Das Mostviertel – Die Wiege Österreichs?

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Nachdem wir uns bis dato westlich der Enns aufgehalten haben, überqueren wir nun diesen Fluss und betreten Österreich unter der Enns, besser bekannt als Niederösterreich. Genauer gesagt, geht es nun in das größte Viertel unserer Reihe, wenngleich zumindest die Ostgrenze nicht ganz genau definiert ist. Wir befinden uns also im Viertel Ob dem Wienerwald. Juhuu!

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Bleiben wir noch kurz im Osten und diskutieren diese Problematik, auch wenn wir damit sprichwörtlich mit der Tür ins Haus oder in diesem Fall mit dem Fuß ins Viertel fallen. Früher hieß es, die Traisen wäre die Grenze gewesen, das wurde aber schnell wieder revidiert. Dabei lieferte bereits Georg Matthäus Vischer mit seiner Landkarte und seinen Stichen eine klare Antwort.

Vor allem die Bezeichnung „Viertel ob dem Wienerwald“ sieht sehr wohl die Wienerwaldgrenze als Grenze zwischen Industrie- und Mostviertel. Doch Wälder wurden gerodet und daher änderten sich ihre Grenzen. Insofern wurde hierbei die Gosse Tulln als Grenze ausgemacht. Das war sie übrigens schon um 880, wenngleich sie da als Grenze zwischen den Bayern und den Slawen fungierte. Damit haben wir ein riesiges Gebiet, das sich von Enns bis Tulln erstreckt. Grob gesehen, lässt sich das Mostviertel in fünf Teile gliedern:

  • Unteres Mostviertel: Das ist das Gebiet von der Tulln bis zur Traisen, das relativ flach ist.
  • Mittleres Mostviertel: Hier geht’s von der Traisen bis zur Erlauf (mit den Flüssen Pielach und Melk dazwischen), das teilweise auch als Alpenvorland gesehen wird. Im Norden sorgen Dunkelsteinerwald und Hiesberg dank ihres Granitgesteins für ein bisschen Waldviertel- Stimmung.
  • Oberes Mostviertel: Das ist das typische Kernland des Mostviertels zwischen Erlauf und Enns.
  • Gölsen-, Traisen- & Pielachtaler Berge: Damit ist der Alpennordrand von Hainfeld bis Kirchberg gemeint.
  • Eisenwurzen: Damit ist das alpine Gebirge zwischen Erlauf- und Ennstal gemeint. Dieses Gebiet ist geprägt von hohen Bergen, schönen Flüssen und wenigen Ansiedlungen.

Kapitel 1.

Vom Vater der Mostviertler und der Sprache des Mostviertels.

Der Ötscher, hier von Rainberg aus gesehen.

Überragt wird dieses Gebiet vom Ötscher, dem mächtigsten Berg des Mostviertels, der wie eine Gottheit über alles andere steht. Der Ötscher ist der Vater des Mostviertels, so erzählt man noch heute und tatsächlich leitet sich das Wort „Ötscher“ aus dem slawischen und bedeutet so viel, wie „Gevatter“. Der Ötscher ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert und war im Volksmund seit jeher Anlass für verschiedene Sagen. So soll in einem unterirdischen See Pontius Pilatus (mit anderen üblen Zeitgenossen) auf das jüngste Gericht warten, die Ötscherhexe das Wetter von ganz Niederösterreich zaubern (was teilweise auch stimmt, der Ötscher ist für das Wetter der Region maßgeblich), und in den zahlreichen Ötscherhöhlen so mancher Schatz vergraben sein.

Die zahlreichen Ötschersagen gelangten übrigens an den Hof Kaiser Maximilian II. Und der zögerte nicht lange und schickte 1574 seinen Hofbotaniker Charles de l’Écluse (Carolus Clusius) auf den Ötscher zu Forschungszwecken. 18. Jahre später unternahm Richard Streun von Schwarzenau erneut eine Besteigung und erforschte dabei auch die Ötscherhöhlen. Sein Bericht gehört zu den interessantesten Reisedokumenten jener Zeit.

Der Name des Ötschers ist, wie bereits erwähnt, slawischer Abstammung, wie auch viele andere Namen. Vor allem die Flüsse, Ybbs, Erlauf, Melk, Pielach und Traisen beziehen sich auch auf diesen Ursprung, während die meisten Ortsnamen bayrischen Ursprungs sind.

Bayrisch geprägt ist auch der Mostviertler Dialekt, wenngleich er (wie alle Dialekte) seine Eigenheiten hat. Geht es etwa um die Wochentage, so wird man folgende im Mostviertel hören:

Maura (Montag) // Iera (Dienstag) // Midecha (Mittwoch, nur im Oberen Mostviertel) // Pfingsta (Donnerstag) // Freida (Freitag) // Saumsta (Samstag) // Sunda (Sonntag)

Statt Gießkanne ist vom „Spritzkruag“ die Rede, eine „schöweankate Hittn“ ist ein schiefes Haus, nicht aber der „Lahmstodl“ ein Bauwerk, sondern eine Pflanze (Sauerampfer), ein alter verwirrter Mensch ist ein „Waugl“, „moarigriawen“ das unsegliche Grenzsteinversetzen, der Wacholder wird „Kranawettn“ genannt und die „Dengl- Goas“ ist….ähh jaa, eine Vorrichtung zum Sensendengln, also zum Sensen schärfen.

Interessant sind auch die geographisch- qualitativen Äußerungen: So fährt man „owe noch Wean“ (runter nach Wien, das der klassische Mostviertler so gar nicht mag), „auffe noch Linz“ (hinauf nach Linz, das beim Mostviertler sehr beliebt ist), „ume ins Woidviatl“ (hinüber ins Waldviertel, das vom Mostviertler nicht weiter bewertet wird) und „eine noch Maria Zö“ (hinein nach Maria Zell, das neben dem Sonntagberg DER Wallfahrtsort der Mostviertler ist).

Geprägt wird die Landschaft übrigens von „Preßhittn“ (Keller- oder Preßhäusern zum Mostpressen) und „Dirrhaisln“ (Dörrhäuser zum Obstdörren).

Kapitel 2.

Von den Persönlichkeiten des Mostviertels.

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Schreckenwalds Rosengärtlein.

Geprägt ist das Mostviertel aber auch von seinen Persönlichkeiten, die seit dem Mittelalter hier „wirkten“. Viele Sagen und Legenden haben sich erhalten und nicht immer berichten sie über gute Taten. Am bekanntesten sind da die Kuenringer, die auf ihrer Burg Aggstein eine Schreckensherrschaft errichteten, eine Donausperre errichteten und die Wachau ausplünderten, so erzählt es die Sage. Als Hunde vonKunenring (Hademar III. und Heinrich III.) sind sie in die Geschichte eingegangen. Die Realität ist hierbei aber eine ganz andere: Aggstein wird erst 1256 erstmals urkundlich genannt und die Sage wurde erst um 1320 im Stift Zwettl aufgezeichnet, wo man um 1230 den Kuenringern eher feindlich gegenüber gestanden war. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass Aggstein mindestens fünf Mal im Besitz von Aufständischen war, wenngleich davon drei im 15. Jahrhundert auf der Burg saßen, zu einer Zeit, da mehr oder minder alle Adelige mindestens einmal Aufständische waren. Am bekanntesten ist hier Scheck von Wald, der 1430 Aggstein erhielt und die Burg nach vieljährigem Verfall wieder aufbaute. Doch Scheck, bald Schreckenwald genannt, hatte eine düstere Schlagseite, die in forma des Rosengärtleins bestand. Diese relativ kleine Plattform diente Schreckenwald, um seine Gefangenen aus zu setzen. Wer kein Lösegeld bezahlt, hatte die Wahl, entweder zu verhungern oder zu springen. Aber auch hier hat ein Kloster massiven Einfluss auf die Realität gehabt, dieses Mal das Stift Melk, dessen Einnahmen durch Scheck massiv beeinträchtigt wurden. Es ging also ums Geld, was sonst?

Schreckenwald war aber nicht der einzige suspekte Zeitgenosse zu jener Zeit. Da gab es auch noch Pankraz von Plankenstein, der ungeheure Machtfülle wie kaum ein anderer hatte und diese auch redlich ausnutzte. Als Teil des Mailberger Bunds wurde er sogar von Papst Nikolaus V. exkommuniziert. Als Vormund des jungen Ladislaus Posthumus geriet Pankraz in Konflikt mit Kaiser Friiedrich III. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Beschwerde Herzog Friedrichs „des Sanftmütigen“ von Sachsen, dass der Plankensteiner ihn anno 1454 Pferde gestohlen hätte, just zu dem Zeitpunkt, als Pankraz den jungen Ladislaus in Prag begleitete. Der Pferdedieb Pankraz baute seine Burg aus (die bekannte Wendeltreppe stammt aus dieser Zeit), versöhnte sich mit Kaiser Friedrich III. und borgte ihm die gewaltige Summe von 6.000 Dukaten. Hochgeehrt starb Pankraz 1465 und wurde in St. Michael zu Wien beigesetzt. Ein zweiter (!) Grabstein ist in Kirnberg zu bestaunen.

