österreich, sprechen zum Teil kroatisch, haben eine großartige Burg und einen Türkenkopf aus Stein…

 

Kapitel 8

Von den Esterházys.

Diese Epoche wäre wohl noch länger so gegangen, hätten nicht die eigentlichen, grausamen Umstände, in denen sich Ungarn anno dazumals befand, den Visionen der Habsburger einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die ungarischen Fürsten waren, durch Türkenkriege und dem gegenreformatorischen Bemühungen der Habsburger, in einer Zwickmühle, letztendlich entschieden sie sich für das politisch heikle Balancieren zwischen beiden Mächten. Ein Aufstand des osmanisch- nahen Fürstentums Siebenbürgen gegen die Habsburger führte zu einer mehrtägigen Belagerung von Wien unter dem Siebenbürgerfürsten Bethlen Gábor, fiel auch im Nordburgenland ein. Dort aber stand nun ein Fürst auf und versuchte, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Sein Name: Esterházy Miklós.

Dieser Miklós war ein absoluter Aufsteiger, er hatte reich geheiratet und war dadurch in den Genuss einige, heute burgenländischer Herrschaften gekommen. Nun zeichnete sich Miklós besonders aus, indem er als nahezu einziger Adeliger dem König Ferdinand II. die Stange hielt, wofür er 1622 Forchtenstein mit dessen Grafentitel sowie 1625 Eisenstadt und das Amt des Palatins bekam. Miklós war damit der zweitwichtigste Mann in Ungarn geworden.

1645 starb Miklós, sein Sohn László, der „schöne Graff“ übernahm die Herrschaft, zog 1652 mit drei anderen Familienmitgliedern, Ferenc, Tamás und Gáspár gegen die Osmanen und fiel (mit 25. Hieb- und Stichwunden) bei Vezekény.

Damit wurde Lászlós Bruder Pál, seines Zeichens 17. Jahre alt, unmittelbarer Nachfolger. Páls erste Handlung bestand darin, alle Burgen in seinem Herrschaftsbereich keinen Fremden einlassen dürfte. Dann setzte er sich zur Tafel, ließ aber auch noch einmal für seinen Bruder László aufdecken.

Damit begann die Herrschaft des Pál (noch einer), des wohl bedeutendsten Esterházy, die wie kaum jemand anderer seine Spuren im Nordburgenland hinterlassen hat. Das sichtbarste Zeichen ist die heutige Burg Forchtenstein, die er bis auf den Bergfried abtragen ließ und im neuen modernen, vor allem für militärische Zwecke ausreichenden Stil neu baute. Domenico Carlone war sein Architekt. Forchtenstein wurde zu einer Barockburg, im Innenhof, den er mit Fresken ausstatten ließ, schuf er sich mit seiner Reiterstatue ein bemerkenswertes Selbstbild.

Forchtenstein wurde zu einer Barockburg mit einem großen Waffenarsenal, zu einem Schmuckkästchen mit Stachelhalsband, denn die Türkengefahr bestand ja noch immer.

1681 wurde Pál Palatin, 1683 standen die Osmanen tatsächlich vor der Burg, doch an ihr bissen sich Allahs Kämpfer die Zähne aus. Forchtenstein wurde nicht erobert. Ob damals tatsächlich Türken gefangen wurden, die nun einen 142m tiefen Brunnen zu graben hatten, bleibt unglaubwürdig, der Brunnen wurde tatsächlich von italienischen Experten errichtet.

Pál aber wurde für seine Dienste 1687 in den Fürstenstand gehoben und durfte das „L“- für Leopold- im Familienwappen tragen. Als er 1713 starb, verlor Forchtenstein schnell seine Bedeutung und wurde hauptsächlich als Waffenlager und Familienarchiv genutzt.

Páls Nachkommen bevorzugten Eisenstadt, sein Enkel Mikós ließ in Fertöd eine Versailles- ähnliches Barockanlage mit einem riesigen Garten errichten.

Die Esterházys blieben bis heute die bedeutendsten Grundherren im Burgenland.

