Das Mittelburgenland- 6. Von zwei „Steinbergen“ und zwei weiteren Ruinen

Von Lockenhaus führt unser Weg nun wieder nach Norden, genauer gesagt in die Doppelgemeinde Steinberg- Dörfl. Darunter versteht man die beiden Orte Dörfl und Steinberg, die etwas versteckt am Fuße von zwei Bergen liegen, die durch einen Bach getrennt werden, an welchen die Straße vorbei führt.

Steinberg- Dörfl ist auf den ersten Blick etwas unscheinbar, aber sein klingender Name- zumindest was das „Steinberg“ betrifft, verrät uns, dass hier irgendetwas gestanden sein könnte.

Kommt man von Oberpullendorf so fällt dem Burgenforscher wohl schnell der bewaldete Bergrücken oberhalb von Steinberg auf, dessen westlicher Teil einige „zerrupfte“ Baumwipfel aufweißt (was mich an die Ruine Tyrnau bei Drosendorf erinnert 😉 ), ein für Burgenforscher verdächtiges Indiz, das hier vielleicht etwas steht.

Und tatsächlich: Hier stand eine Burg von „atypischer Form“ (Prickler), die die Talenge in Richtung Süden zu sichern hatte. Heute ist das Gelände wegen seines Baumbestandes unter Naturschutz, am höchsten Punkt steht ein hohes Kreuz. Wir freuen uns, als wir am Burgstall einen kolossalen Steinpilz finden. Der Steinpilz vom Steinberg.

Der Platz wirkt harmonisch, ohne Frage, es ist aber nicht der einzige Burgstall: Wir fahren in den Ort Steinberg, dann rechts zur Kirche und dort die Straße in Richtung Wald. Auf der linken Seite, wo der Burgstall angeblich liegen soll, geht es steil bergauf, wir entscheiden uns, noch weiter nach hinten, zu einer Kapelle zu fahren, und dann von dort wieder nach vorne zum Burgstall zu gehen.

Es regnet wieder, wir aber lassen uns vom Ziel nicht abhalten, kämpfen uns in Indiana-Jones-Manier durchs Gestrüpp und stehen dann vor einem verwachsenen Hügel, der von einem Wall umgeben ist. Er ist heute verwachsen und ungepflegt, wir finden eine alte Waschschüssel, ein Ofentürl sowie einen Kanonenöferl- Ring. Alles Zeugen, wie man noch vor wenigen Jahrzehnten mit der Müllentsorgung umging.

Wir lesen in unserer Literatur, dass auf diesem Hügel eine Burg stand, die- genau so wie ihre Schwester mit dem Steinpilz- in der Güssinger Fehde zerstört wurde. Später errichtete man hier eine Kirche, die dann nach Süden- wo nun die bereits erwähnte Kapelle steht- verlegt wurde. Doch den- vor allem alten- Leuten war der Weg zu mühsam und so verlegte man die Kirche dorthin, wo sie heute steht. Soweit so gut.

Es geht weiter nach Pilgersdorf, wo wir die Reste einer kleinen Kirche (samt Friedhof) erkunden, die 1975 beim Abriss des Schulgebäudes gefunden wurde. Es ist ein besonders bemerkenswerter Bau, denn sie soll angeblich bereits um 844 genannt worden sein und somit eine der ältesten Kirchen Ostösterreichs sein. Bereits um 1200 wurde ein Steinbau (!) errichtet, 1225 wird in einer Urkunde für das Kloster Marienberg eine große Straße genannt, die von „villa Pylgrim“ kommen soll. Der Ort mit seiner- damals bestehenden- Steinkirche muss demnach um 1225 Bekanntheit genossen haben.

1289 wurde die Kirche (!), damals wohl eine Wehrkirche, im Zuge der Güssinger Fehde zerstört. In der so genannten „Continuatio Vindobonensis“ ist der Ort als „zerstört“ angegeben.

Wir resümieren, dass in dieser Gegend demnach einige interessante Bauwerke standen, die 1289 verschwunden sind, in jenem Jahr, als ein großes österreichisches Heer unter der Führung Herzog Albrecht I. einfiel, um dem Treiben Grafen Ivans von Güssing ein Ende zu bereiten. Dieser Feldzug, wir haben ihn bereits bei Lockenhaus besprochen, ist vor allem durch die Steirische Reimchronik und die Texte der oben erwähnten „Continuatio Vindobonensis“ bekannt, es werden aber wohl dann doch nicht alle Orte genannt. Im Falle von Steinberg etwa müssen (!) die Österreicher vorbei gekommen sein, denn der Ort lag strategisch wichtig am Übergang vom Rabnitz- in das Günstal. Auch die Eroberung von Pilgersdorf erscheint logisch und da wir dank der Reimchronik über den zeitlichen Faktor gut informiert sind, können wir annehmen, dass die hier genannten Liegenschaften zwischen der Eroberung von Kobersdorf und von Rechnitz liegen dürften. Gemäß den Bestimmungen des Hainburger Vertrages von 1291 wurden diese Anlagen nicht mehr errichtet und verschwanden damit recht früh von der Bildfläche. Damit sind sie aber wertvolle Zeugnisse jener Zeit.

Übrigens Ruine und Zeugnis. In Dörfl- nächst dem Steinpilz- Burgstall wurde 1592 ein Kastell errichtet. Dieses Kastell, ein kleines Schloss, wurde in den 1960er Jahren großteils zerstört. Interessant war schon der Eingang, der von drei Statuen, darunter einer Marienstatue (wie unter anderem in Eisenstadt, Forchtenstein, Landsee und Kobersdorf) umgeben war. Lange Zeit glaubten wir nicht, dass hier noch etwas stand. Im März 2019 wurde Gerhard Koller aber fündig und konnte erstmals eine Bestandsaufnahme präsentieren. Und so ist neben den beiden Steinbergen in Dörfl auch noch eine Ruine zu finden, die keiner mehr vermutet hätte.

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