Es gibt aus dieser Zeit aber auch ruhigere Zeitgenossen, wie Hanns von Trennbeckh, der anno 1468 im unzarrten Alter von 115. Jahren (!!!) vom Pferd flog und starb. Trennbeckh war 1450 heimlich Laienbruder in der Kartause Gaming geworden (zuvor war er Rat der bayrischen Herzöge) und hatte 18. Jahre in der Kartause verbracht, bis er eben vom Pferd flog.

Um die gender studies  zu beruhigen, sei hierbei Adelheid von Reinsberg erwähnt, eine Power- Frau des 13. Jahrhunderts. Adelheid war mit Engelschalk von Reinsberg verheiratet und verwaltete nach dessen Tod, 1268, den Besitz der Reinsberger bis zu ihrem Tod 1315, also 47. Jahre! In dieser ungeheuer langen Zeit legte sie sich mit diversen Lehensherren an, darunter Freising, Regensburg und die Habsburger. Aber kein einziger konnte Adelheids Ansprüche revidieren. Adelheid warf das Gesellschaftsbild dementsprechend um, sie hatte männliche Pfleger (!) und änderte sogar ihr Wappen. Eine ungewöhnliche Persönlichkeit also.

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Von den Zinnen der Burg Reinsberg blickte Adelheid auf ihre Konkurrenz, darunter auch den öst. Herzog. Heute weht friedlich die öst. Fahne auf der Ruine…

 

Kapitel 3.

Von den ersten Babenbergern und den Sieghardingern.

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Nebel zieht durch die letzten kargen Reste der Burg Peilstein…

Ungewöhnlich sind auch die Besitzverhältnisse im Mostviertel und eines gleich vorweg: nicht alles gehörte den Babenbergern, das zeigen ja schon die zahlreichen Streitpartner von Adelheid. Und dennoch gilt das Mostviertel als Wiege Österreich, als Urkeim, als 996 genanntes „Ostarrichi“, als Ausgangspunkt für die Babenberger. Wieso ist das so?

Nun, damit begeben wir uns ins Jahr 976, als ein neuer Markgraf namens Leopold (oder Liutpolt) diese Gegend erricht. Er hatte bereits einen Vorgänger namens Burchard, der aber in einen Aufstand gegen Kaiser involviert war und somit seines Amtes enthoben wurde. Leopold kam also hierher und fand…nichts. Urwälder beherrschten die Mark, die sich in etwa zwischen Ybbs und Traisen erstreckte.

Leopold herrschte also über ein schönes Waldstück, wo höchstens einpaar römische Ruinen zu sehen waren. Einzig Pöchlarn schien als Residenz gelegen. Doch Pöchlarn gehörte zu Regensburg. Leopold und seine Nachfolger mussten sich zunächst also mit den kirchlichen Instanzen (Regensburg, Passau und Salzburg) verständigen, die seit der Karolingerzeit hier begütert waren. So besaß das Kloster Niederaltaich einen großen Anteil an der Wachau, zu dem auch Spitz und Aggstein gehörten. Vögte dieses Klosters waren die bayrischen Herzöge. Aber auch Freising erhielt diverse Besitzungen, so bereits im Jahr 995, als Bischof  Gottschalk von Freising durch Otto III. sechs Königshufe in „Zudamaresfelt“ erhielt. 996 folgte eine zweite Schenkung, die Neuhofen an der Ybbs an Freising brachte und in der erstmals das Wort „Ostarrichi“ vorkam. Bis 1803 waren diese Herrschaften Freisinger Gebiet und somit von der österreichischen Landeshoheit ausgeschlossen. Auch nicht „österreichisch“ war Sankt Pölten, das sich seit jeher im Besitz von Passau befand und ebenfalls erst 1803 österreichisch wurde.

Das war aber erst der kirchliche Teil, mit dem Leopold sich arrangieren musste. Da gab es auch noch einen weltlichen Teil. Und genau da gab es die Sieghardinger, ein seit Karolingerzeiten bedeutendes Adelsgeschlecht. Nun berichtet die Melker Chronik (um 1150 entstanden) von einem „Siho“, dessen Burg, die Eisenburg, dem Markgrafen Leopold so gut gefiel, dass er sich diese kurzerhand eroberte und Siho vertrieb. Nun haben einige Schriftexperten aber etwas bemerkenswertes hervor gebracht: Der Name Sihos wurde im 14. Jahrhundert ausgebessert! Warum? Nun, das kann nicht gesagt werden. Viele Jahrzehnte gab es verschiedene Schreibweisen des Namens: Sitzo, Sizo, Sido (wenn das der Rapper wüsste!), Sicho. Erst jüngst konnte Siho als „korrigierte“ Bezeichung erforscht werden.

Siho war weg, Leopold war da, die Eisenburg war seine Residenz ab diesem Zeitpunkt und sollte es auch für 100. Jahre bleiben. Erst Leopold II. „der Schöne“ zog dann nach Gars und machte aus der Eisenburg ein Stift, das heutige Stift Melk. Einige Babenberger wurden hier beigesetzt, konkret konnten die Gebeine von Adalbert und Ernst gefunden werden.

Und die Sieghardinger? Die scheinen ab 1100 in der Gegend urkundlich auf und nannten sich ab da „Grafen von Burghausen- Peilstein- Schala“. Über Burghausen und Schala (= Schallaburg) brauch ich wohl nicht viel zu sagen, Peilstein ist da schon unbekannter. Diese Burg lag am Südhang des Hiesberges, ist aber seit dem Spätmittelalter verfallen. Nun regierten diese sieghardingischen Grafen über ein riesiges Gebiet, das sich zwischen Pielach und Ybbs befand! Zahlreiche Gefolgsleute lassen sich ab dem 12. Jahrhundert nachweisen, darunter die Ellinger, Plankensteiner, Schlattener,  Schö….., Sichtenberger und noch viele andere. Nun starben aber die verschiedenen Zweige aus, woraufhin verschiedene Erben auftraten. Großteils waren es die Babenberger, aber etwa beim Burghausener Zweig, der um 1168 erlosch, ging fast die gesamte Ritterschaft zu den Grafen von Plain über, die durch Heirat Haupterben geworden waren. 1218 starb das letzte Mitglied der Peilsteiner, eine Gräfin Euphemia von Peilstein stellte noch 1236 eine Urkunde im Turm ihrer Burg aus, in dem sie sich krankheitsbedingt zurück gezogen hatte. Neben den Babenbergern fungierten auch der Bischof von Freising als  Profiteur sieghardingischen Besitzes, so gehörte ab 1218 Waidhofen an der Ybbs zu Freising.

 

Kapitel 4.

Von den mittelalterlichen Literaten des Mostviertels.

Um 1200 war im Mostviertel und da vor allem in Melk ein literarisches Zentrum. Das begann schon um 1100 mit der ersten weiblichen Dichterin des deutschsprachigen Raums, Ava von Melk. Ava, sie lebte wohl in Melk, dann in Göttweig (wo sich ein Gebäude namens Ava- Turm befindet! Zweite Bezeichnung: Eselshaupt) und schrieb mehrere christliche Gedichte, darunter eines über das jüngste Gericht. Ava starb 1127 (nähere Infos siehe hier), um 1160 ist ein Heinrich von Melk bekannt, der ein mittlehochdeutsches „memento mori“ („Von des tôdes gehugede„) und eine sehr kritische Abfassung über das Priesterleben verfasste.