Ein Familienmitglied, Péter Esterházy (1950-2016) hat 2000 in seinem Buch „Harmonia Caelestis“ der Dynastie ein denkwürdiges Denkmal geschaffen. Darin erzählt Esterházy auch einige, recht skurille Begebenheiten:

So hätte ein, wohlgemerkt experimentierfreudiges Mitglied der Familie seine Gattin in den Brunnen gestoßen, um die Zeit zu messen, bis sie unten mit einem Platsch ankam (Er hätte g mit neuneinundachtzig definiert. Siehe Teil. I nr. 150 im Buch). Heute wird bei der Führung mit einer Folie geshnalzt oder ein Kanister Wasser hinunter geleert, um mit dessen Platsch die Tiefe des Brunnens zu demonstrieren. Andere Zeiten, andere Sitten…

Eine andere Geschichte (nr. 263) erzählt von einem alten tauben Esterházy, der einen gleichalten Diener gehabt hätte. Eines Tages kam es in der Munitionsfabrik in Wiener Neustadt zu einer derart starken Explosion, dass das Pottendorfer Schloss wie ein Wackelpudding zitterte und keine Fenster mehr hatte (wie heute). Was tat der alte Esterházy?

Er maßregelte den Diener, da dieser gerade so laut gefurzt habe! Die Antwort des Dieners ist leider nicht bekannt.

Mit diesen beiden Geschichten verlassen wir das Nordburgenland. Hinter uns liegen eine Landeshauptstadt mit barockem Schloss, einpaar Ruinen, ein mächtiger See, ein Türkenkopf (aus Stein) sowie eine mächtige Burg, die bis heute wie kein anderes Bauwerk die Region dominiert…

 

A) Burgen

Wir beginnen im Osten mit den Wehranlagen des Nordburgenlandes und gehen dann stückwärts nach Süden, bis wir zuletzt bei der Burg Forchtenstein angekommen sind.

Altes Schloss Kittsee

Neben dem Barockschloss gibt es in Kittsee auch ein „Altes Schloss“. Es handelt sich dabei um dessen Vorgängerbau, der seit einigen Jahren restauriert wird. Davor war die einstige Wasserburg stark ruinös. Im 12. Jahrhundert errichtet, wurde die Burg im 16. Jahrhundert umgebaut, 1945 durch einen Bombentreffer aber zerstört. Die Burg ist heute Privatbesitz und nicht zu besichtigen. Neben der Anlageliegt ein Jüdischer Friedhof.

Fotos vom verfallenen Zustand gibt es auf wikimedia

 

Tabor zu Neusiedl

Oberhalb der Bezirksstadt Neusiedl am See erheben sich die Reste eines Turmes, der im Volksmund als ,,Tabor“ bezeichnet wird. Über seine historische Bedeutung gibt es nur Hypothesen. Es wird sowohl von einem Rest einer größeren Burg, einem einstigen Witwensitz von ungarischen Königinnen oder eben einem enzelnen Schanzwerk gesprochen. Der Ausblick, den man vom Turm genießen kann, ist grandios. Er reicht vom Leithagebirge über die ungarische Steppe bis hin zum Neusiedler See. Die Ruine ist frei zugänglich.

Weitere Infos unter http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=1577

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Pamhagen

Nördlich von Pamhagen liegt, nahe dem Neusiedler See ein künstlich aufgeschütteter Pyramidenstumpf, dessen Geschichte nahezu unerforscht ist. Bislang wird eine Errichtung unter den Nadásdys angenommen. Gerüchten zufolge soll es sich um eine Burg der Forchtensteiner Grafen gehandelt haben, aber keinerlei Nennungen oder Aufzeichnungen bestätigen diese These. Der Roman „Névtelen vár (Die namenlose Burg)“ von Jókai Mór (1825-1904) soll sich auf Pamhagen beziehen. Die Hausberganlage ist frei zugänglich.

Zum Foto gehts hier.