Manche Forscher sieht in dem Minnesäger „Der von Kürenberg“ übrigens einen Sieghardinger, der sich nach Kirnberg an der Mank nannte, was allerdings spekulativ bleiben muss. Wesentlich interessanter ist in diesem Zusammenhang die Entstehung des Nibelungenliedes. Auch Melk (oder Göttweig) gehört zu den potentiellen Ursprungsorten des Epos. Interessant ist, wie Mostviertler Orte im Gedicht vorkommen. So steht bei Melk etwa:

So heißts bei Pöchlarn:

Die Fenster an den Mauern | sah man offen stehn;                                                               

Man mochte Bechelaren | weit erschlossen sehn.

und bei Melk steht:

Ein Wirt war da gesessen, war Astold genannt,                                                                            

Der wies ihnen die Straße ins Österreicherland

Eine offene Burg und ein sympathischer Wirt, das sind also zwei sehr charismathische Merkmale des Nibelungenlieds, das im Mostviertel sehr wohl Spuren hinterlassen hat. Nicht weniger charismathisch war jener Minnesänger, der um 1230 hier einen Alterssitz bekam: Neudhart von Rheuental, seines Zeichens Liebhaber schöner Bauernmädchen, wofür er von deren Liebhabern, meist Knechten, so manche Schelle erhalten hat. Neidhart ist der erste sozialkritische Autor, er jammerte gerne, galt aber als viel beachtet und erhielt deswegen von den Babenbergern einen Alterssitz in Melk, wo er um 1245 starb. Neidhart gab übrigens die Bauernmädels (mit Konsequenzen) nicht auf, in einem Gedicht etwa meinte er: ,,owê, wer brâhte in ie von Sante Lîenharden her?“ (Verflucht [Anm.:Auweh], wer brachte ihn mir von Sankt Leonhard nun her?). Aber in diesem Fall hatte Neidhart Glück, er fand Zuflucht beim Ritter von S., so erzählt er in einem Lied.

Kapitel 5.

Von einer Quellenlücke, diversen Streitereien (um Birnenbäume) und einem bewundernswerten Burgenforscher.

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Auch Burg Jeßnitz (hier nicht mehr sichtbar) wurde von H. Pöchhacker erforscht… Plan unter http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/tl_files/bilder/Mostviertel/jessnitz_714/jessnitz_714_plan_poechhacker.jpg

Nach 1230 nimmt die Quellenmenge rapid ab, es beginnt die dunkle Zeit.  Kaum wo werden Ritter genannt, viele verschwinden für immer aus den Annalen. Auch literarische Quellen sind nicht zu finden. Friedrich der Streitbare und das österreichische Interregnum sind der Hauptgrund dafür. Erst um 1260 endet diese dunkle Zeit und ab da häufen sich die Urkunden.Viele Burgen, die im gebirgigem Raum (etwa südlich von Purgstall an der Erlauf) liegen, werden erstmals genannt. Doch die Ritter begannen schnell zu streiten.

Nach 1290 kam es erneut zu einem Adelsaufstand, nun gegen König Albrecht I., der von Konrad von Sommerau und Leutold von Kuenring geführt wurde. Albrecht I. konnte schnell diesen Aufstand niederschlagen, Leutold musste Spitz, Wolfstein und wohl auch Aggstein hergeben, Konrad verlor überhaupt all seinem Besitz, darunter seine Stammburg Sommerau, die Sindelburg, Seisenegg und Freyenstein. Wie auch im Mühlviertel setzte Albrecht auch hier die uns wohl bekannten Wallseer ein, die sich anstelle der Sindelburg eine neue Burg errichteten. Heute steht dort das Schloss Niederwallsee.

Die lokalen Ritter erlitten großteils im 14. Jahrhundert ihren Niedergang. Grund dafür waren schon erwähnte Streitigkeiten, die oftmals zu höchst pradoxen Lösungen führten. So wurde etwa die Burg Liebegg bei Scheibbs zwischen zwei streitenden Erben geteilt:

Eine fensterlose Mauer sollte „durch daz haus und durch die chuchel“ gezogen werden, wobei jeder der beiden Parteien einen Turm erhielten. Geteilt wurde dabei auch der Baumbestand, ja sogar Birn- und Kriecherlbäume wurden exakt geteilt. Lange hielt diese Teilung übrigens nicht, denn Herzog Albrecht II „der Weiße“ gründete 1330 nach einem überlebten Giftanschlag, weswegen er teilweise gelähmt war (weswegen ihn die Mostviertler bis heute als „hatscherten Bertl“ bezeichnen), ein Kartause in Gaming. Verdrossen von den Streitschlichtungen, schenkte er eine Burg nach der anderen der Kartause, die auf ihrem Grund keine Burgen duldeten und so eine nach der anderen niederreißen ließen.

Viele dieser einistigen Burgen sind oder waren als mächtige Erdwerke erhalten. Viele hat die Agrarrevlution des 20. Jahrhunderts vernichtet (immerhin wurde etwa beim Zerstören des Schafferfelder Burghügels Bilder gemacht, siehe hier). Im Bezirk Melk und Scheibbs wurden großteils alle Burghügeln vor ihrer Zerstörung aufgezeichnet, um so zumindest einen planmäßigen Eindruck zu bekommen. Dieses sehr umfangreiche Werk schuf Herbert Pöchhacker. Pöchhacker, eigentlich Schlosser von Beruf, verbrachte einen Großteil seiner Freizeit mit der Vermessung und Erforschung der Burgen im Bezirk Scheibbs, später dann auch Melk. Seiner Pionierleistung ist der Umstand zu verdanken, dass wir über die Burgen im Bezirk Scheibbs sehr gut informiert sind. Leider wurden seine Forschungstätigkeiten mit einem Schlag (im wahrsten Sinne des Wortes) beendet: 1990 erlitt Pöchhacker einen schweren Arbeitsunfall und starb an den Folgen, sein Band über die Burgen im Bezirk Melk blieb ein Fragment.

Kapitel 6.

Von Türkenkriegen, einem prunkvollen Renaissancebau und einem Bauernkrieg.

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Die Türkenmauer in der Pockau sollte osmanische Streifscharen von einer Belagerung Gamings abhalten.

Kehren wir noch mal zurück zur Geschichte und blicken wir, was in der Neuzeit so los war. Grundsätzlich beginnt die im Mostviertel tragisch:

1529 und 1532 drangen osmanische Streifscharen tief ins Mostviertel ein. Viele Menschen wurden ermordet oder verschleppt, ganze Landstriche nieder gemacht. Die Kartause Gaming errichtete zur Abwehr eine eigene Mauer, die heute noch in der Rotte Pockau zu sehen ist.

400. Jahre nach dem Aufstand Konrad Sommeraus rebellierten die Bauern im Mostviertel gegen die harte Obrigkeit und den immer höheren Abgaben. Zahlreiche Adelige ließen sich zu jener Zeit bemerkenswerte Renaissancebauten errichten. Der bekannteste Bau ist zweifelsohne die Schallaburg mit ihren Terrakottaarkaden, die unterschiedliche Figuren und Szenarien darstellen. Aber so ein Prunkbau kostete und das mussten die Bauern bezahlen. Noch 1614 war eine Schuldenlast von 120.000 Gulden offen. Zum Vergleich: Die Rauber auf Plankenstein hatten 1556 eine Schuldenlast von 80.000 Gulden, ihre Herrschaft Krumau am Kamp wurde 1553 um 5.000 Gulden verkauft.

 

Der Bau neuer Anlagen kostete enorm viel Geld und genau das mussten die Untertanen bezahlen, was zu großen Spannungen führte. Und das (sowie weitere Steuerauflagen wegen der anhaltenden Türkenkriege) führte 1595 zum Aufstand der Bauern. Als im März 1597 der Prior von Gaming nach Scheibbs reiste, wurde er unvorzüglich im Scheibbser Schloss gefangen genommen. Gaming und Lilienfeld wurden geplündert, ebenso Schloss Perwarth und die Burgen Rabenstein und Weißenburg. Als Anfang April das Bauernheer St. Pölten belagerte, wurde es vom „Entsatzheer“ Wenzel Morahksys geschlagen. 3000 Bauern ergaben sich. Sie wurden allesamt grausam hingerichtet (Abbildung siehe hier).

Kapitel 7.

Von einem vergänglichen Prachtbau und diversen Alkoholgeschichten.

Die Baulust der Adeligen ging weiter. Noch einmal sollte ein großartiger Prunkbau á la Schallaburg errichtet werden und das gar nicht mal soweit weg. Wir befinden uns in Hohenegg, wo bereits um 1600 ein Renaissancebau errichtet wurde. 1631 erwarb Familie Montecuccoli die Burg.

Raimondo Montecuccoli, 1609 in Italien geboren, war der bedeutendste seiner Familie. Das hatte einen Grund: Im Jahr 1663 war nach fast fünf Jahrzehnten „Friede“ (dank großer Tributzahlungen) erneut ein Krieg zwischen dem Kaiser und den Osmanen ausgebrochen. Und wie schon 1529 und 1532 waren die Osmanen sehr bald in Ungarn und schon auf dem Weg nach Wien. Bei St. Gotthard- Mogersdorf standen den 50.000 Osmanen plötzlich 25.000 Mann entgegen, die hier ihr Lager hatten. Diese 25.000 Mann war die stolze Kaiserarmee schlechthin sowie einige französische Kontingente. Dreimal dürfen Sie raten, wer diese Armme leitete. Richtig, Montecuccoli!

Es kam zur Schlacht. Und Montecuccoli gewann sie. Als „Sieger von Mogersdorf“ ging er in die Geschichte ein. Und so ein Sieger brauchte ein großes, tolles Schloss. Hohenegg mit seinen neun Türmen, seinen großen Gemächern und seiner architektonischen Schönheit war geradezu ideal. Montecuccoli erweiterte die Herrschaft. Er kaufte noch drei benachbarte Herrschaften (darunter die Osterburg) hinzu.Durch seine Heirat mit Margareta von Dietrichstein kam ihm aber das größte (und für seinen Prunk wichtigste) Vermögen zu. Er errichtete die Vorburg und den siebengeschossigen Glockenturm.

Hohenegg wurde bald als „Perle Österreichs“ bezeichnet, ähnlich wie übrigens Windhaag bei Perg, nicht? Großartig war auch das Innere: Eine riesige Rüstkammer mit Ausrüstung für 600. Mann, 146 Gemälde und ein Weinkeller mit sage-und-schreibe 4000 Eimer Wein, das sind umgerechnet 224 000. Liter!  Kein Wunder, wenn man einerseits vom „Königreich Montecuccoli“ sprach und andrerseits oft sang:

„Hohenegg, du hohes Haus / Nüchtern rein, bsoffen raus“

Nun, irgendwann hatte dieser Prunk ein Ende. Alles begann 1680: Montecuccoli wurde im desolaten Linzer Schloss von einem Balken erschlagen. Ironie des Schicksals: Das Linzer Schloss steht heute noch teilweise, Hohenegg ist Ruine.

Schuld daran ist die Dachsteuer. Die Montecuccolis zogen 1756 ins Schloss Mitterau. Hohenegg wurde zunächst noch benutzt, verlor aber dann seine Bedeutung, ehe man auf die Idee kam, die Dachzigeln zu verkaufen. Ein Käufer war schnell gefunden: Das Stift Melk. Danach wurde die Burg regelrecht ausgplündert. Nur die starken Dachbalken blieben im Schlosshof liegen und vermoderten. Ein Abtransport wäre zu teuer gekommen.

Nach den Türkenkriegen 1683 (die das Mostviertel großteils verwüsteten), brachten die Reformen des 18. Jahrhunderts viele Neuerungen. Viele Klöster wurden aufgelassen, darunter die große Kartause Gaming und Stift Ardagger. Die Besitze wurden verteilt, einige Klöster verschwanden fast. Auch so manche Kirche wurde aufgelassen, darunter St. Cäcilia bei Böheimkirchen. Plankenstein hatte wiederum Glück. Da im Schlagerboden keine Kirche war und man laut kaiserlichem Patent nicht länger als eine Stunde zur Kirche gehen durfte, wurde die Burgkapelle um zwei Räume erweitert und eine Pfarre mit Schule (über der Kirche) eingerichtet. Die Freiherren von Tinti, Besitzer von Plankenstein hatten die Burg schon längst der konfortableren Schallaburg vorgezogen, lediglich der Wald blieb interessant. Hinter der Burg wurde um 1900 eine Jägervilla errichtet. Bis heute erzählt man die Geschichte von den betrunkenen Jägern, die nach Schallaburg zurückfuhren. Nur die Pferde hätten den Weg gewusst und die Betrunkenen sangen

Schallaburg und Plankenstein / Alles muss besoffen sein.

Wer hier eine (alkoholische) Verbindung zu Hohenegg sieht, der mag sich nicht irren. Heute ist aus der Jägervilla eine Event- Bühne geworden und es wird wieder gesungen, allerdings harmonischer und künstlerisch hochwertiger. So ändern sich die Zeiten…

Finis.

 

A) Burgen im Mostviertel

Mit Beiträgen und Bildern von Gratia von Schala, Karin Jungmayer, Gerhard Koller und Maximilian Mautner- Markhof

Es steht außer Frage, dass das Mostviertel reich an bekannten und berühmten Burgen und Schlössern ist. In dieser großen Liste sind die bekanntesten, aber auch unbekannte Burgen und Ruinen. Zuletzten werden (für Fachkundige) einige Hausberge vorgestellt, die von Herbert Pöchhacker erforscht wurden:

1) Freyenstein

Von Gratia von Schala

Richtung Amstetten …. bei einem Straßenhang seitwärts, besteht die Möglichkeit des Parkens. Um durch den Wald hinauf zur Ruine zu gelangen, beginnen wir den etwa 10 minütigen Aufstieg bei einer schönen Flussbrücke und gehen leicht steil hinauf wo uns dann diverse Steinbuckeln zu Wege führen. Nach letzten kurzem kräftigen Schrittmarsch befinden wir uns dann auf der Anhöhe wo wir nun das Ruinenreich der Freyenstein besichtigen dürfen. Erstmals sehen wir eine noch präzise bestehende Kammer, welche unsre Neugierde anregt und den Drang des Forschens weiters entflammt. Wer sich nach Rechts weiter begibt, wird einen Brunnen finden, denn man jedoch lieber Distanz halten möchte, und viele kleine Wege wo einer dieser zur Aussicht mit Sitzbank führt. Dort angekommen, wird man mehr als erwartet mit einem traumhaften Ausblick ins Donautal belohnt. Wer es gerne etwas sportlicher haben will, begebe sich auf die andere Seite der Ruine, zu dem nicht ganz leichten Aufstieg zum noch schön vorhanden Bergfried. Weiters kann man noch die übrigen Mauerreste und kleine Plätze die zum ausruhen einladen, finden. Freyenstein wird uns auf alle Fälle als harmonisch und ruhig  in Erinnerung bleiben.   

Die Anlage ist frei zugänglich. 

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/182

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2) Seisenegg

Die ältesten noch sichtbaren Bauteile von Seisenegg stammen aus dem 14. Jahrhundert, erstmals erwähnt wurde die Doppel-Burg aber schon 1267. Schon bald danach gehörte sie zu den Besitzungen des Konrad von Sommerau, der Seisenegg durch  kleinadelige Geschlechter verwalten ließ. Mit Konrads Sturz, 1296, wurde Seisenegg zerstört und ging 1303 an die Wallseer, die ihrerseits die Doppel-Burg besitzmäßig vereinten, wieder aufbauten und  an Kleinadelige weiter gaben. Mit dem Aussterben der Wallseer, 1483, ging Seisenegg an die Grafen von Schaunberg, bald danach an die Lappitz. 1591 erwarb der Bürgerliche Dr. Johann Linsmayer den Besitz. Er wurde später zum Freiherrn von Greifenberg geadelt.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Burganlage schlossartig modernisiert, ohne dass sie den „wehrhaften Burgcharakter“ verlor. Seisenegg war zu dem Zeitpunkt ein bedeutendes Zentrum protestantischer Adelskultur in Niederösterreich.

Seisenegg verblieb bis auf unsere Tage bei den Nachkommen des Franz Reichsfreiherren von Risenfels, der die Burg-Schlossanlage 1664 von den protestantischen Greifenberg erworben hatte. Mit Philipp (* 1860) starb die Familie 1932 im Mannesstamm aus. Eine seiner 4 Töchter war mit dem Schwiegersohn Kaiser Franz Josephs I., Erzherzog Franz Salvator von Österreich verheiratet. Nach einer Periode des Verfalls wurde Seisenegg ab 1992 unter Wiederverwendung originalen Baumaterials aufgebaut. Seisenegg ist Privatbesitz, kann aber für Feierlichkeiten gemietet werden. Auch Führungen sind möglich.

Weitere Infos unter: http://www.seisenegg.at/

  5 Foto von Maximilian Mautner- Markhof

3) Karlsbach

Die Burg wurde erstmals 1160 urkundlich genannt, die Karlsbacher waren Ministeriale der Plainer, dann des Landesfürsten. Bis 1377 ist die Familie nachweisbar, es folgten die Wallseer. Im 15. Jahrhundert wurde die Burg repräsentativ ausgebaut. Mit dem Kauf durch die Starhemberger, 1684/85, verlor die Burg ihre Bedeutung und verfiel. Heutiger Eigentümer ist DI Rupert Hatschek. Die Ruine wurde saniert, sie liegt auf privatem Grund, der Zugang führt auch durch den Hof des bewohnten Schlosses, um eine Besichtigung sollte gefragt werden.

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/395

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4) Ulmerfeld

Unweit von Amstetten liegt in einem wunderschönen Park die Burg Ulmerfeld. Mit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 995 könnte sie als die älteste Burg Österreichs gelten, wäre sie nicht bis 1803 Bestand des Bistums Freising gewesen. Außer dem Bergfried, der eine umfangreiche Waffensammlung beherbergt, ist vor allem die gotische Burgkapelle zu nennen. Ein italienischer Wandergeselle, der die Malerei erlernt hatte und zufällig hier vorbei kam, erklärte sich bereit, die Kapelle künstlerisch zu gestalten. Deshalb hat Ulmerfeld, als eine von wenigen Burgen nördlich der Alpen, eine Kapelle ausgestattet mit Wandfresken im italienischen Stil.