 

Siegendorf (Kastell)

von Gerhard Koller

Das spätere Kastell ist wahrscheinlich eine frühere Wasserburg,die noch vor 1366 erbaut wurde, denn ab diesem Zeitpunkt wird sie bereits als Kastell erwähnt.Im 15.Jhdt. wieder verfallen,wurde die Anlage gegen die Mitte des 16.Jhdts. von Nicolaus Oláh neu erbaut. Heute gehört der Bau der Gemeinde und wird für diverse Veranstaltungen genutzt

Weitere Infos unter http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=458

Foto von Gerhard Koller.

St. Margarethen

Neben der Kirche von St. Margarethen befindet sich ein Stück Mauer, wenige Meter lang, etwa einen Meter breit und gut zwei Meter hoch. Ein unscheinbares Fragment, das von seiner Ausrichtung und Form so gar nicht zur Umgebung passt. Es dürfte aus dem 13. Jahrhundert stammen und 1277 wurde die Burg auch als „Mayad“ erwähnt. Laut der Steirischen Reimchronik wurde diese Burg 1289 zerstört. Die Ruine ist frei zugänglich.

Zum ausführlichen Taterman- Artikel geht es hier!

 

Hornstein

Hornstein gehört zu den unbekannten Ruinen des Burgenlands, obgleich ihre Geschichte den noch erhaltenen Burgen des Gebiets nicht unähnlich ist. Errichtet wurde sie zeitgleich mit den Burgen Forchtenstein und Scharfeneck (bei Mannersdorf), um die Gegend gegen österreichische Einfälle zu schützen, zumal jenseits der Leitha die Burg Pottendorf quasi in Reichweite lag. In den bürgerkriegsähnlichen Zuständen, die in der Mitte des 15. Jahrhunderts die Gegend verwüsteten, wurde die Burg zerstört, nachdem sich tschechische Söldner hier festgesetzt hatten.

Die Ruine ist frei zugänglich.

Weitere Infos unter http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=453

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Leithaprodersdorf

Am östlichen Ortsrand von Leithaprodersdorf befindet sich eine große, abers ehr flache Hausberganlage. Die Burg von Leithaprodersdorf soll im 13. Jahrhundert bestanden haben und wurde 1273 von König Ottokar zerstört. Die Burg wurde archäologisch erforscht, heute befindet sich (in den Sommermonaten) ein Tiergehege hier, am Rand gibt es aber Informationstafel und einen Aussichtsturm, der frei zugänglich ist.

 

Pöttsching

In Pöttsching, unweit der S4 befindet sich eine ringwallartige Hausberganlage, deren Ursprünge im angeblich schon ind er Awarenzeit liegen. Diese Burg war wahrscheinlich wegen der Nähe zur Grenze als Grenzburg gedacht, wahrscheinlich gehörte sie aber zum Ort Warth, der daneben lag und 1532 zerstört wurde. Die Hausberganlage ist frei zugänglich.

 

Forchtenau

Auf einem Ausläufer jenes Felsens, der die Burg Forchtenstein trägt, befindet sich eine mächtige Hausberganlage, dei als 1291 abgetragene Vorgängerburg dergleichen betrachtet wird. Diese Hausberganlage wurde später zu einem Kalvarienberg umfunktioniert, das Ausmaß der einst mächtigen Burg ist aber sehr wohl noch ersichtlich. Forchtenau ist frei zugänglich.

 

Forchtenstein

Die mächtigste und schönste Burg des Nordburgenlandes beherrscht wie nichts anderes die Region, auch im geschichtlichen Sinne. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet, war sie bis 1445 im Besitz der Mattersdorfer, dann der Habsburger. Seit 1622 ist sie im Besitz der Esterházy. Die Burg hat viele bedeutende Artefakte, eine Ahnengalierie, ein großes Zeughaus, das berühmte Türknzelt und den Brunnen, dessen Tiefe bis heute markant ist (so hoch der Berg, so tief der Brunnen).

Verschiedene Ausstellungen (Burgführung, Schatzkammer, Ahnengalerie etc.) sind im Rahmen von Führung zu besichtigen.