Öffnungszeiten: von Ostern bis 26. Oktober

Sonntag und Feiertag: 14 – 17 Uhr
oder jederzeit nach telefonischer Voranmeldung unter Tel. 07475/54037

Weitere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1278

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5) Gleiß

Gleiß, bereits erstmals 993 urkundlich genannt (!), dürfte Stammsitz der Grafen von Seeburg- Gleiß gewesen sein. Um 1185 gelangte die Herrschaft an Passau, die hier Burgpfleger einsetzten. Ende des 14. jahrhunderts kauften die Wallseer die Burg. Denen folgten unterschiedliche Besitzer, um 1800 verfiel die Burg. Der Zugang zur Ruine ist heute abgesperrt, die Anlage ist somit nicht zugänglich.

Weitere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/380

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6) Konradsheim

Burg Konradsheim war eine Gründung von Graf Konrad von Peilstein, der hier als Vogt der Bischöfe von Freising fungierte. Nach dem Aussterben der Peilsteiner, 1218, war Konradsheim weiterhin Sitz der freisingischen Verwalter, ehe um 1300 die Burg von Waidhofen diese Funktion übernahm. Als 1360 Freising und Herzog Rudolf IV. „Der Stifter“ in Streit gerieten, ließ letzterer kurzerhand die Burg zerstören. Der Bewilligung zum Wiederaufbau wurde keine Folge geleistet, da die in der Zwischenzeit die infrastrukturell ausgebaute Stadt Waidhofen dem abgelegenen Konradsheim schon längst den Rang abgelaufen hatte. Lediglich die Burgkapelle blieb bestehen. Aus ihr entstand die heutige Kirche von Konradsheim. Die Burganlage ist frei zugänglich.

Weitere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/770

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Foto von Gerhard Koller

7) Waidhofen

In Waidhofen dürfte zunächst eine Burg- Kirchen- Anlage gestanden sein, die sich archäologisch nicht wirklich feststellen lässt. Erst im 14. Jahrhundert, unter freisingischer Herrschaft wurde die Burg massiv ausgebaut. Zu dieser Zeit entstand auch der hohe Bergfried. 1803 ging Waidhofen (mostviertlerisch Woadhofa) in private Hände. 1875 erwarb Albert von Rothschild das Schloss und baute es großzügig aus. Nicht so begeistert war Alberts Frau, da sie im Turmkeller Knochenberge fand. Es kam fast zum Ehestreit, eine Betonplatte, die über den Keller überbaut wurde, löste das Problem. Von 1949 bis 2002 eine Schule, ist das Schloss heute ein Museum.

Öffnungszeiten: täglich von 10:00 – 17:00 Uhr.

Nähere Infos unter: http://www.5e-waidhofen.at/

8) Perwarth

Wer von Randegg nach Steinakirchen am Forst fährt (oda vo Stoanakirch’n noch Raundegg), gewahrt auf der linken (oda ebn rechtn) Seite die imposanten Reste des einstigen Schlosses Niederperwarth. Weniger bekannt ist die Ruine Hochperwarth, deren bescheidene Reste hoch über der Schlossruine stehen. Die Burg, im 13. Jahrhundert errichtet, wurde 1412 von den Wallseern zerstört. Bizarr waren die Besitzerverhältnisse, denn die Burg war geteilt. Einen Teil hatten von Anfang an bis ins 16. Jahrhundert die Zinzendorfer inne. 1550 erwarben die Concin einen Teil der Burg und errichteten das Schloss. 1595 wurde das Schloss von den aufständischen Bauern zerstört, aber wieder aufgebaut. Mit der Übernahme durch den kaiserlichen Patrimonialfond wird Niederperwarth der Herrschaft Wieselburg einverleibt und dem Verfall überlassen.

Die Schlossruine ist gesperrt und umzäunt, die Burgruine ist frei zugänglich. 

Nähere Infos zu Hochperwarth unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/418

Nähere Infos Niederperwarth unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/2545

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Burgruine Hochperwarth

9) Reinsberg

Die Burg Reinsberg war zunächst im Besitz eines gleichnamigen Geschlechtes. Adelheid von Reinsberg konnte, wie bereits erwähnt 47. Jahre lang ihre Position behaupten. Nach ihren Tod erbte Christan von Lengenbach die Burg. Noch im 14. Jahrhundert sind die Wallseer und dann die Zelkinger auf Reinsberg. Um 1499 gelangt Reinsberg an die Zinzendorfer, 1532/34 an die Oedt und 1602 an Wolf Niklas von Grienthal. 1687 folgten die Auersperg und die 1834 der k.k. Patrimonialfond. Die Burg verfiel im 18/19. Jahrhundert. 1997 wurde sie von der Gemeinde Reinsberg gekauft. Heute ist die Ruine saniert und ein kulturelles Zentrum mit Opernaufführungen und diversen Konzerten. Die Burg ist frei zugänglich. 

Nähere Infos unter http://www.burgarena.reinsberg.at/  

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10) Scheibbs

Das Scheibbser Schloss, 1150/60 erstmals genannt (wobei unklar bleibt, ob die Burg Scheibbs damals schon hier stand!), ging 1338 an die Kartause Gaming und wurde zum Verwaltungssitz der Gaminger in Scheibbs. Nach der Aufhebung der Kartause ging das Schloss in privaten Besitz über und wurde im 19. Jahrhundert teilweise baulich verändert (Torfront). Heute ist das Schloss Eigentum des Landes Niederösterreich und Sitz der Bezirkshauptmannschaft, des Bezirksschulrats und des Bezirksgerichts.

Das Innere des  Schlosses ist daher nicht zu besichtigen, ehr wohl aber während der Amtszeiten der Hof.

Weitere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1069

11) Rabenstein

Die Burg Rabenstein wurde 1136 erstmals urkundlich erwähnt. Ihre ersten Besitzer waren die Rabensteiner, die 1327 ausstarben. Rabenstein wurde danach landesfürstliche Burg und von Pflegern verwaltet oder verpfändet. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts kam die Burg an diverse Adelige und wechselte öfters den Besitzer. Nachdem die Burg erfolgreich gegen die Osmanen verteidigt werden konnte, wurde sie dem Verfall überlassen. Seit 1989 wird die Burg von einem örtlichen Verein mustergültig saniert.  Die Ruine ist frei zugänglich.

Weitere Infos unter http://www.rabenstein.gv.at/Burg-Ruine_Rabenstein_2

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12) Waasen 

Als ich im Februar 2014 die Ruine Waasen besuchte, notierte ich:

Wie es einem Urwaldforscher geht,

so ist es mir nunmehr ergangen

Nur dass Waasen nicht im Urwald steht

Man kann es dann doch leichter erlangen

Nun, mehr brauche ich über den Erhaltungszustand dieser Ruine nicht sagen, oder? Tatsächlich ist Waasen heute ein Torso von Waasen um 1650. Nicht weniger als neun Türme zählte diese Burg. Immerhin ist sie frei zugänglich.

Weitere Infos unter http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=1641

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13) Kirnberg

Kirnberg ist schon ab den 1120ern urkundlich genannt. Hier saßen bedeutende sieghardingische Ministeriale, die mit den Plankenstein zumindest verwandtschaftlich verbunden waren. Die Plankensteiner beerbten im Spätmittelalter auch die Kirnberger.

Der lange Hanns von Plankenstein gründet kurz vor seinem Tod, 1483, ein Kollegiatsstift. 1611/13 inkorporiert Melchior Khlesel die Dechantei Kirnberg der Dompropstei St. Stephan zu Wien. 1759–1816 ist hier ein Kloster der Hieronymiten eingerichtet. Der Pfarrhof vermittelt noch heute einen wehrhaften Eindruck.

Die Kirche (mit Grabplatte der Plankensteiner) und die Außenbereiche sind frei zugänglich.

Weitere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/748

14) Plankenstein

Burg Plankenstein wurde erstmals um 1165 urkundlich erwähnt und dürfte damals bereits eine Residenz der Sieghardinger gewesen sein. Die Plankensteiner, zunächst Dienstleute der Sieghardinger, sind ab 1221 Ministeriale der Babenberger und hatten genug Macht und Einfluss, dass sie um 1250 eine neue Burg errichteten (die ältere lag nördlich der heutigen, die letzten Mauern sind aber erhalten!). Im 15. Jahrhundert stiegen die Plankensteiner zum Hochadel auf, 1483 starben sie aus. Es folgten die Rauber (Errichtung des Arkadenhofs), die Mallenthein (protestantische Fresken in der Burgkirche), die Kunitz (deren steinerne Löwen noch heute den Hof schmücken) und ab 1712 die Tinti, die noch im 18. Jahrhundert die Burg zu Gunsten der luxoriöseren Schallaburg aufgaben. In der Burg wurde eine Pfarre mit Schule eingerichtet, die erst nach dem 2. Weltkrieg auszog. Danach wurde die Burg dem Verfall preisgegeben, ehe sie der Wiener Architekt Peter Trimbacher ab 1975 mustergültig wieder aufbaute und der Öffentlichkeit zugänglich machte. Seit 2010 ist Plankenstein im Besitz von Erich Podstatny. Die Burg ist heute ein Hotel mit Burgtaverne.

Es finden laufend Veranstaltungen statt.

Nähere Infos unter http://www.burgplankenstein.at/de/

 

15) Peilstein

Von Gratia von Schala

Umhüllt von Harmonie und Stille…

Wir beginnen unsere Reise in Sankt Leonhard am Forst und fahren dann nach Gassen, einer kleinen feinen Ortschaft wo sich ein schönes, geheimes Plätzchen für Ruhesuchende oder Historiker befindet. Bei einer Waldstraße hindurch kommen wir zu einer Mühle namens „Thalmühle“ wo auch mein Großvater schon gearbeitet hatte. Rechts daneben beginnt ein Waldstück, jenes welches zum sagenhaften Hiesberg gehört, und ganz oben versteckt findet man nach einem kurzen Aufstieg durch Sträucher und Wiesen ein halbkreisförmiges Steingebilde. Dieses sehr harmonisch wirkende, ruinöse Gemach, war einst eine Wehrburg welche unter dem Namen Peilstein bekannt war. Dies war der Sitz der Grafen von Peilstein, ein mächtiges und nicht ganz unbekanntes Adelsgeschlecht.

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Die Anlage ist frei zugänglich. 

Nähere Infos unter http://www.taterman.at/ruine-peilstein-umhuellt-von-harmonie-und-stille/ http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/952

16) Zelking

Die Burg Zelking war Stammsitz der nicht unbedeutenden Herren von Zelking, die auch im Besitz der Schallaburg waren und erst 1634 ausstarben. Die stattliche Anlage dürfte ein Jahrhundert später verfallen sein. Die Geschichte diese Anlage war also immer eng mit den Zelkingern verbunden, wobei die Geschichtsforschung ihren Fokus meist auf das Geschlecht an sich legte, weniger auf die Burg selbst.

Zelking ist heute wie ein hohler Zahn. Von der Innenbebauung ist heute nichts mehr erhalten, weswegen nur Vermutungen gemacht werden kann, wie es dereinst hier ausgesehen haben könnte…

Die Anlage ist frei zugänglich. 

Nähere Infos unter http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1394

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17) Schallaburg

Die Schallaburg ist die bekannste Burg- Schlossanlage des Mostviertels. Das liegt am berühmten Renaissance- Hof , an den jährlich wechselnden Ausstellungen und an der malerischen Lage, unweit von Melk. Der Turm der Schallaburg ist das Logo und vertritt stellvertretend den alten Bergfried der Burg. Neben dem Turm liegen die Ruinen der alten Burg, vor allem des Festen Hauses aus dem Hochmittelalter. Jüngst wurden neben der Kapelle archäologische Grabungen durchgeführt, die neue Ergebnisse hervor brachten. Die Residenz der Sieghardinger wurde im 13. Jahrhundert von den Zelkingern übernommen, es folgten 1456 die Losenseiner, unter denen neben der alten Burg ein respektables Renaissanceschloss entstand. Bekannt ist in diesem Zusammenhang auch die Sage vom Hundefräulein, deren Kopf man bei den Tarrakottafiguren sehen kann. Bis 1940 im Besitz der Freiherren von Tinti, wird das Schloss in der Russenzeit und danach zerstört, erst ab 1965 erfolgte eine Generalsanierung. Seitdem ist die Schallaburg ein Ausstellungsort.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr // Samstag, Sonn- und Feiertag 9 bis 18 Uhr

Nähere Infos unter: http://www.schallaburg.at/de/

 

18) Sichtenberg

Die Ruine Sichtenberg, 1147 erstmals urkundlich genannt, befindet sich zwischen Sooß und Schollach. Ein direkter Weg zur Ruine konnte bis dato nicht gefunden werden, aber was solls. Sichtenberg, die kleine Schwester der Schallaburg, wurde um 1600, als die Schallaburg ihre Renaissance- Blüte erfuhr, zur Ruine. Neben dem mächtigen Bergfried ist der (einsturzgefährdete) Fensterbogen zu bestaunen, der an blattlosen Wintertagen ins Donautal blickt…

Die Anlage ist frei zugänglich. 

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1112

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19) Albrechtsberg

Burg Albrechtsberg besteht aus einem turmartigen Festen Haus aus dem 12. Jahrhundert sowie baulichen Erweiterungen aus dem Spätmittelalter und der Neuzeit. Die dadurch imposante Anlage war zunächst im Besitz der Edelfreien von Perg, später der Grafen vo Plain und der Grafen von Schaunberg. Von 1406 bis um 1600 ist sie im Besitz der Enenkel, 1620 wird Albrechtsberg von kaiserlichen Truppen in Brand gesteckt, aber wieder aufgebaut. Die Burg ist heute im Besitz der Familie Weinberger und bei Veranstaltungen zu besichtigen.

Nähere Infos unter http://www.schloss-albrechtsberg.org/

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Foto von Gratia von Schala.

20) Osterburg

Die Osterburg war einst Sitz der Grafen von Peilstein, ehe diese hier 1218 ausstarben. Bekannte Besitzer waren danach die Tursen von Tiernstein und die Geyer von Osterburg. 1668 kaufte Graf Montecuccoli auch diese Burg und schloss die Herrschaft seinem „Königreich“ an. Ab dem 18. Jahrhundert verfiel die Anlage. Durch die Burg führt heute eine Straße zum höher gelegenen (!) Meierhof. Den runde Bergfried sieht man aus dem Gebüsch heraus ragen. Das Hochschloss mit Palas ist heute Privatbesitz und nicht zu besichtigen.

Weitere Infos auf http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=1392

 

21) Hohenegg

,,Die barocke Welt des späten 17. Jahrhunderts erscheint angesichts dieser Ruinen wie ein tänzerisches Interludium zwischen dem Ernst des Mittelalters und der Nüchternheit der Gegenwart’’ (Heinz Gerstinger)

Was Fürst Paul Esterházy für Forchtenstein war, ist Raimund Montecuccoli für Hohenegg gewesen. Der Sieger von Mogersdorf (1664) errichtete hier ein barockes Gegenstück zur nah gelegenen Schallaburg. Im Gegensatz zu dieser traf Hohenegg das Schicksal der Dachsteuer Kaiser Josefs II., welche das Gemäuer zur Ruine werden ließ. Den mächtigen Gesamteindruck konnte sich die Anlage jedoch bis heute bewahren.

Öffnungszeiten: 1. Mai – Oktober, 6-22. Uhr

Weitere Infos unter http://www.montecuccoli.at/burg_hohenegg.htm

 

22) Wolfstein

Burg Wolfstein war ein bayrisches Lehen und hatte eine eigene Gerichtsbarkeit. Bis 1355 im Besitz der Kuenringer, erbten auch hier die Maissauer den Besitz, dann 1430 die Tursen von Tierstein, später die Geyer von Osterburg. Nach den protestantischen Starhembergern übernimmt 1620 das Stift Göttweig die Burg, die ab da verfällt. In den letzten Jahrzehnten wurde die Ruine mustergültig saniert. Sie befindet sich im Privatbesitz.

Weitere Infos unter http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=1505

23) Aggstein

Die Geschichte der Burg Aggstein ist geprägt von aufständischen Besitzern und diversen Kleinkriegen, in deren Zuge die Feste oftmals zerstört wurde. So will bzw. wollte es uns zumindest die Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts darstellen. Die Realität sieht anders aus. Die Burg wurde erst 1256 urkundlich genannt, die Ereignisse von 1231 wurden erst um 1320 aufgezeichnet und die Konflikte des 15. Jahrhunderts entsprechen dem damaligen Zeitgeist. Besteht Aggsteins Geschichte daher nur aus einer Kette unglücklicher Ereignisse? Das werden wir wohl nie ganz heraus kriegen. Auf jeden Fall gab es die Burg nach Schreckenwalds Abgang, 1463, noch etwa 200. Jahre, ehe der Zeitgeist das Interesse an ihr verlor. Seit dem 19. Jahrhundert ist Aggstein eine touristische Attraktion mit vielen Besuchern und ein Postkartenmotiv, vielleicht sogar das bekannteste von ganz Österreich.