Weitere Infos gibt es hier

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eventuell auch

B) Türme im Nordburgenland

Im Nordburgenland gibt es eine Anzahl frei stehender Türme, mit deren Geschichte sich die Forschung schon im 18. Jahrhundert beschäftigte. Wenn etwa zu jener Zeit Matthias Bél schrieb, dass diese Türme in der Konfliktzeit zwischen Österreich und Ungarn (aslo im Hochmittelalter) entstanden, so meinte er dabei nur den so genannten „Heidenturm“ bei Kitttsee, der noch heute einsam in den Feldern steht, aber mittlerweile als Kirchturm des verschwundenen Dorfers Leber gedeutet wird. Gleiches gilt für den Turm im Friedhof von Leithaprodersdorf, dessen Lage- auf einem Hügel- sich durchaus für eine Burg eignen würde, weswegen man hier die einstige Burg Leitha (schon im 9. Jahrhundert genannt!) vermutet.

Im Gegensatz zu diesen beiden Ruinen gibt es im Ortsbild von Breitenbrunn, Mönchhof, Pamhagen und Wallern jeweils einen frei stehenden Turm, dessen Geschichte deutlich jünger ist. Diese Türme dürfte im 17. oder 18. Jahrhundert entstanden sein, wahrscheinlich zur Zeit der Türkenkriege. Der beeindruckendste Turm ist der von Breitenbrunn, der einer Brüstung mit Rundbögen aufweist. Wesentlich schlichter sind die anderen drei. Der Turm von Mönchhof besitzt einen zinnenartigen Abschluss und- so wie Breitenbrunn- das für das Burgenland typischen achteckigen Pyramidenhelm aus Stein.

Auf der (steinernen) Turmspitze von Pamhagen sind osmanische Hoheitszeichen und die Inschrift „Mosco Pacsa 1639“ zu sehen, der Turm ist damit wohl dementsprechend so alt. Ähnliches gilt für Wallern, dessen Turm 1730 zum Kirchturm umfunktioniert wurde.

C) Weitere Sehenswürdigkeiten im Nordburgenland

Die Stadt Rust am Neusiedler See gehört mit ihren zwei Kirchen, der äußerst sehenswerten gotischen Fischerkapelle (eine kleine gotische Kapelle ist auch in Deutsch Schützen zu finden, eine weitere Kirchenruine befindet sich in Königsbrunn) und dem Hauptplatz zu den schönsten Flecken des Nordburgenlandes. Aber auch Eisenstadt, seit 1925 Landeshauptstadt, hat einiges an Sehenswürdigkeiten. Beherrscht wird die Stadt vom Schloss Esterházy, einem Barockschloss mit schöner Gartenanlage. Aber auch der Martinsdom (Der Dom des Nordburgenlandes), der Hauptplatz und die Bergkirche (mit dem Grabmahl Joseph Haydns) gehören zu den Sehenswürdigkeiten der kleinsten Landeshauptstadt.

 

In Purbach gibt es neben dem „Türken“ noch die Marktbefestigung mit zwei Toren sowie eine urgeschichtliche Wallanlage im Leithagebirge.

Aus der Barockzeit ist Neben Schloss Kittsee (nächst Bratislava)  auch Schloss Halbturn erwähnenswert (das Versailles des Nordburgenlandes).

Zwei weitere barocke Anlagen sind in einem Dornrösschenschlaf oder werden gerade aufgeweckt. Beide wurden im 18. Jahrhundert von den Esterházys errichtet. Das Jagdschloss „Rendez-vous“ bei Deutsch Schützen wurde vor wenigen Jahren restauriert. Ander ist es bei dem kleinen Jagdschloss bei Großhöflein, das noch immer stark verfallen ist und einer dringenden Sanierung bedarf.

Empfehlenswerte Literatur: Petér Esterházy, Harmonia Caelestis

Herzlichen Dank an Gerhard Koller und Emmerich von Aquincum für Unterstützung und Übersetzung enzelner Phrasen in das Ungarische.

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