Öffnungszeiten:

17.März – Mai: täglich 09:00 – 18:00 Uhr  // Juni – August: täglich 09:00 – 19:00 Uhr // September – Oktober: täglich 09:00 – 18:00 Uhr

Weitere Informationen unter http://www.ruineaggstein.at/

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24) Niederaggstein

Unterhalb der Ruine Aggstein liegen die letzten Reste der kleinen Anlage Niederaggstein. Der Fußweg vom Dorf zur Ruine Aggstein führt durch diese kleine Anlage, allerdings wird man es kaum merken. Sie besteht aus einem rechtwinkligen Mauerwerk und einem Rundbau, dessen Funktion bis heute nicht ganz klar ist. Es ist anzunehmen, dass Niederaggstein keine eigene Burg, sondern ein Vorwerk zur Aggstein war. Dagegen spricht auch nicht die urkundliche Erwähnung von 1447, die lediglich den Namen nennt. Bemerkenswert ist, dass Niederaggstein 1511 im Aggstein- Holzschnitt (St. Georg) von Altdorfer vorkommt. Die Anlage ist frei zugänglich. 

Nähere Infos unter http://www.taterman.at/ruine-niederaggstein-aggsteins-kleine-schwester/

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25) Göttweig

Eine Burg im Stift?

Im Stiftskomplex von Göttweig befinden sich tatsächlich die Reste einer viertürmigen Anlage, die das Wachpersonal für das Stift beherbergt haben dürfte. Von diesem Bauwerk haben sich zwei der vier runden Ecktürme erhalten. Unweit der Burg steht die Ehrentrudis- Kapelle aus dem 13. Jahrhundert. Die Burg beherbergt die Graphische Sammlung und wird als Außenstelle der Donauuni Krems benutzt. Burg Göttweig kann daher nur von außen besichtigt werden.

Weitere Infos unter http://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=1540

 

26) Raipoltenbach

Wer heute die Ruine Raipoltenbach besucht, muss den örtlichen Sportplatz aufsuchen, der von drei runden Türmen begrenzt wird. Das sind die letzten Reste der kleinen Wasserburg, die im Spätmittelalter entstanden ist. 1683 wurde das kleine Schloß von türkischen Streifscharen verwüstet, der endgültige Verfall wurde aber angeblich durch kaiserliche Soldaten ausgelöst, die hier ein Räubernest erstürmten. Ab da war Raipoltenbach eine Ruine, 1931 wurde die Anlage beziehungsweise das, was übrig blieb, an den örtlichen Gastwirt verkauft, die Anlage wird seither öffentlich genutzt. Sie ist frei zugänglich.

Weitere Infos unter http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=109

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27) Hochstaff

Die Hochstaffer waren ein schwäbisches Rittergeschlecht 8nicht verwandt mit die Hohenstaufer!), das in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erstmals auftaucht. Zunächst waren sie Ministeriale des steirischen Herzogs, dann der Babenberger. Da gab es allerdings Probleme, sodass Herzog Leopold VI. die Stammburg dem neu gegründeten Kloster Lilienfeld schenkte. Nachdem diese Dynastie 1209 ihre Stammburg dem Stift Lilienfeld abtreten musste, nannten sie sich auch nach anderen Sitzen, wie etwa Altenburg bei Traisen. Erst 1258 kam es zu einem Vergleich mit dem Stift, dem eine rapide Verkaufswelle in den folgenden Jahren folgte. Der Zugang ist ganzjährig möglich.

Eine Beschreibung gibt es auf ruine.at! Siehe dazu Niederösterreich / Bezirk Lilienfeld / Staff.

28) Hohenberg

Ruine Hohenberg im Trtaisental wird erstmals 1177 urkundlich genannt. Die Hohenberger waren nahe Verwandte der Hochstaffer, sie konnten sich allerdings aus den Streitigkeiten zwischen Hochstaffern und Stift Lilienfeld heraus halten. 1482  wurde die Burg vergeblich von Kaiser Friedrich III. belagert, nachdem sich Johann III. von Hohenberg auf die Seite von Matthias Corvinus gestellt hatte. 1529 starben die Hohenberger aus, 1589 kam die Burg an die Jörger, die bekanntlich Protestanten waren. 1620 eroberten die kaiserlichen Truppen unter dem Befehl von Hans Balthasar Hoyos die Burg, Hoyos erhielt die Burg, überließ sie aber dem Verfall. Seither ist Hohenberg eien Ruine. Die Anlage ist frei zugänglich.

Weitere Infos unter http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=814

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B) Hausberge (nach Pöchhacker)

29) Schönegg

Schönegg war ein Regensburger Lehen und war ab 1260, wo die Burg erstmals genannt wurde, im Besitz der Zelkinger. Von 1293 bis 1498 residierten hier die Zelkinger von Schönegg. Nach ihren Aussterben ging die Burg durch verschiedene Hände. 1527 war sie bereits verfallen. Der mächtige Hausberg ist ca. 35 x 45 m groß und bis zu 12 m hoch. Der Hausberg ist frei zugänglich.

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1088

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30) Randegg

In Randegg standen früher zwei Anlagen. Beim Unterhof steht der so genannte Tabor, ein markantes und weithin sichtbares Erdwerk. Nordöstlich davon liegt im Wald, über der Straße von Randegg nach Schliefau ein weiteres Erdwerk mit Mauerresten. Diese „Ruine“ dürfte der Hauptsitz der Randegger gewesen sein. In den Quellen ist ab 1289 von einer „purch“ und dem „haus“ die Rede. 1412 wurde Randegg zerstört und war fortan verfallen. Aus dem Jahr 1701 ist eine Ansicht mit Ruine und Tabor erhalten. Beide Anlagen sind frei zugänglich.

Nähere Infos zur Ruine unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1008

Nähere Infos zum Tabor unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1009 

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31) Hausegg

Die Burg Hausegg bei Gresten wird erstmals 1142 urkundlich genannt. Die Hausegger waren anscheinend recht streitlustig und gerieten sogar mit dem Papst in Berührung: 1222 musste Honrius III. einen Streit zwischen den Hauseggern und dem Stift Seitenstetten schlichten, die selbe Prozedur folgte 1233 unter Gregor IX. 1280 schlichtete noch einmal König Rudolf I. einen Streit zwischen dem Stift und den Hauseggern. 1305 starben sie aus, damit begannen aber schon die nächsten Streitigkeiten, dieses Mal (naturgemäß) zwischen den Erben, sodass ein Teilungsvertrag entstand. Unterhalb von Oberhausegg wurde nun Unterhaus gegründet, das heutige Schloss Stiebar. Oberhausegg verfiel und war laut Besichten von 1588 und 1612 nur mehr eine Ruine. 1854 entstand auf dem Burgareal eine kleine Kapelle. Der Burgberg wird heute traditionell „Oberhauskogel“ genannt. Der Hausberg ist frei zugänglich.

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/901

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32) Frankenstein

Falls Sie sich schon immer gefragt haben, ob es eine Burg Frankenstein gibt oder gab, habe ich jetzt die Antwort: Ja. Ob Sie diese Anlage wirklich sehen wollen, ist aber eher unwahrscheinlich. Frankenstein bestand (laut Quellen) im 14. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert waren aber noch Reste zu sehen. Heute zeugte von der Burg nur noch der 4m tiefe Brunnenschacht am Burghügel. Der Hausberg ist frei zugänglich. 

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/377

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34) Jeßnitz

Die Herren von Jeßnitz werden ab 1270 urkundlich genannt. Sie residierten allerdings nicht immer auf ihrer Höhenburg, sondern auch im Tal. Um 1360 verkauften sie ihren Besitz an die Kartause Gaming. Die Burg wurde abgebrochen und verschwand. Herbert Pöchhacker fertigte zu Jeßnitz einen sehr interessanten Plan an, der die Anlage rekonstruieren sollte. Nun, wer heute am Burghügel steht, wird kaum Pöchhackers Plan nachvollziehen können. Der Hausberg ist frei zugänglich.

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/714

33) Schwabegg

Die Burg Schwabegg dürfte mit der bislang nicht lokalisierten Burg Texing ident sein, die bereits im Jahr 1200 erwähnt wird. Interessant ist, dass sich 1227 im Gefolge der Texinger Schwaber befanden, die womöglich der Burg ihren namen gaben. Nach 1227 ging die Burg an die Sooßer. 1297 wird ein Dietrich von „Swobsek“ genannt. 1367 verkaufen die Sooßer ihren Besitz, darunter auch die bereits verfallene Burg Schwabegg. Von der Anlage, die in einem mystischen Tuffstein- Hain steht, hat sich nur ein winziger Mauerrest erhalten, der leider in den letzten Jahren ebenfalls nahezu verschwand. Der Burgstall ist zur Hälfte eingezäunt und somit nur erschwert begehbar.

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/120

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Situation 2012 (links)                             und                           2015 (rechts)

34) Ofenbach

Die mächtige Burg Ofenbach lag nordwestlich von Oberndorf an der Melk in der Rotte Schachau. Das dreieckige Erdwerk zeigt noch heute, dass diese Burg keineswegs klein und somit unbedeutend gewesen sein muss. Die Burg wird erstmals 1212 genannt und gehörte ab 1291 den Toplern von Weichselbach. In dieser Zeit wurden Burg und Herrschaft bizarr geteilt, sodass die Anlage selbst verfiel und 1379 bereits eine Ruine war. Der Hausberg ist frei zugänglich.

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/207

35) Schadenscholl

Oberhalb des Rogatzboden (bei Scheibbs) befindet sich beim Schadenbauer     eine mächtige Hausberganlage. Die opulente Lage am Felsabsturz sowie die großen Wälle deuten auf eine bedeutende Anlage. Leider sind weder ihr originaler Name noch archäologische Hinweise bekannt, die das Alter verraten, sodass zwischen Hallstattzeit und Spätmittelalter alles möglich ist. Der Hausberg ist frei zugänglich.

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/273

36) Scheuernberg

Die Burg Scheuernberg lag westlich von Scheibbs im so genannten Lueggraben. So abgelegen der Platz heute wirkt, so mächtig muss diese Burg gewesen sein. Davon zeugt der überraschend hohe Burghügel, der vom Hinterland bis heute durch einen tiefen Graben getrennt ist. Die Geschichte der Scheuernberger ist komisch und daher noch einmal zu überarbeiten. Fakt ist, dass Scheuernberg 1345 an Gaming kam und abgetragen wurde. Der Hausberg ist frei zugänglich. 

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1075

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Die letzten Reste der Burg Scheuernberg.

37) Liebegg

Burg Liebegg wurde 1265 erstmals urkundkich erwähnt. Schon bald kam es zu einer Übernahme durch die Scheuernberger, denen 1312 die Plankensteiner folgten. Otto IV. von Plankenstein befand sich im Gefolge König Friedrichs des Schönen von Österreich, als dieser am 28. September 1322 gegen König Ludwig IV, dem Bayer, bei Mühldorf am Inn eine vernichtende Niederlage hinnehmen musste und in Gefangenschaft geriet. Mit ihm geriet auch Otto in Gefangenschaft. Die Plankensteiner sahen sich damit gezwungen, ,,dvrich rehter notdurft rehter vanchnvss und losunge […] leibes auz eisneinen panten“ Güter zu verkaufen, um Otto frei zu kaufen. Sechs Lehen und ein halber Hof (zu Inning) wurden verkauft. 223 Pfund konnten damit erzielt werden. Nach der Teilun von 1339, durch die wir über den Baubefund der Burg  gut Bescheid wissen, wurde Liebegg 1349 an Gaming verkauft und abgetragen. Der gut erhaltene Burghügel ist derzeit leider nur erschwert begehbar!

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/239

38) Wildenstein

Burg Wildenstein hat eine kuriose Geschichte. Errichtet um 1250, dürfte die mächtig wirkende Burg bereits 100. Jahre später aufgegeben worden sein. Nun berichtet aber eine Melker Chronik, dass ausgerechnet König Matthias Corvinus (von Ungarn) um 1480 die Ruine wieder aufbauen ließ. Wie glaubwürdig diese Quelle ist, wird vorerst nicht hinterfragt. Tatsächlich gab es archäologische Funde aus dem späten 15. Jahrhundert. Aber spätestens nach 1500 wurde Wildenstein endgültig aufgegeben. Sehenswert und gefährlich ist der noch erhaltene Burgbrunnen mit seinem etwa 7m tiefen Schacht. Der Hausberg ist frei zugänglich.

Nähere Infos unter http://tarvos.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1343

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B) Klöster im Mostviertel

Das Mostviertel ist ein wahres Klösterland. Die eindrucksvollen Bauwerke füllen heute so manchen Bilderband, besonders Benediktinerstift Melk mit seiner barocken Dominanz ist ein Tourismusmagnet, der aber seit seiner Gründung, 1089 (davor war hier eine Babenbergerresidenz und Babenbergergrablege!), ein religiöses Zentrum bildete und sogar in der Weltliteratur Eingang fand (man denke hierbei an Adson von Melk in „Der Name der Rose“). Die prachtvolle Benediktinerabtei, im frühen 18. Jahrhundert errichtet, dominiert bis heute die Landschaft.

Ähnlich imposant wirkt Benediktinerstift Göttweig (1083 gegründet), dessen barocker Umbau zwar ein Torso blieb, aber durch die opulente Lage am Berg wirkt dieses Torso geradezu wie ein Palast auf einem Berg.

Auch imposant, wenngleich nicht so hoch am Berg ist Benediktinerstift Seitenstetten, der „Vierkanter Gottes“. Seitenstetten, im Oberen Mostviertel gelegen, wird wie kein anderes mit dem eigentlichen Mostviertel assoziiert.

Weniger bombastisch, dafür ruhiger (trotz der Lage neben der S33) und daher etwas harmonischer als so manch anderer Prachtbau, der sich zum Tourismusmagnet erwies, ist Augustiner- Chorherren-Stift Herzogenburg. Das großteils barocke Stift enthält eine wertvolle Sammlung an mittelalterlichen Flügelaltären, die im Rahmen einer Besichtigung betrachtet werden können.

Im Süden liegt mit Stift Lilienfeld ein Zisterzienserstift mit schönen Kreuzgang, Brunnenhaus und imposanter Kirche, die allerdings noch romanische Elemente enthält. Lilienfeld wurde 1209 von Herzog Leopold VI. gegründet, auch ist der Stifter hier beigesetzt, allerdings nicht im barocken Sarg vor dem Hochalter.

Neben den bestehenden Klöstern gibt es auch eine reihe aufgelassener Klosteranlagen. Die größte ehemalige Klosteranlage ist die ehemalige Kartause Gaming, 1330 von Herzog Albrecht II. gegründet. Gaming war bis zu seiner Aufhebund´g durch Kaiser Joseph II. eines der größten Kartäuserklöster Mitteleuropas. Weniger groß, dafür in ein schmales Tal quasi „hineingesteckt“, ist die Kartause Aggsbach, deren gotische Kirche die „schmalste“ Kirche von Österreich ist. Aggsbach wurde um 1380 von den Maissauern gegründet, nach der Aufhebung wurden alle Kartäuserzellen geschliffen.

Auch aufgehoben sind das Stift Ardagger (mostviertlerisch „Ordogga“ mit sehenswerter barocker Stiftskirche) und Säusenstein.

Das älteste Kloster befand sich allerdings in St. Pölten. Schon im 8. Jahrhundert soll hier ein Kloster bestanden haben, 1081 wurde es zum Augustiner- Chorherren-Stift, 1784 erfolgte die Aufhebung. 1785 wurde St. Pölten Bischofssitz, die Stiftskirche zur Domkirche. Damit ist der Dom zu St. Pölten der Dom des Mostviertels.

C) Weitere Sehenswürdigkeiten

Es gäbe da noch einiges zu berichten, was Seiten, ja Bücher füllen würde. Grundsätzlich wissen wir ja bereits, das mostviertel ist groß 😉 und groß ist daher auch seine Bandbreite an Sehenswürdgkeiten. Daher gibt es hier eine rein subjektive Auswahl 😉

Fridau –das Versailles von St. Pölten

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Mittelalterhöhlen

MiDSC03435ttelalterliche Höhlen stammen klarerweise nicht aus dem Mittelalter, sondern sind bedeutend älter. Sie wurden aber im Mittelalter verwendet als Vorratsgelegenheit oder Fluchtmöglichkeit, manchmal sogar als Keller für eine naheligende Burg.Besonders zwischen Erlauf- und Melktal, wo Sandgestein zu finden ist, haben sich einige Höhlen erhalten, die hier dargestellt werden sollen:  http://www.taterman.at/mittelalterhoehlen-im-mostviertel/PD_24_File_002

Wehrkirchen

Unsere taterfrau Karin recherchiert auch über Mostviertler Kirchen, ein erster Beitrag über die kleine Wehrkirche von Ochsenbach gab es bereits im Herbst 2015 (zum Artikel siehe hier). Zu den Wehrkirchen geht es hier.

Empfehlenswerte Literatur

Hubert Bruckner, Mostviertlerisch von Aan bis Zwutschkerl

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